Tunupa ist Gott der Aymara-Überlieferung.
Alte Wander- und Feuergottheit, deren Name einen Vulkan trägt.
Tunupa ist eine vor-inkaische Aymara-Gottheit des Titicaca-Raums, verbunden mit Feuer, Blitz und Vulkanismus, und zugleich der Name eines Vulkans am Salar de Uyuni. Berg und Gottheit sind strikt zu trennen: Die Gottheit ist älter und pan-lakustrin, der Vulkan misst etwa 5321 Meter.
Der Mythos erzählt von einem alten, bärtigen, hellen Wanderer mit Stab, der von Nord nach Süd zieht, Wunder wirkt, predigt und Zorn erregt, bis man ihn auf ein Floß bindet und in den See wirft, wobei sich der Río Desaguadero öffnet. Bertonio schreibt 1612, Tunupa zu sagen heiße Gott zu sagen.
Typ: Wander-, Feuer- und Vulkangottheit der Aymara
Herkunft: Titicaca- und Collao-Raum, vor-inkaisch
Texte: koloniale Chroniken ab 1603, Bertonio 1612, Ramos Gavilán 1621
Zeitraum: älterer Mythos, kolonial verschriftlicht
Erscheinung: alter, bärtiger, heller Wanderer mit Stab; zugleich ein Vulkan
Der Name taucht in den Quellen erst ab 1603 explizit auf; ältere Namensvarianten sind Taguapaca und Tuapaca. Der Mythos selbst gilt als deutlich älter.
Der Titicaca- und Collao-Raum sowie der Salar de Uyuni in Bolivien, an dessen Nordrand der Volcán Tunupa steht.
Gut für die Gottheit: koloniale Chroniken ab 1603, Bertonio und Ramos Gavilán; Berg und Gottheit sind dabei stets zu trennen.
Aymara: Die Etymologie ist unsicher; populär ist die Deutung Donner oder Blitz, Ramos Gavilán glossiert großer Weiser und Herr. Ältere Namensvarianten sind Taguapaca und Tuapaca. Bertonio schreibt 1612, Tunupa zu sagen heiße Gott zu sagen.
Erscheinung
Die Gottheit erscheint als alter, bärtiger, heller Wanderer mit Stab. Der Volcán Tunupa wiederum ist ein erloschener Vulkan am Nordrand des Salar de Uyuni mit einer Höhle mit Mumien; er wird heute als heiliger Achachila behandelt.
Wirkung
Tunupa ist mit Feuer, Blitz und Vulkanismus verbunden und wirkt kulturstiftend. In der Salar-Legende, die teils authentisch, teils touristisch überformt ist, bilden die Berge um den Salzsee personifizierte Riesen, und Tunupas Milch oder Tränen bilden die Salzfläche.
Die wichtigsten Aspekte der alten Andengottheit auf einen Blick.
Vor-inkaische Aymara-Gottheit des Titicaca-Raums, kolonial ab 1603 verschriftlicht und früh christlich umgedeutet.
Die Anden-Völker des Collao: Tunupa wandert durch ihr Land, wirkt Wunder, predigt und erregt Zorn.
Alter, bärtiger, heller Wanderer mit Stab; daneben der erloschene Vulkan mit der Mumienhöhle am Nordrand des Salzsees.
Feuer, Blitz und Vulkanismus, dazu kulturstiftendes Wirken auf dem Zug von Nord nach Süd.
Der eigenständige Kult ist praktisch erloschen oder christlich überlagert; am Vulkan werden heute Despacho-Opfer wie an anderen Bergen dargebracht.
Der Überflussgott Ekeko des Alasita-Festes; eine Hypothese sieht Tunupa als ältere Gottheit unter dem inkaischen Viracocha.
Der Name taucht in den Quellen erst ab 1603 explizit auf, ältere Namensvarianten sind Taguapaca und Tuapaca; Bertonio schreibt 1612, Tunupa zu sagen heiße Gott zu sagen. Populär ist die Namensdeutung Donner oder Blitz, Ramos Gavilán glossiert großer Weiser und Herr.
Der Mythos erzählt von einem alten, bärtigen, hellen Wanderer mit Stab, der von Nord nach Süd zieht, Wunder wirkt, predigt und Zorn erregt. Man bindet ihn auf ein Floß und wirft ihn in den See; dabei öffnet sich der Río Desaguadero. Schon 1621 deutete der Chronist Ramos Gavilán den Wanderer zum Apostel um, ein frühes Beispiel christlicher Überformung.
Der Vulkan Tunupa und die Milch-Legende sind durch den Uyuni-Tourismus stark präsent, was die komplexe altandine Gestalt zu verdrängen droht; wissenschaftlich ist Tunupa vor allem über die Andinistik erschlossen.
Religionswissenschaftlich zeigt Tunupa eine alte, vielschichtige Andengottheit unter touristischer Legenden-Überformung. Fünf Klarstellungen: Berg, etwa 5321 Meter, und Gottheit sind zu trennen. Die Höhe ist nicht 6542 Meter, das ist der Sajama. Die Milch- und Tränen-Legende ist kein kolonial belegter Alt-Mythos, sondern überwiegend moderne Tourismus-Erzählung. Die kolonial belegte Tunupa-Gestalt ist männlich. Und Tunupa gleich Viracocha ist eine Hypothese.
Der eigenständige Tunupa-Kult ist praktisch erloschen oder christlich überlagert; der Chronist Ramos Gavilán deutete Tunupa 1621 zum Apostel um. Am Vulkan werden heute Despacho-Opfer wie an anderen Bergen dargebracht. Die stillende Milch- und Tränen-Legende ist eine lokale Erzähltradition mit echtem Kern, in der Tourismusversion aber stark vereinfacht und in kolonialen Quellen nicht belegt.
Tunupa ist mit dem Überflussgott Ekeko verbunden, der heute im Alasita-Fest lebt. Eine verbreitete Hypothese sieht in Tunupa die ältere Aymara-Gottheit, die vom inkaischen Viracocha überlagert wurde; die Staff-God-Figur am Sonnentor von Tiwanaku wird von manchen als Tunupa gedeutet, was jedoch umstritten ist. Als Berg reiht sich der Volcán Tunupa unter die Achachila-Gestalten ein, neben Gipfeln wie dem Sajama.
Wer oder was ist Tunupa?
Eine alte Aymara-Wander-, Feuer- und Vulkangottheit und zugleich der Name eines Vulkans am Salar de Uyuni.
Wie hoch ist der Vulkan?
Etwa 5321 Meter; die oft genannten 6542 Meter gehören zum Sajama.
Stimmt die Milch-Legende vom Salzsee?
Sie hat einen lokalen Kern, ist aber in der Tourismusversion stark vereinfacht und kolonial nicht belegt.
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als andiner Wandergott und als Vulkan am Salar de Uyuni führt Tunupa ein doppeltes Nachleben: hier die alte, vielschichtige Gottheit der Chroniken, dort der Berg, dessen Milch-Legende heute jedem Uyuni-Reisenden erzählt wird.
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