Yama Buddhismus ist Gott der buddhistischen Tradition.
Der buddhistische Totengott und Richter der Seelen nach dem Tod.
Yama wirkt im Buddhismus als Karma-Richter und Verwalter der Höllen-Welten.
Typ: Buddhistische Hauptgottheit (Mahayana, Vajrayana), Toten-Richter und Bewahrer des Dharma
Pantheon: Buddhismus (alle Schulen), aus dem hinduistischen Yama übernommen
Funktion: Toten-Richter, Bewahrer der Karma-Gesetzlichkeit, in tibetischer Tradition wrathful deity
Hauptattribute: Buch der Toten, Spiegel des Karma, Schwert (Khadga), Schlinge (Pasha), Schwarzer Büffel
Hauptkultorte: tibetische Gelug-Klöster (Cham-Tanz), Japan (Enma-O), Vietnam (Yamaraja)
Verschiedene Formen: Yama-Dharmaraja (Tibet), Enma-O (Japan), Yeomra (Korea), Yanluo (China)
Yama wird mit dem Buddhismus aus Indien in alle buddhistischen Länder übertragen (vedischer Vorläufer im Rigveda, ab 1200 v. Chr.). In der Pali-Tradition (Theravada) ist er Hauptprüfer im Toten-Gericht. Im Mahayana mit eigenem Sutra-Korpus (z. B. Devadhamma-Sutta). In Tibet seit dem 8. Jh. n. Chr. als Yama-Dharmaraja in den wrathful-deity-Pantheons der Vajrayana-Tradition zentral. Hauptblütezeit: in tibetischen Gelug-Klöstern bis heute, mit dramatischen Cham-Tanz-Aufführungen.
Hauptkultorte: tibetische Gelug-Klöster (Drepung, Sera, Gandän, Tashilhunpo, mit den Yama-Dharmaraja-Cham-Tänzen), Japan als Enma-O (in jedem Toten-Tempel), Vietnam als Diem Vuờng. In Theravada-Ländern (Thailand, Myanmar, Sri Lanka) als kosmischer Hintergrund-Präsenz. In China als Yanluo (eigene Page).
Zentrale Quellen: Devadhamma-Sutta (Pali), Yama Sutra (chinesisch), tibetisches Bardo Thodol („Tibetisches Totenbuch“, klassische Quelle der Yama-Dharmaraja-Theologie), tantrische Texte zur Yama-Dharmaraja-Sadhana. Sekundärliteratur: Lopez, The Tibetan Book of the Dead. A Biography; Linrothe, Ruthless Compassion. Wrathful Deities in Early Indo-Tibetan Esoteric Buddhist Art; Williams, Mahayana Buddhism.
Der buddhistische Yama wird oft mit einem Stierkopf dargestellt, massive Hörner, furchtbares Gesicht, schwarze oder dunkelblaue Haut. Manchmal hat er zwei oder vier Arme. Er trägt einen Damaru (Totenknochenstock) und ein Lasso aus Seelen-Seil. Um ihn herum tanzen Dämonen und Yaksha. Feuer umgibt ihn; Blut tropft aus seinem Maul. Im tibetischen Kunstwerk sitzt er oft in einer Höhle oder in seinem Palast in Naraka.
Yama in der buddhisten Lehre ist nicht Strafe, sondern Spiegel. Der Yama-Richter ist automatisch: Jede Handlung (Karma) wird ihre Folge haben. In tantrischen Praktiken wird Yama nicht um Gnade angefleht, sondern visualisiert als Lehrer der Vergänglichkeit. Die Toderriten im Tibetischen Buddhismus adressieren Yama direkt, mit der Bitte, der Seele einen günstigen Bardo-Weg zu öffnen. Die Praktizierenden lernen, Yama zu treffen, ohne Angst.
Die wichtigsten Aspekte von Yama (Buddhismus) auf einen Blick. Die folgenden Felder fassen Herkunft, Funktion, Erscheinung, Verehrung, Symbole und kulturelle Parallelen zusammen.
Yama wird im Buddhismus aus dem hinduistischen Yama (vedischer Erst-Toter) übernommen, behaltet die Funktion des Toten-Richters, wird aber buddhistisch reinterpretiert: nicht arbiträrer Richter, sondern Spiegel-Vermittler des Karma. Im tibetischen Bardo-Thodol-System erscheint er dem Verstorbenen im Bardo-Zustand zwischen Tod und Wiedergeburt, sein Spiegel zeigt dem Toten dessen eigenes Karma, ohne dass Yama selbst urteilt. Die Strafe ergibt sich aus der eigenen Karma-Reaktion. In wrathful-Form als Yama-Dharmaraja: Beschützer des Dharma gegen alle Bedrohungen.
Toten-Richter im Bardo-Zustand. Bewahrer der Karma-Gesetzlichkeit. In tantrischer Vajrayana-Tradition Schutz-Yidam (Meditations-Gottheit) gegen alle inneren und äußeren Bedrohungen, besonders gegen die Furcht vor dem Tod. Patronin der Prüfungs-Praxis (das ehrliche Sehen der eigenen Taten). In tibetischen Cham-Tänzen rituelle Erinnerung an die Sterblichkeit.
In den meisten asiatischen Traditionen anthropomorph als strenger Beamter mit Buch der Toten und Schreibgriffel. In tibetischer Vajrayana-Tradition als Yama-Dharmaraja: dunkelblaue oder schwarze wrathful Gestalt mit Büffel-Kopf, drei Augen, flammendem Haar, flammender Aureole. Knochenornamente, Tigerfell-Schurz. In den Händen Schädel-Becher (Kapala), Khatvanga (Schädel-Zepter), Schlinge (Pasha), Schwert. Reitet auf einem schwarzen Büffel, der einen Menschen niedertritt. Begleitet von seiner Schwester Yami.
Wirkungs-Bereich: Yama wird im tibetischen Bardo-Thodol als Erscheinung im Bardo-Zustand erwartet, Sterbende werden auf seine Begegnung vorbereitet. In tibetischen Cham-Tänzen rituelle Konfrontation mit dem Toten-Richter (mit dramatischen Masken). In tantrischer Praxis als Schutz-Yidam meditiert. In Theravada- und Mahayana-Toten-Riten als Hintergrund-Vermittler des Karma. In Japan als Enma-O auf jedem buddhistischen Friedhof zentral.
Buch der Toten, Spiegel des Karma (Karma-Darpana), Schwert (Khadga), Schlinge (Pasha), Schwarzer Büffel (Reittier), Khatvanga (Schädel-Zepter), Kapala (Schädel-Becher), Büffel-Kopf (in tibet. wrathful-Form), drittes Auge, flammendes Haar. Heilige Pflanzen: keine spezifischen. Heilige Richtung: Süden (in indischer Tradition).
Yama (Hinduismus, Wurzel), Yamaraja (Hinduismus / Buddhismus), Yama-Dharmaraja (Tibet, wrathful Vajrayana-Form), Enma-O (Japan), Yeomra (Korea), Yanluo (China, Erste der Zehn Höllenkönige), Hades (Griechenland), Anubis/Osiris (Ägypten, Geleit + Richter), Hel (Germanisch), Mictlantecuhtli (Aztekisch). Yama ist eine der weltweit am weitesten verbreiteten Götter-Konzepte (von Indien über ganz Asien bis Japan).
Buddhistisches Yama-Abwehr-Ritual: Rezitation von Dharani-Texten und Bodhisattva-Anrufungen in gefährdeten Zeiten (Sterbeprozess, Nahtod-Erlebnisse). Goma-Feuer-Rituale (tibetische Feueropfer) richten sich gegen Yama-Bestrafung. Die Chanting-Traditionen nutzen Mantren der Mitleidsgötter, um Yama-Richtersprüche zu mildern. Chinesisch-buddhistische Volkspraxis: Papierscheine an den Jadekaiser-Tempel, um Yama-Richter zu besänftigen.
Jizo-Mantren (Bodhisattva der Hölle) und Avalokiteshvara-Anrufungen gelten als Abwehr gegen Yama-Bestrafung. Das Sutra des Großen Mitgefühls (Karuna-Sutra) wird rezitiert. Tibetisch: Yamantaka-Visualization im Guhyasamaja-Tantra, die aggressive Besiegung Yamas durch den „Dämonen-Bezwinger Yamantaka“. Sanskrit-Originaltext: „Om jñana-jyoti dharma dhara Yamantaka hum phat“.
Jizo-Statuen als Schutzsymbole in chinesisch-japanischen Tempeln. Buddhistisches Armband (Mala) mit 108 Perlen, rituell verbunden mit Besänftigung der Höllenwächter. Archäologische Belege: buddhistische Stelensteine aus dem 7. Jh. in China/Korea, die Yama-Richter mit Bodhisattva-Rettern gegenüberstellen.