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Brigid, Göttin der keltischen Tradition

Brigid ist die Göttin der keltischen Tradition, die Feuer, Heilkunst, Dichtung und Handwerk verkörpert. Sie repräsentiert einen der wenigen christlich-heidnischen Synkretismen der frühmittelalterlichen Inselkultur und ist religionsgeschichtlich ein Schlüsselzeugnis für die Kontinuität vorkeltischer Verehrungsformen in nominell christianisierter Gesellschaft.

Inhaltsverzeichnis

Brigid - Götter aus der Keltisch-Tradition, historisch-illustrativ
Brigid

Brigid wird in der Literatur als Göttin dreifacher Aspekte beschrieben: der Heilkunst, der Dichtung und des Kunsthandwerks. Sie gehört zum Tuatha Dé Danann, der göttlichen Rasse der keltischen Überlieferung, und wird als Frau des Bres oder anderer bedeutender Gestalten überliefert.

Nach der Christianisierung wurde sie als heilige Brigitte, Schutzpatronin Irlands, fortgeführt. Zentral ist ihr Fest Imbolc, der erste Februar, der Übergangstag zum Frühling und mit Fruchtbarkeit und neuem Leben assoziiert.

Schnellüberblick: Brigid

Die Belege stammen primär aus mittelalterlichen irischen Handschriften wie dem Metrical Dindshenchas, das Ortslegenden sammelt, und aus hagiographischen Texten zur heiligen Brigitte, die ab dem 7. Jahrhundert entstanden.

Bernhard Maier und Birkhan haben dargelegt, dass die Kontinuität dieser Figur zwischen heidnischer Göttin und christlicher Heiliger ungeklärt bleibt, aber textlich unvermeidlich ist. Die irische Inselkirche bewahrte keltische Traditionen intensiver als kontinentale Christenheit.

Kontext

Zeitraum der Texte

Die schriftliche Überlieferung zu Brigid reicht mehrere Jahrhunderte zurück in die Vergangenheit, mit großer Wahrscheinlichkeit noch älteren mündlichen Traditionen, die vorher existierten. Die Keltisch haben diese Entität oder dieses Konzept über außerordentlich lange Zeiträume bewahrt und sorgfältig von Generation zu Generation weitergegeben, was auf zentrale religiöse und kulturelle Bedeutung hindeutet.

Von der Göttin der Tuatha Dé Danann über die heilige Brigid von Kildare bis zu den Brigid-Bräuchen des 20. Jahrhunderts lässt sich die Überlieferung in Irland über weite Zeiträume verfolgen. Das Flechten von Brigid-Kreuzen am 1. Februar wird bis heute geübt, seit 2023 ist der Brigidstag in Irland gesetzlicher Feiertag. Die christliche Heilige hat dabei Züge der älteren Göttin aufgenommen, sodass die Grundgestalt trotz des Religionswechsels erkennbar geblieben ist.

Mythologische Einordnung

Brigid ist eine der wichtigsten Göttin der irischen und britischen keltischen Tradition. Sie ist Göttin des Feuers, der Heilkunst, Dichtkunst und Schmiedekunst. Sie ist dreifach oder neunfach in Genealogie. Brigid war so bedeutend, dass sie in christliche Heiligenverehrung aufgenommen wurde.

Verbreitungsraum

Brigid war nicht auf bestimmte Region oder Lokationen begrenzt, sondern universell in der gesamten Keltisch-Welt bekannt und verehrt oder respektvoll gefürchtet. Ob in großen urbanen Zentren oder in peripherer ländlicher Region, ob bei sozialem Elite oder bei einfachem Volk, die spirituelle oder kulturelle Bedeutung dieser Entität war durchgehend anerkannt und universell.

Cormacs Glossar nennt Brigid die Göttin, die alle irischen Dichter verehrten, was ihren Rang innerhalb der gelehrten Stände Irlands belegt. Ihr Name erscheint zudem in Britannien und Gallien in verwandten Formen wie Brigantia, der Stammesgöttin der Briganten. Diese Verbreitung über keltisch geprägte Gebiete hinweg erklärt sich aus gemeinsamen Sprachwurzeln und den Verbindungen zwischen den keltischen Gruppen der Inseln und des Festlands.

Quellenlage

Primärquellen: das Metrical Dindshenchas (mittelalterlich, sammelt vorchristliches Material), die Lebensbeschreibungen der heiligen Brigitte (7. 9. Jh.), und fragmentarische Götterverzeichnisse im Yellow Book of Lecan.

Zeiträume: die mythologischen Erzählungen rekonstruieren eisenzeitlich-römische Verhältnisse (ca. 500 v. Chr. 400 n. Chr.), die Aufzeichnungen entstanden jedoch 8. 12. Jh. Forscher: Proinsias Mac Cana (Celtic Mythology), Bernhard Maier (Die Religion der Kelten), Helmut Birkhan (Kelten) analysieren die Synkretismusphänomene.

Name und Varianten

Brigid wird in den verschiedenen Quellen und künstlerischen Traditionen mit bestimmten wiederkehrenden ikonographischen Elementen dargestellt, die über Jahrzehnte und über verschiedene geografische Räume hinweg relativ konstant bleiben. Diese Elemente sind nicht rein dekorativ oder zufällig gewählt, sondern sind tief symbolisch kodiert und tragen große Bedeutung.

Die Kennzeichen Brigids tragen jeweils eine bestimmte Aussage: Die Verbindung zu Feuer und Schmiede verweist auf ihr Handwerksamt, das heilige Feuer von Kildare auf ihre Heilfunktion, die Zuordnung zur Dichtkunst auf ihre Stellung als Schutzherrin der Filid, der gelehrten irischen Dichter. Das Brigid-Kreuz aus geflochtenen Binsen, der Bezug zur Quelle und das Frühjahrsfest Imbolc ergeben zusammen ein lesbares Zeichensystem. Wer mit der irischen Überlieferung vertraut war, konnte daraus Zuständigkeit und Rang der Göttin ablesen: eine Gestalt, die Dichtung, Schmiedekunst und Heilung in einer dreifachen Form vereint, wie sie Cormacs Glossar im 9. Jahrhundert beschreibt.

Beschreibung

Brigid war zentral in der religiösen Praxis, den Alltagsritualen und im alltäglichen Verständnis der Keltisch. Menschen wendeten sich in kritischen oder bestimmten Lebenssituationen oder zu bestimmten rituellen Jahreszeiten an diese Entität, mit strukturierten, oft aufwendigen Ritualen, Gebeten oder Opfergaben.

Die Verehrung Brigids folgte festen Bahnen: Das Fest Imbolc am 1. Februar markierte einen klar bestimmten Termin im Jahreslauf, und die Bräuche um Brigid-Kreuze aus Binsen oder das Auslegen von Tüchern in der Festnacht wurden in geregelter Form weitergegeben. Nach der Verschmelzung mit der heiligen Brigid von Kildare lag die Pflege des dortigen Kults in den Händen einer geordneten Klostergemeinschaft, deren Frauen das überlieferte Feuer hüteten.

Dass Imbolc vom vorchristlichen Irland bis in die christliche Zeit als Brigidstag (Lá Fhéile Bríde) begangen wurde, zeigt, welchen Nutzen man den Bräuchen zuschrieb. Ihre Aufgaben deckten mehrere Bereiche ab: Das Brigid-Kreuz über der Tür sollte Haus und Vieh vor Schaden bewahren, ihre Zuständigkeit für Heilung galt Kranken und Gebärenden, und das Fest am 1. Februar begleitete den Übergang vom Winter zur beginnenden Weidezeit mit dem ersten Lammen der Schafe.

Erscheinung und Symbolik

Brigid wird dargestellt als leuchtend schöne Frau mit rotem oder goldenem Haar, oft in Feuer gehüllt. Eine Krone umgibt sie. Ihre Attribute sind Fackel, Amboss und Hammer, Heilkräuter, Harfe. Brunnen und Quellen sind heilig. Das Brigid-Kreuz ist ihr Symbol.

Steckbrief: Brigid

Der Steckbrief zeigt Brigid in sechs Dimensionen: ihre kulturelle Herkunft, ihre Verehrungskreise, ihre Ikonographie, die ihr zugesprochenen Kräfte, Respekt- und Anrufungsmodi sowie Entsprechungen in Nachbarkulturen. Dies ermöglicht einen systematischen Überblick dieser vielschichtigen Göttin.

Kulturkontext

Brigid entstammt der vorkeltischen oder früh-indo-europäischen Schicht der irischen Tradition, worauf der Götterrat Tuatha Dé Danann hinweist. Ihre erste literarische Erwähnung findet sich im Metrical Dindshenchas und in Genealogien des 9. 10. Jh. Geografisch ist sie Irland-zentriert, mit sekundären Belegen aus schottischen Highlands.

Die Figur der heiligen Brigitte, ab dem 7. Jh. bezeugt, überlagert die göttliche Gestalt und zeigt Kult-Kontinuität über die Christianisierungswende hinweg.

Wirkungsgegenstand

Brigid wurde von Dichterfamilien (Filí), Heilkundigen, Schmieden und Handwerksfrauen angerufen. Ihr Fest Imbolc war Anlass für Reinigungsrituale und Fruchtbarkeitsfeierlichkeiten. In christlicher Zeit wandten sich Frauen in Kindsnöten und bei Krankheitsbelangen an die heilige Brigitte. Besonders Klöster widmeten sich ihrer Verehrung, etwa das von Kildare, das Brigitten-Tradition pflegte und wirtschaftliche wie intellektuelle Zentren bildete.

Form

Brigid wird in Kunsthandwerk und literarischen Beschreibungen mit Feuer assoziiert, als Flamme der Inspiration, der Heilung und der Schmiedekunst. Ein Feuer zu Kildare soll ihr geweiht gewesen sein, betreut von Nonnen.

Sie trägt mitunter Attribute der Hebamme und Ärztin. In mittelalterlichen Handschriften erscheint sie würdig und von Strahlkraft umgeben, oft begleitet von Flammen oder heilsamen Wassern.

Tätigkeit

Brigid wirkte als Patronin in einer ungewöhnlich breiten Funktionspalette: als Heilerin, als Hüterin der Schmiedekunst, als Schützerin der Dichter und als Gewährerin von Fruchtbarkeit für Vieh und Menschen. In Cath Maige Tuired erscheint sie als kulturstiftende Figur, deren Trauerklage um den gefallenen Sohn Ruadán das erste solche Lied der irischen Tradition begründet.

Spätere hagiographische Texte, etwa Bethu Brigte (9. Jh.), übertragen ihre Wirkkraft auf die christliche Heilige Brigid von Kildare und schreiben Heilung Kranker, Vermehrung von Speisen und Schutz von Herden zu.

Abwehrformen

Brigid gilt als wohltätig und fördernd. Frauen und Handwerker riefen sie an, um Geschick und Schutz in ihrer Tätigkeit zu erlangen. In hagiographischen Texten hilft sie Notleidenden durch Wunder. Heute ist sie Anrufungsfigur für künstlerisches Schaffen, Heilung und Schutz der Heimat. Es gibt keine Abwehrpraktiken, da Brigid nicht als schadhaft oder gefährlich gilt.

Verwandte Wesen

Vergleichbar sind die griechische Athena (Handwerk, Kampf, Weisheit), die römische Vesta (Hausflamme, Schutz), und in der indischen Tradition die Göttin Saraswati (Künste, Dichtung). Die dreifache Aspektgebung erinnert an Hekataie-Darstellungen oder dreigestaltige Götter-Triaden in keltischen Denkmälern. Diese Parallelen zeigen universelle religiöse Muster der Verehrung Kultur schaffender Gottheiten.

Brigid, Parallelen in anderen Kulturen

Heilige Frauen, die Heilkunst, Schmiedehandwerk und Dichtung in einer Person vereinen, finden sich in mehreren Mythologien, von der römischen Minerva über die nordische Eir bis zur slawischen Mokosch; jede Tradition gewichtet die drei Aspekte unterschiedlich.

Jüdische Tradition: Keine direkte Entsprechung existiert. Entfernt verwandt sind Miriam (Prophetin, Musik, Anführerin) in der Exodus-Tradition oder personifizierte Weisheit (Chokmah/Sophia) als weibliche Schöpfergöttin-ähnliche Figur.

Griechisch-römische Welt: Athena verkörpert Kunsthandwerk und strategische Weisheit, während Hestia/Vesta die Hausflamme und Gemeinschaftszusammenhalt repräsentieren. Asklepios und Hygieia entsprechen Brigids Heilaspekt. Das römische Vesta-Heiligtum mit ewigem Feuer parallelisiert Brigids Feuer zu Kildare.

Mesopotamien: Ninḫursaĝa, Göttin der Geburt und Heilung, und Inanna, Göttin der Kunstfertigkeit und der Liebe, zeigen thematische Überschneidungen. Auch Enki, Gott des Kunsthandwerks, könnte als maskuline Parallele gelten.

Indien/Asien: Saraswati (Dichtung, Künste, Weisheit) und Lakshmi (Wohlstand, Handwerk-Förderung) teilen Brigids Rolle als Förderin menschlichen Schaffens. Im japanischen Shintoismus entspricht ihr teilweise Benzaiten (Künste, Musik).

Die Verschmelzung mit der heiligen Brigida von Kildare

Eine der meistdiskutierten Fragen der irischen Religionsgeschichte betrifft das Verhältnis zwischen der Göttin Brigid und der christlichen Heiligen Brigida von Kildare, deren Fest am 1. Februar, dem Tag von Imbolc, begangen wird.

Die Heilige soll im 5. oder frühen 6. Jahrhundert gelebt haben; ihre älteste Vita verfasste der Mönch Cogitosus um 650, die Vita Sanctae Brigitae.

Cogitosus berichtet von einem Kloster in Kildare (Cill Dara, Kirche der Eiche), in dem ein heiliges Feuer brannte, das von Nonnen gehütet wurde und nie erlöschen durfte.

Giraldus Cambrensis beschrieb dieses Feuer noch im 12. Jahrhundert. Diese Feuerverehrung, die Verbindung zu Vieh, Milch und Fruchtbarkeit sowie der Festtermin haben viele Forscher dazu bewogen, in der Heiligen eine christianisierte Form der Göttin zu sehen.

Die neuere Forschung mahnt jedoch zur Vorsicht. Historiker wie Lisa Bitel haben darauf hingewiesen, dass eine reale Äbtissin namens Brigida durchaus existiert haben kann und dass die Hagiografie eigenen literarischen Gesetzen folgt. Die Übereinstimmungen lassen sich teils als bewusste Aneignung vorchristlicher Motive durch die Klostergemeinschaft erklären, teils als allgemeine Gemeinsamkeiten frühmittelalterlicher Heiligenviten.

Sicher ist, dass der Kult der Heiligen den der Göttin überlagerte und ältere Bräuche, etwa das Flechten des Brigid’s Cross aus Binsen, an den christlichen Festtag band. Die Kontinuität ist real, ihre genaue Form bleibt umstritten.

Brigid in der mittelalterlichen Textüberlieferung

Das meiste, was über die Göttin Brigid bekannt ist, stammt nicht aus zeitgenössischen heidnischen Quellen, sondern aus Texten, die christliche Gelehrte im Mittelalter niederschrieben. Die wichtigste Stelle findet sich im Sanas Cormaic (Cormacs Glossar), einer etymologischen Sammlung, die traditionell dem Bischof Cormac mac Cuilennáin (gestorben 908) zugeschrieben wird.

Dort heißt es, Brigid sei eine Dichterin (banfili), Tochter des Dagda, und es habe zwei weitere Brigids gegeben, eine zuständig für die Heilkunst und eine für die Schmiedekunst.

Aus dieser Notiz leitet die Forschung das Bild einer dreifachen Göttin oder dreier gleichnamiger Schwestern ab. Ob es sich um eine genuin alte Vorstellung oder um eine gelehrte Konstruktion des Glossators handelt, lässt sich nicht abschließend klären.

Weitere Erwähnungen finden sich im Lebor Gabála Érenn (Buch der Landnahmen) und in der Erzählung Cath Maige Tuired (Die Schlacht von Mag Tuired), wo Brigid als Frau des Bres und Mutter des Ruadán erscheint und nach dessen Tod den Klagegesang (keening) erfunden haben soll.

Diese Quellen sind in Handschriften des 11. bis 15. Jahrhunderts erhalten, beruhen aber teils auf älteren Vorlagen. Die Religionswissenschaft betont deshalb, dass jede Aussage über Brigid durch den Filter klösterlicher Gelehrsamkeit gegangen ist.

Imbolc: Das Fest zu Frühlingsbeginn

Mit Brigid eng verbunden ist Imbolc, eines der vier großen Feste des irischen Jahreskreises, das am 1. Februar liegt und den Beginn des Frühlings markiert.

Der Name wird meist mit dem Lammen der Schafe und dem Einsetzen der Milchproduktion in Verbindung gebracht; eine verbreitete Etymologie deutet ihn als i mbolg (im Bauch) im Sinne der trächtigen Mutterschafe, doch auch hier ist die Forschung uneins.

Die ältesten Belege für das Fest stammen aus mittelalterlichen Texten wie der Erzählung Tochmarc Emire (Die Werbung um Emer), die Imbolc neben Samhain, Beltaine und Lugnasad nennt. Konkrete rituelle Details für die heidnische Zeit fehlen weitgehend; das Wissen über die Bräuche stammt aus der volkskundlichen Überlieferung der Neuzeit.

Dokumentiert sind aus dem ländlichen Irland und Schottland das Flechten des Brigidkreuzes, das Herstellen einer Strohpuppe (Brídeóg), die von Haus zu Haus getragen wurde, sowie das Auslegen eines Tuches oder Bandes über Nacht, das Brat Bríde, dem Heilkraft zugeschrieben wurde.

Diese Praktiken wurden im 19. und frühen 20. Jahrhundert von Sammlern wie Alexander Carmichael in der Carmina Gadelica festgehalten. Wie viel davon auf die vorchristliche Göttin zurückreicht, ist methodisch schwer zu bestimmen.

Brigantia und die Frage der festlandkeltischen Verbreitung

Der Name Brigid wird sprachlich auf eine urkeltische Wurzel *brigantī zurückgeführt, die etwa die Erhabene oder die Hohe bedeutet. Dieselbe Wurzel steckt im Namen der Göttin Brigantia, die im römischen Britannien, besonders im Gebiet des Stammes der Briganten in Nordengland, durch Inschriften und Weihesteine bezeugt ist.

Auf einem Relief aus Birrens in Schottland erscheint Brigantia in der Gestalt einer Minerva oder Victoria, mit Speer, Schild und Mauerkrone. Inschriften nennen sie teils zusammen mit der römischen Staatsgottheit, was auf eine offizielle Funktion als Schutzgöttin des Stammesverbandes deutet.

Ob Brigantia und die irische Brigid auf eine gemeinsame, weit verbreitete keltische Gottheit zurückgehen oder ob lediglich der Name verwandt ist, gehört zu den offenen Fragen der keltischen Religionsforschung.

Vergleichbare Namen tauchen auch im festlandkeltischen Raum auf, etwa in Ortsnamen wie Bregenz (Brigantion) am Bodensee.

Manche Forscher, darunter in der Tradition von Georges Dumézil arbeitende Religionswissenschaftler, haben Brigid mit indogermanischen Vorstellungen einer Göttin der Morgenröte oder der dichterischen Inspiration verglichen und auf Parallelen zur vedischen Göttin Bharatī oder zur Sarasvatī verwiesen. Solche Vergleiche bleiben hypothetisch, zeigen aber, wie tief der Name sprachlich verankert ist.

Die moderne Rezeption: Neuheidentum und kulturelle Wiederbelebung

Seit dem späten 20. Jahrhundert hat Brigid eine bemerkenswerte Wiederbelebung erfahren. In neuheidnischen und Wicca-nahen Strömungen gilt sie als eine der am häufigsten verehrten Gottheiten, oft als dreifache Göttin von Dichtung, Heilkunst und Schmiedekunst gedeutet. Imbolc wurde als einer der acht Jahreskreisfeste in den modernen heidnischen Festkalender übernommen.

Diese Rezeption verschmilzt häufig Materialien unterschiedlicher Herkunft: mittelalterliche irische Texte, neuzeitliche Volksbräuche, die Hagiografie der Heiligen und romantische Rekonstruktionen des 19. Jahrhunderts. Religionswissenschaftlich ist wichtig zu trennen, was historisch belegt ist und was zeitgenössische Aneignung darstellt. Die moderne Brigid ist ein eigenständiges religiöses Phänomen, nicht einfach die Fortsetzung der mittelalterlichen Göttin.

Parallel dazu steht eine kulturelle Wiederbelebung in Irland selbst. In Kildare unterhält eine Gemeinschaft von Brigidinen seit 1993 wieder ein symbolisches ewiges Feuer. Seit 2023 ist der 1. Februar in der Republik Irland ein gesetzlicher Feiertag, benannt nach Brigid, was die anhaltende identitätsstiftende Kraft der Figur zeigt.

In der feministischen Theologie und in der Friedensbewegung wird Brigid zudem als Symbol weiblicher Autorität und kreativer Kraft in Anspruch genommen. Die Gestalt bleibt damit ein Beispiel dafür, wie eine mythologische Figur über Jahrhunderte hinweg immer wieder neu mit Bedeutung gefüllt wird.

Brigid in der Familie der Túatha Dé Danann

Innerhalb der mythologischen Genealogie der Túatha Dé Danann, des Göttergeschlechts der irischen Überlieferung, nimmt Brigid eine zentrale verwandtschaftliche Stellung ein. Sie gilt als Tochter des Dagda, des großen Vatergottes, und damit als Schwester von Gestalten wie Aengus, Bodb Derg und Cermait.

In Cath Maige Tuired wird sie als Ehefrau des Bres genannt, jenes Königs, der halb den Túatha Dé, halb den feindlichen Fomori entstammt. Aus dieser Verbindung geht der Sohn Ruadán hervor.

Brigid steht damit an einer Nahtstelle zwischen den beiden verfeindeten mythischen Geschlechtern, eine Position, die sie zur Vermittlerin macht. Als Ruadán im Kampf fällt, soll Brigid den ersten Klagegesang Irlands angestimmt haben, womit ihr die Erfindung des rituellen Trauerns zugeschrieben wird.

Diese genealogischen Angaben sind nicht durchgängig konsistent. Verschiedene Handschriften und Texttraditionen ordnen Brigid teils unterschiedliche Verwandte zu, und die bereits erwähnte Aufspaltung in drei gleichnamige Schwestern erschwert das Bild zusätzlich.

Die Forschung sieht darin weniger einen Widerspruch als ein Merkmal mündlich geprägter Überlieferung, die mehrere Versionen nebeneinander zuließ. Festzuhalten bleibt, dass Brigid in praktisch allen Strängen als hochrangige Figur erscheint, eng an den Dagda gebunden und mit den Kernbereichen Dichtung, Heilung und Handwerk verknüpft.

Weiterführende Verlinkungen

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Literatur (Auswahl)

Quellen zu Brigid:

  • Ó hÓgáin, Dáithí: The Lore of Ireland. An Encyclopaedia of Myth, Legend and Romance. Boydell Press, Woodbridge 2006.
  • Aldhouse-Green, Miranda: The Celtic Goddesses. Warriors, Virgins and Mothers. British Museum Press, London 1995.
  • Wright, Brian: Brigid. Goddess, Druidess and Saint. The History Press, Stroud 2009.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Häufige Fragen zu Brigid

Wer ist Brigid in der keltisch-irischen Tradition?

Brigid (alt-irisch Brigit, walisisch Ffraid) ist eine der wichtigsten Göttinnen der irisch-keltischen Mythologie, Tochter des Dagda, Patronin der Dichter, Schmiede und Heiler.

Sie verkörpert die drei großen kulturellen Domänen der keltischen Welt: das gesprochene Wort (Filidh, Dichter), die feurige Verwandlung (Schmiede) und die Heilung. In der dreigestaltigen Tradition tritt sie als drei Schwestern auf, Brigid die Dichterin, Brigid die Schmiedin, Brigid die Heilerin.

Wie hängen die heidnische Brigid und die christliche Heilige Brigida zusammen?

Die heilige Brigida von Kildare (ca. 451-525), die irische Schutzpatronin, ist religionshistorisch eine der eindrucksvollsten Synkretismus-Figuren. Die christliche Kirche übernahm Kult, Festtag (Imbolc/Lichtmess am 1./2. Februar), Heiligtum (das ewige Brigid-Feuer in Kildare wurde bis 1220 unterhalten) und sogar viele Wundergeschichten von der heidnischen Göttin.

Der irische Volksglaube verband beide Figuren so eng, dass sich nicht mehr trennen lässt, welche Eigenschaft ursprünglich zu welcher gehört.

Einordnung & Schutz

ISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe I zu – Geringe Einwirkung.

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