Shinatobe, Atem der Windschreine von Ise
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Shinatobe ist eine Göttin der japanischen Tradition.
Der Wind, der aus Izanagis Atem den Morgennebel vertreibt.
Shinatobe, weiblich, und Shinatsuhiko, männlich, sind die Windgottheit des Shinto. Sie treten teils als Paar, teils als zwei Namen desselben Windprinzips auf und werden für gute Ernte und zum Schutz vor Sturm verehrt, besonders an den Windschreinen von Ise.
Kanonisch belegt sind sie im Kojiki von 712 als Kind von Izanagi und Izanami und im Nihon Shoki von 720, wo der Windgott aus Izanagis Atem entsteht, der den Morgennebel wegbläst. Eine feste Ikonografie besitzen sie nicht: Es ist ein Textgott, der im Schreinkult lebt.
Typ: Wind- und Erntegottheit des Shinto, weibliche und männliche Form eines Prinzips
Herkunft: Japan, Chroniken und Schreinkult
Texte: Kojiki 712, Nihon Shoki 720
Zeitraum: Chroniken des 8. Jahrhunderts, lebendiger Kult
Erscheinung: Textgott ohne kanonische Ikonografie
Herkunftsraum und Quellen
Zeitraum der Texte
Kanonisch sind das Kojiki von 712 und das Nihon Shoki von 720; der Kult ist bis heute lebendig, besonders in Ise und Tatsuta.
Verbreitungsraum
Japan, besonders die Windschreine von Ise und der Tatsuta-Schrein in Nara, der nach dem Nihon Shoki wiederholt Gesandtschaften an die Windgötter empfing.
Belegdichte
Gut belegt: die Chroniken Kojiki und Nihon Shoki sowie der dokumentierte Schreinkult von Ise und Tatsuta.
Name und Varianten
Japanisch: Shinatsuhiko wird traditionell als langblasender Mann des langen Atems gedeutet; shina ist umstritten, tsu eine alte Genitivpartikel, hiko Mann oder Prinz. Die weibliche Form Shinatobe trägt ein altes weibliches Suffix. Ältere Namen desselben Prinzips sind Ame-no-mihashira und Kuni-no-mihashira, Pfeiler des Himmels und des Landes.
Wesen und Wirkung
Erscheinung
Eine kanonische Ikonografie besteht nicht; Shinatobe und Shinatsuhiko sind Textgötter der Chroniken, die im Ritual und Schreinkult leben, nicht im Bild.
Wirkung
Sie sind der Wind und Atem der Welt und wirken für gute Ernte und Sturmabwehr. Der Tatsuta-Schrein in Nara empfing nach dem Nihon Shoki wiederholt Gesandtschaften an die Windgötter, um eine gute Ernte zu erbitten.
Steckbrief: Shinatobe
Die wichtigsten Aspekte der Windgottheit auf einen Blick.
Windgottheit der Shinto-Chroniken: im Kojiki Kind von Izanagi und Izanami, im Nihon Shoki aus Izanagis Atem entstanden.
Bauern, Seefahrer und Schreingemeinden: angerufen für gute Ernte und zum Schutz vor Sturm.
Keine kanonische Ikonografie: ein Textgott, greifbar allein in Chronik und Schreinkult, unter älteren Namen auch als Pfeiler des Himmels und des Landes.
Wind und Atem der Welt: Erntesegen und Sturmabwehr, in Ise auch mit der Kamikaze-Legende der Mongoleninvasionen verbunden.
Zwei Windschreine in Ise, Kaze-no-miya und Kazahinomi-no-miya, dazu der Tatsuta-Schrein in Nara mit Gesandtschaften für die Ernte.
Vom ikonischen Windgott Fujin zu trennen, der mit Windsack aus der buddhistischen Bildtradition des indischen Vayu stammt.
Aus Izanagis Atem: die Chronikbelege
Im Kojiki von 712 erscheint die Windgottheit als Kind von Izanagi und Izanami. Das Nihon Shoki von 720 erzählt die Entstehung anders: Dort entsteht der Windgott aus Izanagis Atem, der den Morgennebel wegbläst. Der Name Shinatsuhiko wird traditionell als langblasender Mann des langen Atems gedeutet, doch ist diese Deutung Volksetymologie; die weibliche Form Shinatobe trägt ein altes weibliches Suffix.
Beide Namen stehen teils für ein Paar, teils für zwei Formen desselben Windprinzips; männlich oder weiblich ist darum eine falsche Alternative. Der Kult blieb lebendig: Der Tatsuta-Schrein in Nara empfing nach dem Nihon Shoki wiederholt Gesandtschaften an die Windgötter für eine gute Ernte.
Kult der Gegenwart und Einordnung
Shinatobe und Shinatsuhiko sind bis heute fester Teil des Ise-Windkults, populärkulturell aber weit weniger präsent als Fujin.
Religionswissenschaftlich ist Shinatobe ein rein wohltätiger Wind- und Erntegott, im Kult nur als Schutz- und Segensmacht angerufen. Drei Klarstellungen sind wichtig: Die Deutung von shina als langer Atem ist Volksetymologie. Shinatsuhiko ist nicht Fujin. Und männlich oder weiblich ist eine falsche Alternative, da beide Formen als Paar nebeneinander bestehen.
Die Windschreine von Ise
In Ise bestehen zwei Windschreine, Kaze-no-miya und Kazahinomi-no-miya. Der Ise-Windschrein wurde aufgewertet, weil man glaubte, seine Gottheit habe bei den Mongoleninvasionen von 1274 und 1281 den göttlichen Wind, den Kamikaze, gesandt; das ist als religiöse Deutung und Legende zu kennzeichnen, nicht als Meteorologie. Daneben steht der Tatsuta-Schrein in Nara, an den nach dem Nihon Shoki wiederholt Gesandtschaften für eine gute Ernte gingen.
Shinatobe, Fujin und die Windgötter Asiens
Shinatsuhiko ist vom ikonischen Windgott Fujin zu trennen, der mit seinem Windsack aus der buddhistischen Bildtradition des indischen Vayu stammt; populär werden beide oft fälschlich gleichgesetzt. Innerhalb des Shinto steht Shinatobe neben der Sonnengöttin Amaterasu, mit der sie die Herkunft aus dem Izanagi-Mythenkreis teilt.
Häufige Fragen zu Shinatobe
Ist Shinatobe männlich oder weiblich?
Beides: Shinatobe ist die weibliche, Shinatsuhiko die männliche Form desselben Windprinzips, oft als Paar gedacht.
Was hat der Windgott mit dem Kamikaze zu tun?
Man glaubte, die Ise-Windgottheit habe bei den Mongoleninvasionen von 1274 und 1281 den göttlichen Wind gesandt; das ist religiöse Deutung und Legende.
Ist Shinatsuhiko dasselbe wie Fujin?
Nein. Fujin ist der buddhistisch-ikonografische Windgott mit Windsack, Shinatsuhiko der Shinto-Chronikgott ohne kanonisches Bild.
Weiterführende Verlinkungen
Weiterlesen:
- Japan – alle Wesen der japanischen Glaubenswelt
- Vayu – der indische Windgott hinter der Fujin-Ikonografie
- Schutzkerze, Räuchern, Amulett – überlieferte Schutzmittel
- Schutz-Kompass – Schutzmittel im Überblick
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Shinatsuhiko gilt in den Chroniken als japanischer Windgott, Shinatobe als seine weibliche Form; zusammen verkörpern sie den Shinto Wind des Atems, der aus Izanagis Hauch entstand und bis heute an den Windschreinen von Ise verehrt wird.





