Makara, Wächter der Tempeltore im Krokodilleib
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Makara ist ein Dämon der hinduistischen Tradition.
Makara Wasserwesen im Dienst von Ganga und Varuna. Als Wächter der Tempeltore verbindet Makara im Krokodilleib Fluss und Heiligtum der hinduistischen Tradition. Laut Titel ist Makara ein Wasserungeheuer der indischen Kunst.
Makara ist ein mythisches Wasserwesen der hinduistischen Überlieferung, ein Mischwesen aus Krokodilkopf, Elefantenrüssel und Fischleib. Es dient der Flussgöttin Ganga und dem Wassergott Varuna als Reittier und gilt als das am häufigsten wiederkehrende Wesen der hinduistischen und buddhistischen Tempelkunst, von Indien bis in den Himalaya und nach Südostasien.
Als Torwächter bewacht es die Schwellen von Tempeln und Thronsälen, als Emblem des Liebesgottes Kamadeva steht es für Fruchtbarkeit und Begehren, und in der Astrologie gibt es dem Tierkreiszeichen Steinbock seinen Namen. Gegenüber Menschen gilt der Makara nicht als bösartig, sondern als dienendes, schützendes Grenzwesen.
Typ: hybrides Wasserungeheuer, Reittier und Schwellenwächter
Herkunft: hinduistisch-buddhistischer Kulturraum
Texte: vedische Grundlage, Puranas, Tempel-Ikonografie
Zeitraum: vedisch bis Gegenwart
Erscheinung: Mischwesen aus Krokodil, Elefant und Fisch
Quellenkontext
Zeitraum der Texte
Vedisch grundgelegt, breit ausgestaltet in Puranas, Epen und Tempelkunst, bis heute in Astrologie und Architektur lebendig.
Verbreitungsraum
Der hinduistisch und buddhistisch geprägte Raum von Indien über Südostasien bis in den Himalaya.
Belegdichte
Sanskrit-Texte, umfangreiche Tempel-Ikonografie und die Astrologie dokumentieren das Mischwesen gut.
Name und Varianten
Sanskrit: Makara bezeichnet zugleich das Wasserungeheuer, das Reittier zweier Gottheiten, ein Schutzmotiv der Tempelarchitektur und das Tierkreiszeichen Steinbock, benannt nach seiner Gestalt.
Wesen und Wirkung
Erscheinung
Der Makara vereint Krokodilkopf und -kiefer, Elefantenrüssel, Fischschuppen und Fischschwanz, teils mit Pfauenschweif. Als Torbogen über Götterbildern bildet ein Makara-Paar oft den Rahmen, dessen Scheitel das Antlitz des Ruhms krönt; auch als Ohrschmuck von Vishnu und Shiva erscheint seine Form.
Wirkung
Als Reittier trägt er Ganga und Varuna, als Schwellenwächter verschlingt er sinnbildlich das Chaos und schützt den heiligen Innenraum. Gegenüber Menschen ist er kein feindliches Wesen, sondern ein dienendes Grenzwesen zwischen Ordnung und Flut.
Steckbrief: Makara
Die wichtigsten Aspekte des Wasserungeheuers auf einen Blick.
Hybrides Wasserwesen der hinduistisch-buddhistischen Ikonografie, vedisch grundgelegt.
Tempelschwellen, Thronsäle und die Wassergottheiten Ganga und Varuna, die es trägt.
Krokodilkopf, Elefantenrüssel, Fischleib, teils mit Pfauenschweif.
Schwellenwächter und Sternzeichen: Er bändigt das Chaos und markiert den Steinbock.
Kein Personenkult; das Fest Makara Sankranti feiert den Sonneneintritt in sein Sternzeichen.
Reittier zweier Wassergötter und Wächter der Schwelle
Makara ist das Reittier, das Vahana, der Flussgöttin Ganga und des Meeres- und Wassergottes Varuna. In vedischer Zeit wurde Varuna, ursprünglich Himmels- und Ordnungsgott, zum Herrn der Wasser und ritt auf dem Wasserungeheuer. Ikonografisch ist der Makara das am häufigsten wiederkehrende Wesen der hinduistischen und buddhistischen Tempelkunst.
Er verbindet sich mit mehreren Gottheiten: Als Emblem des Liebesgottes Kamadeva verweist er auf Fruchtbarkeit und Begehren, in der Astrologie markiert er das Zeichen Steinbock. Sein Name steht so zugleich für ein Ungeheuer, ein Reittier, ein Schutzmotiv und ein Sternbild.
Vom Tempeltor zum Tierkreiszeichen
Der Makara prägt bis heute Astrologie, Tempelarchitektur und Schmuckdesign; das Fest Makara Sankranti feiert jährlich den Sonneneintritt in sein Zeichen. In der esoterisch-theosophischen Literatur wird er symbolisch überhöht, was nicht quellenfest ist, und eine randständige kryptozoologische Deutung ist wissenschaftlich nicht haltbar.
Religionswissenschaftlich ist Makara ein klassisches Grenzwesen, das Wasser, Fruchtbarkeit und Chaosbändigung verbindet. Als Attribut mehrerer Gottheiten und astrologisches Zeichen ist er weniger eigenständige Kultfigur als ikonografisches Funktionswesen, ambivalent und nicht-menschlich, aber nicht bösartig.
Torwächter statt Kultbild
Der Makara wird nicht selbst angebetet, sondern wirkt schützend: als Torwächter-Motiv an Tempeleingängen, als Wasserspeier über Quellen und als Bogenrahmen um Götterbilder. Sein Wesen als Wächter der Schwelle spiegelt sich im überlieferten Schwellenschutz von Haus und Tempel. Ein getragenes Amulett knüpft an seine schützenden Torbilder an, geweihtes Weihwasser an seine Verbindung zu den heiligen Gewässern.
Wasserungeheuer und Grenzwesen im Vergleich
Als hybrides Wasserungeheuer ist der Makara mit der mesopotamischen Tiamat und den Chaosdrachen vergleichbar; als krokodilgestaltiges Wesen steht er dem ägyptischen Sobek nahe. Innerhalb Indiens berührt er den Kreis der Flussgöttin Sarasvati, und im Westen entspricht ihm das Sternbild Steinbock. Als Reittier bleibt er zugleich eng mit Ganga verbunden.
Häufige Fragen zu Makara
Wessen Reittier ist der Makara?
Vor allem der Flussgöttin Ganga und des Wassergottes Varuna. Als deren Vahana trägt und stützt er die Gottheiten durch die Fluten.
Woraus besteht der Makara?
Aus einer Mischung mehrerer Tiere: Krokodilkopf, Elefantenrüssel, Fischleib und Fischschuppen, teils mit Pfauenschweif.
Weiterführende Verlinkungen
Weiterlesen:
- Hinduismus – alle Wesen der hinduistischen Tradition
- Ganga – die Flussgöttin, die er als Reittier trägt
- Varuna, Apsara – Wassergott und Wassernymphe desselben Pantheons
- Schwellenschutz, Amulett, Weihwasser – überlieferte Schutzmittel
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als Makara Wasserwesen der hinduistischen Tempelkunst verschlingt er das Chaos an der Schwelle; als Makara Reittier trägt er zugleich Ganga und Varuna durch die heiligen Fluten.





