Ereshkigal ist Göttin der mesopotamischen Tradition.
Herrin der Unterwelt, Schwester Ishtars, Herrscherin über Kur und Irkalla. Ereshkigal ist die mächtigste Göttin der Unterwelt, nicht böse, sondern unerbittlich.
Während ihre Schwester Ishtar die Erde und den Himmel durchstreift, sitzt Ereshkigal unberührbar in Irkalla, dem Reich der Toten, und regiert mit ihrem Gemahl Nergal über alle, die die Grenze zum Jenseits überschreiten. Sie empfängt keine Besucher leicht, wer vor ihren Thron tritt, muss furchtlos sein oder verflucht.
Typ: Mesopotamische Hauptgottheit, Königin der Unterwelt
Pantheon: Sumer, Akkad/Babylon/Assur
Funktion: Herrscherin des Toten-Reichs (Kur, Irkalla), Totenrichterin, Schicksal der Verstorbenen
Hauptattribute: Diadem, Schwarzer Mantel, Schicksals-Tafel, sieben Tor-Wachen
Hauptkultorte: Kutha (gemeinsam mit Nergal), keine eigenen großen Tempel
Gemahl: Nergal (nach dem Inanna-Abstiegs-Mythos)
Ereshkigal ist seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. (sumerisch) belegt.
Hauptblütezeit ihrer Mythologie ist die altbabylonische Zeit (frühes 2. Jt. v. Chr.) mit zwei zentralen Mythen. Der erste ist Inannas Abstieg in die Unterwelt: Inanna kommt zu Ereshkigal, wird getötet und dann durch Eas Mittler wiederbelebt. Ihr Gatte Dumuzi muss als Sühne in die Unterwelt absteigen. Der zweite Mythos ist Nergal und Ereshkigal: Nergal kommt in die Unterwelt, wird erst von ihr verflucht und dann ihr Ehemann. Es ist das Mythenmuster eines Patriarchats, das die alte Unterweltskönigin in eine Eheschliessungsposition zwingt.
In späteren Traditionen schwerer Niedergang der direkten Verehrung, sie ist gefürchtet, nicht beliebt.
Direkte Ereshkigal-Tempel sind selten dokumentiert, sie ist gefürchtete Toten-Göttin. Ihr und Nergals gemeinsamer Hauptkultort ist Kutha (heute Tell Ibrahim, nördlich Babylon), die „Stadt Nergals“ die als Eingang zur Unterwelt verstanden wurde.
Im persönlichen Kult wurde sie eher in Toten-Riten und Beschwörungs-Texten angerufen als in eigenen Tempeln. In der griechisch-römischen magisch-theurgischen Tradition (z. B. PGM IV) als wirkungsmächtige Beschwörungs-Göttin rezipiert.
Zentrale Quellen: Inannas Abstieg in die Unterwelt (sumerisch, 2. Jt. v. Chr.), Ishtars Abstieg in die Unterwelt (akkadische, kompaktere Version), Nergal und Ereshkigal-Epos (mittelassyrische und spätbabylonische Fassungen), Gilgamesch-Epos Tafel XII (Enkidus Schilderung der Unterwelt).
Sekundärliteratur: Wolkstein/Kramer, Inanna; Lambert, Babylonian Wisdom Literature; Bottéro, La plus vieille religion; Black/Green, Gods, Demons and Symbols.
Ereshkigal wird oft thronend dargestellt, herrschaftlich, mit Kreuzkrone und Zepter. Ihre Augen leuchten mit unterirdischem Feuer oder Finsternis. Sie trägt schwarze oder dunkelviolette Gewänder, ist umgeben von Dämonen und den Seelen der Toten.
Manchmal sitzt sie neben Nergal, ihrem düsteren Gemahl. Ihre Krone (Horngold) unterscheidet sie vom sterblichen Adel. Das Symbol ihrer Macht ist die versperrte Tür, unpassierbar für die Lebenden, zwingend für die Sterblichen.
Ereshkigal empfängt die Seelen der Verstorbenen und ordnet ihr Schicksal in Irkalla. Sie ist nicht leid- und leidenschaftslos wie manchmal beschrieben, sondern klug und zornig, wer die Unterwelt-Gesetze bricht, erlebt ihre Rache.
In der Abstieg-Ishtars-Erzählung wirkt sie als moralische Kraft: Ishtar versucht, in die Unterwelt einzudringen, und Ereshkigal bestraft den Versuch mit dem Tod. Es gab keine großen öffentlichen Feste für sie, aber man opferte ihr in privaten Riten der Totenehrung und zur Besänftigung ihrer Macht.
Ereshkigal wird dargestellt als düstere, prächtig gekleidete Göttin mit einer Krone aus Hörnern, die Symbole ihrer Königinnenmacht. Ihre Haut ist dunkelblau oder grauschwarz, ihre Augen leuchten mit unheimlichem Licht.
Sie trägt ein schweres Diadem und sitzt auf einem Thron aus Stein oder Knochen. Ihr Körper ist majestätisch, aber unter einer Art Qual oder unterdrückter Wut sichtbar. Ein achtarmiger Dämon oder eine Schlange können ihre Diener sein. Die Dunkelheit selbst ist ihr Gewand.
Die wichtigsten Aspekte von Ereshkigal auf einen Blick. Die folgenden Felder fassen Herkunft, Funktion, Erscheinung, Verehrung, Symbole und kulturelle Parallelen zusammen.
Ereshkigal (sumerisch Ereš-ki-gal, „Herrin der großen Erde“ = Unterwelt) ist Tochter von Anu (Himmel) und der Erdgöttin. Schwester der Inanna/Ishtar (zentral im Abstiegs-Mythos), in früherer Tradition allein-Herrscherin der Unterwelt, in späterer Tradition Ehefrau Nergals. Mutter von Ningishzida (Schlangengott der Unterwelt) und Namtar (Schicksals-Bote). Tochter Ninazu in einigen Versionen.
Herrscherin des Toten-Reichs Kur bzw. Irkalla, jenseits der sieben Tore der Unterwelt. Sie hält die Schicksals-Tafel (mes), auf der das Geschick aller Toten verzeichnet ist.
Ohne ihre Erlaubnis kann niemand das Toten-Reich verlassen (Inannas Abstiegs-Mythos: nur durch Ea-Mittel und das Sühne-Opfer Dumuzis darf Inanna zurück). Im persönlichen Kult Anrufung in Toten-Riten und in der schwarzen Magie-Tradition (PGM-Beschwörungen).
Ereshkigal hat keine festgelegte ikonografische Darstellung. In den Mythen-Texten wird sie als düster-erhabene Gestalt beschrieben, Diadem, schwarzer Mantel, langes Gewand. Auf den Schoss sitzend in einer dunklen Halle, umgeben von ihren sieben Anunnaki-Richtern.
Wenn sie Inanna empfängt, ist sie blau und gelb-fahl im Gesicht (Symbole von Krankheit/Tod). Beigaben: Schicksals-Tafel, Schreibgriffel. Begleiter: Namtar (ihr Wesir), Ningishzida (Sohn-Schlangen-Gott).
Wirkungsbereich: Ereshkigal wurde direkt eher selten angerufen, weil sie gefürchtet war. Aber: in jedem Toten-Ritus war sie als Empfängerin der Verstorbenen präsent. In der Beschwörungs-Tradition (Maqlu, Shurpu) wurde sie als gefürchtete Helferin gegen schwarze Magie angerufen.
In der griechisch-römischen magisch-theurgischen Tradition (Papyri Graecae Magicae) als Ereschigal in Beschwörungen mit Hekate identifiziert. In moderner esoterischer Rezeption oft als Symbol der Unterwelts-Macht und der Unbeugbarkeit verwendet.
Diadem, schwarzer Mantel, Schicksals-Tafel (mes), sieben Tor-Wachen, Namtar (Wesir), Ningishzida (Sohn-Schlangen-Gott). Heilige Pflanze: Asphodelos (in moderner Rezeption). Heilige Zahl: 7 (sieben Unterwelts-Tore, sieben Anunnaki-Richter). Heilige Farben: schwarz, dunkelblau.
Inanna/Ishtar (Mesopotamien, Schwester, Antagonistin im Abstiegs-Mythos), Nergal (Mesopotamien, Gemahl in späterer Tradition), Persephone (Griechenland, Unterweltskönigin), Hekate (Griechenland, in PGM-Texten direkt mit Ereshkigal identifiziert), Hel (Germanisch, Unterweltsherrscherin), Mictecacihuatl (Aztekisch), Izanami (Japan, Yomi-Königin), Hine-nui-te-pō (Māori). Der weibliche Unterweltsherrscher-Typus ist in zahlreichen Kulturen präsent, oft mit der Spannung Mutter-/Tochter-Doppel (Ereshkigal-Inanna, Demeter-Persephone, Izanami-Amaterasu).
Ereshkigal als Herrin der Unterwelt (Kur-nu-gi-a, „Land ohne Wiederkehr“) wurde nicht direkt verehrt, sondern apotropäisch gemieden, die Rituale zielen auf das Fernhalten ihrer Boten (Galla, Edimmu) durch Reinigung der Schwellen. Die Reinigungsserie bīt rimki mit Wasserentblößung des Königs zielte spezifisch auf Schutz vor unterirdischen Mächten (vgl. Bottéro, Mesopotamia).
Im Mythos „Inanna-Ishtars Höllenfahrt“ (Akkadisch, Foster, Before the Muses) erscheinen die zentralen Anrufungen Ereshkigals, durch sieben Tore wird die Göttin entkleidet, eine ritualisierte Selbst-Erniedrigung. Späte Beschwörungstexte aus Assur (1. Jt. v. Chr.) appellieren an Ereshkigal als „šēpti-ša-irṣitim“ (Spuren-Setzerin der Erde) zur Beendigung von Krankheit der Toten.
Apotropäische Tonpins mit eingravierter „Eingangs-Inschrift“ („Möge Ereshkigal nicht zu mir kommen“) wurden an Hauseingängen vergraben (Ausgrabungen Nimrud, Mallowan 1953-57). Auf Ka-skalen-Siegeln findet sich das Symbol des umgekehrten Speeres, Anzeige der Unterwelt-Pforte. Lapislazuli-Plättchen mit ihrem Namen wurden Toten als Beigabe ins Grab gelegt.
Ereshkigal ähnelt der griechischen Persephone oder Hera, die ebenfalls unterirdische oder unsichtbare Macht ausüben. Mit Hades teilt sie die Herrschaft über das Totenreich, unterscheidet sich aber durch ihre Weiblichkeit und strategische Autorität.
Die ägyptische Isis und die indische Kali haben ähnliche Aspekte, göttliche Frauen, die Leben und Tod überwachen. Ereshkigals Unberührtheit und Gerechtigkeit machen sie zu einer der komplexesten weiblichen Gottheiten des Altertums.
Die wichtigste Quelle für Ereshkigal ist der sumerische Mythos von Inannas Abstieg in die Unterwelt, überliefert auf Keilschrifttafeln des frühen zweiten Jahrtausends v. Chr. Die Erzählung schildert, wie die Himmelsgöttin Inanna beschließt, in das Reich ihrer älteren Schwester Ereshkigal hinabzusteigen, das Land ohne Wiederkehr.
An sieben Toren der Unterwelt muss Inanna jeweils ein Kleidungsstück oder Schmuckstück ablegen, bis sie nackt und ihrer Machtinsignien beraubt vor Ereshkigal und den sieben Unterweltsrichtern, den Anunna, steht. Diese richten den Blick des Todes auf sie, und Inanna wird zur Leiche, die an einen Pfahl gehängt wird.
Nur durch das Eingreifen des weisen Gottes Enki, der zwei geschlechtslose Wesen mit der Lebensspeise und dem Lebenswasser hinabschickt, kann Inanna wiederbelebt werden. Sie darf jedoch nur entkommen, wenn sie einen Ersatz stellt, was schließlich ihren Gemahl Dumuzi trifft.
Eine verwandte akkadische Fassung, der Mythos von Ischtars Höllenfahrt, ist kürzer und in Details abweichend. Die Religionswissenschaft hat den Text intensiv untersucht, unter anderem im Hinblick auf das Motiv des entkleidenden Abstiegs und die Frage einer rituellen Hintergrunds.
Im Mittelpunkt steht Ereshkigal als unerbittliche Herrin eines Bereiches, dessen Gesetze selbst eine große Göttin nicht ungestraft verletzen kann.
Ein zweiter wichtiger Mythos erklärt, wie Ereshkigal zu ihrem Gemahl kam. Der Text Nergal und Ereshkigal ist in mehreren Fassungen erhalten, darunter eine kürzere aus Tell el-Amarna in Ägypten aus dem 14. Jahrhundert v. Chr. und eine längere aus der Bibliothek des Assurbanipal aus dem 7. Jahrhundert.
Die Erzählung beginnt mit einem Festmahl der Götter des Himmels, an dem Ereshkigal nicht teilnehmen kann, da sie die Unterwelt nicht verlassen darf. Sie schickt ihren Boten hinauf, ihren Anteil zu holen. Der Gott Nergal versäumt es, sich vor diesem Boten zu erheben, was als Beleidigung gilt.
Zur Sühne muss Nergal in die Unterwelt hinabsteigen. Dort kommt es zwischen ihm und Ereshkigal zur Vereinigung. In der längeren Fassung versucht Nergal zunächst zu fliehen, doch Ereshkigal droht, die Toten zum Verzehren der Lebenden heraufzuschicken, falls man ihn ihr nicht zurückgebe. Schließlich kehrt Nergal zurück und wird zum Mitherrscher der Unterwelt.
Diese Erzählung ist religionsgeschichtlich aufschlussreich, weil sie zeigt, dass das mesopotamische Pantheon auch die Unterwelt mit einer geordneten Herrschaftsstruktur ausstattete. Ältere Quellen kennen Ereshkigal als alleinige Herrin oder nennen Gugalanna als Gemahl.
Die Verbindung mit Nergal dürfte eine spätere theologische Systematisierung sein, die zwei Unterweltskonzeptionen zusammenführte. Die Forschung diskutiert, ob darin auch ein Reflex politischer oder kultischer Entwicklungen zu sehen ist.
Um Ereshkigals Stellung zu verstehen, ist die mesopotamische Vorstellung von der Unterwelt selbst entscheidend. Sie wird in den Texten als ein dunkler Ort beschrieben, das Land ohne Wiederkehr, in dem die Toten Staub essen und Lehm zur Nahrung haben, gekleidet wie Vögel in ein Federkleid.
Es ist kein Ort der Strafe im moralischen Sinn, sondern das gemeinsame, freudlose Schicksal aller Verstorbenen, unabhängig von ihren Taten.
Über dieses Reich herrscht Ereshkigal. Ihr Name bedeutet etwa Herrin der großen Erde oder Herrin des großen unten, wobei das große Land eine Umschreibung der Unterwelt ist.
Sie residiert in einem Palast mit Namen wie Ganzir, bewacht von sieben Toren und ihrem Wesir Namtar, dem Schicksal und Pestbringer. An ihrer Seite stehen die Anunna als richterliche Instanz.
Charakteristisch für die mesopotamische Vorstellung ist die Strenge der Unterweltsgesetze. Wer hinabsteigt, unterliegt der Regel, dass nur ein Ersatz das Entkommen erlaubt. Selbst Götter sind diesen Gesetzen unterworfen, wie Inannas Schicksal zeigt. Ereshkigal verkörpert damit eine kosmische Ordnung, die unbestechlich ist.
Das berühmte Epos Gilgamesch spiegelt in seiner Schilderung des Totenreichs dieselbe düstere Auffassung. Die Religionswissenschaft sieht in Ereshkigal weniger eine bösartige als eine notwendige Gestalt, die den unausweichlichen Pol des Todes innerhalb eines ansonsten lebensbejahenden Weltbildes besetzt.
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
Empfohlene Schutzmittel
Das einfachste Schutzmittel dieser Sammlung: 41 Schichten aus Echtgold 999, Platin, Silber und Silizium, gefertigt in Ruhla/Thüringen. Muss nicht aktiviert werden, ist an keine Person gebunden und wirkt im Umkreis von rund 50 Metern, auch ohne getragen zu werden.
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