Veles ist der Gott der Unterwelt, des Viehs, des Handels und der List in der Mythologie der Slawen und Teil der slawischen Religion. Er verkörpert die chthonische Kraft, Wohlstand durch Besitztümer und die Grenze zwischen Leben und Tod. Seine Ikonographie und Kultstätten sind archäologisch und literarisch bezeugt.
Veles wird oft als Gegenspieler oder Dualpartner Perunsdargestellt. Er herrscht über Waldquellen, Viehherden und unterirdische Schätze. Die Schwurleistung vor Veles ist kulthistorisch wirksam (‚Schwur auf die Erde‘). In Folklore lebt er als Waldmeister, Wassermann oder Teufel weiter.
Typ: Slawische Hauptgottheit, Schlangengott der Unterwelt, Magie und Vieh
Pantheon: Slawisch (Ost-, West- und Südslawisch)
Funktion: Vieh, Reichtum, Magie, Dichtung, Vertragswesen, Toten-Reich, ewiger Antagonist Peruns
Hauptattribute: Schlangen-Gestalt, Bart, Hörner, Vieh, Schatz
Hauptkultorte: Kiew (außerhalb der Stadtmauer, im Gegensatz zu Peruns Tempel innerhalb), Bärenhöhlen, Eisen-/Erzbergwerke
Indogermanische Verwandtschaft: indo-iranische Vala-Schlange, baltischer Velnias
Veles ist nach Perun die wichtigste slawische Gottheit, in allen drei slawischen Sprachgruppen belegt. Auch Volos in russischen Quellen genannt. Hauptblütezeit: vorchristliche Zeit (bis ca. 988). Wichtige Quelle: russische Schwurformeln, die Volos und Perun gemeinsam invocieren (Verträge zwischen byzantinischen Kaisern und Kiewer Fürsten 907 und 944).
Im Gegensatz zu Perun hatte Veles seine Heiligtümer typischerweise außerhalb der Stadtmauern oder in der Unterstadt, sein chthonischer Charakter erforderte Trennung vom himmlischen Bereich. In der modernen rodnowierie-Bewegung wieder verehrt.
Hauptkultorte: in Kiew außerhalb der Stadtmauer (am Podol-Hafen, im Gegensatz zu Perun innerhalb der Fürstenburg), in Nowgorod ebenfalls separat von Peruns Heiligtum. Bärenhöhlen in den slawischen Bergregionen galten als seine Manifestationsorte. Eisen- und Erzbergwerke (sein Schatz-Aspekt). In der modernen rodnowierie-Tradition wieder verehrt, in Russland, Polen, Ukraine, Tschechien.
Zentrale Quellen: Nestor-Chronik (mit Veles-Schwur-Formeln), Schwurformeln aus byzantinischen Verträgen (907, 944), Volkserzählungen, Volkslieder, das umstrittene Buch von Veles (modernes 20.-Jh.-Manuskript, von Wissenschaftlern als Fälschung eingestuft, aber in rodnowierie-Kreisen verbreitet). Sekundärliteratur: Váňa, Mythologie der slawischen Völker; Ivánov/Toporov; Belaj, Hod kroz godinu (kroatisch, Standard zur slawischen Mythologie); Pittner, Slawische Mythologie.
Veles wird in den verfügbaren Quellen oft als Drachenwesen, riesige Schlange oder Wolf dargestellt, eine dreifache Gestalt, die zwischen den Welten pendelt und nie fest zu bleiben. Manchmal wird er als alter Mann mit einer Schlange statt eines Beines beschrieben, oder als Wesen mit Ziegenbock-Zügen (Hörner, bärtiges Gesicht).
Sein Körper ist nicht menschlich, sondern hybrid und tierisch. Seine Attribute sind Schätze, Münzen, Edelsteine und andere kostbare verborgene Dinge. Im Symbol-Repertoire taucht die Wendelspirale auf, ein zeitloses Muster, das Um- und Wandlung bedeutet. Das goldene Halsband des Veles, in verschiedenen Sagen erwähnt, war ein Zeichen von Reichtum und magischer Bindung an ihn.
Veles herrschte über die unsichtbaren, verborgenen Kräfte: Zauber, Heilkunde, Wahrsagung und Totengeister. Schamanen und Magier verehrten ihn unter Flüstern und in Nacht-Ritualen. Kaufleute beteten zu ihm für Gewinn bei Tausch und Handel, besonders auf gefährlichen Reisen.
Seine Opfer waren subtil und indirekt, Brot in Flüssen, Münzen in Höhlen, leise Gebete ohne Trompeten und Tanz wie bei dem laut-fröhlichen Perun.
Nach der Christianisierung wurde Veles‘ Kult am hartnäckigsten verdrängt, doch er lebte fort in der Verehrung von Waldgeistern (Leshie), in Märchen vom Drachen und von Zauberer und in Zauberpraktiken.
Sein Bezug zu den Toten und zum Jenseits machte ihn zu einem Gott, an den man sich in Krankheit, Not und Trauer wandte, mit Vorsicht und respektvoller Furcht.
Die wichtigsten Aspekte von Veles auf einen Blick. Die folgenden Felder fassen Herkunft, Funktion, Erscheinung, Verehrung, Symbole und kulturelle Parallelen zusammen.
Veles ist der chthonische Gegenspieler Peruns, das ewige Konfliktpaar der slawischen Mythologie.
Im zentralen Mythos klettert Veles als Schlange den Welt-Baum hinauf, stiehlt Peruns Vieh (oder Frau, oder Sohn), versteckt sich; Perun verfolgt ihn, schlägt mit Donnern auf Felsen, Bäume und Erde, jedem Versteck Veles’. Veles wird zurück in die Unterwelt geschlagen, gibt das Gestohlene frei, und der Regen bringt Fruchtbarkeit.
Dieser zyklische Kampf erklärt Donner, Regen und die saisonale Erneuerung. Im Christentum als Hl. Blasius (Vlasij) umgedeutet (slawisch vlas = „Haar“ lautliche Ähnlichkeit), Schutzpatron der Tiere.
Vielfältige Funktionen: Patron des Viehs (Schlüsselfunktion in der bauerntradition), Patron der Magie und Wahrsagerei, Patron der Dichter und Skalden, Patron der Verträge und Schwurformeln, Herrscher der Unterwelt (Nav).
Der Schwur „bei Perun und Veles“ bedeutet: bei Himmel und Erde, bei kosmischer Ordnung und chthonischer Macht. Im Volkskult Anrufung um Vieh-Gesundheit, gute Ernte, finanziellen Erfolg, magische Fähigkeiten.
Charakteristisch dargestellt mit zwei Hauptformen: (1) Schlangen-/Drachen-Gestalt, die mythische Hauptform, in der er den Welt-Baum hinaufklettert; (2) anthropomorph als bärtiger Mann in Hirten-Tracht oder schwarzem Mantel, oft mit Hörnern (Stier- oder Widder-Hörner), Bart, Stab oder Hirten-Tasche.
In manchen Volkstraditionen mit Bären-Pelz dargestellt (Bär als seines heiliges Tier). In der modernen rodnowierie-Bildkunst typischerweise als düsterer mächtiger Schamane mit Schlangen-Stab.
Wirkungsbereich: Veles wurde als Vieh-Patron in jedem Bauernhaus angerufen. Sein Festtag im späten Februar (in der christlichen Tradition als Hl. Blasius-Tag, 11. Februar) ist Vieh-Schutz-Tag. Schamanische Praktiker (slawisch volchov, sprachverwandt mit Volos) galten als seine Diener.
Vor wichtigen Verträgen wurde der Veles-Schwur abgelegt. In Bauern-Tradition Brauch der ersten Garbe an Veles geweiht („Velesov bart“). In modernen rodnowierie-Versammlungen wieder zentral, besonders in der Schamanen-Linie.
Schlangen-Gestalt, Hörner, Bart, Hirtenstab, Bärenpelz, Schatz (Gold und Edelmetall), erste Garbe (Velesov bart). Heilige Tiere: Bär, Schlange, Wolf (in einigen Versionen), Vieh allgemein. Heilige Pflanzen: Eiche (paradoxerweise auch Peruns, aber in unterschiedlichem Aspekt). Heilige Orte: Bärenhöhlen, Bergwerke, Sumpfgebiete. Heiliger Tag: 11. Februar.
Volos (russische Variante), Velnias (Baltisch, verwandter Schlangen- und Totengott), Vala (Hinduismus, vedische Dämonen-Schlange im Indra-Mythos, gemeinsame indogerm.
Wurzel), Vritra (Hinduismus, weiterer Drachen-Antagonist Indras), Apsu (Mesopotamien, chthonisches Süsswasser), Hermes (Griechenland, Patron der Dichter, des Vertrags, der Magie), Loki (Germanisch, trickster, ähnlicher Antagonist von Thor). Funktional: alle Schlangen-/Trickster-/Magie-Götter teilen Veles-Aspekte. Im weiteren Vergleich: alle Donnergott-Antagonisten (Vritra, Tiamat, Yamata-no-Orochi, Apophis).
Veles entspricht dem baltischen Vėlinas (Unterweltsgott), dem vedischen Valas (Dämon und Schatzwächter), und weiter entfernt den griechischen Hades und Pluto. Der Drachen-Aspekt verbindet ihn mit Jörmungandr der Germanen und Apep des Ägyptens. Seine Dualität, böse und notwendig, zerstörerisch und generativ, Reich und Untergang, ist ein archäologisches Muster indoeuropäischer Mythologien.
Jüdische Tradition: Samael und dämonische Unterweltsherren teilen mit Veles die chthonische Macht und die Rolle der Gegnerschaft zu einer höheren Gottheit, strukturelles Dualismus-Muster.
Griechisch-römische Welt: Hades und Pluto regieren die Unterwelt und Reichtümer wie Veles. Hermes als Grenzgott und Handelsgott teilt Veles‘ Funktionen in Vermittlung und Wohlstandsvermehrung.
Germanische Tradition: Loki und Odin teilen mit Veles Züge der List, der Magie und der chthonischen/grenzüberschreitenden Kraft, indoeuropäisches Pendant zur dualären Gottheitsstruktur.
Hinduismus: Yama, der Herr der Toten, und Kubera, der Reichtumsgott, vereinen in gewissem Sinne Veles-artige Funktionen, Unterwelt/Übergang und Wohlstandsverwaltung.
Die einflussreichste moderne Deutung des Veles steht im Zusammenhang mit der Hypothese vom slawischen Grundmythos. Die russischen Sprach- und Religionswissenschaftler Wjatscheslaw Iwanow und Wladimir Toporow entwickelten in den 1960er und 1970er Jahren die These, dass im Zentrum der slawischen Mythologie ein Konflikt zwischen dem Donnergott Perun und seinem Gegenspieler Veles stehe.
Nach dieser Rekonstruktion ist Perun der himmlische Gott des Gewitters, Veles dagegen eine Gottheit der Unterwelt, des Wassers, des Viehs und der Toten, oft mit schlangen- oder drachenhaften Zügen. Der Mythos schildert, wie Veles Vieh oder die Frau Peruns raubt oder die himmlischen Wasser zurückhält.
Perun verfolgt ihn, schleudert seine Blitze, und Veles versteckt sich nacheinander in Bäumen, Steinen, Tieren und Menschen. Am Ende trifft Perun ihn, die zurückgehaltenen Wasser werden befreit, und es regnet.
Diese Rekonstruktion stützt sich auf den Vergleich mit anderen indogermanischen Mythen, besonders auf das verbreitete Motiv des Kampfes zwischen Gewittergott und Schlange, sowie auf Spuren in Volksliedern, Märchen und Brauchtum. Sie ist allerdings nicht unumstritten.
Kritiker weisen darauf hin, dass es keine zusammenhängende slawische Quelle gibt, die diesen Mythos erzählt, und dass die Rekonstruktion stark auf Analogieschlüssen beruht. Die Hypothese ist daher als plausibles, aber nicht gesichertes Modell zu behandeln. Sie hat die Forschung dennoch tief geprägt und bleibt der wichtigste Bezugspunkt für jede Beschäftigung mit Veles.
Veles gehört zu den wenigen slawischen Gottheiten, deren Name in zeitnahen schriftlichen Quellen tatsächlich belegt ist, wenn auch knapp. Die wichtigste Quelle ist die altrussische Nestorchronik, die „Erzählung von den vergangenen Jahren“.
Sie berichtet von Verträgen zwischen der Kiewer Rus und Byzanz im 10. Jahrhundert, bei denen die Rus ihre Eide bekräftigten, indem sie bei Perun und bei Volos, dem „Viehgott“, schworen.
Diese Stelle ist in mehrfacher Hinsicht aufschlussreich. Sie belegt erstens die Existenz des Gottes unter dem Namen Volos, zweitens seine Verbindung zum Vieh, und drittens seine Nennung zusammen mit Perun, was zur These vom Gegensatzpaar passt.
Bemerkenswert ist, dass Volos in der Chronik, anders als Perun, nicht unter den Götzenbildern erscheint, die der Kiewer Fürst Wladimir aufstellen ließ. Die Forschung diskutiert, ob dies auf eine andere Stellung im offiziellen Kult oder auf Lücken der Überlieferung hindeutet.
Eine weitere oft zitierte Stelle steht im Igorlied, einem altostslawischen Heldengedicht, dessen Datierung und Echtheit lange umstritten waren. Dort wird der Sänger Bojan als „Enkel des Veles“ bezeichnet.
Daraus hat die Forschung geschlossen, dass Veles auch mit Dichtung, Zauberspruch und ekstatischem Wort verbunden gewesen sein könnte, ähnlich wie es für andere Gottheiten der „dunklen“ Sphäre belegt ist.
Insgesamt bleibt die schriftliche Quellenlage dünn, sie ist aber für eine slawische Gottheit vergleichsweise gut, und sie sichert zumindest die Grundzüge: Vieh, Eid, Gegenspielerschaft zu Perun und ein Bezug zum Wort.
Die Verehrung des Veles hinterließ Spuren im bäuerlichen Brauchtum, die teils bis ins 19. und frühe 20. Jahrhundert von Volkskundlern aufgezeichnet wurden. Besonders bekannt ist der Brauch, am Ende der Ernte eine kleine Gruppe ungeschnittener Ähren auf dem Feld stehen zu lassen.
Dieses Büschel wurde in mehreren slawischen Regionen als „Bart“ bezeichnet, und in einigen Gegenden ausdrücklich als „Bart des Volos“ oder, nach christlicher Umdeutung, als „Bart des heiligen Nikolaus“ oder anderer Heiliger.
Solche Bräuche werden in der Forschung als möglicher Nachhall des Veles-Kultes gedeutet. Die stehengelassenen Halme galten als Gabe an die Macht, die für Fruchtbarkeit von Feld und Vieh zuständig war, und sollten den Ertrag des kommenden Jahres sichern.
Sicher beweisbar ist die Verbindung zu Veles allerdings nicht; sie beruht auf dem Zusammentreffen von Namen und Funktion.
Nach der Christianisierung wurden die Funktionen des Veles auf christliche Heilige übertragen. Eine verbreitete Annahme der Forschung verbindet ihn mit dem heiligen Blasius, dessen Name dem Volos lautlich nahesteht und der ebenfalls als Schutzpatron des Viehs galt. Auch der heilige Nikolaus übernahm in der Volksfrömmigkeit Züge, die zu Veles passen.
Dieser Vorgang, bei dem eine vorchristliche Gottheit unter christlichem Namen weiterwirkt, ist in der slawischen Religionsgeschichte mehrfach zu beobachten. Er erschwert zugleich die Rekonstruktion, weil sich heidnische und christliche Schichten im überlieferten Brauchtum kaum noch sauber trennen lassen. Wer mehr zum Gegenspieler sucht, findet weiterführende Hinweise im Eintrag zu Perun.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
Empfohlene Schutzmittel
Das einfachste Schutzmittel dieser Sammlung: 41 Schichten aus Echtgold 999, Platin, Silber und Silizium, gefertigt in Ruhla/Thüringen. Muss nicht aktiviert werden, ist an keine Person gebunden und wirkt im Umkreis von rund 50 Metern, auch ohne getragen zu werden.
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