Verwandlungsfähige Nachtdämonin im Gefolge Hekates.
Empusa ist eine der charakteristischsten Nachtgestalten der griechischen Tradition: ein verwandlungsfähiges Wesen, das Reisenden erscheint, die Gestalt einer schönen Frau annimmt und seine Opfer verführt, aussaugt und tötet. Sie gehört zum Gefolge Hekates und erscheint besonders an Kreuzwegen und abgelegenen Orten in der Nacht.
In der antiken Literatur tritt sie zuerst bei Aristophanes auf, später prominent in Philostratos‘ Vita Apollonii, wo sie sich als reizende Frau ausgibt und erst durch die Weisheit des Apollonios entlarvt wird. Ihre bekannteste Eigenheit: ein bronzenes Bein, das andere wie das eines Esels.
Typ: Verwandlungs- und Nachtdämonin
Herkunft: Gefolge Hekates
Texte: Aristophanes, Philostratos, Zauberpapyri, byzantinischer Volksglaube
Zeitraum: Klassik bis Spätantike und byzantinische Zeit
Verbreitung: Griechisch-römischer Kulturraum
Abwehr: Beschimpfung (vertreibt sie laut Aristophanes), Beschwörungen, Kreuzwegsopfer
Frühste Belege bei Aristophanes (5. Jh. v. Chr., Frösche). Vollständige Erzählgestalt bei Philostratos (2./3. Jh. n. Chr.). Zauberpapyri nennen sie im Kontext nächtlicher Beschwörungen. Im byzantinischen Volksglauben bleibt sie bis ins Mittelalter präsent.
Empusa ist in griechischer Mythologie ein dämonisches Wesen, Diener der Hekate, die nachts Wanderer verführt und verzehrt. Sie ist eine Formwandlerin, oft mit abnormalen Beinen. Empusae sind verwandt mit Lamiae, aber weniger an Blut als Fleisch interessiert. Sie verkörpern Nacht-Gefahr.
Kerngebiet ist die griechische Welt, Festland, Inseln, kleinasiatische Küste. Empusa-Erwähnungen finden sich besonders in attischen Komödien (Aristophanes, Frösche 285–293) und in spätantiken Schriften zu Hekate-Kulten. In der römischen Spätantike geht das Empusa-Profil teilweise in Lamia und in den Strix-Komplex auf.
Literarische Einzelbelege, Zauberpapyri, byzantinische Volksliteratur. Keine eigene Bildtradition; die Beschreibung lebt von literarischen Details, besonders von Philostratos‘ Erzählung.
Griechisch: Ἔμπουσα (Empousa), Etymologie unsicher. Mögliche Ableitung von en-pous („einbeinig“) wegen ihres charakteristischen einen Esels-Beins. Andere Forscher sehen einen vorgriechischen Hintergrund. Plural: Empusen, Empusai. Verwandt mit den Mormolykeiai (Schreckgestalten), Lamiai und mit der Hekate als nächtlicher Anführerin.
Grundform: Frauengestalt, oft schön und verführerisch. Charakteristisches Merkmal: ein bronzenes Bein, das andere wie das eines Esels. Verwandlungen zwischen Frau, Hündin, Kuh und anderen Tieren werden beschrieben.
Empusa tritt Reisenden, besonders allein Wandernden, nachts an Kreuzwegen oder abgelegenen Orten entgegen. Sie gibt sich als Reisebegleiterin, Geliebte, dann als Tier zu erkennen. Ihr Ziel ist das Aussaugen und Töten des Opfers.
Nacht, Kreuzwege, abgelegene Wege, Mahlzeiten mit Fremden. Sie agiert dort, wo der soziale Schutzraum fehlt.
Gefolge Hekates, ohne eigene Familiengeschichte. Empusa ist keine ehemalige Göttin wie Lamia, sondern von Beginn an dämonische Dienerin einer Nachtgottheit.
Empusa wird dargestellt mit menschlichem Oberleib und abnormalen Beinen, ein Fuß aus Erz, der andere Eselshuf. Sie trägt manchmal Tierkopf oder Maske. Feuer strahlt von ihr. Ein Gefühl von Anomalie und Gefahr emaniert. Hekate-Symbolik ist mit ihr verbunden.
Die wichtigsten Aspekte von Empusa auf einen Blick. Die Ausführung zu Name, Beschreibung, Abwehr und Parallelen finden Sie in den Kapiteln 2, 3, 5 und 6.
Gefolge Hekates. Keine göttliche Genealogie, keine eigene Herkunftsgeschichte, Empusa ist reines Nachtwesen.
Alleinreisende, besonders junge Männer. Menschen in der Fremde, an Kreuzwegen, bei nächtlichen Mahlzeiten mit Unbekannten.
Frau, oft schön; ein bronzenes Bein, eins wie das eines Esels. Verwandelt sich in Hündin, Kuh, schließlich in ihre „wahre“ schreckliche Gestalt.
Verführung, Aussaugung, Tod. Ihre Wirkung ist langsam, keine plötzliche Attacke, sondern eine Inszenierung der Täuschung.
Nach Aristophanes: Beschimpfung vertreibt sie. Philostratos: Sie weicht vor ausgesprochener Wahrheit. Zauberpapyri nennen Schutzformeln mit Hekate-Anrufung.
Lilītu, Lamia, Strix (römisch), Vrykolakas (byzantinisch), Inkubus/Sukkubus (mittelalterlich-christlich), Nachtmahr.
An Kreuzwegen wurden Opfer für Hekate dargebracht, Fladen, Eier, schwarze Tiere. Diese Opfer sollten zugleich die Dienerinnen Hekates, darunter Empusa, gnädig stimmen und auf Distanz halten.
Die griechischen Zauberpapyri enthalten Formeln gegen nächtliche Angreifer, die Hekate anrufen und ihre Dienerinnen zurückverweisen. Die Struktur: Anrufung der Herrin, Identifikation des Bedrohers, Abwehrbefehl.
Hekataia, kleine Statuen Hekates an Hauseingängen, schützen auch gegen Empusa. Das Gorgoneion als apotropäisches Bild. Namensamulette in der Spätantike.
Empusa wird nicht verehrt, aber als Hekate-Diener respektvoll gefürchtet. Nächtliche Reisende trugen Schutzamulette. Hekate-Magie kann sie anrufen oder bannen. In Mysterien-Traditionen werden Empusae als Aspekte von Hekates Macht verstanden. Ruhe beim Durchgang ihrer Bereiche.
Mesopotamien: Die akkadische ardat-lilî teilt das Profil der nächtlich-sexuellen Frauen-Dämonin und bildet einen typologischen Vorgänger; ein direkter kultureller Kontakt ist nicht nachweisbar.
Strix und Striga übernehmen die nächtliche Gestaltwandel-Funktion; Lamiae bilden die kollektivierte Form des Lamia-Empusa-Komplexes. Lucianus von Samosata bezeugt in der Spätantike die populäre Gleichsetzung der beiden Begriffe.
Mittelalter und Frühe Neuzeit: Im scholastisch-theologischen Schrifttum verschmilzt Empusa mit dem Sukkubus-Begriff. In Hexen-Verfolgungen wird das einbeinige Element (Esels- bzw. Bocksfuß) zum Standard-Marker des Teufels-Bündnisses.
Charles Kingsley nutzt Empusa als Charakter in Hypatia (1853). In der modernen Fantasy- und Mythen-Rezeption (z. B. bei Rick Riordans Percy-Jackson-Reihe) erscheint sie als Hekate-Begleiterin und gestaltwandelnde Verführerin. In der psychoanalytischen Literatur (Robert Graves) wird sie als Archetyp der nächtlich-bedrohlichen Weiblichkeit gelesen.
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