Goryo ist Geist der japanischen Überlieferung.
Der Zorn ranghoher Toter bringt Seuchen und Blitzeinschläge. Der Steckbrief zeichnet seinen Wandel vom Rachegeist zum Schutzgott des Hofes nach. Goryo entstammt ursprünglich den Rachegeistern des Adels.
Goryo sind die rachsüchtigen Geister hochrangiger, oft zu Unrecht gestürzter Toter im Japan der Heian-Zeit. Anders als der Rachegeist eines Einzelnen wirken sie kollektiv: Sie bringen Seuchen, Blitz und Feuer über das Gemeinwesen, bis sie durch Verehrung befriedet werden.
Wichtigstes Beispiel ist der Gelehrte und Hofbeamte Sugawara no Michizane, der durch Rivalen gestürzt und in die Verbannung geschickt wurde, wo er im Jahr 903 starb. Nach seinem Tod folgten Blitzeinschläge, Feuer und der Tod führender Gegner und des Kronprinzen, bis man Michizane zum Gott Tenjin erhob und im Kitano-Tenmangu-Schrein zu verehren begann.
Typ: Rachegeist eines hochrangigen, zu Unrecht gestürzten Toten
Herkunft: Japanischer Hofglaube der Heian-Zeit
Texte: gut belegt, zentrale Kategorie der japanischen Religionsgeschichte
Zeitraum: historisch seit der Heian-Zeit, der Besänftigungsritus goryo-e ab 863 bezeugt
Erscheinung: meist keine feste Gestalt, wirkt als unsichtbare Ursache von Katastrophen
Historisch belegt seit der Heian-Zeit: Der Besänftigungsritus goryo-e ist ab dem Jahr 863 dokumentiert und bildet den Ausgangspunkt des bis heute geübten Schreinkults.
Zunächst die Hofkultur und die Hauptstadt Kyoto, von dort aus über den Schreinkult landesweit verbreitet.
Gut: eine zentrale Kategorie der japanischen Religionsgeschichte, dokumentiert unter anderem bei Borgen und Plutschow.
Japanisch: Der Name go-ryo verbindet den ehrenden Präfix go mit ryo, Seele oder Geist, und bedeutet ehrwürdiger oder erzürnter Geist.
Erscheinung
Der typische Goryo ist ein hochrangiger Toter mit glänzender Laufbahn, der durch Intrige, falsche Anklage oder erzwungenen Tod fern der Heimat starb, ohne die ordentlichen Riten zu erhalten. Er hat meist keine feste Gestalt, sondern wirkt als unsichtbare Ursache, und verkörpert damit die politische Angst, dass Unrecht des Hofes sich als Naturkatastrophe rächt.
Wirkung
Der Goryo bringt Epidemien, Dürre, Blitz, Feuer und Sturm über das Gemeinwesen, bis er befriedet ist. Seine Wirkung trifft nicht einen einzelnen Haushalt, sondern ganze Gemeinschaften und den Staat.
Die wichtigsten Aspekte des Rachegeistes auf einen Blick.
Zentrale Kategorie der japanischen Religionsgeschichte, entstanden im Hofglauben der Heian-Zeit.
Ganze Gemeinschaften, Staat und Hof, nicht einzelne Personen oder Haushalte.
Meist keine feste Gestalt, wirkt als unsichtbare Ursache von Seuchen und Katastrophen.
Epidemien, Dürre, Blitz, Feuer und Sturm, so lange, bis der Geist besänftigt ist.
Die Goryo-shinko: Riten, Schreinbau, posthume Titel und schließlich die Vergöttlichung des Toten.
Eng verwandt mit dem Onryo und der Ubume, dazu dem Gashadokuro.
Der Name go-ryo verbindet den ehrenden Präfix go mit ryo, Seele oder Geist, und bedeutet ehrwürdiger oder erzürnter Geist. Der Glaube ist seit der Heian-Zeit belegt, der Besänftigungsritus goryo-e ist ab dem Jahr 863 dokumentiert.
Wichtigstes Beispiel ist Sugawara no Michizane, ein Gelehrter und Hofbeamter, der durch Rivalen gestürzt und ins Exil verbannt wurde, wo er im Jahr 903 starb. Nach seinem Tod folgten Blitzeinschläge, Feuer und der Tod führender Gegner und des Kronprinzen. Um seinen Zorn zu besänftigen, wurde Michizane zum Gott Tenjin erhoben und im Kitano-Tenmangu-Schrein verehrt.
Der Goryo ist die Grundlage des Tenjin-Kults und kulturhistorisch prägend für den japanischen Umgang mit politischen Toten. In der Populärkultur erscheint er seltener direkt, bildet aber den konzeptuellen Hintergrund vieler Rachegeist-Erzählungen.
Religionswissenschaftlich ist der Goryo der klassische Fall der Goryo-shinko: die rituelle Verwandlung vom gefährlichen Rachegeist zum schützenden Kami. Er ist ein zentrales Beispiel für das japanische Prinzip, gefährliche Kräfte nicht zu bekämpfen, sondern durch Verehrung zu integrieren.
Quellenfest ist die Goryo-shinko, der Kult der Besänftigung: Riten, die Errichtung von Schreinen, die posthume Verleihung von Titeln und Rängen und schließlich die Vergöttlichung verwandeln den Rachegeist in eine schützende Gottheit. So wurde aus Michizane der Gott Tenjin, Schutzpatron der Gelehrsamkeit, verehrt in den Kitano- und Goryo-Schreinen. Zum Umgang mit dem erzürnten Geist gehört Weihwasser als geweihtes Zeichen, dazu Räuchern und Opfergaben, die fest zur Goryo-shinko zählen. Ein getragenes Amulett steht im Sinn der Anrufung des zur Schutzgottheit gewandelten Geistes.
Der Goryo ist eng mit dem Onryo und der Ubume verwandt. Während der Onryo meist der Rachegeist eines Einzelnen ist, der sich gegen bestimmte Personen richtet, trifft der Goryo als Geist eines hochrangigen Toten das ganze Gemeinwesen mit kollektiver Katastrophenwirkung, mit Seuchen, Blitz und Feuer über Hof und Land. In anderen Kulturen entsprechen ihm die besänftigten Ahnengeister Roms und die Vorstellung, dass ein unrecht Getöteter die Gemeinschaft heimsucht, bis er Sühne erfährt.
Ist ein Goryo dasselbe wie ein Onryo?
Die Kategorien überlappen stark; der Goryo betont den hohen Rang des Toten und die kollektive Wirkung auf das Gemeinwesen.
Wie wurde Michizane befriedet?
Durch Schreinbau, posthume Titel und die Vergöttlichung zum Gott Tenjin.
Wirkt ein Goryo auf Einzelne?
Er wirkt eher auf das Gemeinwesen durch Seuchen und Katastrophen als auf einzelne Personen.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als Rachegeist Adel und Hof heimsuchte, war Goryo genau jene Gestalt, die im Ritual der Goryo-shinko besänftigt und, wie im Fall des Michizane, zum schützenden Gott erhoben wurde.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
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