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Tomte, der heimliche Knecht der schwedischen Höfe

Der Tomte ist Geist der schwedischen Volksüberlieferung.

Der unsichtbare Helfer, der Respekt und Julbrei verlangt. Als heimlicher Knecht der Höfe Schwedens verlangt der Tomte Respekt und eine Schale Brei.

Inhaltsverzeichnis

Tomte, der Hofgeist Schwedens
Tomte

Der Tomte, auch Tomtenisse oder Gårdstomte, ist der schwedische Hof- und Hausgeist: ein kleiner alter Mann mit roter Zipfelmütze, der Hof und Vieh schützt und nachts heimlich die Stallarbeit verrichtet.

Sein Name kommt von tomt, dem Bauplatz oder der Hofstätte; volkstümlich gilt er als Geist des ersten Siedlers eines Hofes. Er verlangt Respekt und den Julbrei, die Weihnachtsgrütze mit Butter, und vergisst eine Kränkung nicht.

Im Überblick: Tomte

Typ: Hof- und Hausgeist
Herkunft: Schweden und Ostnorwegen
Texte: altschwedische Zeugnisse des 14. Jahrhunderts, darunter die Offenbarungen der Heiligen Birgitta; Kvideland und Stokker
Zeitraum: 14. Jahrhundert bis in den lebendigen Brauch der Gegenwart
Erscheinung: kleiner alter Zwerg von etwa sechzig Zentimetern mit roter Zipfelmütze

Textgeschichte

Zeitraum der Texte

Die frühesten Belege sind zwei altschwedische Zeugnisse des 14. Jahrhunderts zu den tomta gudhane, den Göttern des Bauplatzes; der Brauch lebt bis heute fort.

Verbreitungsraum

Schweden und Ostnorwegen: Der Tomte gehört zu den Bauernhöfen, an deren Hofstätte er gebunden ist.

Quellenlage

Gut dokumentiert: die altschwedischen Zeugnisse, dazu die Sammlungen von Kvideland und Stokker und die reiche literarische Rezeption seit Rydberg.

Name und Varianten

Schwedisch: tomte, von tomt, Bauplatz oder Hofstätte, altnordisch tompt: wörtlich der Mann der Hofstätte. Volkstümlich gilt er als Geist des ersten Siedlers eines Hofes, verwandt mit dem Ahnengeist im Grabhügel.

Wesen und Wirkung

Erscheinung

Der Tomte ist ein kleiner alter Zwerg von etwa sechzig Zentimetern, in grauer Kleidung und mit roter Zipfelmütze. Der Bart ist eine späte Zutat; der alte Tomte galt als bartlos. Im schwedischsprachigen Finnland galt er als einäugig.

Wirkung

Der Tomte schützt Hof, Vieh und Kinder, verrichtet nachts heimlich die Stallarbeit und sichert den Wohlstand, während er selbst unsichtbar bleibt. Respektlosigkeit ahndet er mit Streichen bis hin zur Viehtötung.

Steckbrief: Tomte

Die wichtigsten Aspekte des Hofgeistes auf einen Blick.

Kulturkontext

Schwedischer Hofgeist, seit dem 14. Jahrhundert bezeugt; volkstümlich der Geist des ersten Siedlers, verwandt mit dem Ahnengeist im Grabhügel.

Bezogen auf

Hof, Vieh und Kinder: Der Tomte wacht über die Hofstätte und ihre Bewohner und arbeitet nachts, ohne gesehen zu werden.

Darstellung

Kleiner alter Zwerg von etwa sechzig Zentimetern in Grau, mit roter Zipfelmütze; ursprünglich bartlos, im schwedischsprachigen Finnland einäugig gedacht.

Wirkungsbereich

Heimliche Stallarbeit und Wohlstand des Hofes; bei Respektlosigkeit Streiche, Strafen und im schlimmsten Fall die Tötung des Viehs.

Abwehrformen

Keine Abwehr, sondern Pflege des Verhältnisses: der Julgröt mit Butterklecks, dazu Bier, Käse und Brot, regional Fäustlinge oder Schuhe als Kleidergabe.

Pendants

Der norwegisch-dänische Nisse, der finnische Tonttu, der schottische Brownie und der slawische Domovoi.

Die Götter des Bauplatzes

Der Name führt in die Frühgeschichte des Hofes selbst: tomte kommt von tomt, dem Bauplatz oder der Hofstätte, altnordisch tompt, wörtlich der Mann der Hofstätte. Volkstümlich galt der Tomte als Geist des ersten Siedlers eines Hofes, verwandt mit dem Ahnengeist im Grabhügel.

Die frühesten Belege sind zwei altschwedische Zeugnisse des 14. Jahrhunderts zu den tomta gudhane, den Göttern des Bauplatzes. Eines davon steht in den Offenbarungen der Heiligen Birgitta, wo Priester das Opfern an die Tomte-Götter verbieten: Der Hofgeist war der Kirche früh ein Dorn im Auge, dem Volk aber ein vertrauter Nachbar.

Rydberg, Nyström und der Jultomte

Berühmt machten den Tomte Viktor Rydbergs Gedicht Tomten von 1881, Jenny Nyströms bildprägende Illustrationen und Astrid Lindgrens Prosafassung. Unter US-Einfluss wandelte er sich zum Jultomte, dem schwedischen Weihnachtsmann.

Religionswissenschaftlich ist der Tomte wohlwollend, aber launisch und nachtragend. Wichtige Klarstellungen: Er ist kein Gartenzwerg oder Weihnachtself, sondern ein ganzjähriger Hofgeist; der Jultomte ist eine spätere Neuerfindung. Der Bart ist spät. Und die Gleichsetzung mit Santa Claus ist eine kommerzielle Angleichung.

Julgröt, Butter und Respekt

Quellenfest ist der Julgröt, der Weihnachtsbrei mit einem Butterklecks obenauf, dazu Bier, Käse und Brot, regional Fäustlinge oder Schuhe als Kleidergabe. Bekannt ist die Butter-Geschichte: Versteckt der Bauer die Butter unter dem Brei, findet der Tomte keine obenauf und tötet aus Zorn die Kuh; findet er die Butter dann am Boden der Schale, bereut er und ersetzt die Kuh. Die Regeln des Umgangs sind Respekt, Traditionstreue, nicht zu fluchen und nicht in den Stall zu urinieren.

Der Tomte unter den Hausgeistern

Der Tomte entspricht dem norwegisch-dänischen Nisse, dem finnischen Tonttu, dem schottischen Brownie, dem deutschen Kobold und dem slawischen Domovoi. Sein Schiffsableger ist der Klabautermann, der an Bord dieselbe Rolle übernimmt wie der Tomte auf dem Hof.

Häufige Fragen zum Tomte

Was ist ein Tomte?

Der schwedische Hof- und Hausgeist, ein kleiner alter Mann mit roter Zipfelmütze, der den Hof schützt und nachts heimlich die Stallarbeit verrichtet.

Was verlangt er als Gabe?

Den Julgröt, die Weihnachtsgrütze mit einem Butterklecks obenauf; regional dazu Bier, Käse, Brot oder eine Kleidergabe.

Ist der Tomte der Weihnachtsmann?

Nein. Er ist ein ganzjähriger Hofgeist; der Jultomte ist eine spätere Angleichung an Santa Claus.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Kvideland, Reimund / Sehmsdorf, Henning K. (Hg.): Scandinavian Folk Belief and Legend. Minneapolis 1988.
  • Stokker, Kathleen: Keeping Christmas. Yuletide Traditions in Norway and the New Land. St. Paul 2000.
  • Rydberg, Viktor: Tomten. Stockholm 1881.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als schwedischer Hofgeist ist der Tomte weit mehr als der Wichtel mit Zipfelmütze der Weihnachtskarten: Er ist der Mann der Hofstätte, seit dem 14. Jahrhundert bezeugt und bis heute mit einer Schale Julgröt geehrt.

Einordnung & Schutz

IIISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe III zu – Belastende Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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