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Mama Cocha, Meeresgöttin und Wassermutter der andinen Küstenkultur

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Mama Cocha (Quechua Mama Qucha, Mutter See, Meermutter) ist die Meeres- und Gewässer-Göttin der Anden. Für die Küsten-Fischergemeinden des präshispanischen Peru und für die Salzgewinner war sie die zentrale religiöse Bezugsfigur, vergleichbar in ihrer Bedeutung mit Pachamama für die Hochlandbauern.

GöttinAnden / InkaWasser-Göttin
Mama Cocha - Götter aus der Anden-inka-Tradition, historisch-illustrativ

Steckbrief: Mama Cocha

Die wichtigsten Aspekte von Mama Cocha auf einen Blick. Die folgenden Felder fassen Herkunft, Funktion, Erscheinung, Verehrung, Symbole und Parallelen zusammen.

Tradition

Mama Cocha (Quechua Mama Qucha, Mutter See, Meermutter) ist die Meeres- und Gewässergöttin der Anden. Für die Fischergemeinden der Küste und die Salzgewinner im präshispanischen Peru war sie die zentrale religiöse Bezugsfigur. Bei den Aymara heißt sie Quta Mama. Die Verehrung des Titicaca-Sees reicht nach Charles Stanish weit über die Zeit der Inka zurück.

Funktion

Mama Cocha verkörpert die Numinosität aller Gewässer, vom Pazifik über Hochlandseen und Bergströme bis zum Quellwasser, und den gesamten Wasserkreislauf. Sie ist Meer- und Süßwassergöttin zugleich, in der Landwirtschaft auch Göttin der Bewässerung, und sie nimmt die Toten auf.

Darstellung

Die Quellen beschreiben Mama Cocha als nicht streng menschengestaltige Göttin. Auf Keros der Inka erscheint sie gelegentlich als Frau mit Locken, die an Wellen erinnern, oder mit einem Wassertopf in der Hand. In der kolonialen Malerei wird sie mit der Maria der Schiffer (Maria Stella Maris) verschmolzen.

Verehrung

Am stärksten war der Kult an der peruanischen Pazifikküste. Fischer südlich von Lima opferten vor jeder Ausfahrt kleine Holzfigurinen, Chicha und Stücke von Spondylusmuscheln. Im Hochland waren der Titicaca-See mit der Isla del Sol und der Isla de la Luna wichtige Orte. Beim Fest Yarqa Aspiy werden die Bewässerungskanäle rituell gereinigt und Mama Cocha um Wasser gebeten.

Symbole

Ihre Symbole sind das Wasser und die roten oder orangen Spondylusmuscheln aus Ecuador, die als ihre materielle Manifestation galten. Weitere Zeichen sind Muschelamulette an Schiffsmasten und der Wassertopf auf Keros. Mit der Wasserschlange Yacumama steht sie in naher Beziehung.

Vergleichbares

Parallelen sind die griechische Amphitrite, die römische Salacia, die germanische Ran, die slawische Mokosch, die hinduistische Ganga und Yemaya. In Amerika ähneln ihr die aztekische Chalchiuhtlicue und die Göttin Ix Chel der Maya. Innerhalb der Anden bildet sie mit Pachamama das Paar tierra y agua.

Einordnung im andinen Pantheon

Mama Cocha ist eine weibliche Gottheit des andinen Pantheons, neben Pachamama und der Mondgöttin Mama Killa. Sie ist die personifizierte Numinosität aller Gewässer, des Pazifischen Ozeans, der großen Hochlandseen wie des Titicaca, der Bergströme und des Quellwassers.

Religionswissenschaftlich gehört sie zur weiten Klasse der Wasser- und Meeresgöttinen, die in fast allen Küstenkulturen der Welt eine herausragende Stellung haben. Strukturell vergleichbar sind die griechische Amphitrite, die römische Salacia, die japanische Toyotama-hime, die afro-brasilianische Yemaya und, etwas anders gelagert, die polynesische Hina-Figur.

Mama Cocha unterscheidet sich von diesen Parallelen durch ihre Doppel-Funktion als Meer- und Süßwasser-Göttin, die in den anderen Traditionen meist in zwei separate Wesen aufgeteilt ist.

Im Coricancha von Cusco nennen die Quellen (Garcilaso de la Vega, Bernabe Cobo) Kapellen für Inti, Mama Killa, Chasca, Illapa und Kuychi, aber keinen Mama-Cocha-Schrein.

Die Inka-zeitliche Theologie verband Mama Cocha eng mit der Wasserkreislauf-Vorstellung: Das Wasser des Pazifiks steigt als kosmischer Dunst nach Norden, wird im Bereich der Milchstraße zu himmlischer Feuchtigkeit, fällt als Regen über die Anden zurück zur Erde und kehrt durch die Bergströme wieder zum Meer zurück.

Mama Cocha ist die personifizierte Numinosität dieses gesamten Wasser-Kreislaufs, nicht nur seines maritimen Endpunktes. Gary Urton hat diese kosmologische Wasser-Theologie in At the Crossroads of the Earth and the Sky (1981) ausgearbeitet.

Name und Etymologie

Der Name Mama Qucha ist eine Quechua-Bildung aus mama (Mutter) und qucha (See, Meer, jedes stehende Gewässer). Diego Gonzalez Holguin übersetzt qucha 1608 mit laguna o mar, See oder Meer. Damit bezeichnet das Wort jede größere Wasserfläche unabhängig vom Salzgehalt.

Im Aymara heißt das Äquivalent quta oder cota; die regionale Göttinnen-Variante ist Quta Mama. Der Titicaca-See selbst, dessen Name aus dem Aymara stammt (titi-qaqa, Felsen des Pumas), war einer der wichtigsten Manifestationsorte Mama Cochas, vor allem in seiner Funktion als Erscheinungsort von Sonne und Mond im Inka-Mythos.

Im modernen quechua-sprachigen Gebrauch hat qucha die Bedeutung erweitert auf jede Art Wasserspeicher, einschließlich künstlicher Stauteiche und Bewässerungskanäle. Damit ist Mama Cocha in der bauern-religiösen Praxis nicht nur Göttin der natürlichen Gewässer, sondern auch der wasserwirtschaftlichen Infrastruktur. Diese Erweiterung spiegelt die zentrale Bedeutung der Bewässerung in der andinen Landwirtschaft.

Beschreibung und Ikonographie

Mama Cocha wird in den Quellen als nicht streng anthropomorphe Göttin beschrieben.

Auf erhaltenen Inka-Keros (Trinkgefässen) erscheint Mama Cocha gelegentlich als Frauenfigur mit flüssigen Locken, die an Wellen erinnern, oder mit einem Wassertopf in der Hand. In der kolonialen Cusquena-Malerei wird sie regelmäßig mit der christlichen Maria der Schiffer (Maria Stella Maris) verschmolzen, insbesondere in den Küstenstädten Lima, Trujillo und Arequipa.

Eine besonders bedeutsame ikonographische Spur findet sich in den Spondylus-Muschel-Depots der präshispanischen Küsten-Heiligtümer. Die roten und orangen Spondylus-Muscheln stammen aus den wärmeren Gewässern Ecuadors und mussten über lange Handelsstrecken in die andinen Küsten transportiert werden.

Sie galten als materielle Manifestation Mama Cochas und wurden in großen Mengen in den Tempeln, in den Mumien-Beigaben und in den Bauopfer-Depots verwendet.

Mythologische Erzählungen

Mama Cocha ist in mehreren Inka-Schöpfungsmythen präsent. Im wichtigsten Mythos, überliefert durch Bernabe Cobo und Pedro Sarmiento de Gamboa, steigt der Schöpfergott Viracocha aus dem Titicaca-See und lässt Sonne und Mond auf der Isla del Sol erscheinen. Der Titicaca-See gilt als wichtigster Manifestationsort Mama Cochas im Hochland.

Ein zweiter Mythen-Komplex verbindet Mama Cocha mit den Sterbenden. In der inkazeitlichen Theologie galt das Westmeer als Bereich des Toten-Sonnenaufgangs: Die Sonne tauchte abends im Westen ins Meer und schwamm nächtlich durch die unterirdische Welt zurück zum östlichen Aufgangsort.

Die Toten begleiten diesen nächtlichen Sonnen-Schwimm und werden von Mama Cocha aufgenommen. Diese eschatologische Funktion der Meermutter ist auch in der Bestattungspraxis der präshispanischen Chimu-Kultur belegbar, deren Toten oft mit dem Gesicht nach Westen begraben wurden.

Eine dritte mythologische Konstellation, überliefert durch Maria Rostworowski, beschreibt Mama Cocha als Schwester oder Schwiegermutter Yacumamas, der großen Wasserschlange. Beide Wesen-Gestalten sind sich semantisch nahe und werden in einigen Dörfern in einer gemeinsamen Wasserkult-Praxis verehrt.

Die Trennung zwischen der zoomorphen Yacumama (Wasserschlange) und der eher abstrakt-mutterhaften Mama Cocha ist allerdings konsistent festgehalten und sollte in der religionsethnologischen Analyse nicht aufgelöst werden.

Kult und Verehrung

Der wichtigste Mama-Cocha-Kult fand an der peruanischen Pazifikküste statt, insbesondere bei den Chimu, den späteren inka-zeitlichen Küstenprovinzen und den Salz-Gewinnungsregionen. Die Maranga-Fischer südlich von Lima opferten der Göttin vor jeder Ausfahrt kleine Holzfigurinen, Chicha und Spondylus-Muschel-Stücke.

Im Hochland bildete der Titicaca-See den wichtigsten Mama-Cocha-Manifestation-Ort. Auf der Isla del Sol und auf der Isla de la Luna standen vor-inkaische und inka-zeitliche Kultkomplexe, deren Reste heute noch zu besichtigen sind.

Die archäologischen Untersuchungen von Charles Stanish (Ancient Titicaca, 2003) haben gezeigt, dass die Verehrung des Sees als kosmische Mutter weit über die Inka-Zeit hinaus zurückreicht.

Im Coricancha-Tempel von Cusco wurden anlässlich großer Festakte Wasser-Libationen vollzogen, in denen Wasser aus dem Pazifik, aus dem Titicaca und aus heiligen Gebirgsquellen vermischt und über die Altarsteine gegossen wurde. Cristobal de Molina beschreibt diese komplexe Libationspraxis, die die hydrologische Einheit des Reiches kultisch absicherte.

Eine wichtige interregionale Pilger-Praxis bestand zwischen den hochländischen Inka-Tempeln und den küsten-andinen Mama-Cocha-Heiligtümern, insbesondere bei Pachakamak. Polo de Ondegardo und Cobo berichten, dass an großen Festen wie dem Capac Raymi spezielle Wasser-Boten von der Pazifik-Küste nach Cusco geschickt wurden, die dort lebendiges Meerwasser für die zentrale Mama-Cocha-Libation am Coricancha-Altar brachten.

Diese Boten-Praxis, über die das Inka-Straßennetz Qhapaq Nan in nur wenigen Tagen die rund 1000 km zwischen Küste und Hauptstadt zu überbrücken erlaubte, ist ein eindrucksvoller Beleg für die kultische Integration der maritimen und der hochländischen Wasser-Theologie im inka-Reich.

Schutzpraxis und Apotropäisches

Die Mama-Cocha-bezogene Schutzpraxis konzentrierte sich vor allem auf zwei Bereiche: Sicherheit auf dem Meer und reiche Fischfänge. Praktizierende Fischer hängten bis ins 20. Jahrhundert hinein kleine Muschel-Amulette an die Schiffsmaste, opferten beim Anlanden den ersten gefangenen Fisch zurück ins Meer und beräucherten die Boote mit Eukalyptus-Holz vor jeder neuen Saison.

Im Hochland bei den Bewässerungsbauern war die wichtigste Schutzpraxis das jährliche Yarqa-Aspiy-Fest, in dem die Bewässerungskanäle rituell gereinigt und Mama Cocha um regelmäßige Wasserzufuhr gebeten wurde.

Cobo beschreibt diese Praxis für die inkazeitliche Region Yucay; sie ist in heutigen Cusquena-Dörfern bei Pisac und Maras bis in die Gegenwart erhalten. Der Tag des yarqa-aspiy ist je nach Dorf etwa Ende Juli oder im August und stellt eines der wichtigsten kollektiven Ritualereignisse der Bewässerungsgemeinden dar.

Eine besondere Schutzpraxis betrifft das Bad in heiligen Quellen (puquial). Bestimmte Quellen gelten als besonders mit Mama Cocha verbunden und werden bei Krankheit, Fieber oder ritueller Verunreinigung aufgesucht. Diese Bade-Praxis hat sich in der peruanisch-bolivianischen Volksreligion bis heute erhalten und wird in der ethnographischen Literatur als limpia con agua de manantial beschrieben.

Bei den modernen Aymara-Dörfern um den Titicaca-See ist die Mama-Cocha-Verehrung in einer spezifischen Bootsweihe-Praxis erhalten geblieben. Wenn ein neues Schilfboot (balsa de totora) zu Wasser gelassen wird, opfert die Familie kleine Schlucke Schnaps und ein bisschen Koka in den See, bevor das Boot zum ersten Mal benutzt wird.

Diese Praxis ist von Joseph Bastien und Olivia Harris in ihren ethnographischen Werken beschrieben und zeigt die ungebrochene Verehrung der Wassermutter in der modernen quechua-aymarischen Bauernschaft.

Parallelen in anderen Kulturen

Strukturell hat Mama Cocha viele Parallelen in den Meeres-und-Süßwasser-Göttinnen der Weltreligionen. Die griechische Amphitrite, die römische Salacia, die altgermanische Ran, die slawische Mokosch, die hinduistische Ganga, die afro-brasilianische Yemaya und die polynesische Hinemoana gehören alle in die strukturelle Gruppe der weiblichen Wassergottheiten.

Mircea Eliade hat in Patterns in Comparative Religion (1958) das Wasser-Göttin-Muster systematisch beschrieben: Wasser ist in praktisch allen Religionen zugleich Quelle des Lebens, Reinigungsmedium und Bereich der Toten. Mama Cocha verkörpert diese Triade auf paradigmatische Weise, als Erscheinungsort von Sonne und Mond, als Bade-Reinigung-Medium und als Aufnehmerin der Toten.

Innerhalb Amerikas weist Mama Cocha Ähnlichkeiten zur aztekischen Chalchiuhtlicue (Jade-Röckchen-Göttin) und zur Maya-Mond-und-Wasser-Göttin Ix Chel auf. Chalchiuhtlicue ist insbesondere die Patronin der Geburten und der Bewässerung, was die Funktionsanalogie zur Mama-Cocha-Bewässerungsbezug deutlich macht. Allerdings ist die ikonographische Tradition Chalchiuhtlicues anthropomorpher und narrativer als die zurückhaltend-symbolische Mama-Cocha-Tradition.

Innerhalb des andinen Religionssystems steht Mama Cocha in einer komplementären Beziehung zu Pachamama: Wo Pachamama die feste Erde und die feldwirtschaftliche Fruchtbarkeit verkörpert, ist Mama Cocha die flüssige, bewegte Wasser-Numinosität.

Beide werden in der ethnographischen Literatur als komplementäres Paar tierra y agua beschrieben, das die landwirtschaftliche Produktion überhaupt erst ermöglicht. Catherine Allen hat für die Dörfer der Provinz Paucartambo diese strukturelle Komplementarität ausführlich beschrieben.

Heutige Rezeption und Forschung

In den modernen quechua- und aymarasprachigen Gemeinden ist Mama Cocha als religiös-kultische Figur vor allem in der Bewässerungspraxis lebendig geblieben. Die yarqa-aspiy-Feste werden in vielen Cusquena-Dörfern bis heute begangen und sind in der ethnographischen Literatur (Inge Bolin: Rituals of Respect, 1998; Karsten Paerregaard: Linking Separate Worlds, 1997) systematisch beschrieben.

In der peruanischen Küsten-Region hat sich der Mama-Cocha-Kult in synkretistischer Form als Verehrung der Virgen del Carmen und der Stella Maris erhalten.

Die küsten-katholischen Schiffer-Prozessionen, in denen die Madonna-Statuen auf Booten über das Meer getragen werden, sind funktionale Nachfolger der präshispanischen Mama-Cocha-Bittriten. Die religionsethnologische Forschung, insbesondere die Arbeiten von Maria Rostworowski, hat diese Kontinuität eingehend dokumentiert.

In der akademischen Klimaforschung ist Mama Cocha jüngst in den Diskurs über die andine Wasserkrise hineingezogen worden. Die fortschreitende Gletscherschmelze der Anden, die die Bewässerungssysteme der Hochlanddörfer langfristig bedroht, wird in der bauernreligiösen Diskussion oft als Strafe oder Trauer Mama Cochas interpretiert.

Michael J. Sallnow hat in Pilgrims of the Andes (1987) die regionalen Kulte um Cusco beschrieben.

In der akademischen Religionswissenschaft hat Mama Cocha jüngst auch eine Rolle in der Diskussion um Genealogie weiblicher Gottheiten in den Amerikas gespielt.

Die These einer kontinuierlichen Frauen-Göttinnen-Tradition, die von der Moche-Kultur über Wari und Inka bis in die kolonialen Marien-Synkresisen reicht, wird von einigen Autoren (Mary Helms, Maria Rostworowski) vertreten und von anderen (Tom Zuidema, Pierre Duviols) kritisch relativiert.

Die methodische Herausforderung liegt in der Frage, ob ikonographische Ähnlichkeiten über so lange Zeiträume hinweg als Hinweis auf religiöse Kontinuität zu lesen sind oder ob es sich um konvergente, voneinander unabhängige Entwicklungen handelt.

Literatur und Quellen

Die folgende Auswahl listet zentrale Werke der Andenethnologie und der archäologischen Forschung zur Mama-Cocha-Tradition und zu den Wasser-Göttinnen der zentralen Anden.

Mama Cocha und der Fischfang an der Pazifikküste

Mama Cocha, die Meeresmutter, war besonders für die Küstenbevölkerung des Andenraums von Bedeutung, deren Lebensgrundlage der Fischfang und die Nutzung der außerordentlich fischreichen Gewässer des Humboldtstroms war.

Spanische Chronisten, die das inkaische Hochland beschrieben, widmeten den Küstenkulturen weniger Aufmerksamkeit, doch einzelne Berichte und vor allem archäologische Befunde belegen, dass das Meer als Spenderin von Nahrung eigene Verehrung empfing.

Der Jesuit José de Acosta erwähnt in seiner Historia natural y moral de las Indias von 1590, dass die Küstenbewohner das Meer als Mamacocha ansprachen und es um Fisch baten, ähnlich wie das Hochland die Erde um Feldfrüchte bat.

Diese Parallelisierung von Meer und Erde, von Mama Cocha und Pachamama, durchzieht die Quellen und entspricht einem Grundzug andiner Religion, in der das Verhältnis zu den nährenden Mächten als Reziprozität gedacht wird: Gabe und Gegengabe.

Quellenkritisch ist zu beachten, dass die Chronisten die Küstenreligion oft nur aus inkaischer oder missionarischer Perspektive wiedergeben und lokale Eigenheiten der zahlreichen Küstenkulturen, von den Chimú bis zu kleineren Fischergemeinschaften, kaum differenzieren.

Archäologische Funde wie Opfergaben in Küstennähe und Darstellungen von Meerestieren auf Keramik der Moche- und Chimú-Kultur zeigen jedoch, dass das Meer schon lange vor den Inka ein religiös aufgeladener Raum war. Mama Cocha ist insofern ein Sammelname für eine Verehrung, die regional sehr unterschiedlich ausgestaltet gewesen sein dürfte.

Literatur (Auswahl)

  • Charles Stanish: Ancient Titicaca (2003)
  • Maria Rostworowski: Estructuras andinas del poder (1983)
  • Inge Bolin: Rituals of Respect (1998)
  • Karsten Paerregaard: Linking Separate Worlds (1997)
  • Christopher Donnan: Moche Art and Iconography (1976)
  • Bernabe Cobo: Historia del Nuevo Mundo (1653)

An der andinen Küstenkultur wurde Mama Cocha als Meeresgöttin und Wassermutter verehrt, die Fischfang, Salzgewinnung und Seereisen unter ihren Schutz stellte.

Verwandte Schlüsselbegriffe: Mama Cocha Mama Qucha Titicaca Yarqa Aspiy Puquial Chalchiuhtlicue Stella Maris.

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