Taweret ist Göttin der ägyptischen Tradition.
Die Schwangerenschützerin in Nilpferdgestalt, Schutzmacht von Geburt und Wochenbett.
Taweret, „die Große“, ist die prominenteste Schutzgestalt für Schwangerschaft und Geburt im alten Ägypten. Ihre Gestalt als schwangere Nilpferdfrau mit Löwenpranken, Krokodilrücken und menschlichen Brüsten ist bewusst machtvoll und abschreckend. Sie wehrt nicht durch Sanftheit ab, sondern durch eine Konzentration gefährlicher Eigenschaften.
Populär ist sie seit dem Mittleren Reich und bleibt bis in die römische Spätzeit zentrale Figur in jedem Haushalt mit Schwangeren. Mit Bes zusammen bildet sie das Kernpaar ägyptischer Geburts- und Wochenbettmagie, beide apotropäisch, beide bewusst grotesk, beide ungewöhnlich zugänglich für die private Frömmigkeit.
Typ: Schutzdämon / Göttin (fließende Grenze)
Herkunft: Mit dem Nil und dem Nilpferd verbunden; göttliche Ahnen unklar
Texte: Magische Papyri, Totenbuch, Hausaltäre, Amulettinschriften
Zeitraum: Altes Reich bis Spätantike
Verbreitung: Gesamtägyptischer Kulturraum
Einsatz: Taweret-Amulette, magische Messer, Gebärstuhl, Wandbilder
Frühe Belege reichen in das Alte Reich zurück; die volle ikonografische Ausprägung entsteht im Mittleren und Neuen Reich. In der Spätzeit und ptolemäischen Epoche wird Taweret zu einer der meistreproduzierten Figuren überhaupt, in zahllosen Amuletten, Statuetten und Wandbildern.
Mythologische Einordnung
Taweret, die Nilpferd-Göttin, ist eine der am meisten verehrten und geliebten Schutzgottheiten Ägyptens, besonders bei Frauen und Kindern. Ihr Name bedeutet „die Große“ und sie wird oft als trächtiges Nilpferd dargestellt.
Obwohl Nilpferde gefährliche Tiere sind, wurde Taweret verehrt als Protektorin der Schwangerschaft und Geburt, die mit ihrer Stärke und Aggressivität gegen Dämonen und böse Kräfte Mutter und Kind schützte. Taweret ist eine Göttin der Fruchtbarkeit und des Lebens.
Ihre Präsenz zieht sich durch das gesamte Niltal und über die ägyptischen Kulturgrenzen hinaus in die Levante und auf Zypern, wo Taweret-Amulette lokal weiterproduziert werden. Sie ist damit eine der am weitesten gewanderten ägyptischen Schutzfiguren.
Die ergiebigste Quelle ist die materielle Überlieferung: Tausende von Amuletten aus Fayence, Stein und Bronze; magische Messer aus Nilpferdzahn; Statuetten für Hausaltäre. Textlich wird sie in Geburtsbeschwörungen und in den magischen Papyri regelmäßig angerufen, oft zusammen mit Bes.
Ägyptisch: Tꜣ-wr.t, wörtlich „die Große“.
Griechisch: Thoëris.
Weitere Namen: Apet, Ipet, Reret („die Sau“). Diese Varianten bezeichnen z. T. eigenständige Gestalten, die in Taweret zusammenfließen.
Der Name, „die Große“, ist ein Ehrentitel, der sprachlich bewusst offen bleibt. Er verstärkt ihre Größe als Schutzmacht, ohne sie in eine enge Kategorie zu zwingen. Dazu passt die Ambivalenz ihrer Einordnung: In manchen Texten ist sie Göttin, in anderen Dämonin, entscheidend ist die Funktion.
Erscheinung
Taweret ist ein ausgeprägtes Mischwesen. Der Körper ist der einer schwangeren, aufrecht stehenden Nilpferddame mit hängenden menschlichen Brüsten und vorgewölbtem Bauch. Die Beine enden in Löwenpranken. Der Rücken trägt oft einen Krokodilrücken oder ein Krokodil als Aufsatz. In den Händen hält sie das Sa-Zeichen (Amulettschutz) oder den Fackelbuchstaben.
Verhalten
Ihre Wirkung ist schützend und abschreckend zugleich. Sie wehrt Kindbettfieber, Geburtskomplikationen, böse Blicke und Nachtdämonen ab. Ihre Geste ist meist aufrecht und frontal, sie steht da, präsent, bereit zum Eingreifen, nicht zurückhaltend.
Wirkungsbereich
Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit, Säuglingsschlaf. Sie wirkt auch allgemein als häusliche Schutzmacht, ihr Schwerpunkt liegt aber klar auf dem weiblichen und säuglings-bezogenen Lebensraum.
Mythologische Herkunft
Eine eindeutige Genealogie fehlt. Taweret wird gelegentlich mit Seth oder Hathor in Verbindung gebracht, behält aber eine eigenständige Position. Ihre Kombination aus Nilpferd, Löwe, Krokodil und Mensch spiegelt zugleich die Gefährlichkeit der Nilnatur und deren Verwandlung in Schutzkraft.
Erscheinung und Symbolik
Taweret wird dargestellt als ein großes, trächtiges weibliches Nilpferd mit hängenden Brüsten und aufgedunsenem Bauch, den Armen einer Löwin, dem Schwanz eines Krokodils und menschlichen Füßen. Sie trägt oft die Feder der Wahrheit auf ihrer Stirn.
Diese Hybrid-Form kombiniert die Stärke mehrerer Tiere, das aggressive Nilpferd, die Schnelligkeit des Löwen und die Schlauheit des Krokodils. Ihre Körperform betont Schwangerschaft und Mütterlichkeit, was sie als Göttin der Geburt ausweist.
Die wichtigsten Aspekte von Taweret auf einen Blick. Die Ausführung zu Name, Beschreibung, Einsatz und Parallelen finden Sie in den Kapiteln 2, 3, 5 und 6.
Eng mit dem Nil und dem Nilpferd verbunden; ohne klare Göttergenealogie. Varianten Apet, Ipet, Reret fließen in der Gestalt zusammen.
Schwangere, Wöchnerinnen, Säuglinge, Familie. Sekundär auch Frauen, die sich Nachwuchs wünschen. In ihrer Funktion als Hausgöttin schützt sie die gesamte Wohnung und ihre Bewohner gegen schädliche Einflüsse.
Schwangere Nilpferdfrau mit hängenden Brüsten, Löwenpranken, oft mit Krokodilrücken. In den Händen Sa-Zeichen oder Fackelbuchstabe.
Abwehr von Kindbettfieber, Geburtskomplikationen und nächtlichen Angriffen. Schutz von Schwangerschaft, Geburt und Säuglingszeit.
Nicht Abwehr Tawerets, sondern ihr Einsatz: Taweret-Amulette am Bauch der Schwangeren, Statuetten am Gebärstuhl, magische Messer aus Nilpferdzahn mit ihrer Darstellung.
Funktional eng verwandt mit Bes als zweitem ägyptischen Schwangerschaftsschützer mit grimmig-freundlichem Profil. Mesopotamische Parallele: Pazuzu als ambivalente Schutzfigur. Auch die griechische Hekate als Geburts-Begleiterin gehört in dieses Spektrum, ohne aber Tawerets reine Schutzwirkung zu teilen.
Rituale zur Anrufung
Taweret wird im Alltag angerufen, nicht beschworen. Schwangere trugen Amulette am Bauch, Taweret-Statuetten standen am Gebärstuhl und an der Wiege. In Geburtsbeschwörungen wird sie meist neben Bes aufgerufen, sie schützt, er vertreibt.
Beschwörungen
Die magischen Papyri enthalten Schutzformeln für Schwangerschaft und Wochenbett, die Taweret und Bes gemeinsam nennen. Der Text beschreibt die Gefahren (nächtliche Dämonen, Fieber, Verlust des Kindes) und ruft die Schutzmächte zur Anwesenheit auf.
Amulette und Schutzsymbole
Taweret-Amulette aus Fayence, Stein oder Bronze gehören zur Standardausstattung jeder schwangeren Frau und jedes Haushalts mit Kleinkindern. Die magischen Messer aus Nilpferdzahn, flache, halbmondförmige Objekte mit Reihen apotropäischer Wesen, zeigen Taweret fast immer prominent.
Mesopotamien: Pazuzu und Bes teilen das Profil des hässlich-grimmig schützenden Wesens für Schwangere und Säuglinge. Die kindergefährdende Lamashtu auf der Gegenseite zeigt, wie eng Schutz und Bedrohung in dieser Kategorie verbunden sind.
Griechisch-römische Welt
Eileithyia ist die griechische Geburtsgöttin, allerdings ohne dämonisches Profil. Die Lamiae und Lamia stehen auf der Bedrohungsseite des Komplexes. Im hellenistischen Ägypten verschmelzen Taweret und Eileithyia partiell.
Christliche Rezeption: In der Spätantike übernimmt die Marienverehrung in Ägypten Funktionen Tawerets, Maria als Schutzgestalt der Mütter und Kinder ist eine direkte funktionale Nachfolge. Ikonographische Anklänge gibt es besonders in koptischer Volksfrömmigkeit.
Moderne Rezeption: Taweret erlebt heute eine Wiederentdeckung in feministischer Spiritualität und in der Wellness-/Schwangerschaftsliteratur als positiv konnotierte Mutter-Schutz-Göttin. Sie erscheint außerdem in populärer Ägyptomanie-Literatur und als Charakter in Genre-Fiction (Rick Riordans Kane Chronicles).
Taweret gehört zu den ikonografisch unverwechselbarsten Gestalten des ägyptischen Pantheons. Ihr Erscheinungsbild ist aus mehreren gefährlichen Tieren zusammengesetzt: Der Körper ist der einer aufrecht stehenden, hochträchtigen Nilpferdkuh, der Rücken trägt die Mähne und oft den Schwanz eines Krokodils, die Gliedmaßen enden in den Tatzen eines Löwen, und die hängenden weiblichen Brüste betonen den mütterlichen Aspekt.
Häufig stützt sie sich auf das sa-Zeichen, ein Hieroglyphenzeichen, das „Schutz“ bedeutet.
Diese Zusammensetzung ist kein willkürliches Ungeheuer, sondern folgt einer Logik. Nilpferd, Krokodil und Löwe waren die drei für den Menschen gefährlichsten Tiere des Niltals.
Indem Taweret deren Merkmale in sich vereinigt, vereinigt sie deren Bedrohlichkeit, kehrt sie aber gegen die Feinde der Mutter und des Kindes. Die furchterregende Gestalt ist gerade das Mittel des Schutzes: Was die Schwangere und das Neugeborene bedroht, soll vor Taweret zurückweichen.
Die Darstellungen reichen von monumentalen Tempelstatuen bis zu winzigen Amuletten. Besonders verbreitet war Taweret auf Gegenständen des häuslichen Bereichs: auf Betten, Kopfstützen, Salbgefäßen, auf den sogenannten Zaubermessern aus Nilpferdzahn, die man über die Schlafenden hielt.
Diese materielle Allgegenwart unterscheidet sie von den großen Staatsgöttern. Taweret hatte zwar Tempelkult, vor allem in der Spätzeit, aber ihre eigentliche Domäne war das Haus, das Schlafzimmer, der Geburtsraum. Sie war eine Gottheit zum Anfassen, zum Tragen, zum Aufstellen am Bett.
Taweret ist die ägyptische Schutzgottheit von Schwangerschaft, Geburt und früher Kindheit, also genau jener Lebensphase, die in der Antike mit der höchsten Sterblichkeit verbunden war.
Geburt war für Mutter und Kind lebensgefährlich, und die ägyptische Religion stellte für diese Gefahrenzone ein eigenes Ensemble von Schutzmächten bereit, in dessen Zentrum Taweret stand, oft gemeinsam mit dem löwengesichtigen Zwergengott Bes.
Die Verehrung Tawerets vollzog sich weniger im großen Tempelritual als in einer dichten Alltagspraxis.
Schwangere trugen Amulette mit ihrem Bild, Geburtsräume und Wochenbetten wurden mit ihren Darstellungen geschmückt, Milchgefäße und Salbtöpfe erhielten ihre Gestalt, damit der heilsame Inhalt unter ihrem Schutz stand. Die Zaubermesser und Apotropaia des Mittleren Reiches zeigen sie in langen Reihen schützender Wesen.
Religionswissenschaftlich ist Taweret ein Musterbeispiel für eine „Haushaltsgottheit“, deren Bedeutung umgekehrt proportional zu ihrer Sichtbarkeit in der offiziellen Religion ist. In den Königslisten und großen Theologien spielt sie kaum eine Rolle; im gelebten Alltag der ägyptischen Familien, besonders der Frauen, war sie über Jahrtausende hinweg eine der wichtigsten Gottheiten überhaupt.
Diese Diskrepanz mahnt, die ägyptische Religion nicht nur aus den Tempeltexten zu rekonstruieren. Ein großer Teil der religiösen Praxis fand im Haus statt, und dort herrschte Taweret. Ihre lange Beliebtheit, von den Pyramidentexten bis in die griechisch-römische Zeit, belegt, wie stabil dieser häusliche Schutzkult war.
Der Name Taweret bedeutet „die Große“ und ist eigentlich eine respektvolle Umschreibung, kein ursprünglicher Eigenname. Diese Beobachtung führt zu einem grundsätzlichen Problem: Die ägyptischen Quellen kennen mehrere nilpferdgestaltige Göttinnen, die einander stark ähneln, aber unter verschiedenen Namen auftreten.
Neben Taweret begegnen Gestalten wie Ipet, Reret („die Sau“) und Hedjet, und die Forschung diskutiert, ob es sich um verschiedene Göttinnen oder um regionale und epochale Erscheinungsformen derselben Macht handelt.
Die wahrscheinlichste Deutung ist, dass eine zugrunde liegende Vorstellung von der schützenden, trächtigen Nilpferdgöttin sich an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten in unterschiedlichen Namen und mit leicht abweichenden Profilen niederschlug.
Taweret setzte sich schließlich als die geläufigste Bezeichnung durch und absorbierte die anderen weitgehend. Die Umschreibung „die Große“ statt eines festen Eigennamens passt zu dieser Entwicklung: Sie funktioniert über Orts- und Traditionsgrenzen hinweg.
Ein weiterer Strang verbindet die Nilpferdgöttin mit dem Himmel und mit dem Sternenglauben. In den Darstellungen der Sternbilder an Tempeldecken und Sargdeckeln erscheint eine nilpferdgestaltige Figur als Personifikation eines Teils des nördlichen Sternenhimmels, oft verbunden mit der Bewachung des Bereichs, in dem die niemals untergehenden Sterne kreisen.
Wie eng diese kosmische Nilpferdgestalt mit der häuslichen Schutzgöttin Taweret zusammenhängt, ist nicht abschließend geklärt. Der Befund zeigt aber, dass die Nilpferdgöttin nicht auf die Geburtshilfe beschränkt war, sondern auch eine Rolle in der Ordnung des Kosmos spielen konnte. Die scheinbar einfache Haushaltsgöttin steht in einem weiteren theologischen Zusammenhang, als ihre Amulette zunächst vermuten lassen.
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Im Pantheon ägyptischer Götter nimmt Taweret eine eigenständige Stellung als Schutzmacht der Schwangeren und Gebärenden ein. Auch wenn sie weiblich dargestellt wird, zählt sie nach religionswissenschaftlichem Sprachgebrauch zu den Göttern Ägyptens und wurde in häuslichen Riten neben anderen Göttern wie Bes angerufen.
Ihr Mischwesen-Körper aus Nilpferd, Löwe und Krokodil galt als sichtbares Zeichen ihrer Abwehrfunktion gegen unheilvolle Mächte.. Der theologische Begriff „Gott“ wird hier in weiblicher Form (Göttin) gebraucht.
Empfohlene Schutzmittel
Das einfachste Schutzmittel dieser Sammlung: 41 Schichten aus Echtgold 999, Platin, Silber und Silizium, gefertigt in Ruhla/Thüringen. Muss nicht aktiviert werden, ist an keine Person gebunden und wirkt im Umkreis von rund 50 Metern, auch ohne getragen zu werden.
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