Yuan-gui ist Geist der chinesischen Überlieferung.
Er sucht Gerechtigkeit für seinen Tod und verzeiht nach Sühne. Im Zentrum steht die Anklage des ungesühnten Unrechts.
Yuan gui (Yuan-gui) ist der Geist eines zu Unrecht oder gewaltsam gestorbenen Menschen in der chinesischen Vorstellungswelt, der mit unerledigtem Groll umgeht. Er sucht Gerechtigkeit oder Rache und verfolgt die Verantwortlichen, verzeiht aber meist, sobald das Unrecht anerkannt und gesühnt ist.
Der Glaube ist sehr alt und bereits im Zuo Zhuan der Zhou-Zeit belegt; die Quellenlage ist mit der klassischen Literatur gut. Zu den Opfern zählen Ermordete, falsch Beschuldigte oder Hingerichtete, denen die ordentlichen Bestattungsriten verwehrt blieben, im gesamten chinesischen Kulturraum bekannt.
Typ: Geist eines zu Unrecht oder gewaltsam gestorbenen Menschen
Herkunft: Sehr alt, seit der Zhou-Dynastie belegt, prominent bei Pu Songling
Texte: Zuo Zhuan, Liaozhai Zhiyi und weitere klassische Literatur
Zeitraum: von der Zhou-Zeit bis in den heutigen Hongkong-Horrorfilm
Erscheinung: ruheloser, oft düsterer Geist, der sich mit Lebenden verständigen kann
Sehr alt: Der Glaube ist bereits im Zuo Zhuan der Zhou-Zeit belegt und erreicht bei Pu Songling im 18. Jahrhundert einen literarischen Höhepunkt.
Der gesamte chinesische Kulturraum, ohne regionale Beschränkung auf eine einzelne Provinz oder Stadt.
Gut: die klassische Literatur von Zuo Zhuan bis Pu Songling, dazu die Studie Teisers zum chinesischen Geisterfest.
Chinesisch: Der Name verbindet yuan, Unrecht oder Groll, und gui, Geist: Geist mit unerledigtem Groll. Eine verwandte Form ist yuanhun.
Erscheinung
Der Yuan-gui verkörpert die Vorstellung, dass Unrecht kosmisch nicht ungesühnt bleibt: Er ist ein Instrument ausgleichender Gerechtigkeit. In Erzählungen führt er Lebende oft zu Beweisen, die seinen unrechten Tod aufdecken.
Wirkung
Ein Ersatzopfer-Motiv kennt der Yuan-gui nicht, anders als Shuigui und Diao-si-gui. Er gilt als sehr gefährlich und mächtig, fähig zu töten und großes Leid zuzufügen, oft stärker als der bloß hungrige Geist. Charakteristisch aber ist, dass er verzeiht, sobald das Unrecht anerkannt und gesühnt ist: Im Kern ist er kein blind bösartiger, sondern ein gerechtigkeitssuchender Geist.
Die wichtigsten Aspekte des Unrechts-Geistes auf einen Blick.
Sehr alte Gestalt der chinesischen Geistervorstellung, seit der Zhou-Zeit belegt und bei Pu Songling literarisch ausgestaltet.
Die für das Unrecht Verantwortlichen sowie Helfer, die zur Aufklärung und Gerechtigkeit beitragen.
Ruheloser, oft düsterer Geist eines Ermordeten, falsch Beschuldigten oder Hingerichteten, der sich mit Lebenden verständigen kann.
Verfolgung der Schuldigen bis hin zur Gefahr für Leib und Leben; verzeiht nach Sühne und Wiedergutmachung.
Anerkennung und Sühne des Unrechts, Rehabilitierung des Opfers, ordentliche Bestattung und Opfergaben.
You-hun-ye-gui als herrenloses Kollektiv ohne Groll-Motiv, der japanische Onryo als nächste Parallele.
Der Name Yuan-gui verbindet yuan, Unrecht oder Groll, und gui, Geist: Geist mit unerledigtem Groll, verwandt ist die Form yuanhun. Es sind die Geister von Menschen, die eines unrechten oder gewaltsamen Todes starben, Ermordete, falsch Beschuldigte oder Hingerichtete, denen die ordentlichen Bestattungsriten verwehrt blieben. Der Glaube ist alt und bereits im Zuo Zhuan der Zhou-Zeit belegt.
Bei Pu Songling kehrt in einer Erzählung eine zu Unrecht hingerichtete Frau als Geist zurück und verfolgt den korrupten Richter, bis dieser gesteht. Solche Geschichten zeigen das Grundmuster des Yuan-gui: Er sucht nicht wahllos Schaden, sondern Aufklärung und Gerechtigkeit für den eigenen Tod, und lässt von den Schuldigen erst ab, wenn das Unrecht ans Licht kommt.
Der Yuan-gui ist eine der reich belegten Gestalten der klassischen chinesischen Literatur, prominent bei Pu Songling, und ein Standardmotiv des chinesischen und Hongkong-Horrorfilms, in dem der rachsüchtige Geist Gerechtigkeit sucht.
Religionswissenschaftlich ist der Yuan-gui der Geist des ungesühnten Unrechts und verkörpert das Vergeltungsprinzip bao, nach dem Unrecht kosmisch ausgeglichen wird. Seine Besänftigung durch Gerechtigkeit statt durch Bannung zeigt die enge Verbindung von Totenglaube und moralischer Ordnung.
Die zentrale Abwehr ist keine Bekämpfung, sondern Wiedergutmachung: die Rehabilitierung des Opfers, die ordentliche Bestattung und Sühneriten. Daneben gehören das Geisterfest und Opfergaben zum Umgang mit dem ruhelosen Toten. Geweihtes Wasser gilt als Zeichen im Umgang mit ihm, Räucherwerk und Opfergaben gehören zu den Riten für den zu Unrecht Gestorbenen, und der Klang geweihter Glocken galt als schützendes Zeichen gegen Unheil.
Der Yuan-gui entspricht am nächsten dem japanischen Onryo, dem rachsüchtigen Geist, oft einer betrogenen Frau, mit dem er die Wurzel des Groll-Motivs teilt. Verwandt sind auch der westliche Rachegeist der Schauerliteratur und die griechische Erinnys, die ungesühntes Blutunrecht rächt.
Innerhalb der chinesischen Gui-Reihe grenzt sich der Yuan-gui von Shuigui und Diao-si-gui ab: Beide suchen ein Ersatzopfer, ein Motiv, das dem Yuan-gui fremd ist, denn ihn treibt allein der Groll gegen die Schuldigen seines Todes. Auch der Wutou-gui zählt zu dieser Reihe. Von den herrenlosen, namenlosen You-hun-ye-gui unterscheidet ihn der ganz persönliche Charakter seines Grolls.
Sind alle Gui böse?
Nein. Der Yuan-gui verzeiht meist, sobald das Unrecht wiedergutgemacht ist; gefährlich sind vor allem die Schuldigen an seinem Tod.
Wie besänftigt man ihn?
Durch Anerkennung und Sühne des Unrechts, die Rehabilitierung des Opfers und eine ordentliche Bestattung.
Sucht er ein Ersatzopfer?
Nein: anders als Shuigui und Diao-si-gui sucht er Gerechtigkeit, kein Ersatzopfer.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als Geist des Unrechts und chinesischer Rachegeist zugleich zeigt der Yuan-gui, dass Furcht hier zweitrangig ist: Wer das Unrecht anerkennt und sühnt, dem verzeiht er, und aus dem Rachegeist wird wieder ein ruhender Toter.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
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