Tuuletar, die Windmaid der finnischen Zauberlieder
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Tuuletar ist weiblicher Geist der finnischen Tradition.
Die Windmaid, die Krankheit und Schmerz fortbläst. Der Steckbrief zählt sie zu den Gestalten der finnischen Zauberlieder.
Tuuletar ist ein weiblicher Windgeist der finnischen Mythologie, die Herrin oder das Genie der Winde. In Heil- und Abwehrzaubern wird eine Windmaid angerufen, um Krankheit, Schmerz oder Leid fortzublasen; oft treten die Tuulettaret als kollektive Windmaiden auf.
Belegt ist Tuuletar in Volksdichtung und Zaubersprüchen sowie in Lönnrots Sammlungen Kalevala und Kanteletar, wo die Tuulettaret als personifizierte Windkräfte erscheinen.
Typ: Weibliche Luft- und Windgeistin, Genie der Winde
Herkunft: Finnland und Karelien
Texte: Volksdichtung, Zaubersprüche, Kalevala und Kanteletar
Zeitraum: finnische Volksdichtung und Kalevala-Redaktion
Erscheinung: ohne feste Gestalt, personifizierte Windkraft
Quellenkontext
Zeitraum der Texte
Tuuletar gehört der finnischen Volksdichtung und den Zaubersprüchen an; greifbar wird sie zudem in Lönnrots Sammlungen Kalevala und Kanteletar.
Verbreitungsraum
Finnland und Karelien, die Landschaften des Runengesangs und der Zauberspruch-Tradition.
Belegdichte
Mäßig: Volksdichtung und Zaubersprüche tragen die Gestalt; die feste namentliche Zuweisung schwankt in den Quellen.
Name und Varianten
Finnisch: tuuli bedeutet Wind, das Suffix -tar bildet weibliche Wesen, wie bei Ilmatar oder Kuutar, der Mondmaid; Tuuletar heißt Windgöttin oder Windmaid. Der Plural Tuulettaret bezeichnet die Windmaiden als Kollektiv.
Erscheinung und Verhalten
Erscheinung
Tuuletar ist eine weibliche Luft- und Windgeistin ohne feste Ikonografie, ein Naturgenie, das die Winde lenkt.
Wirkung
Als Herrin oder Genie der Winde wird eine Windmaid in Heil- und Abwehrzaubern angerufen, um Krankheit, Schmerz oder Leid fortzublasen, ein verbreitetes Motiv der finnischen Zaubersprüche, der loitsut. Die konkrete Zuweisung dieser Heilfunktion namentlich an Tuuletar schwankt in den Quellen; das Motiv, dass der Wind Schmerz forttrage, ist gut belegt, die feste Personifikation als Tuuletar teils redaktionell verstärkt.
Steckbrief: Tuuletar
Die wichtigsten Aspekte der Windmaid auf einen Blick.
Weibliches -tar-Genie der finnischen Volksreligion, neben Ilmatar und Kuutar; präsent in Volksdichtung und Zauberspruch.
Kranke und Leidende: Im Heil- und Abwehrzauber soll die Windmaid Krankheit, Schmerz oder Leid fortblasen.
Ohne feste Gestalt: eine personifizierte Windkraft, gedacht als Herrin oder Genie der Winde.
Lenkt die Winde; in den loitsut, den finnischen Zaubersprüchen, trägt der Wind Krankheit und Schmerz davon.
Funktional-magische Anrufung im Heilzauber; eine institutionelle Verehrung oder ein Opferkult ist nicht belegt.
Ilmatar, die Luftjungfrau, und die weiblichen -tar-Genien; typologisch die griechische Aura und die Windmaiden anderer Kulturen.
Die Windmaid im Gefüge der -tar-Genien
Finnisch tuuli bedeutet Wind, das Suffix -tar bildet weibliche Wesen, wie bei Ilmatar oder Kuutar, der Mondmaid; Tuuletar heißt Windgöttin oder Windmaid. Sie ist in Volksdichtung und Zaubersprüchen sowie in Lönnrots Sammlungen Kalevala und Kanteletar belegt; die Tuulettaret erscheinen als personifizierte Windkräfte.
Ihr Kern liegt im Heilzauber: Eine Windmaid wird angerufen, um Krankheit, Schmerz oder Leid fortzublasen. Dabei ist quellenkritisch zu unterscheiden: Das Motiv, dass der Wind Schmerz forttrage, ist gut belegt; die feste namentliche Personifikation als Tuuletar ist dagegen teils redaktionell verstärkt und schwankt in den Quellen.
Rezeption und Einordnung
Tuuletar ist Namensgeber einer finnischen Vokalgruppe, die nicht mit dem mythologischen Wesen zu verwechseln ist.
Religionswissenschaftlich ist Tuuletar überwiegend hilfreich und heilend, im Sinne des Fortblasens von Schmerz, und nicht bedrohlich konnotiert. Eine wichtige Klarstellung: Tuuletar, die Windgöttin, ist nicht identisch mit Tuulikki, der Waldgöttin und Tochter des Waldgottes Tapio; deren Name enthält zwar tuuli, doch ist sie eine Waldgottheit, kein Windwesen. Ebenso ist sie von Ilmatar und dem Kollektiv der Tuulettaret zu unterscheiden.
Anrufung statt Kult
Eine institutionelle Verehrung gibt es nicht; Tuuletar ist in der praktischen Zaubersprach-Tradition präsent, als Anrufung im Heilzauber. Von einem Kult zu sprechen wäre zu viel; es handelt sich um eine funktional-magische Anrufung, keinen belegten Opferkult. Der Wind, den die Windmaid lenkt, sollte fortnehmen, was den Menschen plagte.
Windmaiden und Luftfrauen im Vergleich
Tuuletar steht neben Ilmatar, der Luftjungfrau, und den weiblichen -tar-Genien der finnischen Überlieferung; typologisch ist sie den griechischen Windnymphen um die Aura und den Windmaiden anderer Kulturen vergleichbar. Aus derselben Tradition stammt der Himmelsschmied Ilmarinen, dessen Name ebenfalls zur Luft gehört, dessen Rolle aber die des Schmiedehelden ist.
Häufige Fragen zu Tuuletar
Was bedeutet Tuuletar?
Windgöttin oder Windmaid, aus tuuli, Wind, und dem weiblichen Suffix -tar.
Was tut Tuuletar?
Sie lenkt die Winde und wird in Heilzaubern angerufen, um Krankheit und Schmerz fortzublasen.
Ist Tuuletar dasselbe wie Tuulikki?
Nein. Tuulikki ist die Waldgöttin und Tochter des Waldgottes Tapio, kein Windwesen.
Weiterführende Verlinkungen
Weiterlesen:
- Ilmarinen – der Himmelsschmied der finnischen Epik
- Aura – die griechische Windnymphe als typologisches Pendant
- Amulett, Salbei, Schutzkerze – überlieferte Schutzmittel
- Schutz-Kompass – Schutzmittel im Überblick
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als finnische Windgeistin gehört Tuuletar zu den stillsten Helferinnen der nordischen Volksreligion: Die Windmaid der Zaubersprüche hat keinen Tempel und kein Bild, aber die Aufgabe, mit dem Wind fortzutragen, was schmerzt.





