Sara Sara, der Maisberg mit dem Gipfelgrab
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Apu Sara Sara ist Berggott der Quechua-Tradition.
Maisberg der Puna und Fundort der Gefriermumie Sarita. Der Steckbrief verbindet den Maisberg mit dem Gipfelgrab der Gefriermumie Sarita.
Apu Sara Sara ist ein etwa 5505 Meter hoher, erloschener Vulkan an der Grenze zwischen Ayacucho und Arequipa, der nördlichste der großen Capacocha-Vulkane Südperus. 1996 fand Johan Reinhard an seinem Gipfel die gefrorene Mumie eines etwa fünfzehnjährigen Mädchens, Sarita.
Für die Region Pausa und ihre Hirtengemeinden ist Sara Sara ein Schutz-Apu, Herr über Vieh, Wasser und Fruchtbarkeit. Archäologisch zählt der Berg zu den am besten gesicherten Opferbergen der Anden.
Typ: Schutz-Apu über Vieh, Wasser und Fruchtbarkeit
Herkunft: Grenze Ayacucho und Arequipa, Südperu
Texte: inkazeitliche Capacocha, moderne Archäologie, Mumienfund 1996
Zeitraum: inkazeitliche Capacocha bis zur Gegenwart
Erscheinung: markanter Solitärvulkan über der Puna
Quellenkontext
Zeitraum der Texte
Quellenfest ist die inkazeitliche Capacocha; die moderne Archäologie hat den Berg seit dem Mumienfund von 1996 intensiv erschlossen.
Verbreitungsraum
Der Grenzraum von Ayacucho und Arequipa in Südperu; als Adressaten des Kultes gelten die Region Pausa und ihre Hirtengemeinden.
Belegdichte
Sehr gut: Der Mumienfund von 1996 macht Sara Sara zu einem der archäologisch bestbelegten Apus; die lebende Kultseite ist dünner dokumentiert.
Name und Varianten
Quechua: sara, Mais; die Reduplikation Sara Sara wird als maisreich gedeutet. Diese Deutung mit Fruchtbarkeits- und Maisbezug ist verbreitet, aber nicht letztgültig gesichert.
Erscheinungsbild
Erscheinung
Sara Sara ist ein markanter Solitärvulkan über der Puna. In lokaler Erzähltradition wird der Berg mit Fruchtbarkeit und Weiblichkeit assoziiert.
Wirkung
Als Apu ist Sara Sara ein regional bedeutender Schutzherr über Vieh, Wasser und Fruchtbarkeit der Region Pausa; entsprechend wenden sich vor allem Hirtengemeinden an ihn.
Steckbrief: Apu Sara Sara
Der Capacocha-Berg Südperus in den wichtigsten Punkten.
Nördlichster der großen Capacocha-Vulkane Südperus, durch das inkazeitliche Höhenopfer archäologisch gesichert.
Die Region Pausa und ihre Hirtengemeinden, deren Vieh, Wasser und Fruchtbarkeit der Apu nach lokalem Verständnis sichert.
Erloschener Solitärvulkan von etwa 5505 Metern; in der lokalen Erzähltradition mit Fruchtbarkeit und Weiblichkeit verbunden.
Herrschaft über Vieh, Wasser und Fruchtbarkeit; historisch Empfänger der Capacocha, des inkazeitlichen Höhenopfers.
Inkazeitlich das Capacocha-Höhenopfer, archäologisch belegt; heute Pago-Riten der Hirten, die ethnografisch nur teilweise erfasst sind.
Apu Ampato mit der Mumie Juanita, dazu Apu Pichu Pichu und Apu Misti in derselben Opferlandschaft.
Maisname und Mumienfund
Quechua sara bedeutet Mais; die Reduplikation Sara Sara wird als maisreich gedeutet, eine verbreitete, aber nicht letztgültig gesicherte Deutung mit Fruchtbarkeits- und Maisbezug. Der Name passt zum Charakter des Berges, dem die Region Pausa Vieh, Wasser und Fruchtbarkeit anvertraut.
Als Capacocha-Berg ist Sara Sara archäologisch gesichert: 1996 barg Johan Reinhard am Gipfel die gefrorene Mumie eines etwa fünfzehnjährigen Mädchens, das den Spitznamen Sarita erhielt. Damit gehört der Berg zu den wenigen Apus, deren inkazeitlicher Opferkult nicht nur erschlossen, sondern am Fund selbst greifbar ist.
Sarita im Museum, der Berg in der Forschung
Die Mumie Sarita ist in Arequipa musealisiert; regionale Mythen, etwa das Motiv der Amazonen des Apu Sara Sara, sind in der peruanischen Anthropologie behandelt.
Religionswissenschaftlich ist Apu Sara Sara ein archäologisch hervorragend belegter Capacocha-Berg. Wichtige Klarstellung: Sarita ist ein jugendliches, nicht kleinkindliches Opfer und nicht mit der Ampato-Mumie Juanita zu verwechseln; es sind zwei verschiedene Berge und Mumien, beide von Reinhard dokumentiert.
Capacocha damals, Pago heute
Quellenfest ist das inkazeitliche Capacocha mit Höhen-Kinderopfer, archäologisch am Gipfel belegt. Der heutige Despacho- und Pago-Kult der Hirtengemeinden, mit Kokablättern als zentralem Vermittler der Gabe, ist plausibel und teils ethnografisch berührt; die lebende Kult- und Mythos-Seite ist jedoch etwas dünner dokumentiert als die Archäologie.
Sara Sara in der Opferlandschaft Südperus
Apu Sara Sara steht neben Apu Ampato mit der Mumie Juanita, Apu Pichu Pichu und Apu Misti in derselben Capacocha-Landschaft. Dem Apu-Konzept entspricht im Aymara-Raum der Achachila; mit der Erdmutter Pachamama teilt der Berg den Bezug auf Fruchtbarkeit.
Häufige Fragen zu Apu Sara Sara
Was bedeutet Sara Sara?
Etwa maisreich, zu sara, Mais; die Deutung mit Fruchtbarkeitsbezug ist verbreitet, aber nicht letztgültig gesichert.
Wer ist Sarita?
Der Spitzname der 1996 gefundenen Gefriermumie eines etwa fünfzehnjährigen Mädchens vom Gipfel des Berges.
Ist Sarita dasselbe wie Juanita?
Nein. Es sind zwei verschiedene Berge und Mumien: Juanita stammt vom Ampato. Beide Funde hat Johan Reinhard dokumentiert.
Weiterführende Verlinkungen
Weiterlesen:
- Apu Ampato – der Fundberg der Mumie Juanita
- Apu Pichu Pichu und Apu Misti – Nachbarn der Opferlandschaft um Arequipa
- Räuchern, Amulett – Schutzpraktiken im Vergleich
- Schutz-Kompass – Schutzmittel im Überblick
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Apu Sara Sara hat ein doppeltes Gedächtnis: als markanter Vulkan Ayacuchos über der Puna, dem die Hirten Vieh und Wasser anvertrauen, und als Grab der Capacocha-Mumie Sarita, die dem Maisberg seinen festen Platz in der Andenarchäologie sichert.





