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Girra, das läuternde Feuer Babyloniens

Girra ist Gott der mesopotamischen Tradition.

Das Feuer, das Hexerei verbrennt und Metalle veredelt. Als Feuergott Babyloniens nimmt Girra eine zentrale Stellung in Reinigungsritualen ein. Als mesopotamische Gestalt des Feuers wird Girra hier vorgestellt, zusammen mit seiner Stellung im Götterkreis dieser Region.

Inhaltsverzeichnis

Girra, der mesopotamische Feuergott
Girra

Girra, sumerisch Gibil, ist der Feuer- und Schmiedegott Mesopotamiens. Sein Feuer ist reinigend, zerstörend und läuternd zugleich; in den Beschwörungsserien wird es angerufen, um Hexerei zu verbrennen und Menschen wie Orte zu läutern.

In der Beschwörungsserie Maqlû gilt Girra als Erstgeborener des Anu und als große Gegenkraft gegen bösartige Magie: Dort werden Figuren der Hexen im Feuerbecken verbrannt. Als Schmelzer der Metalle ist er zugleich der Patron der Metallurgen, das Feuer, das Rohmaterial in Werkzeug und Waffe verwandelt.

Auf einen Blick: Girra

Typ: Feuer- und Schmiedegott, Personifikation der Flamme
Herkunft: Sumerisch als Gibil, akkadisch Girra oder Gerra
Texte: Beschwörungsserien Maqlû und Šurpu
Zeitraum: sumerische Zeit bis in die seleukidische Epoche
Erscheinung: Personifikation des Feuers, als lodernder Gott angerufen

Textgeschichte

Zeitraum der Texte

Von der sumerischen Zeit als Gibil bis in die seleukidische Epoche bezeugt; die zentralen Belege stehen in den Beschwörungsserien Maqlû und Šurpu.

Verbreitungsraum

Ganz Mesopotamien: Girra gehört zum festen Bestand der babylonischen und assyrischen Beschwörungstradition.

Quellenlage

Gut dokumentiert: die Editionen der Serien Maqlû und Šurpu, allen voran die Maqlû-Ausgaben von Abusch, dazu die Handbücher der Assyriologie.

Name und Varianten

Sumerisch: Gibil; akkadisch: Girra oder Gerra. In Maqlû wird der Gott als Erstgeborener des Anu bezeichnet; als Mutter nennen die Quellen meist Šala oder Antu, nicht einheitlich, sodass mehrere ortsgebundene Genealogien nebeneinander bestehen. Eine typische Anrufungsformel lautet: O lodernder Girra, Erstgeborener des Anu.

Wesen und Wirkung

Erscheinung

Girra ist die Personifikation des Feuers und der Flamme und wird als lodernder Gott angerufen. Als Schmelzer der Metalle ist er das Feuer, das Rohmaterial in Werkzeug und Waffe verwandelt.

Wirkung

Girra verkörpert das Feuer in seiner dreifachen Natur: reinigend, zerstörend und läuternd. Er gilt als große Gegenkraft gegen bösartige Magie: In Maqlû und Šurpu wird sein reinigendes Feuer eingesetzt, um Dämonen zu bannen und Menschen wie Orte zu läutern, oft gemeinsam mit Ea, Marduk und Šamaš angerufen. Im Maqlû-Ritual werden Figuren der Hexen im Feuerbecken verbrannt.

Steckbrief: Girra

Die wichtigsten Aspekte des Feuergottes auf einen Blick.

Kulturkontext

Feuer- und Schmiedegott Mesopotamiens, von der sumerischen Zeit als Gibil bis in die seleukidische Epoche bezeugt.

Zuständig für

Beschwörungspriester, Metallhandwerker und Schutzsuchende gegen Hexerei; sein Feuer läutert Menschen und Räume.

Darstellung

Personifikation des Feuers und der Flamme, angerufen als lodernder Gott und Erstgeborener des Anu.

Funktion

Verbrennt Hexer und böse Magie, reinigt Menschen und Räume und veredelt als Patron der Metallurgen die Metalle.

Kult

Anrufung in Beschwörungen und Reinigungsriten; im Maqlû-Ritual werden Figuren der Hexen im Feuerbecken verbrannt.

Vergleichbares

Der vedische Agni und die Schmiedegötter Hephaistos und Vulcanus; eng verwandt sind Nusku und Ishum.

Von Gibil zu Girra: der Gott der Beschwörungsserien

Sumerisch heißt der Gott Gibil, akkadisch Girra oder Gerra. Er ist der Feuergott und der Gott der Schmiedekunst und Metallurgie. In der Beschwörungsserie Maqlû wird er als Erstgeborener des Anu bezeichnet; die Mutter wird in den Quellen meist als Šala oder Antu genannt, nicht einheitlich, sodass mehrere ortsgebundene Genealogien bestehen.

Seine große Stunde hat Girra in der Abwehr der Hexerei: In Maqlû und Šurpu wird sein reinigendes Feuer angerufen, um Dämonen zu bannen und Menschen wie Orte zu läutern, oft gemeinsam mit Ea, Marduk und Šamaš. Die typische Anrufungsformel, O lodernder Girra, Erstgeborener des Anu, fasst Rang und Wesen des Gottes in einem Satz zusammen.

Rezeption und Einordnung

Girra ist rein assyriologisch und religionsgeschichtlich rezipiert; ein lebendiger Kult besteht nicht. Präsent ist er vor allem in den Editionen der Beschwörungsserien.

Religionswissenschaftlich verkörpert Girra das Feuer als ambivalente Macht: Reinigung und Läuterung einerseits, Zerstörung und Strafe andererseits. Zugleich verbindet er die Ritualreinheit mit dem Handwerk, denn die Metallschmelze gilt als Läuterung. Gefährlich ist sein Feuer nach den Quellen nur für Hexer und böse Mächte; für die Schutzsuchenden ist es eine reinigende Kraft.

Feuer gegen Hexerei: die Kultformen

Quellenfest sind die Anrufung Girras in Beschwörungen und Reinigungsriten, die Verbrennung von Hexenfigürchen und das Feuer als läuternde Gegenmacht gegen böse Magie. Im Maqlû-Ritual werden Figuren der Hexen im Feuerbecken verbrannt, während der Gott als lodernder Erstgeborener des Anu angerufen wird. Als Patron der Metallurgen ist Girra darüber hinaus mit dem Schmiedefeuer verbunden; die Metallschmelze selbst gilt als Läuterung.

Feuergötter im Vergleich

Girra entspricht dem vedischen Agni, dem Feuer als reinigender, zerstörender und opfervermittelnder Macht, sowie den Schmiedegöttern Hephaistos und Vulcanus. Am engsten verwandt sind die beiden anderen mesopotamischen Feuergötter: Nusku, der Licht-, Lampen- und Botengott und Wesir des Enlil, und Ishum, der fackeltragende Nachtwächter der Straßen. Wo diese beiden für Licht und nächtlichen Schutz stehen, ist Girra die reine Feuer- und Schmiedemacht.

Häufige Fragen zu Girra

Ist Girra dasselbe wie Gibil?

Ja. Gibil ist der sumerische, Girra der akkadische Name derselben Feuergottheit.

Warum wurde Girra gegen Hexerei angerufen?

Weil Feuer als stärkste Gegenkraft gegen schädliche Magie galt. Im Maqlû-Ritual verbrannte sein Feuer die Figuren der Hexen symbolisch im Feuerbecken.

Ist Girra auch ein Schmiedegott?

Ja. Als Schmelzer der Metalle ist er der Patron der Metallurgen; sein Feuer verwandelt Rohmaterial in Werkzeug und Waffe.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Black, Jeremy / Green, Anthony: Gods, Demons and Symbols of Ancient Mesopotamia. London 1992.
  • Abusch, Tzvi: The Witchcraft Series Maqlû. Atlanta 2015.
  • Abusch, Tzvi: The Magical Ceremony Maqlû. A Critical Edition. Leiden 2016.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als mesopotamischer Feuergott mit dem alten sumerischen Namen Gibil steht Girra für die ganze Spannweite der Flamme: die Läuterung der Reinigungsriten, die Strafe für Hexer und die schöpferische Glut der Schmiede.

Einordnung & Schutz

IISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe II zu – Spürbare Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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