Ognjena Marija ist Göttin der slawischen Tradition.
Herrin von Blitzfeuer und Sommerhitze, Schwester des Hl. Elias. Der Titel des Beitrags stellt Ognjena Marija als Feurige Maria der Slawen vor.
Ognjena Marija, die Feurige Maria, in vereinfachter Umschrift Ognyena Maria, ist eine feurige Frauengestalt des süd- und ostslawischen Volksglaubens. Sie herrscht über zerstörerisches Feuer, Blitz und die gefährliche Hochsommerhitze und gilt als Schwester des Hl. Elias.
An ihrem Feiertag gilt ein strenges Arbeitsverbot, dessen Bruch sie mit Feuer straft. Zugleich ist sie keine einfach heidnische Göttin, sondern ein christlich-volksreligiöses Verschmelzungsphänomen: die Überlagerung der Jungfrau Maria beziehungsweise der Hl. Marina oder Margareta von Antiochia mit einer Feuergestalt.
Typ: Herrin von Blitzfeuer und Sommerhitze, christlich-volkstümliche Heiligengestalt
Herkunft: Süd- und ostslawischer Volksglaube
Texte: Ethnografische Dokumentation des 19. und 20. Jahrhunderts, orthodoxe Ikonografie
Zeitraum: dokumentiert im 19. und 20. Jahrhundert, bis heute lebendig
Erscheinung: feurige Frauengestalt, teils auf feurigem Wagen
Südslawischer Volksglaube, dokumentiert im 19. und 20. Jahrhundert; der Brauch ist bis in die Gegenwart lebendig.
Serbien, Bosnien und Bulgarien, dazu die Ukraine: der süd- und ostslawische Raum, in dem ihr Feiertag begangen wird.
Ethnografisch gut dokumentiert; hypothetisch bleibt dagegen die Herleitung aus einer vorchristlichen Feuergöttin.
Südslawisch: ognjena bedeutet feurig, zu ogni, Feuer, verwandt mit lateinisch ignis und altindisch agni, dem Wort, das auch der vedische Feuergott Agni trägt. Ognjena Marija ist also wörtlich die Feurige Maria.
Erscheinung
In orthodoxen Ikonen erscheint Ognjena Marija als feurige Gestalt, teils in Flammen oder auf einem feurigen Wagen nach dem Elias-Motiv. Ihre Attribute sind Flammen und Blitze; ihre Symbolik verbindet sengende Sommerhitze und Blitzfeuer mit Fruchtbarkeit, Herd und Abwehr des Bösen.
Wirkung
Sie beherrscht zerstörerisches Feuer und Blitz, besonders die gefährliche Hochsommerhitze, und straft Arbeit an ihrem Tag mit Bränden. In bulgarischer Überlieferung versteckt sie sich am Tag ihres Bruders Elias, damit dessen Freude nicht alles mit Blitzen vernichtet; in der Ukraine erhofft man an ihrem Tag blitzankündigenden Regen für die Felder.
Die wichtigsten Aspekte der Feurigen Maria auf einen Blick.
Christlich-heidnisches Verschmelzungsphänomen des südslawischen Volksglaubens: Maria beziehungsweise die Hl. Marina oder Margareta, überlagert mit einer Feuergestalt.
Bauern und Haushalte: Ihr Kult zielt auf den Schutz von Haus und Ernte vor Brand, Blitz und Sommerhitze.
Feurige Frauengestalt der orthodoxen Ikonen, teils in Flammen oder auf einem feurigen Wagen nach dem Elias-Motiv, mit Flammen und Blitzen als Attributen.
Zerstörerisches Feuer, Blitz und Hochsommerhitze; an ihrem Feiertag straft sie Arbeit mit Bränden.
Feiertag am 17. Juli julianisch, dem 30. Juli gregorianisch, mit strengem Arbeitsverbot; kein Nähen, kein Wäschewaschen und ähnliche Arbeiten.
Perun und sein christlicher Nachfolger Elias über den Blitz; im slawischen Feuer- und Sonnenbereich Svarožič und Dažbog.
Südslawisch ognjena bedeutet feurig, zu ogni, Feuer. Ognjena Marija ist ein christlich-heidnisches Synkretismus-Phänomen: die Verschmelzung der Jungfrau Maria beziehungsweise der Hl. Marina oder Margareta von Antiochia mit einer Feuergestalt.
Volkstümlich gilt sie als Schwester des Hl. Elias, der die Nachfolge des Donnergottes Perun antrat; über diese Verwandtschaft ist sie in den slawischen Blitz- und Feuerkreis eingebunden. Die Bräuche selbst sind gut dokumentiert, die Herleitung aus einer vorchristlichen Feuergöttin bleibt dagegen teils hypothetisch.
Der Brauch um Ognjena Marija ist vor allem in Serbien und Bosnien bis in die Gegenwart lebendig. Sie ist ein Motiv der orthodoxen Ikonografie und ein beliebtes Beispiel für slawisch-christlichen Synkretismus, im Neuheidentum teils als reine Feuergöttin überzeichnet.
Religionswissenschaftlich ist der Brauch ethnografisch gut bezeugt; rekonstruiert sind dagegen ihre Herleitung aus einer vorchristlichen Feuergöttin und ihr Schwesterverhältnis zu Perun über die Elias-Nachfolge. Primär ist Ognjena Marija eine christlich-volkstümliche Heiligengestalt mit ausgeprägter Feuer- und Blitzfunktion, keine gesicherte heidnische Göttin.
Ihr Feiertag im slawischen Volkskalender ist der 17. Juli julianisch, was dem 30. Juli gregorianisch entspricht. An diesem Tag herrscht strenges Arbeitsverbot: kein Nähen, kein Wäschewaschen und ähnliche Arbeiten; Zuwiderhandlung bestraft sie mit Feuer. Ihre Schutzfunktion ist die Abwehr von Brand, Blitz und Sommerhitze für Haus und Ernte. Klassische Feueropfer sind nicht überliefert; der Kult ist ein christlich gerahmter Meide- und Schutztag.
Ognjena Marija ist eng mit Perun und dessen christlichem Nachfolger Elias über den Blitz verbunden und steht dem slawischen Feuer- und Sonnenbereich um Svarožič und Dažbog nahe. Als feurig-weibliche Blitz- und Hitzegestalt erinnert ihr regulierendes Verstecken am Elias-Tag an Vermittlerinnen zwischen Mensch und zerstörerischem Himmelsfeuer.
Wer ist Ognjena Marija?
Die Feurige Maria, eine feurige Frauengestalt des südslawischen Volksglaubens, Herrin von Blitzfeuer und Sommerhitze und Schwester des Hl. Elias.
Warum darf man an ihrem Tag nicht arbeiten?
Weil sie Arbeit an ihrem Feiertag mit Bränden straft; besonders Nähen und Wäschewaschen sind verboten.
Ist sie eine heidnische Göttin?
Primär ist sie eine christlich-volkstümliche Heiligengestalt; die Deutung als vorchristliche Feuergöttin ist eine Rekonstruktion.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als Herrin des Blitzfeuers und als Feurige Maria slawischer Volksfrömmigkeit zeigt Ognjena Marija, wie eng christliche Heiligenverehrung und älterer Feuerglaube ineinandergreifen können: Ihr Feiertag bändigt bis heute das Feuer des Hochsommers.
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