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Cihuateteo, Kriegerinnen der Sonne an der Kreuzung der Nacht

Cihuateteo sind Geister der aztekischen Tradition.

Geehrte Kriegerinnen der Geburt, gefürchtet an der Kreuzung. Die Überlieferung beschreibt ihre Erscheinung an der Kreuzung der Nacht. Die Cihuateteo gelten als vergöttlichte Kindbett-Toten der aztekischen Tradition.

GeistAzteken

Inhaltsverzeichnis

Cihuateteo, Geist der aztekischenÜberlieferung
Cihuateteo

Cihuateteo sind die vergöttlichten Geister aztekischer Frauen, die im Kindbett starben, und galten im Aztekenreich zugleich als verehrt und gefürchtet. Weil ihr Tod bei der Geburt als Kampftod verstanden wurde, zogen ihre Seelen in eine ehrenvolle Sonnenregion im Westen und geleiteten dort die Sonne vom Zenit bis zum Untergang.

An festgelegten Kalendertagen kehrten sie jedoch als gefährliche Kreuzungsgeister zur Erde zurück. Sie stiegen an Wegkreuzungen herab, schlugen Kinder mit Lähmung, Krämpfen und Krankheit und verführten Männer zum Ehebruch oder trieben sie in den Wahnsinn. Bernardino de Sahagún beschreibt sie im 16. Jahrhundert im Florentine Codex, im Umfeld der Göttin Cihuacoatl.

Auf einen Blick: Cihuateteo

Typ: Vergöttlichte Geister im Kindbett gestorbener Frauen
Herkunft: Aztekischer Totenglaube um den Tod bei der Geburt
Texte: Florentine Codex des Bernardino de Sahagún, 16. Jahrhundert
Zeitraum: Vorkoloniale aztekische Zeit
Erscheinung: Skelettartige Gestalt mit Krallenhänden

Quellenkontext

Zeitraum der Texte

Aztekisch, vorkolonial: Die Cihuateteo sind im Florentine Codex des Sahagún aus dem 16. Jahrhundert belegt, der die vorkoloniale Überlieferung aufzeichnet.

Verbreitungsraum

Zentralmexiko, das Kernland der Mexica-Kultur. Dort war der Glaube an die Wiederkehr der Cihuateteo an den Wegkreuzungen verbreitet.

Quellenlage

Gut: die Primärquelle des Florentine Codex und erhaltene Steinskulpturen der Cihuateteo in Museen.

Name und Varianten

Nahuatl: Cihuatl bedeutet Frau, teotl Gott oder Göttin: Cihuateteo heißt wörtlich göttliche Frauen. Der Name benennt damit genau den Grenzstatus dieser Geister zwischen Menschenfrau und Göttin.

Erscheinungsbild

Erscheinung

Die Cihuateteo tragen eine tiefe Ambivalenz aus Ehre und Schrecken in sich: Als Sonnengeleiterinnen werden sie verehrt, als nächtliche Kreuzungsdämoninnen gefürchtet. Ihre Ikonografie zeigt ein Skelettgesicht und Krallenhände. Die Wegkreuzung gilt als klassischer Grenz- und Gefahrenort, an dem der Kindbett-Tod ihren Kern bestimmt: Die Mutter, die selbst kein Kind großziehen konnte, bedroht nun fremde Kinder.

Wirkung

An ihren Herabkunftstagen bleibt man den Kreuzungen fern und hält Kinder im Haus, denn die Cihuateteo bringen Lähmung, Krämpfe und Krankheit. Männer verführen sie zum Ehebruch oder treiben sie in den Wahnsinn.

Steckbrief: Cihuateteo

Die wichtigsten Aspekte der Cihuateteo auf einen Blick.

Kulturkontext

Vergöttlichte Frauengeister der aztekischen Mexica-Kultur, verankert im Sahagún-Codex und im Umfeld der Göttin Cihuacoatl.

Bezogen auf

Kinder und Männer, die an den gefährlichen Kalendertagen Wegkreuzungen queren.

Darstellung

Skelettgesicht und Krallenhände, überliefert auch in erhaltenen Steinskulpturen.

Wirkungsbereich

Lähmung, Krämpfe und Krankheit bei Kindern, Ehebruch und Wahnsinn bei Männern.

Kult

Opfergaben an Kreuzungsschreinen und das Meiden der Kreuzungen an den Herabkunftstagen.

Verwandtes

La Llorona, ihre spätere mexikanische Nachfahrin, und die südasiatische Churel als nächste Kindbett-Parallele.

Kriegerinnen der Geburt: Herkunft der Cihuateteo

Frauen, die im Kindbett starben, galten im Aztekenreich als Kriegerinnen, die im Kampf der Geburt gefallen waren. Ihre Seelen zogen deshalb in eine ehrenvolle Sonnenregion im Westen und geleiteten dort die Sonne vom Zenit bis zum Untergang.

An bestimmten Kalendertagen kehrten diese geehrten Toten jedoch als gefährliche Cihuateteo zur Erde zurück. Bernardino de Sahagún belegt sie im 16. Jahrhundert im Florentine Codex; dort stehen sie im Umfeld der Göttin Cihuacoatl. Als vorkolonialer Bestandteil der mexikanischen Geisterüberlieferung gelten sie zudem als Nährboden der späteren Sage um La Llorona.

Museale Präsenz und der Weg zu La Llorona

Die Cihuateteo sind mit ihren erhaltenen Steinskulpturen ein zentrales Thema aztekischer Religion in Museen und in der Forschung. Populär werden sie mitunter als aztekische Vampire und als Urform der La Llorona rezipiert und bilden einen Bezugspunkt in Diskursen um Mutterschaft und Tod.

Religionswissenschaftlich sind die Cihuateteo ein Musterfall des Kindbett-Tod-Komplexes: Im Kindbett gestorbene Frauen werden zugleich verehrt, als Kriegerinnen und Sonnengeleiterinnen, und gefürchtet, als gefährliche Kreuzungsgeister. Sie verbinden die verführerische Todesfrau mit der Kinderbedrohung und einem institutionalisierten Kult und bilden einen wichtigen vorkolonialen Baustein des La-Llorona-Synkretismus. Damit bleiben sie ein Grenzfall zwischen Göttin und Dämonin.

Opfergaben an der Kreuzung: der Kult der Cihuateteo

Quellenfest sind Wegkapellen und Schreine an den Kreuzungen, an denen den Cihuateteo Opfergaben dargebracht wurden, um sie zu besänftigen, dazu die Regel, Kinder an den Herabkunftstagen im Haus zu halten. Es ist das quellenstärkste Schutzsystem der Cihuateteo, ein institutionalisierter Kult mit Opfergaben und Meidungsregeln, der sich direkt aus Sahagún ableiten lässt. Räuchern und Opfergaben an den Kreuzungsschreinen gehörten zum Kult, ein Amulett galt Kindern an den gefährlichen Tagen als getragenes Schutzzeichen, und geweihtes Weihwasser trat später als christliches Zeichen im Umgang mit den Geistern hinzu.

Weitere Kindbett-Geister und die Linie zu La Llorona

Die Cihuateteo sind mit anderen im Kindbett gestorbenen Frauengeistern verwandt: der malaiischen Langsuir und der ebenfalls malaiischen Pontianak sowie der südasiatischen Churel, die alle aus dem Tod im Kindbett hervorgehen. In der Klagelinie steht ihnen die japanische Ubume nahe. Als vorkolonialer Nährboden der Sage um La Llorona reichen die Cihuateteo zudem bis in die mexikanische Gegenwart.

Häufige Fragen zu den Cihuateteo

Sind die Cihuateteo Göttinnen oder Dämoninnen?

Beides zugleich: Als Sonnengeleiterinnen wurden sie verehrt, als nächtliche Kreuzungsgeister gefürchtet. Sie bilden damit einen echten Grenzfall zwischen Göttin und Dämonin.

Wann sind die Cihuateteo gefährlich?

An festgelegten Kalendertagen, an denen sie zu den Wegkreuzungen herabsteigen. Außerhalb dieser Tage galten sie nicht als bedrohlich.

Wie schützte man Kinder vor den Cihuateteo?

Indem man sie an diesen Tagen im Haus hielt und an den Kreuzungsschreinen Opfergaben darbrachte, um die Geister zu besänftigen.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Sahagún, Bernardino de: Historia general de las cosas de Nueva España. Florentine Codex, 16. Jahrhundert.
  • Fordham University: Cihuateotl, The Deified Woman. New York, museale Darstellung.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als vergöttlichte Kindbett-Tote bleiben die Cihuateteo aztekische Geisterfrauen zwischen zwei Welten: geehrt als Sonnenkriegerinnen, gefürchtet als Kreuzungsgeister, die an ihren Tagen Kinder und Männer bedrohen.

Einordnung & Schutz

IVSTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe IV zu – Schwere Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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