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Trasgu, der Kobold mit dem Loch in der Hand

Der Trasgu ist Geist der nordspanischen Volksüberlieferung.

Der schelmische Hauskobold mit dem Loch in der linken Hand.

GeistSpanien

Inhaltsverzeichnis

Trasgu, der Hauskobold Asturiens
Trasgu

Der Trasgu ist der Hauskobold Asturiens und Nordspaniens, ein ambivalenter duende familiar mit roter Zipfelmütze und einem Loch in der linken Hand. Er ist schelmisch-lästig, im Kern aber nicht bösartig.

Gut behandelt ist er auffallend ordentlich und hütet Haus und Tiere; schlecht behandelt zerbricht er Geschirr und stiehlt. Wer ihn ganz loswerden will, hat nur einen verlässlichen Weg: eine unlösbare Aufgabe, an der der eigentlich ordentliche Kobold beschämt scheitert.

Im Überblick: Trasgu

Typ: Ambivalenter Hausgeist von Dachboden, Stall und Herd
Herkunft: Nordspanische Folklore, ab dem 17. Jahrhundert bezeugt
Texte: Pater Feijoo, Cabal, de Llano
Zeitraum: 17. Jahrhundert bis Gegenwart
Erscheinung: kleiner dunkler Kobold mit roter Mütze und durchlöcherter linker Hand

Textgeschichte

Zeitraum der Texte

Nordspanische Folklore, literarisch bereits im 17. Jahrhundert bei Pater Feijoo bezeugt; um 1900 dokumentiert Cabal den Trasgu als schwindenden Ahnenglauben.

Verbreitungsraum

Kernraum ist Asturien, dazu León, Kantabrien und Ost-Galicien; galicisch heißt der Kobold trasno oder trasgo.

Quellenlage

Gut dokumentiert: die Folklore-Sammlungen von Constantino Cabal und Aurelio de Llano sowie die frühe literarische Bezeugung bei Pater Feijoo.

Name und Varianten

Asturisch: trasgu, wahrscheinlich von lateinisch transgredi, übertreten, passend zum Regelübertreter; galicisch trasno oder trasgo.

Wesen und Wirkung

Erscheinung

Der Trasgu ist ein kleiner duende mit dunkler oder brauner Haut und roter Zipfelmütze, oft hinkend, mit Schwanz und manchmal Hörnern, und immer mit einem Loch in der linken Hand. Hörner, Hinken und Teufelszüge sind christliche Überformung, nicht ältester Bestand.

Wirkung

Als Hausgeist von Dachboden, Stall und Herd lärmt er, versteckt und verstellt Dinge und schreckt das Vieh, bleibt im Kern aber nicht bösartig. Gut behandelt ist er auffallend ordentlich und hütet Haus und Tiere; schlecht behandelt zerbricht er Geschirr und stiehlt. Bei frommen Anrufungen weicht er kurz.

Steckbrief: Trasgu

Die wichtigsten Aspekte des Hauskobolds auf einen Blick.

Tradition

Ambivalenter Hausgeist der nordspanischen Folklore mit altem, mündlich bezeugtem Kern, ab dem 17. Jahrhundert literarisch fassbar.

Zuständig für

Haus, Dachboden, Stall und Herd: Dort lärmt und wirtschaftet der Trasgu, je nach Behandlung als Plagegeist oder heimlicher Helfer.

Darstellung

Kleiner dunkler Kobold mit roter Zipfelmütze, oft hinkend, mit Schwanz und manchmal Hörnern, immer mit einem Loch in der linken Hand.

Funktion

Gut behandelt hütet er Haus und Tiere und hält auffallend Ordnung; schlecht behandelt zerbricht er Geschirr, stiehlt und schreckt das Vieh.

Abwehrformen

Eine unlösbare Aufgabe: verstreutes Korn aufsammeln, das durch das Loch in seiner Hand rieselt, einen Korb voll Wasser tragen oder ein schwarzes Zicklein weiß waschen.

Pendants

Der deutsche Kobold als nächste Parallele, dazu Brownie und Boggart, Leprechaun, Korrigan, Follet und Lutin sowie innerspanisch Trasno und Duende.

Vom Regelübertreter zum schwindenden Ahnenglauben

Der Name geht wahrscheinlich auf lateinisch transgredi, übertreten, zurück, passend zum Regelübertreter; galicisch heißt er trasno oder trasgo. Literarisch ist der Trasgu bereits im 17. Jahrhundert bei Pater Feijoo bezeugt, um 1900 dann bei Cabal als schwindender Ahnenglaube.

Sein Kernraum ist Asturien, dazu León, Kantabrien und Ost-Galicien. Was heute als kanonisches Bild gilt, verdankt sich zu einem erheblichen Teil den Folkloristen-Sammlungen des 19. und 20. Jahrhunderts, die den mündlich überlieferten Stoff ordneten und deuteten.

Vom Hofgeist zur Ikone Asturiens

Der Trasgu ist eine Ikone asturischer Identität, präsent in Illustrationen von Álvarez Peña und im Lied Trasgu von Víctor Manuel; literarisch erscheint er bei Ana María Matute, Torrente Ballester und Rafael Dieste.

Religionswissenschaftlich ist der Trasgu ein ambivalenter Hausgeist mit altem, mündlich bezeugtem Kern. Drei Klarstellungen: Ein großer Teil des heute kanonischen Bildes stammt aus Folkloristen-Sammlungen des 19. und 20. Jahrhunderts, deren keltisch-romanische Kontinuitätsthesen Interpretation sind. Die Hörner sind christliche Überformung. Und die scharfe Trennung von Trasgu und verwandten Wesen ist teils erst analytische Ordnung.

Loswerden durch die unlösbare Aufgabe

Ein Umzug hilft nicht, denn der Trasgu kommt mit. Der einzig verlässliche Weg, ihn loszuwerden, ist eine unlösbare Aufgabe: einen Korb voll Wasser tragen, ein schwarzes Zicklein weiß waschen oder verstreutes Korn aufsammeln, das ihm durch das Loch in der Hand wieder herausrieselt. Beschämt gibt der eigentlich ordentliche Trasgu auf und geht. In der galicischen Variante wirft man ihm Körner zum Zählen hin, an denen er sich verzählt.

Kobolde von Asturien bis Britannien

Die nächste Parallele ist der deutsche Kobold; weiter stehen der britische Brownie und Boggart, der irische Leprechaun, der bretonische Korrigan und der französische Follet und Lutin daneben. Innerspanisch entsprechen ihm der galicische Trasno und der Duende.

Häufige Fragen zum Trasgu

Was ist ein Trasgu?

Der asturische Hauskobold, ein ambivalenter duende mit roter Mütze und einem Loch in der Hand. Sein Kernraum ist Asturien, dazu León, Kantabrien und Ost-Galicien.

Wie wird man ihn los?

Durch eine unlösbare Aufgabe, etwa verstreutes Korn aufzusammeln, das durch das Loch in seiner Hand rieselt. Beschämt gibt der ordentliche Kobold auf; ein Umzug dagegen hilft nicht.

Ist er bösartig?

Nein, er ist schelmisch-lästig; gut behandelt ist er sogar auffallend ordentlich und hütet Haus und Tiere.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Cabal, Constantino: La mitología asturiana. Los dioses de la muerte. Madrid 1925.
  • de Llano Roza de Ampudia, Aurelio: Del folklore asturiano. Madrid 1922.
  • Álvarez Peña, Alberto: Mitología asturiana. Gijón 2005.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als asturischer Hauskobold mit dem Loch in der Hand ist der Trasgu das freundlichste Gesicht des Typs duende familiar: ein Geist, der plagt, aber auch hütet, und der sich nur durch eine unlösbare Aufgabe vertreiben lässt.

Einordnung & Schutz

IISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe II zu – Spürbare Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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