Die Sonnengöttin von Arinna, hethitisch D UTU URU Arinna, ist die höchste weibliche Gottheit des hethitischen Staatspantheons. Sie wird in den Gebeten der Königin Puduḫepa als ‚Königin von Ḫatti, Herrin der Länder‘ angerufen und gilt als Schutzgöttin der Großkönige und Garantin des Königtums.
Die Sonnengöttin von Arinna, kurz Arinna oder Wurušemu, gehört zur ältesten Schicht des anatolischen Pantheons und ist hattischer Herkunft, also vorindogermanisch. Volkert Haas hat in Geschichte der hethitischen Religion (1994) gezeigt, dass die hethitischen Großkönige die hattische Stadtgöttin von Arinna offiziell zur höchsten weiblichen Reichsgottheit erhoben. Sie bildet zusammen mit Tarhunna das oberste göttliche Paar des Reiches und steht im Festkalender, in den Staatsverträgen und in der Königstheologie an exponierter Position.
In ihrer Funktion ist sie nicht die Sonne als Gestirn, sondern die Souveränin des Tages und die Garantin der königlichen Würde. Der hethitische Großkönig bezeichnet sich in vielen Inschriften als ‚mein Sonne‘, das heißt: als Sohn oder Stellvertreter der Sonnengöttin. Trevor Bryce hat in Life and Society in the Hittite World (2002) diese theologische Konstruktion ausführlich beschrieben und gezeigt, wie sie die Legitimation des Königtums begründet.
Arinna unterscheidet sich vom mesopotamischen Sonnengott Šamaš dadurch, dass sie weiblich ist; in Anatolien war die Sonne weiblich, eine archaische Genuszuschreibung, die mit der hattisch-indogermanischen Sprachgrenze zusammenfällt und religionsgeschichtlich bemerkenswert ist. Die hethitische Tradition bewahrt damit ein vorindogermanisches anatolisches Erbe in einer indogermanisch geprägten Staatsreligion, ein Synkretismus, den Piotr Taracha in Religions of Second Millennium Anatolia (2009) systematisch dargestellt hat.
Der Name Arinna ist ein Ortsname; die Göttin ist nach der Stadt benannt, in der sich ihr Hauptheiligtum befand. Die genaue Lage von Arinna ist bis heute archäologisch nicht eindeutig identifiziert; Vorschläge konzentrieren sich auf Sites im nördlichen Anatolien, insbesondere Alaca Höyük und Sapinuwa. Der Stadtname Arinna selbst ist hattischer Herkunft und bedeutet vermutlich ‚Quelle‘ oder ‚Brunnen‘.
Ihr hattischer Eigenname lautet Wurušemu, wörtlich vielleicht ‚Mutter der Erde‘ oder ‚Mutter des Landes‘. Die hethitische Übersetzung ist D UTU URU Arinna, ‚Sonnengottheit der Stadt Arinna‘. Im Hurritischen wird sie als Hebat-äquivalent identifiziert, eine Gleichsetzung, die die Königin Puduḫepa in ihrem berühmten Gebet ausdrücklich formuliert: ‚Sonnengöttin von Arinna, meine Herrin, du bist Königin aller Länder; in Ḫatti hast du dir den Namen Sonnengöttin von Arinna gegeben, in dem Land, das du als Land der Zeder geschaffen hast, hast du dir den Namen Hebat gegeben.‘
Die Etymologie und die Namenstheologie wurden ausführlich von Piotr Taracha in Religions of Second Millennium Anatolia (2009) diskutiert. Eine besondere Schwierigkeit besteht darin, dass D UTU nicht nur die Sonnengöttin von Arinna bezeichnen kann, sondern auch andere Sonnenwesen wie die ‚Sonnengöttin der Erde‘ (chthonisch) oder die männliche luwische Sonnengottheit Tiwaz. Die genaue Identifikation muss jeweils aus dem Kontext erschlossen werden.
Bildlich erscheint Arinna als thronende Göttin mit langem, faltigem Gewand, einer hohen Polos-Krone und einer Sonnenscheibe als Attribut. In Yazılıkaya, dem großen Felsheiligtum bei Ḫattuša, steht sie an der Spitze der weiblichen Götterprozession und tritt ihrem männlichen Pendant Tarhunna in der Mitte der Hauptkammer A gegenüber. Die geflügelte Sonnenscheibe über ihrem Haupt ist ein altes mesopotamisches und ägäisches Symbol, das die hethitische Bildtradition adaptiert hat.
Auf zahlreichen Königssiegeln, etwa den Bullae aus dem Nişantaş-Archiv, erscheint die Sonnenscheibe als königliches Insignium; sie steht dort für den Schutz der Sonnengöttin über den Herrscher. Die Tierform der Göttin ist seltener belegt; einzelne Texte sprechen von einem Adler, der auf ihrer Hand sitzt, sowie von einer Löwin als ihrem Reittier. Im hattisch-hethitischen Standartendienst, jenen ringförmigen Bronzestandarten mit Tieraufsätzen aus Alaca Höyük, wird die Sonnenscheibe als zentrales Element verwendet.
Auffallend ist die geringe Zahl freistehender Kultbilder Arinnas. Die hethitische Theologie konzentrierte ihre Ikonographie auf die staatlich kontrollierten Felsreliefs und auf Siegel; Statuenbilder im mesopotamischen Sinne sind kaum erhalten. Tempelinventare nennen aber ‚die Sonnenscheibe aus Gold‘ und ‚das Bild der Sonnengöttin in Silber‘ als wichtige Kultobjekte, von denen sich physisch allerdings nichts erhalten hat. Volkert Haas hat in Materia Magica et Medica Hethitica (2003) die ikonographische Tradition detailliert beschrieben.
Im Unterschied zu Tarhunna oder Telipinu ist Arinna kaum als handelnde Figur in Mythen belegt. Sie erscheint vor allem in Gebeten, Hymnen und Vertragstexten. Die wichtigste Quelle ist das Gebet der Königin Puduḫepa (CTH 384), in dem die Großkönigin die Göttin um Heilung für ihren erkrankten Gemahl Ḫattušili III. bittet. Das Gebet enthält eine ausführliche Theologie der Göttin als Garantin des Königtums und ist eines der literarisch elaboriertesten Texte der hethitischen Religion.
In den Mythen erscheint Arinna meist als ‚Mutter‘ anderer Götter, vor allem als Mutter des Wettergottes des Himmels und der Mond- und Korngöttin Mezzulla, die vielleicht eine Hypostase ihrer selbst ist. In einem althethitischen Festritual wird sie als Schiedsrichterin im Götterrat dargestellt. In einem fragmentarisch erhaltenen Text klagt sie über das Verschwinden des Telipinu und beauftragt einen Adler mit der Suche; dieser durchstreift die Welt, findet ihn jedoch nicht.
Religionsgeschichtlich ist diese Mythenarmut typisch für die hethitische Pantheon-Konfiguration: Die obersten Reichsgötter sind weniger Erzählfiguren als juristische und politische Garanten. Mythische Aktivität wird auf zweite Generationen wie Telipinu, Sarruma oder Ullikummi verlagert. Gary Beckman hat dies in Hittite Myths (1998) als typisches Merkmal der hethitischen Staatsreligion herausgestellt.
Der Kult der Sonnengöttin von Arinna war eng mit dem Königtum verflochten. Im hethitischen Festkalender war ihr unter anderem das große Frühlingsfest AN.TAḪ.ŠUM gewidmet, ein 38-tägiger Festzyklus, dessen Texte in der Edition von Volkert Haas und Liane Jakob-Rost gut zugänglich sind. Während des Festes besuchte der Großkönig die wichtigsten Kultstätten der Göttin in Ḫattuša, Arinna und Nerik in einer ritualisierten Reisefolge.
Ihr Tempel in Ḫattuša wird in den Texten als ‚Tempel der Sonnengöttin‘ bezeichnet und ist mit dem Großen Tempel im Unteren Stadtviertel identifiziert. Im Inventar finden sich silberne und goldene Sonnenscheiben, Kultgewänder, Stierfiguren und Tonkugeln, deren rituelle Funktion bis heute nicht vollständig geklärt ist. Joost Hazenbos hat in The Organization of the Anatolian Local Cults (2003) die priesterliche Hierarchie analysiert: Oberhaupt war ein SANGA-Priester, dem mehrere weibliche Priesterinnen und kultisches Personal unterstanden.
Eine Besonderheit ist die Bestattung der Könige unter ihrer Schirmherrschaft: Die šalliš waštaiš, ‚das große Verbrechen‘, so der hethitische Euphemismus für den Tod des Königs, wurde mit einem 14-tägigen Bestattungsritual begangen, das die Verwandlung des Königs in eine göttliche Wesenheit unter dem Schutz der Sonnengöttin beschreibt. Die Edition durch Heinrich Otten Hethitische Totenrituale (1958) ist bis heute maßgebend. Im Verlauf des Rituals ‚wird der König Gott‘, wie die hethitische Formel sagt; er verlässt die Welt der Sterblichen und tritt zur Sonnengöttin in den Himmel.
Arinna war Schutzherrin des Königs und des Königtums; ihre apotropäische Funktion betraf weniger den Einzelmenschen als die Reichsdynastie. Auf Königssiegeln steht die geflügelte Sonnenscheibe über dem Königsnamen; sie war zugleich Identitätszeichen und Schutzformel. Bei Vasallenverträgen wird sie als zweite Gottheit nach Tarhunna angerufen, mit der gleichen Strafformel: Treubruch zieht ihre Vernichtungswut nach sich.
Im privaten Bereich ist die Verehrung der Sonnengöttin weniger gut dokumentiert. Vereinzelt erscheinen Frauen, die mit Hilfe der ‚Alten Frau‘ (ḪAR.ḪAR) ein Ritual an die Sonnengöttin richten, etwa bei Unfruchtbarkeit oder schweren Krankheiten. Die Sonnengöttin der Erde, eine eigenständige Hypostase mit chthonisch-unterweltlicher Funktion, wird in diesen Ritualen ebenfalls häufig angerufen; sie ist nicht mit der Sonnengöttin von Arinna identisch, aber theologisch eng verwandt. Der Übergang vom Tageshimmel zur Unterwelt erfolgt über die Doppelfunktion der Sonne: morgens und abends durchquert sie den Horizont und tritt damit zwischen die Welten.
Aus religionswissenschaftlicher Perspektive ist die Doppelfunktion der Sonnengöttin als himmlische Königin und chthonische Unterweltherrin bemerkenswert; sie zeigt die enge Verschränkung von Tag, Nacht und Tod im hethitischen Weltbild. Der iWell-Guard betrachtet Arinna als historisch-religionsgeschichtliche Figur ohne aktuellen Heilversprechen-Bezug. Apotropäisch wurden Sonnenscheiben in Tür- und Fensterstürze eingearbeitet, eine Praxis, die archäologisch in mehreren hethitischen Sites belegt ist.
Die weibliche Geschlechtszuweisung der Sonne ist im Vorderen Orient ungewöhnlich; im Akkadischen ist Šamaš männlich, ebenso im Ugaritischen Šapaš (wobei diese trotz formalen Maskulinums weiblich gedeutet wird), im Phönizischen Šapšu. Die hattische Tradition steht hier dem germanischen Sól, dem litauischen Saulė und dem japanischen Amaterasu näher. Religionsgeschichtlich wird das weibliche Sonnengeschlecht als archaisches Merkmal interpretiert, das durch den Einfluss patriarchaler Sturmgott-Theologien zurückgedrängt wurde.
Auch in Anatolien selbst ist Arinna nicht die einzige weibliche Sonnenfigur. Die Luwer kannten Tiwaz als männlichen Sonnengott, daneben aber auch die Erdsonnengöttin. Die Differenzierung zwischen verschiedenen Sonnenhypostasen wurde von Volkert Haas systematisch in Materia Magica et Medica Hethitica (2003) dargestellt. Die hattische weibliche Sonne, die hethitische weibliche Sonne, die luwische männliche Sonne und die chthonische Sonnengöttin der Erde bilden ein komplexes Sonnen-Pantheon, das nur durch sorgfältige Quellenanalyse entwirrt werden kann.
In ihrer Funktion als königliche Schutzgöttin ist Arinna mit Hebat aus dem hurritischen Pantheon und mit der mesopotamischen Ištar als Reichsschutzherrin vergleichbar; auch hier zeigt sich der Reichspantheon-Typus der Spätbronzezeit, in dem die höchste weibliche Gottheit dynastische Funktionen übernimmt.
Arinna ist in der heutigen Forschung gut dokumentiert. Wichtige Untersuchungen liegen vor von Volkert Haas, Daniel Schwemer, Piotr Taracha, Gary Beckman und Itamar Singer. Singer hat in Hittite Prayers (SBL 2002) die wichtigsten Gebete an Arinna übersetzt und kommentiert. Das Puduḫepa-Gebet zählt zu den literarisch herausragenden Quellen der altorientalischen Religionsgeschichte und wird häufig auch in der vergleichenden Religionswissenschaft zitiert.
In der modernen Türkei ist Arinna kaum populär rezipiert; lokale Tourismusinitiativen in Çorum und Yozgat haben aber begonnen, die Sonnenscheibe von Alaca Höyük als kulturelles Symbol zu verwenden. Im Logo des türkischen Hethitologie-Kongresses erscheint die geflügelte Sonnenscheibe. Eine spirituelle Rezeption im neuheidnischen Sinne, wie sie bei nordischen Göttinnen üblich ist, fehlt für Arinna weitgehend.
Religionswissenschaftlich wird Arinna heute vor allem in vergleichenden Studien zur Spätbronzezeit, zur weiblichen Königsschaftstheologie und zur hattisch-hethitischen Religionsdynamik diskutiert. Aktuelle Forschungsschwerpunkte liegen auf der präzisen Identifikation ihrer Stadt, auf der Beziehung zur ‚Sonnengöttin der Erde‘ und auf der vergleichenden Untersuchung weiblicher Sonnen-Theologien im Vorderen Orient.
Die folgenden Standardwerke decken die wichtigsten Aspekte der Forschung zu Arinna ab und sind Einstiegspunkte in das hethitische Quellenmaterial. Sie kombinieren keilschriftliche Texteditionen, archäologische Befunde und religionsgeschichtliche Synthesen. Die Liste folgt der Konvention des iWell-Guard, etablierte Standardwerke vor neueren Spezialuntersuchungen zu nennen. Wer tiefer in das Material einsteigen will, findet in den genannten Werken weiterführende Bibliographien zu den hethitischen Festkalendern, zum AN.TAḪ.ŠUM-Festzyklus und zur weiblichen Königsschaftstheologie der Spätbronzezeit. Insbesondere Itamar Singers Hittite Prayers mit der vollständigen Übersetzung des Puduḫepa-Gebets ist als Primärquellen-Einstieg unverzichtbar.
Eine der eindrucksvollsten Quellen zu Arinna ist ein langes Gebet der hethitischen Königin Puduhepa, der Gemahlin Hattusilis III. aus dem 13. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. In diesem Text wendet sich die Königin an die Sonnengöttin von Arinna und bittet um Leben und Gesundheit für ihren Gemahl. Das Gebet ist auf Tontafeln aus dem Archiv von Hattuscha überliefert und gehört zu den persönlichsten religiösen Texten der hethitischen Welt.
Bemerkenswert ist, dass Puduhepa in diesem Gebet die Sonnengöttin von Arinna ausdrücklich mit der hurritischen Göttin Hebat gleichsetzt. Sie spricht die Gottheit an als diejenige, die im Land Hatti den Namen Sonnengöttin von Arinna trägt, im Zedernland aber Hebat heißt. Damit liefert der Text selbst einen seltenen, ausdrücklich formulierten Beleg für religiöse Übersetzung: Die Königin, selbst hurritischer Herkunft, denkt die einheimische hethitische Hauptgöttin und die hurritische Hauptgöttin als ein und dieselbe.
Das Gebet zeigt Arinna in ihrer höchsten Stellung. Sie ist nicht eine Göttin unter vielen, sondern die Herrin der Länder, die Königin von Himmel und Erde, die über das hethitische Königtum wacht. Die Forschung, etwa Itamar Singer in seiner Sammlung hethitischer Gebete, hat diesen Text als Beispiel dafür herausgestellt, wie eng der Staatskult mit dem persönlichen Frömmigkeitsleben des Königshauses verflochten war. Das Gebet der Puduhepa ist damit zugleich ein theologisches Dokument und ein menschliches Zeugnis der Sorge einer Königin um ihren Mann.
Die Sonnengöttin von Arinna war die wichtigste weibliche Gottheit des hethitischen Staatspantheons und in vieler Hinsicht die eigentliche Reichsgöttin. In den Staatsverträgen und in den Annalen der hethitischen Könige erscheint sie regelmäßig an vorderster Stelle der Götterlisten, oft gemeinsam mit dem Wettergott. Die Könige bezeichnen sich als ihre Günstlinge und führen ihre Siege auf ihren Beistand zurück.
Besonders deutlich wird ihre Rolle in den sogenannten Annalen Mursilis II. in denen der König immer wieder betont, die Sonnengöttin von Arinna, der Wettergott und die übrigen Götter seien vor ihm hergelaufen und hätten ihm den Feind ausgeliefert. Diese Formel zeigt, dass militärischer Erfolg religiös als Geschenk der Götter verstanden wurde und dass Arinna in diesem Geschehen eine Hauptrolle spielte.
Auch im Bereich der königlichen Legitimation war Arinna zentral. Der König galt als von ihr eingesetzt, und nach seinem Tod wurde er, wie es in den hethitischen Texten heißt, zu einem Gott. Die Verbindung von Sonne und Königtum war im Alten Orient weit verbreitet, und im hethitischen Reich trug sogar der König selbst den Titel Meine Sonne. Die Sonnengöttin von Arinna und der Sonnentitel des Königs gehören damit eng zusammen. Volkert Haas hat in seiner Darstellung der hethitischen Religion herausgearbeitet, dass Arinna weniger eine Göttin der Natursonne als eine Göttin der Ordnung, der Gerechtigkeit und der Herrschaft war. Ihre Stellung im Staatskult macht sie zu einer der politisch bedeutendsten Gottheiten des hethitischen Reiches.
Eine Schwierigkeit im Umgang mit Arinna besteht darin, dass die hethitische Religion mehrere Sonnengottheiten kannte, die in den Texten nicht immer klar getrennt werden. Neben der Sonnengöttin von Arinna gab es eine Sonnengottheit des Himmels und eine Sonnengottheit der Erde, also der Unterwelt. Die Sonnengöttin von Arinna ist die Hauptgestalt, eine weibliche, mit dem Königtum verbundene Gottheit. Die Sonnengottheit des Himmels dagegen erscheint eher männlich und steht der mesopotamischen Vorstellung des Sonnengottes als Richter nahe.
Diese Vielzahl erklärt sich aus der Schichtung der hethitischen Religion. Arinna selbst geht auf die hattische Bevölkerungsschicht zurück, die vor den indogermanischsprachigen Hethitern in Anatolien lebte. Im Hattischen hieß die Göttin Wurunsemu. Die Hethiter übernahmen sie und stellten sie an die Spitze ihres Pantheons. Daneben wirkte der mesopotamische Einfluss, der den männlichen Sonnengott als Hüter des Rechts beisteuerte, und der hurritische Einfluss, der Arinna mit Hebat verband.
Die Sonnengottheit der Erde wiederum hatte eine besondere Funktion in den Ritualen der Reinigung und der Magie, weil sie als Herrin der Unterwelt galt und in Beschwörungen angerufen wurde, um Unreines aufzunehmen. Die Forschung muss bei jedem Textbeleg sorgfältig prüfen, welche Sonnengottheit gemeint ist, da die Schreibung mit dem Sonnenzeichen mehrdeutig sein kann. Diese Differenzierung gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben der Hethitologie und zeigt, wie vielschichtig allein der Bereich der Sonnenverehrung im hethitischen Reich war.
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