Funayūrei, die wasserschöpfenden Geister der Ertrunkenen
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Funayūrei sind Geister der japanischen Tradition.
Ertrunkene Seeleute schöpfen mit Kellen Wasser in fremde Boote. Die wasserschöpfenden Geister der Ertrunkenen füllen der Überlieferung nach mit ihren Kellen fremde Boote bis zum Untergang.
Die Funayūrei, auch Funayurei geschrieben, sind in Japan die Geister der auf See Verstorbenen: leuchtender Nebel, der sich nachts zu einem Geisterschiff formt.
Mit Schöpfkellen füllen sie Boote mit Wasser, bis diese sinken, als muenbotoke, Tote ohne Totenriten.
Typ: Schiffsgeister der auf See Verstorbenen
Herkunft: japanische Seefahrer-Tradition
Texte: Toriyama Sekien, 1779
Zeitraum: Edo-Zeit bis heute
Erscheinung: bleiche Gestalten, Geisterschiff
Überlieferungskontext
Zeitraum der Texte
Mündliche Volksüberlieferung, bildlich erstmals um 1779 durch Toriyama Sekien festgehalten.
Verbreitungsraum
Küsten und Meere Japans, besonders die Seto-Inlandsee und die Chōshi-Region.
Quellenlage
Gut: regionale Sagen und Yōkai-Bildbände seit der Edo-Zeit.
Name und Varianten
Japanisch: funa heißt Schiff, yūrei Geist der Verstorbenen. Regional auch mōjabune, bōko, ayakashi.
Erscheinung und Verhalten
Erscheinung
Weiße Totengewänder kennzeichnen die Funayūrei, oft zunächst als leuchtender Nebel, ehe sich ein Geisterschiff formt.
Wirkung
Mit Schöpfkellen füllen sie Boote mit Wasser, bis sie sinken.
Steckbrief: Funayūrei
Die wichtigsten Aspekte auf einen Blick.
Fester Bestandteil des japanischen Yōkai-Kanons seit der Edo-Zeit.
Boote und Seefahrer, besonders nachts und zur Obon-Zeit.
Bleiche Gestalten in Totengewändern, Geisterschiff aus Nebel.
Fluten der Boote, wachsende Gespensterbesatzung.
Bodenlose Schöpfkelle, Reisbälle, Meiden der Tabu-Tage.
Muenbotoke: die unbefriedeten Toten des Meeres
Der Name setzt sich aus funa, Schiff, und yūrei, Geist der Verstorbenen, zusammen. Toriyama Sekien schuf um 1779 die erste bildliche Fassung.
Zugrunde liegt die Vorstellung der muenbotoke, der Toten ohne Totenriten. In Shimane gilt die sechzehnte Obon-Nacht als Tabu-Tag für die Ausfahrt.
Vom Yōkai-Bildband zum Manga-Klassiker
Die Funayūrei sind fest im Yōkai-Kanon verankert, erscheinen in Shigeru Mizukis GeGeGe no Kitarō sowie in Anime und Manga.
Religionswissenschaftlich sind sie muenbotoke, unbefriedete Geister Ertrunkener, deren Zorn aus fehlenden Totenriten entsteht.
Die bodenlose Kelle und weitere Gegenmittel
Man hält eine hishaku ohne Boden bereit, die kein Wasser schöpfen kann. Verbreitet ist das Werfen von Reisbällen ins Meer sowie das Meiden der Tabu-Tage.
Als Schutzmittel gelten Salz, Weihwasser und Amulett.
Geisterschiffe und Ertrunkene im Vergleich
Die Funayūrei gehören zum Kreis der japanischen Meereswesen um den Kappa und den Meeresgeist Mouren Yassa. Als Geister Ertrunkener steht ihnen zudem der koreanische Mul Gwishin nahe.
Häufige Fragen zu Funayūrei
Wozu dient die bodenlose Schöpfkelle?
Reicht man sie den Geistern, schöpfen diese kein Wasser mehr.
Was unterscheidet sie vom Umibōzu?
Der Umibōzu ist eine Riesengestalt, die Funayūrei sind Geister als Geisterschiff.
Weiterführende Verlinkungen
Weiterlesen:
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Wer nach Funayurei Geisterschiff-Sagen sucht oder einen Ertrunkenengeist Japans meint, findet dieselbe Gestalt: eine Seele, die Wasser schöpft, bis ihr die bodenlose Kelle gereicht wird.





