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Doppelsauger und die Zehrschuld des zweimal gestillten Kindes

Doppelsauger ist Dämon der germanischen Überlieferung.

Ein totes Kind benagt die eigene Brust und zehrt Verwandte aus. Der Steckbrief ordnet die Zehrschuld des zweimal gestillten Kindes ein.

Inhaltsverzeichnis

Doppelsauger, Dämon der germanischen Überlieferung
Doppelsauger

Der Doppelsauger ist ein zehrender Untoter der wendisch-norddeutschen Überlieferung und steht eng verwandt neben dem Nachzehrer. Er geht auf ein Kind zurück, das nach dem Abstillen ein zweites Mal an der Mutterbrust saugte, ein Verhalten, das im Volksglauben als Vorzeichen künftigen Unheils galt.

Stirbt dieses Kind, frisst es im Grab zunächst sein eigenes Brustfleisch und zehrt anschließend aus der Ferne einen lebenden Verwandten aus, der rasch abmagert und stirbt. Der Glaube ist bei den Wenden um Hannover überliefert und im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens erfasst; als kindliche Sonderform fällt der Doppelsauger, wie der Nachzehrer, unter den Oberbegriff Wiedergänger.

Im Überblick: Doppelsauger

Typ: Zehrender Untoter, kindliche Sonderform des Nachzehrers
Herkunft: Wendisch-norddeutscher Volksglaube um das zweite Stillen als Vorzeichen
Texte: schmal, im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens erfasst
Zeitraum: neuzeitlicher Volksglaube
Erscheinung: kindlicher Wiedergänger, der im Grab das eigene Brustfleisch benagt

Überlieferungskontext

Zeitraum der Texte

Neuzeitlicher Volksglaube: Der Doppelsauger ist im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens erfasst und damit lexikalisch gesichert.

Verbreitungsraum

Norddeutschland, vor allem die Umgebung Hannovers und das Wendland; in der Rezeption werden auch Österreich und Bayern genannt.

Quellenlage

Schmal: Der Doppelsauger ist vor allem als enger Verwandter des Nachzehrers bezeugt, mit eigenständigen Quellen ist kaum zu rechnen.

Name und Varianten

Deutsch: Der Name bedeutet der zweimal Saugende, nach einem Kind, das nach dem Abstillen ein zweites Mal an der Brust saugte. Regional ist auch die Schreibweise Doppelsüger gebräuchlich. Der Glaube ist bei den Wenden, den Westslawen um Hannover, überliefert.

Erscheinung und Verhalten

Erscheinung

Der Doppelsauger ist ein kindlicher Untoter. Das autophage Motiv, der Verzehr des eigenen Brustfleisches im Grab, verbindet ihn eng mit dem Nachzehrer. Symbolisch steht er für die Übertragung einer Zehrschuld zwischen den Generationen, vom toten Kind auf die lebenden Verwandten.

Wirkung

Im Grab frisst der Doppelsauger zunächst sein eigenes Brustfleisch und zehrt anschließend aus der Ferne einen Verwandten aus, der rasch abmagert und stirbt. Die Wirkung gleicht der des Nachzehrers, ist aber auf die eigene Familie gerichtet.

Steckbrief: Doppelsauger

Die wichtigsten Aspekte des zehrenden Kindergeistes auf einen Blick.

Kulturkontext

Wendisch-norddeutscher Sonderfall des zehrenden Wiedergängers, im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens verzeichnet.

Bezogen auf

Die eigene lebende Familie: Der Doppelsauger zehrt gezielt einen Verwandten aus der Ferne aus.

Darstellung

Kindlicher Leichnam im Grab, erkennbar am benagten eigenen Brustfleisch.

Wirkungsbereich

Tödliche Fernauszehrung eines einzelnen Verwandten, der rasch abmagert und stirbt.

Abwehrformen

Münze und Brett gegen das Kauen, Spatenschlag in den Nacken zur endgültigen Vernichtung.

Verwandtes

Der Nachzehrer als nächster Verwandter, dazu der Wiedergänger als Oberbegriff.

Das zweite Stillen als Vorzeichen des Unheils

Der Name Doppelsauger bedeutet der zweimal Saugende: Er geht auf ein Kind zurück, das nach dem Abstillen ein zweites Mal an der Mutterbrust saugte, ein Verhalten, das im wendisch-norddeutschen Volksglauben als Vorzeichen künftigen Unheils galt. Der Glaube ist bei den Wenden, den Westslawen um Hannover, überliefert und im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens erfasst.

Stirbt das Kind, wird es im Grab zum Doppelsauger: Es benagt zunächst das eigene Brustfleisch und zehrt anschließend aus der Ferne einen lebenden Verwandten aus. Damit ist der Doppelsauger ein direkter, kindlicher Verwandter des Nachzehrers, dessen autophages Kernmotiv, das Benagen des eigenen Körpers im Grab, er teilt.

Vom Volksglauben zur Vampir-Enzyklopädie

In der englischsprachigen Folklore-Literatur wurde der Doppelsauger als einer der grotesksten Vampire popularisiert und wird regelmäßig in Vampir-Enzyklopädien genannt. Ein eigenständiges modernes Nachleben hat er dagegen kaum.

Religionswissenschaftlich ist der Doppelsauger eine regionale, slawisch geprägte Sonderform des zehrenden Wiedergängers und ein Beispiel für die Verknüpfung von Bestattungsritual, Kinderfurcht und Seuchenerklärung im norddeutsch-wendischen Raum.

Münze, Brett und der Schlag mit dem Spaten

Quellenfest sind mehrere Riten gegen den Doppelsauger: Man legte dem Leichnam eine Münze zwischen die Zähne und ein halbkreisförmiges Brett unter das Kinn, damit der Mund die eigene Brust nicht mehr erreichen konnte, und achtete darauf, dass die Grabkleidung die Lippen nicht berührte. Zur endgültigen Vernichtung diente ein Schlag mit dem Spaten in den Nacken des Leichnams. Im wendisch-norddeutschen Umfeld galt daneben Knoblauch als Mittel gegen den saugenden Untoten, kaltes Eisen als Schutz vor dem Wiedergänger, und ein Schwellenschutz an Tür und Kammer sollte die bedrohten Angehörigen zusätzlich schützen.

Doppelsauger im Kreis der zehrenden Toten

Der Doppelsauger steht dem Nachzehrer so nahe wie kein anderes Wesen: Beide sind autophage, aus dem Grab zehrende Untote, doch der Doppelsauger geht spezifisch auf das zweimalige Saugen des Kindes zurück. Wie der Nachzehrer fällt er unter den Oberbegriff Wiedergänger. Im weiteren Umfeld steht ihm der Blutsauger Strigoi nahe, der ebenfalls Blut und Lebenskraft der eigenen Familie raubt.

Häufige Fragen zum Doppelsauger

Wie entsteht ein Doppelsauger?

Aus einem Kind, das nach dem Abstillen erneut an der Mutterbrust saugte und dann starb.

Wie wird er unschädlich gemacht?

Traditionell durch einen Spatenschlag in den Nacken, dazu durch das Verhindern des Kauens mit Münze und Brett.

Wie verhält er sich zum Nachzehrer?

Sehr eng: Beide sind autophage, aus dem Grab zehrende Untote; der Doppelsauger ist die kindliche, zweimal saugende Sonderform.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Bächtold-Stäubli, Hanns (Hg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1927 bis 1942.
  • Lecouteux, Claude: Die Geschichte der Vampire. Metamorphose eines Mythos. Düsseldorf 2001.
  • Bunson, Matthew: The Vampire Encyclopedia. New York 1993.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als wendischer Untoter bleibt der Doppelsauger die kindliche Schwestergestalt des Nachzehrers: ein zweimal gestilltes Kind, das im Tod die eigene Zehrschuld an die Familie weitergibt.

Einordnung & Schutz

IVSTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe IV zu – Schwere Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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