Apsara, von der Wassernymphe zur Tänzerin Indras
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Apsara ist ein Geist der hinduistischen Tradition.
Himmlische Tänzerin, ursprünglich eine Wassernymphe.
Die Apsara ist himmlische Nymphe und Tänzerin der indischen Mythologie, ursprünglich ein Wassergeist. Sie tanzt am Hof Indras und wird gesandt, um die Askese mächtig werdender Weiser zu stören. Gefahr geht von ihr nur mittelbar aus; ein eigenständig schädigendes Wirken kennt die Überlieferung nicht.
Typ: himmlische Nymphe und Tänzerin, ursprünglich Wassergeist
Herkunft: Rigveda bis Puranas
Texte: dicht belegt, vedisch bis puranisch
Zeitraum: vedische Schicht bis heute
Erscheinung: schöne Tänzerin, Gefährtin der Gandharvas
Textgeschichte der Apsaras
Zeitraum der Texte
Vom Rigveda über Mahabharata und Ramayana bis zu den Puranas bezeugt.
Verbreitungsraum
Der indische Subkontinent, über Kulturexport ganz Südostasien.
Quellenlage
Dicht: von vedischen Hymnen bis zur puranischen Literatur.
Name und Varianten
Sanskrit: Der Name wird von ap, Wasser, hergeleitet; das Etymologicon des Yaska deutet Apsara als die im Wasser sich Bewegende.
Wesen und Wirkung
Erscheinung
Apsaras werden als anmutige Tänzerinnen dargestellt, verkörpern Schönheit und Tanz; in Angkor Wat sind zahlreiche Reliefs mit Kopfschmuck eingemeißelt.
Wirkung
Sie tanzen an Indras Hof und empfangen gefallene Krieger. Wer ihnen verfällt, wird von Askese und Ziel abgebracht; die Gefahr liegt allein in der entrückenden Bindung durch Schönheit.
Steckbrief: Apsara
Die wichtigsten Aspekte der himmlischen Tänzerin auf einen Blick.
Vedische bis puranische Überlieferung, von Rigveda und Atharvaveda bis Ramayana.
Tanz an Indras Hof, gefallene Krieger, Prüfung mächtiger Asketen.
Schöne Tänzerin mit reichem Schmuck, in Angkor Wat gemeißelt.
Verführung als Werkzeug der Götter, kein eigenständiger Schaden.
Kein Tempelkult, Verehrung sublimiert im kambodschanischen Tanz.
Vom Milchozean an den Hof Indras
Rigveda und Atharvaveda führen die Apsaras als Bewohnerinnen der Gewässer, nur Urvashi wird genannt. Nach Ramayana und Puranas stiegen sie aus dem Schaum des gequirlten Milchozeans auf und wurden Gemeingut und Gefährtinnen der Gandharvas. Berühmt sind Urvashi und Menaka, die Vishvamitra verführte und Shakuntalas Mutter wurde. Ein Mahabharata-Motiv: Indra sendet eine Apsara, um die Buße eines zu mächtigen Weisen zu unterbrechen.
Von Angkor Wat zum Weltkulturerbe
Angkor Wat und die Khmer-Kunst sind die bildliche Hauptquelle der Apsara; ihr klassischer Tanz wurde 2003 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Religionswissenschaftlich sind Apsaras halbgöttliche Kollektivwesen, keine individuellen Gottheiten, mit Ausnahmen wie Urvashi. Ihre Linie führt von vedischen Wassernymphen zu Himmelstänzerinnen des Indra-Hofes.
Tanz statt Tempelkult
Ein eigener Tempelkult mit Apsara-Opfern ist nicht belegt; ihre Verehrung ist im Tanz sublimiert, am lebendigsten im kambodschanischen Apsara-Tanz. Schutz liegt nicht in einem Bann, sondern in der Beherrschung des eigenen Begehrens. Es gelten ein Amulett, Räuchern als indische Ehrungsform und Salz als Reinigungsmittel.
Wassernymphen im Kulturvergleich
Häufige Fragen zu Apsara
Sind Apsaras Göttinnen?
Nein, halbgöttliche himmlische Nymphen ohne eigenen Götterrang; Urvashi tritt einzeln hervor.
Warum verführen sie Asketen?
Weil Indra fürchtet, ein Weiser könne durch Askese zu viel Macht anhäufen; die Apsara unterbricht seine Buße.
Weiterführende Verlinkungen
Weiterlesen:
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Wer nach der Apsara Nymphe des Rigveda sucht, findet dieselbe himmlische Tänzerin, die an Indras Hof tanzt und, aus dem Wasser aufgestiegen, bis heute in den Steinreliefs von Angkor Wat lebendig bleibt.





