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Apu Coropuna, Ziel der Totenseelen

Apu Coropuna ist Berggott der Quechua-Tradition.

Höchster Vulkan Perus und Totenreich der andinen Überlieferung.

GottQuechua

Inhaltsverzeichnis

Apu Coropuna, der Totenberg der Anden
Apu Coropuna

Apu Coropuna ist mit etwa 6377 Metern der höchste Vulkan Perus und galt als wichtigster Apu des Kontisuyu, des südwestlichen Teils des Inka-Reiches. Zugleich ist er Totenreich- und Jenseitsberg: das Ziel, zu dem die Seelen der Verstorbenen wandern.

Die Chronisten des 16. und 17. Jahrhunderts nannten ihn als hochrangiges Orakel und Heiligtum; am Südwestfuß liegt die bedeutende Inka-Stätte Maucallacta mit Orakel und Residenz.

Im Überblick: Apu Coropuna

Typ: wichtigster Apu des Kontisuyu, Totenreich- und Jenseitsberg
Herkunft: Region Arequipa, Kontisuyu, Südperu
Texte: koloniale Chroniken, moderne Archäologie
Zeitraum: Inkazeit bis Gegenwart
Erscheinung: ausgedehntes, mehrgipfliges Eismassiv, etwa 6377 Meter

Quellenkontext

Zeitraum der Texte

Inkazeitlich verwurzelt, von den Chronisten des 16. und 17. Jahrhunderts beschrieben und seit 1996 archäologisch untersucht.

Verbreitungsraum

Region Arequipa und das Kontisuyu, der Südwesten des Inka-Reiches, dessen Bergwelt Coropuna überragt.

Quellenlage

Gut: Pedro Cieza de León und weitere Chronisten, ein Bild bei Guaman Poma um 1615 sowie die Grabungen der Universität Warschau und der Universidad Católica Santa María.

Name und Varianten

Quechua: Die Herkunft des Namens ist umstritten. Verbreitete, aber unsichere Deutungen verbinden quri, Gold, mit puna, Hochland: die goldene Puna.

Gestalt und Wirken

Erscheinung

Coropuna ist kein einzelner Kegel, sondern ein ausgedehntes, mehrgipfliges Eismassiv, das als wichtigster Apu des Kontisuyu galt.

Wirkung

Nach andiner Überlieferung ist Coropuna das Ziel der Totenseelen, ein großes Dorf der Verstorbenen, teils durch Höhlen zugänglich; auf dem Weg würden die Seelen für ihren Umgang mit Haustieren und Gerät beurteilt. Diese Rolle ist ethnohistorisch und folkloristisch überliefert, kein archäologischer Befund.

Steckbrief: Apu Coropuna

Der Toten- und Orakelberg des Kontisuyu in Kürze.

Tradition

Wichtigster Apu des Kontisuyu; Cieza de León zählte ihn zu den bedeutendsten Heiligtümern des Inka-Reiches.

Bezogen auf

Das Kontisuyu und die Totenseelen: Nach andiner Überlieferung wandern die Verstorbenen zum Coropuna.

Darstellung

Ausgedehntes, mehrgipfliges Eismassiv; ein Bild bei Guaman Poma um 1615 zeigt Opfergaben an Coropuna, ein Kind und Meerschweinchen.

Wirkungsbereich

Orakel, Heiligtum und Jenseitsberg: das große Dorf der Verstorbenen, in dem die Seelen ankommen.

Kult

Orakelkult in Maucallacta, Wallfahrten und überlieferte Capacocha-Gaben; bis heute finden Pago-Rituale statt.

Pendants

Das stumme Totenland Upamarca und die Sonneninsel im Titicacasee als Wallfahrts-Huaca; als Apu der Achachila der Aymara.

Orakel von Maucallacta und Dorf der Toten

Pedro Cieza de León zählte Coropuna zu den bedeutendsten Heiligtümern des Inka-Reiches. Am Südwestfuß liegt Maucallacta, eine wichtige Inka-Stätte mit Orakel und Residenz; ein Bild bei Guaman Poma um 1615 zeigt Opfergaben an den Berg, ein Kind und Meerschweinchen. Der Name selbst ist umstritten, die verbreitete Deutung goldene Puna bleibt unsicher.

Daneben steht die zweite, dunklere Rolle des Berges: Nach andiner Überlieferung ziehen die Seelen der Verstorbenen zum Coropuna, in ein großes Dorf der Toten, das teils durch Höhlen zugänglich sei; unterwegs würden sie danach beurteilt, wie sie mit Haustieren und Gerät umgegangen sind. Diese Vorstellung ist ethnohistorisch und folkloristisch bezeugt, nicht durch Grabungen belegt.

Forschung und Deutung

In der Andenforschung ist Coropuna als Totenberg und Jenseitsberg des Südwestens prominent; die archäologische Erforschung läuft seit 1996 durch die Universität Warschau und die Universidad Católica Santa María. Für Bergsteiger ist er schlicht der höchste Vulkan Perus.

Religionswissenschaftlich ist Apu Coropuna ein Musterbeispiel für den Berg als Jenseits- und Totenreich. Drei Klarstellungen: Die Etymologie goldene Puna ist nicht gesichert. Der Rang als wichtigster Huaca schwankt je nach Chronist. Und die Land-der-Toten-Rolle ist ethnohistorisch überliefert, nicht durch Gräber bewiesen.

Kultformen am Coropuna

Belegt sind der Orakelkult in Maucallacta, Wallfahrten zum Berg und überlieferte Capacocha-Gaben. Der Kult ist damit kein rein rekonstruiertes Bild: Die Chronisten beschreiben ihn, die Grabungen seit 1996 ergänzen den Befund. Und er ist nicht erloschen; bis heute werden am Coropuna Pago-Rituale gehalten, mit Kokablättern als Gabe an den Apu.

Totenberge und Wallfahrts-Huacas

Die Rolle Coropunas als Totenreich ist mit dem stummen Totenland Upamarca vergleichbar, seine Bedeutung als Wallfahrtsziel mit der Sonneninsel im Titicacasee als Wallfahrts-Huaca. In derselben Region stehen die Capacocha-Berge Apu Ampato und Apu Misti. Sein Gegenstück bei den Aymara ist der Achachila; mit der Erdmutter Pachamama teilt er die Zuständigkeit für Land und Leben.

Häufige Fragen zum Apu Coropuna

Warum ist Coropuna ein Totenberg?

Nach andiner Überlieferung ist er das Ziel der Totenseelen, ein großes Dorf der Verstorbenen, teils durch Höhlen zugänglich.

Wie hoch ist Coropuna?

Etwa 6377 Meter; damit ist er der höchste Vulkan Perus.

Ist die Totenreich-Rolle archäologisch belegt?

Nein. Sie ist ethnohistorisch überliefert, nicht durch Gräber bewiesen.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Cieza de León, Pedro de: Crónica del Perú. 1553.
  • Reinhard, Johan: Coropuna. Templo y montaña de los Incas. Lima 2001.
  • Bauer, Brian S.: The Sacred Landscape of the Inca. Austin 1998.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als höchster Vulkan Perus trägt Apu Coropuna eine doppelte Würde: oben das Eis, das Bergsteiger anzieht, darunter der Jenseitsberg der Seelen, zu dem die Verstorbenen der Anden nach alter Überlieferung unterwegs sind.

Einordnung & Schutz

IISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe II zu – Spürbare Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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