Chalchiuhtlicue ist Göttin der aztekischen Überlieferung.
Göttin der Seen und Flüsse, genannt die mit dem Jaderock.
Chalchiuhtlicue ist die aztekische Göttin des Süßwassers, der Seen, Flüsse und Quellen sowie der Geburt und der rituellen Reinigung. Ihr Name setzt sich aus dem Nahuatl chalchihuitl, Jade, und cueitl, Rock, zusammen und bedeutet Die mit dem Jaderock.
Als Gefährtin des Regengottes Tlaloc verkörpert sie das Wasser in seiner doppelten Gestalt, nährend und zugleich todbringend. Gemeinsam mit ihm und den Tlaloque, den Regenhelfern, regiert sie das Wasserparadies Tlalocan.
Typ: Aztekische Wassergöttin, Gefährtin des Regengottes Tlaloc
Herkunft: Zentralmexiko, Hochtal von Mexiko um den Texcoco-See
Texte: Vorspanische Bildhandschriften und der Florentiner Codex des 16. Jahrhunderts
Zeitraum: Vorkoloniale Zeit, bis heute nachwirkend
Erscheinung: Anthropomorphe Göttin in Blautönen, aus der Wasser strömt
Vorspanisch bis kolonial: Chalchiuhtlicue ist in Bildhandschriften wie dem Codex Borgia und dem Codex Borbonicus sowie im Florentiner Codex des 16. Jahrhunderts belegt.
Zentralmexiko, das Hochtal von Mexiko um den Texcoco-See, das Kernland der Nahua-Kultur.
Gut: vorspanische Codices, Sahagúns Bericht und erhaltene Steinskulpturen dokumentieren die Göttin.
Nahuatl: chalchihuitl bedeutet Jade oder Grünstein, cueitl Rock: Chalchiuhtlicue heißt Die mit dem Jaderock. Der Name verweist zugleich auf Wasser und auf Kostbarkeit, denn Jade und Grünstein galten als Sinnbild von beidem.
Erscheinung
Chalchiuhtlicue wird in Blau- und Türkistönen als Farbe des Wassers dargestellt, häufig mit strömendem Wasser um oder unter der Figur. Sie trägt den namengebenden Jaderock und ein dreieckiges Schulterkleid, das Quechquemitl, teils mit einem Streifen aus Jadesymbolen gesäumt. Zu ihren Attributen gehören goldene Ohrscheiben, ein goldenes Brustmedaillon und Schaumsandalen.
Wirkung
Chalchiuhtlicue belebt und nährt: Sie steht für das Süßwasser der Seen und Flüsse, für die Landwirtschaft, die Geburt und die rituelle Reinigung des Neugeborenen. Zugleich kann sie zerstören, durch Überflutung und Ertrinken. Wer in ihren Wassern ertrank, galt als von den Wassergottheiten erwählt und gelangte in das Paradies Tlalocan.
Die wichtigsten Aspekte der Wassergöttin auf einen Blick.
Zentrale Wassergottheit des Tlaloc-Komplexes im aztekischen Pantheon, überliefert in vorspanischen Codices und bei Sahagún.
Süßwasser, Seen und Flüsse, die Geburt und das rituelle Bad des Neugeborenen.
Anthropomorphe Göttin in Blau und Türkis, mit Jaderock, Quechquemitl, goldenem Schmuck und Schaumsandalen.
Nährend und todbringend zugleich: Sie spendet Süßwasser und Fruchtbarkeit, kann aber auch Überschwemmung und Ertrinken bringen.
Die Feste Etzalcualiztli und Atlcahualo, rituelle Waschungen und Opfer am Strudel Pantitlan im Texcoco-See.
Chalchiuhtlicue gehört zum Tlaloc-Komplex der Wasser- und Fruchtbarkeitsgottheiten der Nahua. In den Quellen erscheint sie als Gattin, Schwester oder weibliches Gegenstück des Regengottes Tlaloc; gemeinsam mit ihm und den Tlaloque, den Regenhelfern, regiert sie das Wasserparadies Tlalocan. Überliefert ist sie in vorspanischen Bildhandschriften wie dem Codex Borgia und dem Codex Borbonicus sowie in den kolonialen Kompilationen des 16. Jahrhunderts, vor allem im Florentiner Codex des Franziskaners Bernardino de Sahagún.
In der aztekischen Kosmologie der fünf Sonnen ist Chalchiuhtlicue Herrin eines früheren Weltzeitalters. Nach der maßgeblichen Fachlesart regiert sie die vierte Sonne Nahui Atl, Vier Wasser, die durch eine große Flut endet, in der die Menschen in Fische verwandelt werden; darauf folgt die gegenwärtige fünfte Sonne. Sahagún beschreibt ihre Zuständigkeit für Geburt, das rituelle Bad und die Reinigung sowie ihre Doppelnatur als Spenderin und Vernichterin zugleich.
Chalchiuhtlicue ist in der modernen mexikanischen Kultur als Wassergöttin präsent, unter anderem durch Skulpturen im Nationalmuseum für Anthropologie in Mexiko-Stadt und durch Ausstellungen zur Kunst von Teotihuacan und der Azteken. In populären Nachschlagewerken und in neopaganen Kreisen erscheint sie als Göttin des Süßwassers.
Religionswissenschaftlich ist Chalchiuhtlicue der Typus der ambivalenten Fruchtbarkeits- und Wassergottheit, lebensspendend und todbringend zugleich, eingebettet in ein zyklisches Modell der Weltzeitalter. Ihre Ikonografie folgt festen Konstruktionsregeln aztekischer Gottheitsbilder. Der Ertrinkungstod als Aufnahme ins Tlalocan zeigt, wie eng Kult, Jenseitsvorstellung und die Ethik des Wassers in der Nahua-Religion verbunden waren.
Der überlieferte Umgang mit Chalchiuhtlicue war Verehrung, nicht Abwehr. Ihr galten die großen Wasser- und Regenfeste, überliefert sind Etzalcualiztli und das Neujahrsfest Atlcahualo. Nach Sahagún gehörten dazu rituelle Waschungen und Opfer an Gewässern; als Opferort ist der Strudel Pantitlan im Texcoco-See überliefert. Auch die im Kontext der Regenkulte dokumentierten Kinderopfer sind hier historisch einzuordnen, nicht als Vorbild. Unter ihrer Obhut stand das reinigende Bad des Neugeborenen, das erste rituelle Wasser des Lebens. Als Schutz- und Reinigungszeichen im Anschluss an ihre Rolle gelten geweihtes Weihwasser für das lebenspendende Bad, Salz im Umgang mit den Kräften des Wassers und ein getragenes Amulett für Geburt und die Reise über das Wasser.
Chalchiuhtlicue steht neben den großen Wassergottheiten anderer Kulturen. Als Fluss- und Wassergöttin ähnelt sie der indischen Sarasvati und den Wasserherren des Hinduismus wie Varuna und Ganga. Ihre lebensspendend-todbringende Doppelnatur teilt sie mit dem germanischen Nix; innerhalb Mesoamerikas ist ihr Partner Tlaloc die nächste Bezugsfigur, während das Fangwesen Ahuizotl in ihrem Auftrag handelt.
Ist Chalchiuhtlicue mit Tlaloc verwandt?
Ja. In den Quellen erscheint sie als seine Gattin, Schwester oder weibliches Gegenstück. Gemeinsam mit ihm und den Regenhelfern regiert sie das Wasserparadies Tlalocan.
Welches Weltzeitalter beendete sie?
Nach der Fachlesart die vierte Sonne Nahui Atl, Vier Wasser, die durch eine Flut endet, bei der die Menschen zu Fischen werden. Darauf folgt die gegenwärtige fünfte Sonne.
Woher stammt ihr Name?
Aus dem Nahuatl chalchihuitl, Jade, und cueitl, Rock. Der Name Die mit dem Jaderock verweist zugleich auf Wasser und auf Kostbarkeit.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Man nennt Chalchiuhtlicue Göttin der aztekischen Gewässer: Als aztekische Wassergöttin steht sie für Geburt und Reinigung ebenso wie für die nährende und todbringende Kraft von Seen und Flüssen.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
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