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Yong-wang, koreanischer Drachenkönig

Yong-wang ist ein koreanischer Drachenkönig, der über das Meer, den Regen und alle Gewässer gebietet. Yong Wang (koreanisch 용왕, 龍王), wörtlich «Drachenkönig», ist in der koreanischen Volksreligion die Hauptgottheit des Wassers. Er herrscht über die Meere, Flüsse, Seen und Brunnen und gilt als Schutzherr aller Wasserlebewesen.

Seine Verehrung gehört wie die des Sansin (Berggott) zu den ältesten religiösen Schichten Koreas und steht in enger Verbindung mit den vergleichbaren Drachenkönigs-Traditionen Chinas und Japans, hat in Korea aber eigene lokale Ausprägungen entwickelt.

GottKorea

Inhaltsverzeichnis

Yong Wang - Götter aus der Korea-Tradition, historisch-illustrativ

Quellenlage und Herkunft

Die Vorstellung des Drachenkönigs hat ihre Wurzeln in der chinesischen Mythologie, in der Long Wang als Herrscher der vier Meere fungiert und in Tempelanlagen verehrt wird.

Mit der Einführung des Buddhismus und der konfuzianischen Bildung nach Korea im 4. bis 7. Jahrhundert kam die Drachenkönigs-Vorstellung in den koreanischen Raum, wo sie auf vorhandene volksreligiöse Vorstellungen einer Wassergottheit traf.

Das «Samguk Yusa» überliefert mehrere Episoden, in denen Drachen und Drachenkönige in der Frühgeschichte der koreanischen Reiche eine Rolle spielen. Das mythische Königreich Silla wird sogar von einem Drachenkönig mitbegründet, der die Mutter des dritten Königs Talhae aus dem Meer trägt.

James Grayson und Maurizio Riotto haben in religionsgeschichtlichen Überblicken gezeigt, dass die Drachenkönigs-Verehrung in Korea früh mit der Königsideologie verbunden wurde.

Die Könige von Silla nannten sich «Söhne des Drachen», eine Praxis, die in den ostasiatischen Königtümern weit verbreitet war, aber in Silla eine besonders prominente Form annahm. Diese politische Aneignung des Drachen prägt die koreanische Bildtradition bis in die Joseon-Zeit hinein.

Ikonografie

Yong Wang wird traditionell als königliche Gestalt mit Drachenkrone und prachtvollen Gewändern dargestellt. In manchen Bildtraditionen erscheint er als hybride Figur mit Drachenkopf und menschlichem Körper, in anderen als alter Mann mit langem Bart, der von Drachen umgeben ist.

Sein Hofstaat besteht aus weiteren Wassertieren wie Schildkröten, Karpfen, Kraken und Quallen, die in volkstümlichen Erzählungen als seine Minister und Boten fungieren.

Eine bemerkenswerte Bildtradition ist die «yongwang-do», die Drachenkönigs-Tafel, die in den buddhistischen Tempeln Koreas zu finden ist. Sie zeigt Yong Wang auf einem Thron unter Wasser, umgeben von seinen Wassertieren, oft begleitet von zwei Begleiterinnen, die Perlen und Schalen tragen.

Diese Tafeln sind seit dem 17. Jahrhundert standardisiert und folgen einer eigenen ikonografischen Konvention, die sich von den chinesischen Vorlagen unterscheidet.

Heiligtümer und Riten

Die wichtigsten Yong-Wang-Heiligtümer Koreas befinden sich an den Küsten und an größeren Flüssen. An der Ostküste, vor allem in der Provinz Gangwon, sind zahlreiche Schreine («yongwang-dang») an Klippen und auf vorgelagerten Inseln errichtet.

An der Südküste, besonders auf Jeju, gibt es eigene Drachenkönigs-Heiligtümer mit lokalen Ritualtraditionen. Auch viele Flüsse und Brunnen haben kleine Yong-Wang-Schreine, die von Anwohnern unterhalten werden.

Die wichtigsten Riten zu Yong Wang sind Bittriten der Fischer, die vor der Saison um eine reiche Fangzeit und um Schutz vor Stürmen beten. Auch Bauern in regenarmen Regionen riefen ihn um Regen an, in besonders trockenen Jahren mit aufwendigen Prozessionen und Bitt-Tänzen.

Boudewijn Walraven hat in seinen Studien zur koreanischen Schamanenpraxis dokumentiert, wie Yong Wang in den «gut»-Ritualen vermittelt wird, vor allem in den Küstenregionen, wo die Schamaninnen ihn häufig anrufen.

Yong Wang in der koreanischen Volkserzählung

Eine besonders bekannte Erzählung ist die «Geschichte von Hare und Schildkröte», in der die Schildkröte als Bote des Drachenkönigs den Hasen ins Unterwasser-Reich lockt, um seine Leber zur Heilung des erkrankten Yong Wang zu beschaffen.

Der listenreiche Hase entkommt durch eine geschickte Behauptung. Diese Erzählung gehört zu den «Pansori»-Stoffen, den gesungenen Erzählungen der koreanischen Volkstradition, und ist in der populären Kultur weit verbreitet.

Eine zweite, weniger bekannte Tradition betrifft die Königin Heo Hwang-ok, die im Mythos der Karak-Dynastie als Tochter eines Königs aus dem Land Ayodhya (Indien) auf dem Seeweg nach Korea kommt und mit König Suro vermählt wird.

Ihr Schiff wird in einigen Versionen vom Drachenkönig geleitet. Diese Erzählung ist heute Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen um mögliche frühe maritime Verbindungen zwischen Korea und Südasien.

Buddhistische Integration

Wie der Sansin wurde auch der Yong Wang in die buddhistische Tempeltopografie Koreas integriert. In vielen Klöstern findet sich neben der Hauptbuddhahalle eine «yongwang-gak» genannte kleine Halle, in der Yong Wang verehrt wird.

Diese Halle ist meist näher an einem Wasserlauf oder an einer Quelle errichtet und steht in deutlicher räumlicher Trennung zum Hauptbereich. Die Integration ist analog zur Sansin-gak strukturiert.

Don Baker hat darauf hingewiesen, dass die buddhistische Aneignung der Wassergottheit auch theologisch begründet wurde, indem Yong Wang als Schüler oder Diener Buddhas dargestellt wurde.

In manchen Sutren, vor allem im «Lotussutra», erscheinen Drachenkönige als Hörer der Lehre, was eine kanonische Grundlage für die Verehrung im buddhistischen Kontext liefert. In Korea wurde diese Tradition zur Standardform.

Verbindung zu Jeju und zur Seonangsin-Tradition

Auf der Insel Jeju hat die Yong-Wang-Verehrung eine besonders ausgeprägte Form. Die Insel ist von zahlreichen Heiligtümern überzogen, von denen viele dem Drachenkönig oder verwandten Wassergottheiten gewidmet sind.

Die Schamaninnen Jejus, die «simbang», pflegen eine reiche Tradition von Yong-Wang-Riten. Ein zentrales Fest ist das «Yeongdeunggut» im zweiten Mondmonat, das die Göttin Yeongdeung Halmang (eine alte Wassergöttin) gemeinsam mit Yong Wang ehrt und um eine sichere Fischsaison bittet.

Auf dem koreanischen Festland verbindet sich Yong Wang mit den «seonangsin», den Schutzgöttern an Dorfeingängen, die in Form von Steinhaufen oder bemalten Pfählen errichtet werden. An Flussübergängen und an Brunnen werden ähnliche Schutzobjekte aufgestellt, die oft direkt mit dem Drachenkönig in Verbindung gebracht werden. Boudewijn Walraven hat diese lokale Vielfalt in seinen Feldarbeiten detailliert dokumentiert.

Politische und kulturelle Symbolik

Der Drache war in der koreanischen Königsideologie das Hauptsymbol der königlichen Macht. Die Roben der Joseon-Könige waren mit fünf-klauigen Drachen verziert, ein Privileg, das in der ostasiatischen Tradition dem Sohn des Himmels vorbehalten war. Damit hatte Yong Wang als Hintergrundfigur eine indirekte politische Bedeutung, ohne im offiziellen konfuzianischen Pantheon eine eigene Position einzunehmen.

In der modernen koreanischen Kultur lebt der Drache als Symbol fort. Er erscheint in Markennamen, in Sportvereinen, in Filmen und in der Werbung. Die direkte religiöse Verehrung von Yong Wang ist auf die Küstenregionen, auf Jeju und auf einzelne Bergklöster beschränkt.

In Industriestädten ist sie zurückgegangen, in den Fischereihäfen jedoch weiterhin lebendig. Antonetta Bruno hat in ihren Arbeiten gezeigt, wie sich der Kult mit moderner Tourismuskultur verbindet, etwa wenn die jährlichen Yong-Wang-Feste als Touristenattraktionen vermarktet werden.

Forschung und Vergleich

Die Yong-Wang-Forschung ist Teil einer breiteren ostasiatischen Drachenkönigsforschung, die Korea, China und Japan vergleicht. In der chinesischen Tradition ist Long Wang stärker an die kaiserliche Hofreligion gebunden, in Japan ist Ryujin enger mit den Schreinen des Shinto verbunden.

In Korea zeigt Yong Wang die typische Mischform aus volksreligiöser Praxis, buddhistischer Integration und politischer Symbolik. Diese Mischform ist nach Ansicht von James Grayson charakteristisch für die koreanische Religiosität insgesamt.

Innerhalb der koreanischen Forschung haben sich vor allem die Arbeiten zur Jeju-Tradition (Hyun Yong-jun, Yoon Yong-min) und die religionssoziologischen Studien zur Küstenfischerei (Kim Sun-young) als wichtig erwiesen.

International ist Yong Wang weniger umfassend untersucht als der Sansin oder die schamanischen Hauptgottheiten, was vor allem an der Quellenlage liegt, die volkskundlich-mündlich geprägt ist und schwer in westlichen Archiven greifbar ist.

Yong Wang in der Silla- und Goryeo-Königsideologie

Die Verbindung des Drachenkönigs mit der Königsherrschaft ist in der Silla-Periode (57 vor Christus bis 935 nach Christus) ikonografisch und textlich am stärksten greifbar.

Das «Samguk Yusa» berichtet im Kapitel «Munmu-wang Bobgi», dass König Munmu von Silla (regierte 661 bis 681) auf dem Sterbebett verfügte, im Meer bestattet zu werden, um nach seinem Tod als Drache des Ostmeeres das Reich vor japanischen Piraten zu schützen.

Sein Grab, die «Unterwasser-Grabstätte» Daewangam an der Ostküste bei Gyeongju, ist bis heute Wallfahrtsort. Sein Sohn Sinmun ließ den Gameunsa-Tempel in unmittelbarer Nähe errichten, dessen Hauptkrypta nach archäologischen Befunden so konstruiert wurde, dass der Drachenkönig-Vater hineinschwimmen konnte.

In der Goryeo-Periode (918 bis 1392) übernahm die Königsfamilie Wang die Drachen-Symbolik systematisch. Die mythische Gründungsgeschichte des Dynastiestifters Wang Geon, niedergelegt im «Goryeo Sa» («Geschichte von Goryeo», 1451), führt seine Abstammung über mehrere Generationen auf einen Drachenkönig des Westmeeres zurück.

Diese genealogische Drachen-Konstruktion war religionspolitisch wirksam: Sie band die Königsfamilie an die Wassergottheit und damit an eine vor-buddhistische und vor-konfuzianische religiöse Schicht.

Buddhistische Sutren und die acht Drachenkönige

Im buddhistischen Kontext erscheint Yong Wang nicht als Einzelfigur, sondern als Repräsentant der acht Drachenkönige («pal yongwang»), die in zahlreichen Mahayana-Sutren als Schutzwesen der Lehre auftreten.

Das «Saddharmapundarika Sutra» («Lotus-Sutra»), im koreanischen Buddhismus seit der Silla-Periode kanonisch, nennt im ersten Kapitel die acht Drachenkönige als Hörer der Predigt Buddhas. Die einzelnen Namen Nanda, Upananda, Sagara, Vasuki, Takshaka, Anavatapta, Manasvin und Utpalaka sind über Sanskrit-Transkriptionen in die koreanische Tempeltradition gewandert.

Eine besondere koreanische Ausprägung ist der «Dharani-Sutra»-Kult zu Ehren der Drachenkönige, der in den Bergklöstern Songgwangsa und Tongdosa belegt ist. Die «Yongwang-gyeong», eine apokryphe Sammlung von Drachenkönig-Sutren mit zweifelhafter indischer Herkunft, war in der späten Joseon-Zeit ein wichtiger Andachtstext.

Robert Buswell hat in «The Zen Monastic Experience» (Princeton 1992) und in seiner Arbeit zum koreanischen Buddhismus die Wechselwirkung zwischen kanonischer Sutren-Tradition und lokaler Yong-Wang-Verehrung dokumentiert.

Das Chilmeoridang-Yeongdeunggut auf Jeju

Das wichtigste rituelle Großereignis zu Ehren der Wassergottheiten findet auf Jeju im Februar und März des Mondkalenders statt.

Das «Chilmeoridang Yeongdeunggut», getragen von der Schamanenfamilie der Kim am Chilmeoridang-Schrein bei Gunhae, dauert mehrere Tage und gliedert sich in eine Begrüßung der Göttin Yeongdeung Halmang am Mondkalender-Datum 2.1., zentrale Riten am 2.14. und eine Verabschiedung am 2.15. Die Schamaninnen führen «gut»-Sequenzen für eine sichere Fischsaison, eine gute Algen- und Muschelernte und für das Wohlergehen der Haenyeo, der weiblichen Tauchfischerinnen Jejus, die ohne Atemgerät auf den Meeresgrund tauchen.

Die UNESCO hat das Ritual 2009 in die «Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit» aufgenommen. Hyun Yong-jun hat das Ritual in «Jeju-do musok charyo sajeon» (Seoul 1980) ausführlich dokumentiert.

Laurel Kendall und Kim Kwang-Ok haben die kulturelle und sozioökonomische Bedeutung der Yeongdeung-Riten für die Haenyeo-Gemeinschaften analysiert. Im Mittelpunkt steht die enge Verbindung der weiblichen Tauchfischerei mit einer weiblich-mütterlich gedachten Wassergottheit, die neben Yong Wang die Hauptrolle einnimmt.

Quellen und Literatur

Einordnung & Schutz

IISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe II zu – Spürbare Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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