Gwrach y Rhibyn ist Geist der walisischen Überlieferung.
Ihr nächtlicher Ruf am Fenster kündigt den nahen Tod an.
Gwrach y Rhibyn, das hässliche Klageweib, ist die sichtbare Todeskünderin der walisischen Überlieferung. Als harpyienhafte Hexe mit ledrigen Fledermausflügeln naht sie sich nachts dem Fenster eines Sterbenden, heult und ruft dessen Namen. Anders als handelnde Todesboten tötet sie nicht, sie kündigt nur an, was ohnehin bevorsteht.
Verbreitet ist die Vorstellung vor allem um den Fluss Tywi und an der Küste von Glamorgan, sprichwörtlich aber im ganzen Land: Wer besonders hässlich aussah, dem sagte man in Wales nach, er sei so hässlich wie die Gwrach y Rhibyn. Die ausführlichste Beschreibung liefert Wirt Sikes im 19. Jahrhundert.
Typ: Sichtbares und hörbares Todesomen, geflügeltes Klageweib
Herkunft: Mündliche walisische Überlieferung um den Fluss Tywi und die Küste von Glamorgan
Texte: Wirt Sikes, British Goblins, sowie weitere walisische Sagensammlungen
Zeitraum: 18. und 19. Jahrhundert
Erscheinung: hässliche Hexengestalt mit ledrigen Fledermausflügeln
Ausführlich belegt im 18. und 19. Jahrhundert, mit Wirt Sikes als wichtigstem Gewährsmann für die klassische Beschreibung.
Wales, besonders um den Fluss Tywi und an der Küste von Glamorgan; sprichwörtlich ist die Gestalt jedoch im ganzen Land bekannt.
Gut: die klassische Beschreibung bei Wirt Sikes, ergänzt durch John Rhys und Marie Trevelyan.
Walisisch: gwrach bedeutet Hexe oder altes Weib, rhibyn wird meist als Saum oder Streifen gedeutet. Ihre Beinamen lauten Hexe des Sabberns und Nebelhexe.
Erscheinung
Gwrach y Rhibyn erscheint als monströs hässliche Frau mit harpyienhaftem Aussehen: wirres Haar, verdorrte, welke Arme, ledrige Fledermausflügel, lange schwarze Zähne und leichenblasse Züge. Auf ihren Flügeln legt sie rasch weite Strecken zurück. In ihr bündeln sich Hässlichkeit, Alter und Verfall zu einem einzigen Vorboten des Sterbens.
Wirkung
Nachts nähert sie sich dem Fenster des Sterbenden oder reist unsichtbar an seiner Seite und ruft dessen Namen. Ihre Klagerufe lauten fy ngŵr, fy ngŵr, mein Mann, mein Mann, oder fy mhlentyn, fy mhlentyn bach, mein Kind, mein kleines Kind. Wie die Banshee und die Bean Nighe soll sie auch für Waliser klagen, die fern der Heimat sterben. Ihre Wirkung ist rein ankündigend, sie greift in das Geschehen nicht ein.
Die wichtigsten Aspekte des walisischen Klageweibs auf einen Blick.
Eines der klassischen walisischen Todesomen, das Wirt Sikes im 19. Jahrhundert popularisierte und eng mit der Cyhyraeth verbunden ist.
Ein sterbendes Familienmitglied, dessen Namen sie ruft, mitunter auch für Waliser, die fern der Heimat sterben.
Wirres Haar, ledrige Fledermausflügel, lange schwarze Zähne und leichenblasse, verdorrte Züge.
Reines Vorzeichen: Sie kündigt den nahenden Tod an, ohne ihn selbst herbeizuführen.
Das Zeichen deuten und sich auf den Tod vorbereiten; belastbare Abwehrrituale sind nicht überliefert.
Der walisische Aderyn y Corff und der walisische Cwn Annwn als weitere Totenboten, dazu die schottische Bean Nighe.
Der Name ist walisisch: gwrach bedeutet Hexe oder altes Weib, rhibyn wird meist als Saum oder Streifen gedeutet. Zu ihren Beinamen zählen Hexe des Sabberns und Nebelhexe, und sprichwörtlich sagte man in Wales über eine besonders hässliche Frau, sie sei so hässlich wie die Gwrach y Rhibyn.
Die klassische Beschreibung liefert Wirt Sikes in British Goblins, der die Gestalt als walisische Banshee popularisierte und damit bis heute prägt, wie über sie gesprochen wird. Innerhalb der walisischen Todesomen steht sie der Cyhyraeth besonders nahe, mit der sie teils gleichgesetzt wird.
Die Gwrach y Rhibyn ist in Folklore-Blogs und -Formaten als walisische Banshee präsent und ein fester Topos in Übersichten walisischer Todesomen. Ihr Bild der geflügelten Klagehexe prägt die populäre Vorstellung der walisischen Todeskünderin.
Religionswissenschaftlich ist die Gwrach y Rhibyn ein verkörpertes, zugleich hörbares und sichtbares Todesomen und ein Klageweib. Sie zeigt die Personifikation des Todes als hässliche Alte, ein weit verbreitetes keltisch-europäisches Muster, in dem weibliche Klagegestalten den nahenden Tod ankündigen.
Belastbare Abwehrrituale gegen die Gwrach y Rhibyn selbst sind nicht überliefert. Sie ist ein Vorzeichen, keine abwendbare Gefahr: Ihr Ruf meldet einen bereits nahenden Tod, und der einzige überlieferte Umgang besteht darin, das Zeichen zu deuten und sich auf den Tod vorzubereiten. Gegen das Unheil, das ihr Erscheinen ankündigt, griff man im Volksglauben allgemein zu geweihtem Weihwasser, zum Licht einer Schutzkerze für die Totenwache und zum Klang geweihter Glocken, der als schützendes Zeichen gegen Unheil galt.
Die Gwrach y Rhibyn entspricht der irischen Banshee, der klagenden Todesfee, und der schottischen Bean Nighe sowie der Caoineag. Innerhalb von Wales ist sie eng mit der Cyhyraeth verbunden, mit der sie teils gleichgesetzt wird: Beide gelten als walisische Banshee, wobei die Cyhyraeth rein hörbar, die Gwrach y Rhibyn zusätzlich sichtbar ist. Neben ihr zählen der Vogel-Vorbote Aderyn y Corff und die Leichenkerze Canwyll Corff zu den klassischen walisischen Todesomen, während der Cwn Annwn als Seelengeleiter der Anderswelt eine andere Rolle einnimmt. In Cornwall trägt eine verwandte Gestalt den Namen der Wäscherin an der Furt.
Ist die Gwrach y Rhibyn dasselbe wie die Cyhyraeth?
Sie sind eng verwandt und werden teils gleichgesetzt. Die Cyhyraeth ist rein hörbar, die Gwrach y Rhibyn zusätzlich sichtbar.
Was ruft sie?
Meist mein Mann, mein Mann oder mein Kind, mein kleines Kind, außerdem den Namen des Sterbenden.
Warum heißt sie walisische Banshee?
Weil sie wie die irische Banshee vor dem Tod eines Familienmitglieds klagt und schreit.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als walisisches Klageweib und walisische Banshee bleibt die Gwrach y Rhibyn, was sie seit Jahrhunderten war: eine Stimme am Fenster, die den Tod nicht bringt, sondern nur beim Namen ruft.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
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