Ogbanje, gebunden an den iyi-uwa
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Ogbanje ist ein Dämon der Igbo-Überlieferung Nigerias.
Ein Kind, das stirbt, um von derselben Mutter wiederzukehren.
Ogbanje ist ein wiederkehrendes Geistkind der Igbo: ein böser Geist, der geboren wird, jung stirbt und immer wieder von derselben Mutter neu geboren wird, um die Familie mit Trauer zu quälen. Gebunden ist er an einen versteckten Gegenstand, den iyi-uwa.
Der Name ọgbanje bedeutet wörtlich Kinder, die kommen und gehen. Der Begriff gehört zur Igbo-Kosmologie Odinani und ist im Igbo-Land Südostnigerias gut belegt, mündlich wie literarisch: Chinua Achebe machte ihn 1958 mit seinem Roman Things Fall Apart auch außerhalb Nigerias bekannt.
Typ: wiederkehrendes Geistkind der Igbo-Kosmologie
Herkunft: Igbo-Kosmologie Odinani, Igbo-Land in Südostnigeria
Texte: zentraler Begriff der mündlichen Überlieferung, literarisch fixiert bei Chinua Achebe
Zeitraum: traditionell bis in die Gegenwart
Erscheinung: scheinbar normales Kind, das als böser Geist inkarniert ist
Überlieferungskontext
Zeitraum der Texte
Traditionell bis in die Gegenwart: Der Ogbanje ist ein zentraler Begriff der Igbo-Kosmologie und wurde 1958 durch Chinua Achebes Roman Things Fall Apart auch literarisch fixiert.
Verbreitungsraum
Das Igbo-Land im Südosten Nigerias.
Quellenlage
Gut: Der Ogbanje ist ein zentraler, sowohl mündlich als auch literarisch bei Achebe belegter Begriff der Igbo-Kosmologie.
Name und Varianten
Igbo: ọgbanje bedeutet wörtlich Kinder, die kommen und gehen, und beschreibt das wiederkehrende Wandern zwischen Diesseits und Geisterwelt.
Erscheinungsbild
Erscheinung
Der Ogbanje steht zwischen den Welten und ist an den iyi-uwa gebunden, oft einen Stein, aber auch eine Puppe, ein Haar oder ein Stück Kleidung des toten Kindes. Der Geist vergräbt ihn heimlich; er erlaubt dem Ogbanje die Rückkehr in die Menschenwelt und das Wiederfinden der Zielfamilie.
Wirkung
Der wiederholte, absichtliche Tod und die Wiedergeburt zermürben die Familie durch immer neue Trauer. Solange der iyi-uwa besteht, bleibt der Kreislauf ungebrochen.
Steckbrief: Ogbanje
Die wichtigsten Aspekte des wiederkehrenden Geistkindes auf einen Blick.
Zentraler Begriff der Igbo-Kosmologie Odinani mit ihrer Vorstellung von bösartigen Geistern, die absichtlich Unglück über eine Familie bringen.
Die eigene Herkunftsfamilie, besonders die Mutter, die dasselbe Kind immer wieder gebiert.
Scheinbar ein normales Kind, tatsächlich ein an den iyi-uwa gebundener Geist zwischen Diesseits und Geisterwelt.
Zermürbt die Familie durch wiederholten, absichtlichen Tod und Wiedergeburt desselben Kindes.
Ein Dibia befragt den Geist, lokalisiert den iyi-uwa und zerstört ihn, um den Kreislauf zu beenden.
Odinani und die Kinder, die kommen und gehen
Der Name ọgbanje bedeutet wörtlich Kinder, die kommen und gehen, und beschreibt das immer wiederkehrende Wandern zwischen Diesseits und Geisterwelt. Der Begriff gehört zur Igbo-Kosmologie Odinani mit ihrer Vorstellung von bösartigen Geistern, die absichtlich Unglück über eine Familie bringen: Der Ogbanje ist kein Opfer eines tragischen Zufalls, sondern handelt aus eigenem Willen.
Ein Ogbanje wird geboren, stirbt jung und wird von derselben Mutter erneut geboren, wieder und wieder. Gebunden ist er an den iyi-uwa, einen versteckten Gegenstand, oft einen Stein, aber auch eine Puppe, ein Haar oder ein Kleidungsstück des toten Kindes, den der Geist selbst heimlich vergräbt. Der iyi-uwa erlaubt dem Ogbanje die Rückkehr in die Menschenwelt und das Wiederfinden derselben Familie, sodass der Kreislauf aus Geburt und frühem Tod ungebrochen bleibt, solange er besteht.
Achebe und das literarische Nachleben
Chinua Achebe gestaltet in Things Fall Apart von 1958 die Figur Ezinma als Ogbanje-Kind samt der Suche nach dem iyi-uwa. Das Ogbanje- und Abiku-Motiv durchzieht die moderne westafrikanische Literatur.
Religionswissenschaftlich ist der Ogbanje eine mythologische Erklärung wiederholten frühen Kindstods innerhalb einer Familie. Forschende deuten das Konzept teils als vormoderne Erklärung erblicher Krankheiten wie der Sichelzellanämie oder des plötzlichen Kindstods, deren familiäre Häufung als Wiederkehr desselben Geistes gedeutet wurde.
Der Dibia und die Zerstörung des iyi-uwa
Quellenfest ist der Gegenritus: Ein Dibia, ein traditioneller Heiler und Seher, befragt den Ogbanje und zwingt ihn durch Rituale, den Ort des iyi-uwa preiszugeben. Der iyi-uwa wird ausgegraben und zerstört, damit der Geist die Familie nie wieder heimsuchen kann. Daneben gilt ein getragenes Amulett als Schutzzeichen und Medizin des Dibia für das gefährdete Kind. Allgemein gilt Beifuß als Schutzkraut. Auch Salz gilt im Volksglauben als Schutzzeichen gegen die bösen Geister.
Abiku und weitere wiederkehrende Kinder
Häufige Fragen zum Ogbanje
Was ist der iyi-uwa?
Der versteckte, vergrabene Gegenstand, oft ein Stein, eine Puppe, ein Haar oder ein Kleidungsstück des toten Kindes, der den Ogbanje an die Welt und an seine Familie bindet.
Wie stoppt man den Kreislauf?
Ein Dibia befragt den Geist, lokalisiert den iyi-uwa und zerstört ihn; danach soll der Ogbanje die Familie nicht mehr heimsuchen.
Ist Ogbanje dasselbe wie Abiku?
Praktisch ja, nur bei einem anderen Volk: Ogbanje bei den Igbo, Abiku bei den Yoruba.
Weiterführende Verlinkungen
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als Igbo-Geistkind bleibt der Ogbanje eines der eindringlichsten Bilder der Überlieferung: ein wiederkehrendes Kind, das die eigene Familie mit dem Kreislauf aus Geburt und frühem Tod quält, bis der iyi-uwa gefunden und zerstört ist.





