Charybdis, der gesichtslose Sog von Messina
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Charybdis ist eine Dämonin der griechischen Tradition.
Dreimal täglich verschlingt sie das Meer samt jedem Schiff. Die gesichtslose Kraft des Sogs lässt Charybdis dreimal täglich das Meer samt jedem Schiff verschlingen. Diesen Beinamen Meeresstrudel-Ungeheuer der griechischen Sage trägt Charybdis bereits im Titel.
Charybdis ist das Strudel-Ungeheuer der griechischen Seefahrersage: Dreimal täglich saugt sie das Meer ein und speit es wieder aus, jedes Schiff vernichtend. Mit Skylla auf der Gegenklippe bildet sie das berühmteste Gefahrenpaar der Odyssee.
Sie bleibt körperlos: kein Gesicht, keine Glieder, nur der Feigenbaum als Landmarke. Spätere Autoren nennen sie eine Tochter des Poseidon und der Gaia; Kultbelege fehlen, sie lebt allein in der Literatur.
Typ: Meeresstrudel-Dämonin ohne Körpergestalt
Herkunft: Tochter des Poseidon und der Gaia
Texte: Homer, Thukydides, Vergil, Ovid
Zeitraum: 8./7. Jh. v. Chr. bis Spätantike
Erscheinung: Sog unter einem Feigenbaum, Straße von Messina
Quellenkontext
Zeitraum der Texte
Von der Odyssee bis in die Spätantike literarisch präsent, ohne dass je ein Kult entstand.
Verbreitungsraum
Griechenland, seit der Antike verortet in der Straße von Messina.
Belegdichte
Dicht bezeugt bei Homer, Thukydides, Vergil und Ovid, doch ohne Beleg für Tempel oder Opfer.
Name und Varianten
Name: Homer nennt sie „die göttliche Charybdis“. Spätere Quellen machen sie zur Tochter des Poseidon und der Gaia.
Erscheinung und Verhalten
Erscheinung
Charybdis bleibt körperlos: kein Gesicht, keine Glieder, nur der Sog und der Feigenbaum als Landmarke. Die Bildkunst hat sie kaum dargestellt.
Wirkung
Dreimal täglich saugt sie das Wasser ein und stößt es aus; ihr Sog erfasst Schiffe auch auf Distanz. Anders als die Sirenen greift sie keinen Willen an, nur den Kurs.
Steckbrief: Charybdis
Das Strudel-Ungeheuer auf einen Blick.
Homers Odyssee, danach Thukydides, Apollonios, Vergil, Ovid.
Seefahrer der Meerenge, dreimal täglich in Gefahr.
Unsichtbarer Sog, Feigenbaum als einzige Landmarke.
Verschlingt Schiffe samt Besatzung, streng ortsgebunden.
Kluge Kurswahl, im Notfall Festklammern am Feigenbaum.
Anders als Glaukos, den hilfreichen Meergott, kennt sie kein Wohlwollen.
Zwischen zwei Untiefen: Odysseus und die Meerenge
Die älteste Quelle ist der zwölfte Gesang der Odyssee: Kirke warnt Odysseus vor der Meerenge, in der Skylla und Charybdis einander gegenüber hausen. Odysseus durchquert sie zweimal: erst dicht an Skylla vorbei, sechs Gefährten verlierend; nach dem Schiffbruch treibt er in den Sog, klammert sich an den Feigenbaum und wartet, bis Charybdis Mast und Kiel wieder ausspeit.
Spätere Autoren machen sie zur Tochter des Poseidon und der Gaia. Thukydides verortet die Straße von Messina als Schauplatz, Vergil lässt Aeneas sie umfahren.
Vom Mythos zur Redewendung
Die Wendung „zwischen Skylla und Charybdis“ ist seit der lateinischen Literatur sprichwörtlich. Die Straße von Messina hat tatsächlich Gezeitenströmungen, für antike Ruderschiffe gefährlich, für heutige harmlos.
Religionsgeschichtlich zeigt Charybdis den Unterschied zwischen Mythos und Kult: Belege für Tempel oder Opfer fehlen völlig, sie bleibt eine rein literarische Schreckgestalt. Eine Krabbengattung trägt heute ihren Namen.
Kurswahl statt Bannspruch
Gegen den Sog selbst kennt die Überlieferung kein Amulett und keinen Bannspruch, nur Seemannschaft: Kirke rät, dicht an Skylla vorbeizurudern, statt das ganze Schiff zu verlieren. Als letzte Rettung blieb das Festklammern am Feigenbaum.
Für die Fahrt allgemein trugen Seeleute ein Amulett, reinigten sich mit Weihwasser und vertrauten auf Salz, während Apollonios die Argonauten göttlichen Geleitschutz erbitten lässt.
Verschlingende Wassermächte im Vergleich
Häufige Fragen zu Charybdis
Warum sagt man „zwischen Skylla und Charybdis“?
Weil jede Kursänderung in der Meerenge von einer Gefahr zur anderen führte, wurde das Paar zum Sinnbild einer Wahl zwischen zwei Übeln, real verankert in den Strömungen der Straße von Messina.
Weiterführende Verlinkungen
Weiterlesen:
- Griechenland – griechische Tradition
- Glaukos – Gegenbild
- Nereus, Okeanos – geordnete Meeresgötter
- Amulett, Salz, Weihwasser – Schutzmittel
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Wer zwischen Skylla und Charybdis steckt, zitiert unbewusst die berühmteste Gefahrenstelle der antiken Seefahrt. In Erinnerung bleibt sie als Charybdis-Szene des zwölften Odyssee-Gesangs: ein Sog ohne Gesicht, gegen den nur Kurswahl half, kein Bannspruch.





