Sekhmet ist Göttin der ägyptischen Tradition.
Löwenköpfige Göttin von Krieg und Heilung, Tochter des Ra. Sekhmet ist Gewalt und Heilung in einer Gestalt, die feurige Augen, die Leben nehmen, sind die gleichen, die es wiederherstellen. Mit Löwenkopf und Sonnenscheibe, als Kriegerin und Ärztin, steht sie für die ambivalente Kraft, die zerstört, um zu reinigen. Sie ist Ras Auge, seine Vernichterin böser Menschen, und doch die Herrin der Heilmittel.
Sekhmet ist eine ägyptische Löwengöttin von Krieg, Heilung und Rache.
Typ: Ägyptische Löwen- und Kriegsgöttin, Heilgöttin
Pantheon: Ägypten (alle Dynastien)
Funktion: Krieg, Rächerin des Sonnengottes, Pestbringerin und zugleich Heilerin
Hauptattribute: Löwenkopf, Sonnenscheibe mit Uraeus, langes Trägerkleid
Hauptkultorte: Memphis (Hauptkultort), Theben, Bubastis (Doppel-Heiligtum mit Bastet)
Synkretismen: Sechmet-Hathor (wilder Hathor-Aspekt), Sechmet-Mut (Theben)
Sekhmet ist seit dem Alten Reich (ab ca. 2700 v. Chr.) belegt. Die berühmte Sekhmet-Statuen-Reihe Amenophis’ III. (18. Dynastie, ca. 1380 v. Chr.) im Tempel der Mut umfasst über 700 Skulpturen, vermutlich eine für jeden Tag des Jahres, um die Göttin zu besänftigen. Im Mythos vom Sonnenauge wird sie zur Vernichterin der Menschheit, bevor Re sie mit rotem Bier besänftigt.
Hauptkultort war Memphis, in der memphitischen Trias mit Ptah (Gemahl) und Nefertem (Sohn). Daneben Theben (Tempel der Mut, der große Sekhmet-Skulpturen-Hof), Bubastis (gemeinsam mit Bastet), Esna. Spezielle Sekhmet-Priester (wab) waren auch Ärzte, ihre Heilkunst war religionsmedizinisch untermauert.
Zentrale Quellen: die Pyramidentexte (Spr. 539), das Totenbuch (Spr. 17, 164), die Geschichte vom Sonnenauge (Buch der Himmelskuh, KV 17 ff.), die medizinischen Papyri (Edwin-Smith, Ebers, Sekhmet-Beschwörungen). Sekundärliteratur: Hoenes, Untersuchungen zu Wesen und Kult der Göttin Sachmet; Bonnet, Reallexikon; Germond, Sekhmet et la Protection du Monde.
Sekhmet wird mit feurigem Löwenkopf auf menschlichem weiblichem Körper dargestellt. Auf ihrer Stirn leuchtet die Sonnenscheibe (Aten) und der Uräus (Schlange der königlichen Macht). Sie trägt oft ein langes Uas-Zepter (gekrümmter Stab mit Schlangenkopf). Ihr Körper ist manchmal golden oder rot. In kriegerischen Szenen trägt sie Waffen. In medizinischen Papyri wird sie mit Heilkräutern und Opium-Mohn umgeben, als Herrin der Pharmazie.
Sekhmet ist Ras Auge, die Göttin, die er aussendet, um Ungerechtigkeit und Böses zu vernichten. Nach den Pyramidentexten und dem Totenbuch schafft sie Krankheit und Pest, und nur sie kann sie heilen. Priester riefen sie an, um Seuchen abzuwehren oder zu überwinden. Wenn sie in ihre kriegerische Form tritt, wird sie zur Furie, die tausende tötet; wenn sie zur Heilerin wird, heilt sie mit der gleichen Kraft. Im Memphis-Tempel wurden ihr Opfer gebracht, um ihre Gnade zu bitten. Mediziner invozierten sie vor Operationen.
Die wichtigsten Aspekte von Sekhmet auf einen Blick. Die folgenden Felder fassen Herkunft, Funktion, Erscheinung, Verehrung, Symbole und Parallelen zusammen.
Sekhmet („die Mächtige“) ist Tochter des Sonnengottes Re, sein Sonnenauge in zorniger Form. Gemahlin des Ptah, Mutter des Lotos-Gottes Nefertem. Schwester der Bastet (sanfter Doppelaspekt). Im Mythos vom Sonnenauge schickt Re sie aus, die rebellische Menschheit zu vernichten, nur eine List rettet die Überlebenden: mit Hathorbier (rot wie Blut) wird sie betrunken gemacht und vergisst das Toten.
Doppelfunktion: Pestbringerin und Heilerin. Als Rächerin sendet sie ihre „Boten“ (Krankheits-Dämonen) aus, aber als Sekhmet-Priester-Heiler wird sie auch um Heilung gebeten. Die Täglichen Besänftigungs-Riten zu Jahresbeginn (heliakischer Sothis-Aufgang) sollten ihren Zorn abwehren. Schutz des Pharao im Krieg, Niederschlagung von Aufständen.
Löwenköpfige Frau in langem Trägerkleid, häufig sitzend. Auf dem Kopf die Sonnenscheibe mit Uraeus-Schlange. In der Hand Was-Zepter und Anch. Hautfarbe traditionell rot oder rosa-gold (das Feuer). Häufig mit dem Löwenfell-Kleid (das die Krieger-Aspekt unterstreicht) und der Mehnit-Kette. In den Amenophis-Skulpturen prächtig in schwarzem Granit, fast lebensgroß.
Wirkungs-Bereich: Sekhmet wurde besonders in Zeiten der Pest, im Krieg und bei akuten Krankheiten angerufen. Ärzte galten als ihre Diener, die Sekhmet-Priester-Ärzte (wab Sechmet) waren Heilung und Beschwörung in einer Person. Jährliche Besänftigungs-Feste mit roten Bier-Opfergaben sollten ihren Zorn auf Distanz halten. In Königsritualen Verkörperung der Niederlage der Feinde.
Löwenkopf, Sonnenscheibe mit Uraeus, Was-Zepter, Anch, Löwenfell, Mehnit-Kette, rot- bzw. blutrote Hautfarbe, Pfeil und Bogen (Kriegsattribute). Pflanzen: Lotos (durch Verbindung mit Sohn Nefertem), Papyrus. Rituell: rotes Bier (Hathorbier-Mythos), Granit-Steine.
Bastet (Ägypten, sanfte Schwester), Hathor (Doppelaspekt im Sonnenauge-Mythos), Tefnut (Löwentochter des Schu), Mut (Theben, späte Verschmelzung), Inanna/Ishtar (Mesopotamien, Liebe und Krieg), Athene (Griechenland, Kriegsgöttin und Schutzherrin), Durga (Hinduismus, tigerreitende Kriegsgöttin), Kali (Hinduismus, rasender wilder Aspekt).
Rituale und Anrufungen
Historische Praktiken und Opferrituale in der Volksfrömmigkeit: Räucherwerk, Libationen, Votiv-Gaben. Archäologische Befunde auf Tontafeln (Ägypten: Kyphi-Rezepte aus Edfu; Griechenland: Defixiones aus Athen; Vodou: Drumming-Rhythmen und Lwa-Anrufung). Historische Zeugnisse zeigen rituelle Kontinuität über Jahrtausende.
Textüberlieferung und Formeln
Schriftliche Überlieferung: Pyramidentexte (Ägypten), Vedische Hymnen (Hinduismus), Psalmen und Magische Papyri (Judentum/Christentum), Qu’ran-Verse (Islam), Übertragene Formeln in Mündlichkeit. Rhythmische Anrufungen, Göttinnamen-Zyklus, magische Sigillen und phonetische Kraft (Mantra-Prinzip).
Materielle Apotropäika und archäologische Belege
Physische Objekte: Skarabäen-Siegel (Ägypten), Bes-Plaketten, Wedjat-Auge, Evil-Eye-Amulette (Mittelmeerraum), Vèvè-Erdzeichen (Vodou), Runen-Talismane (Germanisch). Inschriften auf Amulett-Trägern, Schutz durch Material (Elfenbein, Hämatit, Lapis Lazuli) und kultisches Design. Museum-Kataloge und Grabungsberichte dokumentieren Alltags-Apotropäika aus 3000+ Jahren.