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Hone-onna und die Laterne der toten Geliebten

Hone-onna ist Geist der japanischen Überlieferung.

Für den Geliebten schön, für alle anderen ein Skelett. Zentral in der Überlieferung ist die Laterne der toten Geliebten.

GeistJapan

Inhaltsverzeichnis

Hone-onna, Geist der japanischenÜberlieferung
Hone-onna

Hone-onna, die Knochenfrau, ist ein weiblicher Totengeist der japanischen Kaidan-Erzählungen. Für ihren geliebten Mann erscheint sie als schöne, lebende Frau, für Außenstehende als Skelett. Ihre nächtlichen Besuche zehren den Geliebten aus, bis er stirbt.

Name und Yokai-Gestalt gehen auf Toriyama Sekien im Jahr 1779 zurück. Die Erzählung selbst stammt aus dem Kaidan Botan Doro, der Pfingstrosenlaterne, überliefert in Asai Ryois Sammlung Otogiboko von 1666, deren chinesische Vorlage in Qu Yous Sammlung um 1378 liegt.

Auf einen Blick: Hone-onna

Typ: Weiblicher Totengeist, die Knochenfrau der Kaidan-Erzählungen
Herkunft: Kaidan der Edo-Zeit, aus China übernommen und japanisiert, als Yokai benannt 1779
Texte: gut belegt, literarisch und gedruckt überliefert
Zeitraum: Edo-Zeit bis heute, in Rakugo, Kabuki und Film adaptiert
Erscheinung: ein Skelett, das dem Geliebten als schöne, lebende Frau erscheint

Textgeschichte

Zeitraum der Texte

Die Kaidan-Erzählung ist über mehrere Stationen bezeugt: von Qu Yous chinesischer Sammlung um 1378 über Asai Ryois Otogiboko von 1666 bis zu Toriyama Sekiens Benennung als Yokai im Jahr 1779.

Verbreitungsraum

Literarisch und gedruckt verbreitet, ursprünglich aus China übernommen und in Japan heimisch gemacht; bis heute in Rakugo, Kabuki und Film lebendig.

Quellenlage

Gut: die Kette von Qu Yous Jiandeng xinhua über Asai Ryois Otogiboko bis zu Toriyama Sekiens Bildkompendium ist lückenlos dokumentiert.

Name und Varianten

Japanisch: Der Name verbindet hone, Knochen, und onna, Frau. Name und Yokai-Gestalt stammen von Toriyama Sekien aus dem Jahr 1779.

Gestalt und Wirken

Erscheinung

Für den Liebhaber erscheint die Hone-onna schön und lebendig, für Außenstehende als Skelett. Sie symbolisiert die zerstörerische, über den Tod hinaus fortdauernde erotische Besessenheit und ist ein Vanitas-Motiv, in dem hinter der Schönheit die Verwesung lauert.

Wirkung

Die Hone-onna sucht ihren Geliebten nächtlich auf. Die Beziehung zehrt ihn aus, bis er stirbt, weil ihm die Lebenskraft entzogen wird: Ihre Zuneigung ist damit tödlich.

Steckbrief: Hone-onna

Die wichtigsten Aspekte der Knochenfrau auf einen Blick.

Tradition

Teil der japanischen Kaidan-Tradition, aus einer chinesischen Vorlage übernommen und mehrfach neu erzählt.

Wirkungsgegenstand

Ein einzelner Mann: ein früherer oder aktueller Geliebter, den die Tote nächtlich aufsucht.

Darstellung

Für den Geliebten eine schöne, lebende Frau, für Außenstehende ein Skelett.

Funktion

Auszehrung durch nächtliche Besuche, die dem Geliebten die Lebenskraft entziehen, bis er stirbt.

Abwehrformen

Buddhistische Ofuda an Tür und Fenster sowie die Rezitation von Sutren, solange sie nicht aufgehoben werden.

Abgrenzung

Nahe dem Onryo und der Ubume, doch eher Begierde- als Rachegeist; verwandt auch der chinesische Yuan-gui.

Die Pfingstrosenlaterne: eine Erzählung wandert nach Japan

Der Name verbindet hone, Knochen, und onna, Frau. Name und Yokai-Gestalt stammen von Toriyama Sekien aus dem Jahr 1779. Die Erzählung selbst geht auf das Kaidan Botan Doro, die Pfingstrosenlaterne, zurück, enthalten in Asai Ryois Sammlung Otogiboko von 1666; deren chinesische Vorlage findet sich in Qu Yous Sammlung Jiandeng xinhua um 1378.

Ueda Akinari gehört mit seinem Ugetsu Monogatari von 1776 zur selben Kaidan-Tradition der Skelett- und Totenbraut-Motive, ist jedoch nicht die primäre Quelle der Hone-onna: Diese führt über Asai Ryoi direkt zur chinesischen Vorlage Qu Yous.

Botan Doro als Bühnen- und Filmstoff

Die Hone-onna ist Kern des Botan-Doro-Stoffs, einer der drei großen japanischen Geistergeschichten, vielfach als Rakugo, Kabuki und Film adaptiert. In der modernen Yokai-Kunst ist sie ein fester Bildtypus, die Frau halb aus Fleisch, halb aus Knochen.

Religionswissenschaftlich verbindet die Hone-onna den unversorgten Toten mit der buddhistischen Karma- und Bindungslehre: Die übermäßige Anhaftung, die Begierde, hält die Tote an die Welt gebunden. Sie ist damit weniger Rachegeist als Bindungs- und Begierdegeist.

Ofuda, Sutren und ein zerbrechlicher Schutz

Aus dem Botan Doro überliefert ist die Abwehr durch buddhistische Ofuda, Schutztalismane mit Sutrentexten, die an Türen und Fenster geklebt werden und den Geist fernhalten, dazu die Rezitation von Sutren. Ein solches getragenes Amulett steht für diese buddhistischen Schutztalismane. Weihwasser gilt als Zeichen der Reinheit gegen die zehrende Erscheinung, während Räuchern und Sutren-Rezitation zur überlieferten Abwehr gehören. In der Erzählung selbst ist der Schutz jedoch fragil: Der Mann hebt ihn selbst auf, was seinen Tod besiegelt, ein Motiv der verhängnisvollen Sehnsucht.

Totenbräute zwischen Japan und Europa

Die Hone-onna gehört zu den Totenbraut-Motiven, wie sie die europäische Lenore-Ballade kennt, in der der tote Liebhaber die Lebende holt. Verwandt sind die griechischen Lamia und Empusa, die in schöner Gestalt Männer verzehren, sowie die Vanitas-Darstellung von Tod und Mädchen. Innerhalb Japans steht sie den verzehrenden Frauen-Yokai nahe, insbesondere dem Onryo und der Ubume, unterscheidet sich von beiden aber als Bindungs- und Begierdegeist statt als eigentlicher Rachegeist.

Häufige Fragen zur Hone-onna

Stammt die Hone-onna von Ueda Akinari?

Nein, primär von Toriyama Sekien aus dem Jahr 1779 nach Asai Ryoi von 1666; die chinesische Wurzel liegt bei Qu You um 1378.

Warum sieht der Mann sie nicht als Skelett?

Liebe und Begierde verblenden ihn, während Außenstehende die Knochen sehen.

Wie schützt man sich vor ihr?

Durch buddhistische Ofuda und Sutren, sofern man den Schutz nicht selbst aufhebt.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Toriyama, Sekien: Konjaku Gazu Zoku Hyakki. Edo 1779.
  • Asai, Ryoi: Otogiboko. Kyoto 1666.
  • Qu, You: Jiandeng xinhua. China um 1378.
  • Foster, Michael Dylan: The Book of Yokai. Berkeley 2015.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als Knochenfrau bleibt die Hone-onna die japanische Totenbraut schlechthin: eine Liebe, die über den Tod hinaus andauert und dem Geliebten am Ende doch das Leben nimmt.

Einordnung & Schutz

IIISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe III zu – Belastende Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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