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Caishen, chinesischer Gott des Reichtums

Caishen (chinesisch Cai Shen, «Gott des Reichtums») ist in der chinesischen Volksreligion eine der populärsten Gottheiten. Er ist Patron des wirtschaftlichen Wohlstands, der Geschäfte, der erfolgreichen Investitionen und allgemein des materiellen Glücks.

Religionsgeschichtlich handelt es sich nicht um eine einzelne Gestalt, sondern um einen Komplex verschiedener Personifikationen, die unter dem gemeinsamen Funktionsnamen zusammenfasst werden. Seine Verehrung intensiviert sich besonders zum chinesischen Neujahrsfest.

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Inhaltsverzeichnis

Caishen - Götter aus der China-Tradition, historisch-illustrativ

Mehrere Caishen-Figuren

Anders als bei vielen anderen chinesischen Göttern gibt es statt des einen Caishen eine Mehrzahl an Reichtumsgottheiten, die regional und nach Funktionsbereich unterschieden werden.

Die ältesten und am häufigsten genannten Figuren sind Zhao Gongming, Bi Gan, Fan Li und Guan Yu. Jeder dieser Männer hat eine eigene Vita und einen eigenen Zugang zum Themenfeld Reichtum.

Diese Vielfalt ist religionsphänomenologisch typisch für die chinesische Volksreligion, in der Funktionsbereiche meist durch ein bewegliches Cluster vergleichbarer Figuren besetzt sind, selten durch eine einzige Gottheit. Anne Birrell («Chinese Mythology. An Introduction», Baltimore 1993) hat darauf hingewiesen, dass diese Pluralität die Anpassungsfähigkeit der Volksreligion an lokale Bedürfnisse erhöht hat.

Zhao Gongming

Zhao Gongming ist die in den schriftlichen Quellen prominenteste Caishen-Figur. Er erscheint im Roman «Investitur der Götter» (Fengshen Yanyi, 16. Jahrhundert) als Krieger der Shang-Dynastie, der gegen die aufkommende Zhou-Dynastie kämpft und schließlich getötet wird.

Posthum wird er vom Jadekaiser zum Vorsteher des Reichtums berufen. Seine ikonographische Form zeigt ihn als bärtigen Krieger mit schwarzem Gesicht, einer Stahlpeitsche und auf einem schwarzen Tiger reitend.

Die Tatsache, dass er als General und nicht als Händler dargestellt wird, ist religionsgeschichtlich aufschlussreich: Reichtum wird in dieser Tradition mit Kraft, Schutz und Eroberung verbunden, nicht primär mit Handel und Kalkulation. Vier Untergottheiten begleiten ihn, jede für einen Teilbereich des Reichtums zuständig, etwa für die Akquisition, die Bewahrung oder das Geschäftsglück.

Bi Gan

Bi Gan ist eine semi-historische Figur der ausgehenden Shang-Zeit (etwa 11. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung). Er war ein loyaler Minister des grausamen Königs Zhou und versuchte, diesen von seinen Ausschweifungen abzuhalten.

Der König ließ ihn daraufhin töten, indem er ihm das Herz herausschneiden ließ. Posthum wurde Bi Gan als Märtyrer der Loyalität verehrt und in der späteren Tradition als Reichtumsgott eingeordnet.

Die Logik dieser Zuordnung beruht auf der Vorstellung, dass ein Mann ohne Herz auch ohne Eigennutz und Voreingenommenheit handeln kann; er ist damit der ideale Schiedsrichter in Geldgeschäften.

Diese Erzählung ist im «Shiji» Sima Qians überliefert und wurde in der Han-Zeit zur kanonischen Loyalitätsgeschichte. Mark Lewis («Sanctioned Violence in Early China», Albany 1990) hat den Komplex der Loyalitätsmärtyrer der späten Shang-Zeit als Gründungsmythos der Zhou-zeitlichen politischen Ethik analysiert.

Fan Li

Fan Li ist ebenfalls eine historische Person, ein Berater des Königs Goujian von Yue im 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung.

Er half Goujian, das benachbarte Königreich Wu zu besiegen, zog sich danach aus dem Staatsdienst zurück und wurde unter dem Namen Tao Zhugong ein außerordentlich erfolgreicher Kaufmann. Drei Mal soll er sein Vermögen aufgebaut und drei Mal an die Armen verschenkt haben.

Damit ist er die einzige Caishen-Figur, die historisch tatsächlich mit dem Handel verbunden ist. Sein posthumer Aufstieg in den Götterhimmel ist durch volksreligiöse Tradition belegt, eine literarische Aneignung steht dahinter gerade nicht; sein Kult ist besonders in den Provinzen Jiangsu und Zhejiang verbreitet.

Das «Shiji» schildert seine Karriere im Kapitel «Huo Zhi Liezhuan» («Biographien der Reichen»), das eine wirtschaftshistorisch aufschlussreiche Quelle für das vor-imperialen China ist.

Guan Yu als Wushen Caishen

Eine besondere Stellung nimmt Guan Yu ein, der historische General der späten Han-Zeit (2. bis 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung) und Mitkämpfer Liu Beis in der Trias der Drei Reiche.

Er wurde in der Song-Zeit zur Schutzgottheit der Krieger und in der Ming- und Qing-Zeit zum «Wushen Caishen», dem «militärischen Reichtumsgott». Seine Zuständigkeit liegt weniger in der Förderung kommerziellen Erfolgs als im Schutz von Geschäften vor Diebstahl, Betrug und vertragsbrüchigen Partnern.

Geschäftsleute schwören Verträge oft vor seinem Bild ein, weil seine bekannte Loyalität als Garantie der Geschäftsethik gilt. Dies ist eine bemerkenswerte religionssoziologische Konstellation: ein Krieger wird zum Wächter des Handels.

Hans Steininger hat in «Daoismus und Volksreligion in China» (Berlin 1980) auf die Verbindung zwischen Guan Yu und den Geheimbünden der Qing-Zeit hingewiesen, die wesentlich zur Verbreitung seiner Verehrung beigetragen haben.

Funktionale Aufspaltung

Die Caishen-Tradition unterscheidet zwischen «Wenshen Caishen» (zivilem Reichtumsgott) und «Wushen Caishen» (militärischem Reichtumsgott), wobei Bi Gan und Fan Li der ersten und Zhao Gongming und Guan Yu der zweiten Kategorie zugeordnet werden. Daneben existiert ein System von «Fünf Wegen Caishen» (Wulu Caishen), in dem Caishen aus den fünf Himmelsrichtungen verehrt wird.

Diese Konzeption stammt aus der Song-Zeit und integriert die Reichtumsverehrung in das kosmologische Schema der Fünf Wandlungsphasen (wuxing). Caishen ist damit weniger eine einzelne Gestalt als vielmehr ein systemischer Knotenpunkt, an dem mehrere religiöse Logiken zusammentreffen.

Neujahrsbräuche

Die zentrale Festtagspraxis des Caishen-Kults konzentriert sich auf die Tage um das chinesische Neujahr. Am fünften Tag des ersten Mondmonats wird der «Empfang des Caishen» (jie Caishen) gefeiert. Geschäfte öffnen an diesem Tag traditionell erstmals nach der Neujahrspause, Feuerwerk wird abgebrannt, Räucherwerk dargebracht. Die roten Couplets, die zum Neujahr an die Haustüren gehängt werden, enthalten häufig Caishen-Bilder oder Bezugnahmen auf ihn. Eine spezielle Praxis ist das «Caishen-Bilder-Verteilen», bei dem Wandermönche oder Bettler Caishen-Bilder von Tür zu Tür bringen und dafür eine kleine Gabe erhalten, die als Glücksbringer für das kommende Jahr gilt.

Ikonographie

Die ikonographische Standardform Caishens zeigt einen Beamten in offizieller roter Robe, mit einem schwarzen Beamtenhut, einer goldenen Mütze mit nach oben gerichteten Bändern, und einem Yuanbao (gegossener Goldbarren) in der Hand. Häufig begleiten ihn vier «kleine Caishen» (xiao Caishen), die für verschiedene Reichtumssegmente zuständig sind.

In militärischer Form, vor allem als Zhao Gongming oder Guan Yu, trägt er Rüstung und Waffe. Die Farbe Rot dominiert in beiden Formen, sie ist die chinesische Glücksfarbe und steht im Caishen-Kult für freudige Erwartung und Erfolg.

Caishen in der modernen Wirtschaft

In der chinesischen Diaspora und im modernen China der Reform-Ära seit 1978 hat der Caishen-Kult eine erstaunliche Renaissance erlebt. Auch in stark säkularen Geschäftsmilieus, etwa in Shanghai oder Hongkong, sind Caishen-Schreine in Restaurants, Friseuren, kleinen Geschäften und sogar Unternehmenszentralen verbreitet.

Religionssoziologisch ist dies ein interessantes Beispiel dafür, wie traditionelle Religion mit moderner kapitalistischer Wirtschaftsethik kompatibel sein kann, ohne dass die theologischen Implikationen ausgearbeitet werden.

Jochen Kandel hat in «Religion und Wirtschaft im chinesischen Volksglauben» (München 1998) diese moderne Konstellation untersucht und festgestellt, dass die Caishen-Verehrung weder als bloßer Aberglaube noch als kohärente Theologie gelesen werden kann; sie ist eher eine pragmatische Symbolpraxis, die kulturelle Identität, ethische Hinweise und alltägliches Wirtschaftsverhalten miteinander verbindet.

Religionswissenschaftliche Einordnung

Caishen ist ein Schulbeispiel für die «Funktionsspezialisierung» der chinesischen Volksreligion. Während die monotheistischen Religionen tendenziell eine Gottheit für alle Lebensbereiche kennen, organisiert die chinesische Tradition die religiöse Wirklichkeit nach Funktionen, von denen jede eine eigene Gottheit oder ein Götterensemble besitzt. Reichtum als zentraler Funktionsbereich erhält eine ausgeprägt vielgestaltige göttliche Repräsentation.

Diese Vielgestaltigkeit zeigt eine eigene religionsphänomenologische Logik, in der Funktion, ethische Anforderung und ikonographische Form zueinander in Beziehung gesetzt werden. Edward Schafer hat in «The Divine Woman» (San Francisco 1973) und in nachfolgenden Studien diese Funktionsspezialisierung als typisches Merkmal chinesischer Religiosität charakterisiert.

Quellen und weiterführende Literatur

Primärquellen: Fengshen Yanyi («Investitur der Götter»), 16. Jahrhundert; Shiji, Sima Qian, Kapitel «Huo Zhi Liezhuan» («Biographien der Reichen»); Ming- und Qing-zeitliche Tempelinventare aus Zhejiang und Jiangsu; volksreligiöse Wushen-Caishen-Liturgien der Qing-Zeit.

Sekundärliteratur: Anne Birrell, «Chinese Mythology. An Introduction», Baltimore 1993; Hans Steininger, «Daoismus und Volksreligion in China», Berlin 1980; Jochen Kandel, «Religion und Wirtschaft im chinesischen Volksglauben», München 1998; Edward Schafer, «The Divine Woman», San Francisco 1973; Mark Lewis, «Sanctioned Violence in Early China», Albany 1990; Florian Reiter, «Daoistische Rituale», Wiesbaden 2002.

Caishen und der Küchengott

Ein wichtiger Aspekt des Caishen-Komplexes ist seine Beziehung zum Küchengott (Zaojun, Zao Wangye), einer der populärsten Haushaltsgottheiten Chinas. Der Küchengott wohnt nach dem Volksglauben das ganze Jahr im Küchenherd und beobachtet das Verhalten der Familie.

Am 23. Tag des 12. Mondmonats steigt er zum Himmel auf und berichtet dem Jadekaiser. Caishen wiederum ist nach manchen Traditionen für die Auszahlung der irdischen «Belohnung» zuständig, die auf Grundlage dieses Berichts erfolgt.

Diese Vorstellung verbindet eine ethische Komponente (Belohnung der Tugendhaften) mit einer ökonomischen (Mehrung des Vermögens). Sie ist religionssoziologisch interessant, da sie zeigt, wie die chinesische Volksreligion ökonomischen Erfolg in einen moralischen Bezugsrahmen einbettet.

Anders als in einer rein liberalen Wirtschaftsethik ist Reichtum hier eine Folge richtigen Verhaltens, die durch die himmlische Bürokratie zugeteilt wird, kein Ergebnis individueller Rationalität.

Caishen in den Geheimbünden

Eine eigentümliche Linie der Caishen-Verehrung führt zu den chinesischen Geheimbünden der Qing-Zeit (17. bis frühes 20. Jahrhundert). Diese Bünde, darunter die Triade (Sandian Hui), nahmen sowohl Guan Yu als Reichtumsgott (Wushen Caishen) in ihre Rituale auf. Der Eintritt in den Bund war von einem Blutschwur vor seinem Bildnis begleitet.

Geschäftsleute, die Mitglieder eines Bundes waren, schworen ihre Geschäftsbeziehungen unter dem Schutz Guan Yus, was eine außerstaatliche Vertragsbindung ermöglichte.

Diese religiös-rechtliche Konstruktion war in den südchinesischen Auswanderergemeinschaften besonders ausgeprägt und reichte mit der Migration in die Diaspora nach Südostasien, Nordamerika und Australien. Hans Steininger und Jochen Kandel haben in ihren Studien die langfristige Wirkung dieser Konstellation auf die chinesischsprachige Wirtschaftskultur nachgezeichnet.

Caishen-Tempel weltweit

Die Verbreitung der Caishen-Verehrung ist mit der chinesischen Diaspora in fast alle Erdteile gelangt. Im Singapurer Stadtteil Geylang gibt es einen bekannten Caishen-Tempel, der in den 1930er Jahren von chinesischen Kaufleuten gestiftet wurde.

Im Chinatown von San Francisco, in Sydney und in Manila sind ähnliche Tempel zu finden. Im modernen Festlandchina haben die wirtschaftlichen Reformen seit 1978 zur Wiederbelebung der Caishen-Verehrung geführt.

In Schichten Shanghais, Shenzhens und Guangzhous sind Caishen-Schreine in praktisch jedem kleineren Geschäft, jedem Restaurant und jedem Friseursalon zu finden. Diese «Wiederkehr» einer als überwunden geglaubten religiösen Praxis hat in der religionssoziologischen Forschung erhebliche Aufmerksamkeit gefunden. Sie zeigt, dass die in der Mao-Zeit unterdrückten Volksreligionen nur ins Verborgene gedrängt worden waren, statt ausgelöscht zu werden.

Konfuzianisch-daoistische Einbettung

Die Caishen-Verehrung lässt sich nicht streng einer der drei chinesischen Hauptreligionen zuordnen. Sie ist überwiegend volksreligiös, hat aber sowohl daoistische als auch (im Fall von Guan Yu) konfuzianische Anteile.

Die daoistische Liturgie kann Caishen in ihre Götterhierarchie integrieren, indem sie ihn als Untergottheit des Jadekaisers behandelt. Die konfuzianische Ethik kann Guan Yu als Vorbild der loyalen Tugend in den eigenen Tugendkatalog aufnehmen.

Diese Mehrfachzugehörigkeit ist ein typisches Merkmal der chinesischen Religiosität, in der die scharfen Grenzziehungen zwischen «Religionen» wie sie in der westlichen Religionsgeschichte üblich sind, kein adäquates Beschreibungsinstrument darstellen. Florian Reiter und Stephen Bokenkamp haben unabhängig auf die methodische Schwierigkeit hingewiesen, chinesische Volksreligion mit westlichen Religionsbegriffen zu beschreiben.

Zhao Gongming im Fengshen Yanyi

Der Roman «Fengshen Yanyi» (Roman vom Götterbann, vermutlich Ende des 16. Jahrhunderts, zugeschrieben Xu Zhonglin) ist die literarische Hauptquelle für die Caishen-Figur Zhao Gongming.

Im Roman ist Zhao Gongming ein daoistischer Magier, der auf Seiten der Shang-Dynastie gegen die aufsteigende Zhou-Dynastie kämpft. Er reitet einen schwarzen Tiger, führt einen magischen Stab und kontrolliert die «Vierundzwanzig Goldperlen», die er als Wurfwaffen einsetzt.

Nach seinem Tod in der Schlacht wird er postum vom Allmächtigen Geist Jiang Ziya in den «Hof der dunklen Truppen» eingewiesen, von wo aus er als Caishen die irdischen Geschäftsangelegenheiten überwacht.

Die Caishen-Verehrung in Verbindung mit Zhao Gongming hat zwei Aspekte: einerseits den literarisch-romanhaften, der ihn als verlorenen Helden zeichnet, andererseits den volksreligiösen, der ihn als Garanten des Reichtums anruft.

Liu Ts’un-yan («Buddhist and Taoist Influences on Chinese Novels», Wiesbaden 1962) hat die religionshistorische Bedeutung des Fengshen Yanyi als Vehikel der populärreligiösen Verbreitung daoistischer Gottheiten umfassend analysiert.

Die Wushen-Tradition mit Guan Yu

Guan Yu (gestorben 220 unserer Zeitrechnung), der historische General der späten Han-Zeit, wurde seit der Tang-Zeit als Schutzgottheit verehrt und in der Ming-Zeit als «Wushen Caishen» (Kriegerischer Reichtumsgott) in die Caishen-Pantheon integriert. Die Verbindung von Guan Yu mit dem Reichtumskult ist ein Paradox, das religionsphänomenologisch erklärungsbedürftig ist.

Die volksreligiöse Tradition leitet sie aus mehreren Wurzeln ab: aus Guan Yus Treue als Vorbild der Geschäftsethik, aus seiner Schutzfunktion vor Räubern und unredlichen Konkurrenten, und aus der Tatsache, dass das Buchhalter-Handwerk in der Ming-Zeit mit dem militärischen Stand strukturelle Berührungen hatte.

Prasenjit Duara («Culture, Power, and the State», Stanford 1988) hat den Aufstieg Guan Yus zum staatlich geförderten Kult als religionssoziologischen Schlüsselfall der späten Kaiserzeit beschrieben. Heute ist Guan Yu in vielen ostasiatischen Geschäftsräumen, von Bankfilialen bis zu Restaurants, als Schutzfigur präsent.

Fünf-Wege-Caishen und die Provinzgliederung

Eine wichtige Variante des Caishen-Kults ist die Verehrung der «Fünf-Wege-Caishen» (Wulu Caishen). Diese Konstellation kennt einen zentralen Caishen und vier weitere Caishen, die jeweils einer Himmelsrichtung zugeordnet sind. Der zentrale Caishen ist meist Zhao Gongming, die vier Himmelsrichtungsgötter sind Xiao Sheng (Osten), Cao Bao (Süden), Chen Jiugong (Westen) und Yao Shaosi (Norden).

Diese fünfteilige Struktur ist analog zur konfuzianischen Verwaltungsteilung des Reichs und der daoistischen Fünf-Berge-Theologie konstruiert. Sie spiegelt das chinesische Bedürfnis nach räumlicher Symmetrie im religiösen Bereich. Im südchinesischen Volksglauben und in den südostasiatischen Diasporagemeinschaften ist die Wulu-Caishen-Variante besonders verbreitet. Die Tempel der Hokkien-Gemeinschaften in Penang, Malacca und Singapur pflegen sie als Hauptform.

Die Neujahrsliturgie und das Caishen-Empfangen

Das «Caishen-Empfangen» (jie Caishen) ist ein zentrales Element der chinesischen Neujahrsliturgie. Es findet traditionell am Morgen des fünften Tages nach Neujahr statt, wenn die Geschäfte nach der Festwoche wieder öffnen. Familien und Unternehmen entzünden Räucherwerk, brennen rote Kerzen und sprechen Caishen-Bittformeln. Mancherorts laufen Caishen-Darsteller durch die Straßen und überreichen rote Umschläge oder Talismane.

Diese öffentliche Form des Caishen-Empfangens hat im modernen China nach der Marktreform der späten 1970er Jahre eine erstaunliche Renaissance erlebt. Adam Yuet Chau («Miraculous Response: Doing Popular Religion in Contemporary China», Stanford 2006) hat die Wiederbelebung des Caishen-Kults in Shaanxi und Henan ethnographisch dokumentiert.

Die Renaissance steht in Beziehung zur wirtschaftspolitischen Wende und zeigt, dass die religiösen Strukturen unter dem Maoismus unterhalb der Oberfläche fortbestanden hatten, anstatt ausgelöscht zu werden.

Caishen in der südchinesischen Geschäftsethik

In der südchinesischen Geschäftswelt, besonders unter den Hokkien, Teochew und Hakka, hat Caishen eine spezifische Rolle als kosmischer Mitgesellschafter. Verträge werden in einigen Branchen rituell vor einem Caishen-Bild abgeschlossen, und die jährliche Buchhaltungsschluss-Zeremonie (an Sylvester oder am 24. des 12. Mondes) wird mit einer Caishen-Opferung verbunden.

Diese rituelle Einbettung der Geschäftsethik in den Caishen-Kult ist von G. William Skinner («Marketing and Social Structure in Rural China», Tucson 1964) und von Hill Gates («China’s Motor: A Thousand Years of Petty Capitalism», Ithaca 1996) als ein Schlüssel der chinesischen Wirtschaftsgeschichte gedeutet worden.

Sie liefert eine kulturelle Begründung für die ethische Bindung der Geschäftspartner und reduziert die Transaktionskosten in einer Wirtschaft, die historisch wenig auf staatlich-rechtliche Vertragsdurchsetzung vertrauen konnte.

Die Caishen-Tempel als touristisches und religiöses Phänomen

Caishen-Tempel sind in fast jeder chinesischen Stadt vertreten, oft als Nebenkulte in größeren Tempelkomplexen, gelegentlich aber auch als eigenständige Heiligtümer.

Bekannte Caishen-Tempel sind der Caishen Miao in Datong (Shanxi), der Caishen Dian im Lama-Tempel (Yonghegong) in Beijing und mehrere Tempel in Taipei. In der Diaspora sind die Caishen-Tempel in Hong Kong, Singapur und Bangkok besonders prominent.

Während der Geburtsfeier Caishens am fünften Tag des ersten Mondmonats verzeichnen diese Tempel Besucherzahlen von zehntausend bis hunderttausend Pilgern pro Tag. Die touristische Dimension hat in den letzten zwei Jahrzehnten die religiöse teilweise überlagert, was zu einer Debatte über Authentizität und Kommerzialisierung des Caishen-Kults geführt hat.

Diese Debatte ist von Mayfair Yang («Chinese Religiosities», Berkeley 2008) und David Palmer dokumentiert.

Häufig gestellte Fragen

Wer ist Caishen? Der chinesische Gott des Reichtums, des wirtschaftlichen Wohlstands und der erfolgreichen Geschäfte. Er ist keine einzelne Gestalt, sondern ein Komplex aus mehreren Personifikationen, darunter Zhao Gongming, Bi Gan, Fan Li und Guan Yu.

Was ist der Unterschied zwischen Wenshen und Wushen Caishen? Der zivile Caishen (Wenshen) ist für die Förderung des wirtschaftlichen Erfolgs zuständig, der militärische Caishen (Wushen) für den Schutz vor Diebstahl, Betrug und Vertragsbruch. Bi Gan und Fan Li gehören zur zivilen Kategorie, Zhao Gongming und Guan Yu zur militärischen.

Wann wird Caishen besonders verehrt? Zum chinesischen Neujahr. Am fünften Tag des ersten Mondmonats wird der «Empfang des Caishen» gefeiert, an dem Geschäfte traditionell erstmals nach der Neujahrspause öffnen.

Wie sieht Caishen aus? In ziviler Form als Beamter in roter Robe mit schwarzem Beamtenhut und einem goldenen Yuanbao in der Hand. In militärischer Form (Zhao Gongming, Guan Yu) als Krieger in Rüstung mit Waffe.

Einordnung & Schutz

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