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Hinzelmann, die Stimme von Schloss Hudemühlen

Der Hinzelmann ist Geist der germanischen Tradition.

Der plaudernde Kobold, der täglich Milchbrei verlangte.

Inhaltsverzeichnis

Hinzelmann, der Kobold von Hudemühlen
Hinzelmann

Der Hinzelmann, auch Hintzelmann, ist der Kobold von Hudemühlen: Auf dem Schloss in der Lüneburger Heide begann seine Spukzeit 1584. Er blieb meist unsichtbar, sprach aber mit klarer Stimme, half im Haushalt und verlangte täglich eine Schale süßen Milchbreis.

Er ist einer der bestdokumentierten deutschen Kobolde: Die Quelle fußt auf dem Tagebuch des Pfarrers Marquart Feldmann aus den Jahren 1584 bis 1589 und wurde 1704 unter dem Titel Der vielförmige Hintzelmann gedruckt. Als sprechender Hausgeist ist er in der deutschen Überlieferung ohne rechtes Gegenstück.

Im Überblick: Hinzelmann

Typ: Kobold und sprechender Hausgeist eines Schlosses
Herkunft: Schloss Hudemühlen, Lüneburger Heide
Texte: Feldmann-Bericht, Erstdruck 1704, Grimms Deutsche Mythologie
Zeitraum: Spukzeit ab 1584, Erstdruck 1704
Erscheinung: meist unsichtbar, deutlich hörbar, vielförmig

Herkunftsraum und Quellen

Zeitraum der Texte

Die Spukzeit setzt 1584 ein; der Bericht, der auf Pfarrer Feldmanns Tagebuch der Jahre 1584 bis 1589 fußt, erschien 1704 im Druck.

Verbreitungsraum

Schloss Hudemühlen in der Lüneburger Heide; über den Druck von 1704 und Jacob Grimm wurde die Gestalt weit über Niedersachsen hinaus bekannt.

Quellenlage

Sehr gut: der Feldmann-Bericht von 1704 als außergewöhnlich detaillierte Quelle, dazu Jacob Grimms Deutsche Mythologie und die Deutschen Sagen.

Name und Varianten

Deutsch: Hinzelmann ist eine Diminutivform zu Hinz oder Heinz, Heinrich, mit -el-mann. Der Name ist mit den Heinzelmännchen verwandt, doch bezeichnet er eine eigenständige Figur.

Wesen und Wirkung

Erscheinung

Der Hinzelmann ist meist unsichtbar, aber deutlich hörbar; er sprach mit klarer Stimme, sang und scherzte. Ausdrücklich vielförmig, soll er sich als weiße Feder, Marder oder Schlange gezeigt haben; gelegentlich wird eine kindlich-kleine Gestalt erwähnt.

Wirkung

Er half im Haushalt in Küche und Stall und beim Aufräumen, warnte und plauderte mit Bewohnern und Gästen. Grundsätzlich freundlich, konnte er bei Misstrauen oder Kränkung nachtragend und schabernacktreibend werden. Als Lohn verlangte er täglich eine Schale süßen Milchbreis an einem festen Platz.

Steckbrief: Hinzelmann

Die wichtigsten Aspekte des Kobolds von Hudemühlen auf einen Blick.

Kulturkontext

Frühneuzeitlicher Schlosskobold der Lüneburger Heide, dokumentiert im Tagebuch eines Pfarrers und 1704 gedruckt.

Bezogen auf

Bewohner und Gäste von Schloss Hudemühlen, mit denen er sprach, scherzte und denen er im Haushalt zur Hand ging.

Darstellung

Meist unsichtbar und nur hörbar; als weiße Feder, Marder oder Schlange gezeigt, gelegentlich als kindlich-kleine Gestalt beschrieben.

Funktion

Hilfe in Küche, Stall und beim Aufräumen, dazu Warnungen und Plauderei; bei Kränkung Streiche und Unruhe, keine tödliche Gewalt.

Umgang

Die tägliche Schale süßen Milchbreis an festem Platz; Vertreibungs- und Bannversuche schlagen fehl, er geht um 1588 freiwillig.

Verwandtes

Das Tagebuch des Pfarrers Feldmann

Hinzelmann ist eine Diminutivform zu Hinz oder Heinz, Heinrich, mit -el-mann, namensverwandt mit den Heinzelmännchen, aber eine eigenständige Figur. Die außergewöhnlich detaillierte Quelle ist ein Bericht, der auf dem Tagebuch des Pfarrers Marquart Feldmann aus den Jahren 1584 bis 1589 fußt und 1704 unter dem Titel Der vielförmige Hintzelmann gedruckt wurde.

Jacob Grimm behandelt den Kobold in der Deutschen Mythologie und kanonisierte damit einen Stoff, der als frühneuzeitlicher Erlebnisbericht begonnen hatte. So wurde aus dem Hausgespenst eines Heideschlosses eine der am besten bezeugten Gestalten des deutschen Koboldglaubens.

Nachwirkung und Einordnung

Der Hinzelmann ist einer der bestdokumentierten deutschen Kobolde; die Schrift von 1704 ist ein Schlüsseltext der frühneuzeitlichen Poltergeist-Literatur und wurde durch Grimm kanonisiert.

Religionswissenschaftlich ist der Hinzelmann überwiegend gutartig; bei Kränkung folgen Streiche und Unruhe, keine tödliche Gewalt wie bei Hödekin. Wichtige Klarstellungen: Er ist nicht identisch mit den Kölner Heinzelmännchen, trotz Namensähnlichkeit; und die Quelle ist ein frühneuzeitlicher Erlebnis- und Tagebuchbericht Feldmanns, nicht bloß eine Grimm-Sage.

Der tägliche Milchbrei: Geben und Nehmen

Zentraler Ritus ist die regelmäßige Speisegabe, der Milchbrei, an fixem Ort, ein echtes Geben-und-Nehmen-Verhältnis. Versuche, den Kobold zu vertreiben oder zu bannen, schlagen in der Erzählung fehl; er geht schließlich um 1588 freiwillig. Belegt ist also weniger ein Schutzzauber gegen ihn als eine Beschwichtigungs- und Versorgungspraxis.

Kobolde mit Speiseopfer und Kränkungs-Tabu

Der Hinzelmann steht neben Hödekin, Niß Puk, dem skandinavischen Nisse und Tomte, dem englischen Brownie und dem Klabautermann, alle mit Speiseopfer und Kränkungs-Tabu. Die Sprech- und Wandlungsfähigkeit ist bei ihm besonders stark ausgeprägt.

Häufige Fragen zum Hinzelmann

Wer ist der Hinzelmann?

Der Kobold von Schloss Hudemühlen, mit Spukzeit ab 1584: meist unsichtbar, aber sprechend, hilfreich und gut dokumentiert.

Was verlangte er als Lohn?

Täglich eine Schale süßen Milchbreis an einem festen Platz.

Ist er dasselbe wie die Heinzelmännchen?

Nein. Trotz Namensähnlichkeit ist er eine eigenständige Figur aus Hudemühlen.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Der vielförmige Hintzelmann. Nach dem Tagebuch des Pfarrers Marquart Feldmann. 1704.
  • Grimm, Jacob: Deutsche Mythologie. Göttingen 1835.
  • Grimm, Jacob / Grimm, Wilhelm: Deutsche Sagen. Berlin 1816.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als Kobold von Hudemühlen und sprechender Hausgeist zugleich zeigt der Hinzelmann, wie nah sich Alltag und Geisterwelt in der Frühen Neuzeit kamen: ein Hausgenosse, den man hörte, versorgte und nie ganz zu Gesicht bekam.

Einordnung & Schutz

IISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe II zu – Spürbare Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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