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Bastet, Göttin der ägyptischen Tradition

Bastet ist Göttin der ägyptischen Tradition.

Katzengöttin, Schutzherrin des Hauses und der Mutterschaft. Bastet ist die wilde Anmut, die im Haus wohnt, Beschützerin, Jägerin, sanfte Mutter. Mit Katzenkopf oder menschlichem Körper in Katzengestalt, ist sie zärtlich ebenso wie gefährlich: die duale Natur der Katze selbst.

Ihr Heiligtum in Bubastis zog Pilger aus ganz Ägypten an, und ihre populäre Verehrung war vielleicht größer als die vieler bedeutsamerer Götter.

GöttinÄgypten

Inhaltsverzeichnis

Bastet - Götter aus der Ägypten-Tradition, historisch-illustrativ
Bastet
Kurzprofil: Bastet

Typ: Ägyptische Hauptgöttin, Katzen- und Schutzgöttin
Pantheon: Ägypten (alle Dynastien)
Funktion: Hausschutz, Mutterschaft, Fruchtbarkeit, Abwehr von Krankheit und bösen Mächten
Hauptattribute: Katze, Sistrum, Aigis (Löwenkopf-Halsschmuck), Korb mit Kätzchen
Hauptkultorte: Bubastis (Per-Bastet, Nildelta), Memphis, Speos Artemidos
Griechisches Pendant: Artemis Bubastia  Römisches Pendant: Diana Bubastis

Historische Einordnung

Zeitraum der Texte

Bastet ist seit der frühdynastischen Zeit (ca. 2900 v. Chr.) belegt, zunächst in löwengestaltiger Form als wilde Beschützerin des Königtums, ab dem Mittleren Reich zunehmend als sanfte Hauskatze.

Die Hauptblütezeit der Bastet-Verehrung fällt in die 22. Dynastie (Bubastiden, ca. 945–715 v. Chr.), als Bubastis kurzzeitig ägyptische Hauptstadt war. Herodot beschreibt im 5. Jh. v. Chr. die Bubastiden-Festlichkeiten als eines der größten Pilgerfeste Ägyptens. In der griechisch-römischen Zeit Synkretismus mit Artemis und Diana.

Verbreitungsraum

Hauptkultort war Bubastis (Tell Basta) im östlichen Nildelta, eine der wichtigsten ägyptischen Pilgerstätten der Spätzeit. Daneben Memphis, Theben und nahezu alle größeren Tempelstädte. In der Spätzeit entstanden monumentale Katzen-Friedhöfe in Bubastis, Saqqara und am Speos Artemidos (Beni Hassan), die die enorme Beliebtheit des Kultes belegen. Bastet-Bronzen zählen heute zu den häufigsten erhaltenen Votivobjekten der Spätzeit.

Quellenlage

Die zentralen Quellen umfassen die Pyramidentexte (Spruch 1111), die Sargtexte, das Totenbuch (Spruch 17 und 145), Tempelreliefs aus Bubastis und Edfu sowie Herodots Historien II 59–60 zum Bubastiden-Fest.

Archäologisch dokumentieren die Tier-Mumien-Friedhöfe von Bubastis, Saqqara und Speos Artemidos die Reichweite des Kultes. Wichtigste Sekundärliteratur: Bonnet, Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte; Wilkinson, Complete Gods and Goddesses of Ancient Egypt; Malek, The Cat in Ancient Egypt.

Name

Bastet wird als Frau mit Katzenkopf dargestellt, oft haltend eine Sistrum (Rasseln-Instrument) in einer Hand und einen Korb von Kätzchen in der anderen. Manchmal ist sie rein felina, eine große Katze auf menschlichem Körper.

Ihre Farbe ist Gold oder Braun. Das Sistrum war ihr heiliges Musikinstrument, symbolisierend Freude und Fruchtbarkeit. Der Uräus (Schlange) schmückt manchmal ihre Stirn. Katzen-Mumien wurden ihr zu Ehren angefertigt, tausende von ihnen in Krypten bestattet.

Beschreibung

Bastet schützt das Haus vor Pest, Feuer und bösen Geistern. Sie ist Patrone der Frauen, besonders in Schwangerschaft und Geburt, ihre Fruchtbarkeit ist sanft und produktiv, anders als die kriegerische Sekhmet. Im Bubastis-Tempel opferten Pilger ihr Milch, Fisch, Blüten.

Das Fest zu Ehren Bastets war einer der größten ägyptischen religiösen Feste, Musik, Tanz, Wein gehörten dazu. Priesterinnen hielten lebende Katzen in den Tempeln; die Verehrung der Katze selbst war Teil des Kults. Kätzchen zu opfern oder zu ertränken war Frömmigkeit, nicht Grausamkeit.

Erscheinung und Symbolik

Bastet wird fast ausschließlich als elegante schwarze Katze oder als katzenköpfige Frau dargestellt, oft mit dem Aton, der Sonnenscheibe, auf der Stirn. In ihrer Hand trägt sie das Sistrum, ein heiliges Perkussionsinstrument, das in Tänzen und Ritualen gespielt wurde.

Der Gürtel um ihre Hüfte ist verziert mit Perlen und Amuletten. Ihre Augen sind oft mit dem charakteristischen ägyptischen Wadjet-Auge kohl-geschwärzt dargestellt. Die schwarze Katze war heilig und wurde mit göttlicher Protektion ausgestattet.

Steckbrief: Bastet

Die wichtigsten Aspekte von Bastet auf einen Blick. Die folgenden Felder fassen Herkunft, Funktion, Erscheinung, Verehrung, Symbole und kulturelle Parallelen zusammen.

Tradition

Bastet ist eine der ältesten ägyptischen Göttinnen mit Ursprung in der frühdynastischen Zeit.

Sie gilt als Tochter des Sonnengottes Ra (in manchen Traditionen auch des Atum) und Schwester der löwenköpfigen Sekhmet, mit der sie zwei Aspekte einer Doppel-Göttin bildet, wütende Vernichterin (Sekhmet) und friedfertige Beschützerin (Bastet). Gattin des Ptah, Mutter des löwenköpfigen Schutzgottes Mahes (Mihos).

Bezogen auf

Schutzherrin des Hauses, der Schwangeren, der Mütter und der Kinder. Abwehrgöttin gegen Krankheit, Schlangen, Skorpione und böse Geister. In ihrem solaren Aspekt auch Tochter und Auge des Ra, häufig mit Sonnenscheibe über dem Kopf dargestellt. In ihrer frühen Löwengestalt wilde Beschützerin des Königtums.

Darstellung

Frühform: löwenköpfige Frau (vor allem Altes Reich). Spätform: katzenköpfige Frau in langem Trägerkleid, in der Rechten ein Sistrum (rituelles Rasselinstrument), in der Linken eine Aigis (zeremonieller Halsschmuck mit Löwenkopf). Häufig mit einem Korb von Kätzchen am Arm. Vollkatzen-Statuetten waren als Votivgabe extrem verbreitet. Meist sitzend (kultähnliche Pose), seltener schreitend.

Wirkungsbereich

Wirkungsbereich: Bastet schützt Haus und Herd vor sichtbaren wie unsichtbaren Bedrohungen. Frauen riefen sie vor und während der Geburt an, Mütter trugen Bastet-Amulette für ihre Kinder. Schlangen, Ratten und Skorpione galten als ihre besonderen Gegner.

Im Tempel von Bubastis war die heilige Katze als lebendiges Bild der Göttin verehrt, getötete Katzen wurden mumifiziert und in den großen Tier-Friedhöfen beigesetzt. Das Bubastiden-Fest galt als das ausgelassenste ägyptische Volksfest.

Schutz

Sistrum, Aigis (Halsschmuck mit Löwenkopf), Katze (besonders die getigerte Hauskatze), Sonnenscheibe, Mehnit-Kragen. Pflanzen: Schilfrohr, Lotos. Geringere Bedeutung haben Gegenstände wie Räucherwerk-Schalen und Opferkörbchen. In der bildlichen Darstellung wird sie häufig vom hauspflegenden Schutzgott Bes begleitet.

Verwandte Wesen

Sekhmet (Ägypten, Schwester und wilder Doppelaspekt), Tefnut (Löwentochter des Ra), Hathor (in der Sechmet-Hathor-Tradition), Artemis Bubastia (Griechenland, synkretistische Übernahme), Diana (Rom). Im weiteren Vergleich: Freyja (Germanisch, Katze als heiliges Tier), Lakshmi (Hinduismus, Haus- und Wohlstandsgöttin).

Abwehr im Alltag

Verehrung im Alltag

Rituale und Anrufungen
Das große Fest von Bubastis zog nach Herodots Schilderung Menschenmengen an und war von Musik, besonders dem Sistrum, und Prozessionen geprägt. Bastet galt als schützende und zugleich freudvolle Gottheit des häuslichen Lebens.

Beschwörungen und Anrufungen

Textüberlieferung und Formeln
Bastet erscheint bereits in den Pyramiden- und Sargtexten. Ihr Hauptkultort war Bubastis im Nildelta; Herodot beschreibt im zweiten Buch seiner „Historien“ ausführlich das dortige Fest.

Amulette und Schutzsymbole

Materielle Apotropäika und archäologische Belege
Katzenamulette und faiencene Katzenfigürchen zählen zu den häufigsten ägyptischen Schutzzeichen und sollten Haus und Familie bewahren. Hinzu kommen die Aegis der Bastet sowie die ausgedehnten Katzennekropolen mit Tiermumien.

Bastet, Parallelen in anderen Kulturen

Bastet ähnelt Diana/Artemis (Griechenland), Jägerin, Jungfrau und Mutter zugleich. Sie teilt Züge mit Freyja (Skandinavien), Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit. Das Motiv der Hausschutzgöttin findet sich in zahlreichen Kulturen, Penaten (Rom), Hausgötter (Slavisch). Bastet ist aber singulär in ihrer Bindung an ein einzelnes Tier und in ihrer populären Volksfrömmigkeit.

Bubastis: Stadt, Tempel und das große Fest

Das Zentrum des Bastet-Kults war die Stadt Bubastis im östlichen Nildelta, ägyptisch Per-Bastet, das Haus der Bastet. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot besuchte Ägypten im fünften Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung und hat eine der ausführlichsten Beschreibungen des dortigen Heiligtums hinterlassen.

Er schildert den Tempel als von Kanälen umgeben, sodass er auf einer Art Insel lag, und beschreibt ihn als einen der eindrucksvollsten, die er in Ägypten gesehen habe.

Besonders bekannt ist seine Schilderung des Bastet-Festes. Herodot berichtet von großen Mengen von Pilgern, die auf dem Wasserweg nach Bubastis kamen, von Musik, Tanz und ausgelassenem Treiben und von einem erheblichen Verbrauch von Wein. Er nennt das Fest von Bubastis als das größte und am stärksten besuchte unter mehreren ägyptischen Festen.

Auch wenn Herodots Angaben im Einzelnen mit Vorsicht zu lesen sind, da er als auswärtiger Beobachter manches verkürzt oder ausgeschmückt haben mag, stimmen seine Grundzüge mit dem überein, was archäologische und ägyptische Quellen über die Bedeutung von Bubastis nahelegen.

Archäologische Untersuchungen in Bubastis haben Reste des Tempels und der zugehörigen Anlagen freigelegt, darunter Bauteile aus verschiedenen Epochen, die zeigen, dass das Heiligtum über lange Zeit gepflegt und erweitert wurde.

In der Spätzeit, als Herrscher aus dem Delta die Macht in Ägypten innehatten, gewann Bubastis politisch wie religiös an Gewicht. Die Stadt war damit nicht nur ein Kultort, sondern zeitweise auch ein Machtzentrum, was die enge Verbindung von Königtum und Götterkult im alten Ägypten widerspiegelt.

Katzenmumien und Tierfriedhöfe

Zu den auffälligsten archäologischen Hinterlassenschaften des Bastet-Kults gehören die Tierfriedhöfe mit großen Mengen mumifizierter Katzen. Solche Bestattungen sind nicht nur aus Bubastis, sondern auch aus anderen Orten bekannt. Die Mumien wurden zum Teil sorgfältig in Bandagen gewickelt und in Form gebracht, manche in eigens gefertigte Behältnisse gelegt.

Die Forschung versteht diese Praxis vor allem im Zusammenhang mit dem Votivwesen der ägyptischen Spätzeit und der griechisch-römischen Epoche. Pilger erwarben Tiermumien, um sie der Gottheit als Gabe darzubringen, vergleichbar einem Weihgeschenk. Die Katze als das Bastet zugeordnete Tier eignete sich dafür besonders.

Untersuchungen einzelner Mumienbestände mit modernen bildgebenden Verfahren haben gezeigt, dass die Inhalte unterschiedlich sind: Manche enthalten vollständige Tiere, andere nur Teile oder fast nur Bandagen. Das deutet auf eine umfangreiche, teils handwerklich routinierte Produktion hin, in der die rituelle Funktion der Gabe wichtiger war als die Vollständigkeit des einzelnen Tieres.

Diese Funde belegen, wie tief der Tierkult in der religiösen Praxis verankert war. Sie zeigen zugleich eine wirtschaftliche Dimension: Um den Bedarf an Votivmumien zu decken, wurden Katzen offenbar in größerem Umfang gehalten und herangezogen.

Im neunzehnten Jahrhundert wurden große Mengen ägyptischer Tiermumien sogar nach Europa verschifft, teils zur Verwendung als Dünger, ein wenig bekanntes Kapitel, das zeigt, wie der Umgang späterer Zeiten mit diesen Funden von dem ursprünglichen religiösen Sinn weit entfernt war.

Bastet und Sachmet: die zwei Gesichter der Löwin

Bastet steht in enger Beziehung zu einer Gruppe von Göttinnen, die als gefährliche, löwengestaltige Mächte galten, allen voran Sachmet. Beide gehören zu den Töchtern des Sonnengottes Re und verkörpern Aspekte des sogenannten Sonnenauges, einer Vorstellung, die die schützende, aber auch zerstörerische Kraft des Sonnengottes als weibliche Gottheit fasst.

In der ägyptischen Religionsgeschichte zeichnet sich eine Verschiebung ab. In früher Zeit wurde Bastet selbst als Löwin dargestellt und besaß durchaus bedrohliche Züge.

Im Lauf der Zeit, vor allem ab dem ersten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung, trat ihre Erscheinung als Katze oder als katzenköpfige Frau in den Vordergrund, während die wilde, zerstörerische Seite stärker bei Sachmet verblieb.

Manche Texte stellen die beiden Göttinnen als die zwei Seiten einer einzigen Macht dar: Sachmet, wenn sie zürnt, Bastet, wenn sie besänftigt ist.

Diese Polarität ist kein Widerspruch, sondern entspricht der ägyptischen Vorstellung, dass dieselbe göttliche Kraft je nach Zustand bedrohlich oder schützend wirken kann. Der sogenannte Mythos von der fernen Göttin, in dem die zürnende Tochter des Sonnengottes nach Nubien zieht und besänftigt zurückgeholt werden muss, gehört zu diesem Vorstellungskreis.

Bastet erscheint darin als die befriedete Gestalt, in der die Gefahr in Schutz umgeschlagen ist. Für das Verständnis der Göttin ist es daher wichtig, sie nicht isoliert als freundliche Katzengöttin zu sehen, sondern als einen Pol innerhalb eines Spektrums löwenhafter Sonnengöttinnen.

Literatur (Auswahl)

  • Quirke, Stephen: Ancient Egyptian Religion. London 1992.
  • Malek, Jaromir: The Cat in Ancient Egypt. London 1993 (Standardwerk).
  • Herodot: Historien II 59–60.
  • Walde, Christine (Hg.): Der Neue Pauly (Lemma „Bastet“). Stuttgart 1996ff.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Häufige Fragen zu Bastet

Wer war Bastet in der ägyptischen Mythologie?

Bastet (ägyptisch Bȝstt) war die ägyptische Katzengöttin, eine der populärsten Volksgottheiten Ägyptens. In früher Zeit wurde sie löwen-köpfig dargestellt (wie Sekhmet, mit der sie ursprünglich identisch war), ab dem Neuen Reich katzen-köpfig oder als sitzende Katze.

Bastet war Göttin der Heimat, der Geburt, der Fruchtbarkeit und Beschützerin gegen böse Geister. Ihr Hauptkultort war Bubastis (ägyptisch Per-Bastet) im östlichen Nildelta. Herodot beschreibt das Bastet-Fest dort als das größte Fest Ägyptens, mit Schiffsprozessionen, Musik und Ausgelassenheit.

Warum waren Katzen im alten Ägypten heilig?

Katzen kamen ab etwa 2000 v. Chr. als domestizierte Tiere nach Ägypten und entwickelten dort eine einzigartige religiöse Bedeutung. Sie hielten die Vorratshäuser von Mäusen und Schlangen frei, gerade in einer Getreide-Hochkultur lebensentscheidend. Aus dieser praktischen Hochschätzung wurde religiöse Verehrung.

Eine getötete Katze wurde streng bestraft (laut Diodor sogar mit dem Tod). Bei Hausbränden wurde zuerst die Katze gerettet. Mumifizierte Katzen wurden zu Hunderttausenden als Votivgaben in Bastet-Tempeln gestiftet, moderne Grabungen finden ganze Katzen-Nekropolen.

Einordnung & Schutz

IISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe II zu – Spürbare Einwirkung.

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