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Caipora, Herrin der Tiere auf dem Pekari

Die Caipora ist weiblicher Geist der Tupi-Überlieferung Brasiliens.

Die Waldherrin reitet auf dem Pekari und straft das Übermaß.

GeistTupi

Inhaltsverzeichnis

Caipora, Geist der brasilianischen Überlieferung
Caipora

Caipora ist die Herrin des Waldes und der Tiere in der Tupi-Überlieferung Brasiliens. Als kleine, dunkle, wilde und behaarte Gestalt, oft auf einem Pekari reitend, treibt sie das Wild in Sicherheit und straft Jäger, die mehr töten als nötig; gegen Tabak und Gaben aber gewährt sie Jagdglück.

Ihr Ursprung ist vorkolonial, doch anders als Curupira und Anhanga ist die Caipora bei den frühen Jesuiten nicht klar belegt und gilt deshalb als teils postkolonial ausgeformt. Systematisiert hat die Figur Luís da Câmara Cascudo, der auch das entscheidende Erkennungszeichen festhielt: Die Caipora hat normale Füße.

Im Überblick: Caipora

Typ: Waldschutzgeist und Herrin der Tiere
Herkunft: Tupi-Überlieferung Brasiliens, vorkolonialer Ursprung, teils postkolonial ausgeformt
Texte: Dicionário do Folclore Brasileiro und Geografia dos Mitos Brasileiros (Câmara Cascudo)
Zeitraum: vorkolonial bis Gegenwart
Erscheinung: klein, dunkel, wild und behaart, oft auf einem Pekari reitend

Textgeschichte

Zeitraum der Texte

Vorkolonialer Tupi-Ursprung, teils postkolonial ausgeformt; systematisiert wurde die Figur bei Luís da Câmara Cascudo. Bei den frühen Jesuiten ist sie, anders als Curupira und Anhanga, nicht klar belegt.

Verbreitungsraum

Ganz Brasilien, besonders der Nordosten und Amazonien. Dort gilt die Caipora als Herrin über das Wild und seine Jäger.

Quellenlage

Gut: die Standardwerke Câmara Cascudos, allen voran das Dicionário do Folclore Brasileiro und die Geografia dos Mitos Brasileiros.

Name und Varianten

Tupi: aus ka’a, Wald, und pora, Bewohner, also Waldbewohner. Nach Câmara Cascudo verschmolzen Curupira und Caapora regional zur Caipora-Figur; im Dicionário do Folclore Brasileiro unterscheidet sie sich vom Curupira dadurch, dass sie normale Füße hat.

Wesen und Wirkung

Erscheinung

Die Caipora ist eine kleine, dunkle, wilde und behaarte Gestalt, oft auf einem Pekari reitend. Wildheit, Dunkelheit und das Reittier markieren sie als Verkörperung der ungezähmten Wildnis; die fehlenden gedrehten Füße grenzen sie vom Curupira ab, mit dem sie sonst oft verschmilzt.

Wirkung

Die Caipora schützt die Wildbestände, sabotiert Jagden, indem sie das Wild verscheucht und Jäger verwirrt, und straft das Übermaß. Zugleich gilt sie als Glücksbringerin für respektvolle Jäger, die den Pakt einhalten und Gaben darbringen.

Steckbrief: Caipora

Die wichtigsten Aspekte der Waldherrin auf einen Blick.

Tradition

Teil der Tupi-Trias der Waldherren mit Curupira und Anhanga; Verkörperung der ungezähmten Wildnis.

Bezogen auf

Jäger, besonders solche, die im Übermaß töten; wer respektvoll jagt und Gaben bringt, kann dagegen Jagdglück erhalten.

Darstellung

Kleine, dunkle, wilde und behaarte Gestalt auf einem Pekari; normale Füße, im Unterschied zu den gedrehten Füßen des Curupira.

Wirkungsbereich

Schutz der Wildbestände, Sabotage maßloser Jagden, Strafe des Übermaßes; gegen Gaben gewährt sie Jagdglück.

Kult

Tabakopfer am Baumstumpf, klassisch in der Donnerstagnacht, mit der Formel Nimm, Caipora, lass mich gehen; dazu Cachaça und ungewürzter Brei. Pfeffer hasst sie.

Abgrenzung

Curupira (gedrehte Füße) und Anhanga (Wild-Fokus) aus derselben Trias; als Archetyp der slawische Leshy.

Waldbewohnerin zwischen Tupi-Wurzel und Folclore

Der Name ist Tupi aus ka’a, Wald, und pora, Bewohner, also Waldbewohner. Nach Luís da Câmara Cascudo verschmolzen Curupira und Caapora regional zur Caipora-Figur; im Dicionário do Folclore Brasileiro unterscheidet sie sich vom Curupira dadurch, dass sie normale Füße hat, während die gedrehten Füße zum Curupira gehören.

Anders als Curupira und Anhanga ist die Caipora bei den frühen Jesuiten nicht klar belegt. Sie gilt deshalb als teils postkolonial ausgeformt: eine Gestalt mit vorkolonialem Tupi-Kern, deren heutiges Bild sich erst in der späteren Überlieferung und in Cascudos Systematisierung verfestigt hat.

Von Kinderbüchern zur Umwelt-Ikone

Die Caipora ist ein fester Teil des brasilianischen Folclore-Kanons, präsent in Kinderbüchern, Comics, Spielen und in der Umweltbildung, häufig zusammen mit dem Curupira als Umwelt-Ikone.

Religionswissenschaftlich ist die Caipora ein Waldschutzgeist und eine Herrin der Tiere, Trägerin eines Jagd-Tabus, nach dem Bedarfsjagd erlaubt und Übermaß bestraft wird. Sie ist eine ökologische Sanktionsfigur mit ambivalentem, schützend-strafendem Charakter: dieselbe Gestalt, die den Frevler verwirrt, gewährt dem Respektvollen Jagdglück.

Tabak für die Waldherrin

Quellenfest ist das Tabakopfer am Baumstumpf, klassisch in der Donnerstagnacht vor der Jagd, mit der Formel Nimm, Caipora, lass mich gehen. Weitere Gaben sind Cachaça und ein salz- und zuckerloser Brei; besonders Pfeffer hasst sie. Daneben gelten Jagdtabus an bestimmten Tagen, an denen die Caipora besonders aktiv ist, und die Grundregel, nur zu nehmen, was man braucht.

Caipora, Curupira und die Herrin der Tiere

Die Caipora bildet mit dem Curupira und dem Anhanga die Tupi-Trias der Waldherren. Nah verwandt und regional verschmolzen ist sie vor allem mit dem Curupira, nach Cascudo aber unterscheidbar: Sie hat normale Füße und reitet auf dem Pekari, die gedrehten Füße sind das Curupira-Merkmal; der Anhanga wiederum wacht speziell über das Wild. Als Herrin der Tiere steht sie für einen Archetyp, den in der slawischen Welt der Waldherr Leshy verkörpert.

Häufige Fragen zur Caipora

Ist Caipora dasselbe wie Curupira?

Nah verwandt und regional verschmolzen, aber nach Cascudo unterscheidbar: Die Caipora hat normale Füße und reitet oft auf einem Pekari, die gedrehten Füße sind das Curupira-Merkmal.

Wie besänftigt man Caipora?

Mit Tabak, klassisch donnerstags am Baumstumpf, mit Cachaça und ungewürztem Brei, und indem man nur so viel jagt wie nötig.

Wen straft sie?

Jäger, die zum Vergnügen oder im Übermaß töten und den Wald missachten.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Câmara Cascudo, Luís da: Dicionário do Folclore Brasileiro. Rio de Janeiro 1954.
  • Câmara Cascudo, Luís da: Geografia dos Mitos Brasileiros. Rio de Janeiro 1947.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als Herrin der Tiere Brasiliens und zugleich Tupi-Waldgeist mit klarem Maßstab lässt die Caipora Bedarfsjagd zu und straft das Übermaß: Wer Tabak bringt und nur nimmt, was er braucht, hat die Waldherrin auf seiner Seite.

Einordnung & Schutz

IIISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe III zu – Belastende Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

Im Schutz-Kompass vergleichen →

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