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Ankou, der Totenkutscher mit dem knarrenden Karren

Ankou ist Geist der bretonischen Überlieferung.

Der letzte Tote des Jahres wird für ein Jahr sein Nachfolger. Sein Amt als Totenkutscher steht im Zentrum der bretonischen Überlieferung.

Inhaltsverzeichnis

Ankou, Geist der keltischen Überlieferung
Ankou

Ankou ist der personifizierte Tod der Bretagne: ein hagerer Mann oder ein Skelett mit Sense, der auf einem knarrenden Totenkarren durch die Pfarreien fährt und die Seelen der Verstorbenen einsammelt. Er tötet nicht willkürlich, sondern holt die fälligen Toten; sein knarrender Karren gilt als sicheres Todeszeichen.

Nach bretonischer Vorstellung wird die Person, die im Jahr zuletzt in einer Pfarrei verstirbt, für das folgende Jahr selbst zum Ankou dieser Pfarrei, sodass jede Gemeinde ihren eigenen Totenführer hat. Anders als überlistbare Todesboten lässt er sich weder aufhalten noch zu Zugeständnissen bewegen.

Im Überblick: Ankou

Typ: Personifikation des Todes und Seelengeleiter
Herkunft: Zentrale Figur der bretonischen Volksüberlieferung
Texte: klassisch gesammelt bei Anatole Le Braz, dazu bretonische Sakralkunst
Zeitraum: Ende des 19. Jahrhunderts dokumentiert, bis heute lebendig
Erscheinung: hagerer Mann oder Skelett mit schwarzem Umhang und breitkrempigem Hut, mit Sense und Totenkarren

Quellenkontext

Zeitraum der Texte

Zentrale, durchgehend lebendige Figur der bretonischen Überlieferung, klassisch Ende des 19. Jahrhunderts bei Anatole Le Braz gesammelt.

Verbreitungsraum

Die Bretagne als Kernraum, mit verwandten Vorstellungen auch in Cornwall und Wales.

Quellenlage

Sehr gut: durch Anatole Le Braz und zusätzlich durch die bretonische Sakralkunst gleich doppelt bezeugt.

Name und Varianten

Sprache: Ankou ist bretonisch für den Tod oder den Todesdiener; cornisch heißt die Gestalt an Ankow, walisisch yr Angau. Genauer wird er oberour ar maro genannt, Arbeiter des Todes: nicht der Tod selbst, sondern dessen Diener.

Gestalt und Wirken

Erscheinung

Ankou erscheint ikonografisch als keltischer Sensenmann: hager oder als Skelett, mit schwarzem Mantel und breitkrempigem Hut, der das Gesicht verbirgt, dazu eine Sense. Er fährt einen knarrenden Totenkarren oder eine schwarze, von vier schwarzen Pferden gezogene Kutsche, begleitet von zwei gehenden Gespenstern. In der bretonischen Sakralkunst ist er unter anderem in Ploumilliau, La Roche-Maurice und La Martyre dargestellt.

Wirkung

Er tötet nicht nach Willkür, sondern sammelt die fälligen Toten ein. Das Hören seines knarrenden Karrens vor dem Haus gilt als Omen, dass der Hörer oder ein Hausbewohner bald sterben wird; das Knarren und der Ruf der Eule, des Todesvogels, sind seine akustischen Vorzeichen.

Steckbrief: Ankou

Die wichtigsten Aspekte des Totenkutschers auf einen Blick.

Tradition

Zentrale Figur der bretonischen Totenüberlieferung, klassisch gesammelt bei Anatole Le Braz.

Zuständig für

Die kürzlich Verstorbenen einer Pfarrei, deren Seelen er auf seinem Karren einsammelt.

Darstellung

Hagerer Mann oder Skelett mit schwarzem Umhang, breitkrempigem Hut und Sense, auf knarrendem Totenkarren.

Funktion

Seelengeleit und Todesomen zugleich: Sein Karrenknarren kündet den nächsten Sterbefall in der Pfarrei an.

Abwehrformen

Gebet, Wachen und Vorbereitung auf den Tod, denn Ankou selbst lässt sich nicht abwehren oder überlisten.

Abgrenzung

Die Bean Nighe lässt sich überlisten und Wünsche abringen, der walisische Cŵn Annwn jagt als Meute; Ankou dagegen vollstreckt unabwendbar.

Diener des Todes: Namen und Ursprungssagen des Ankou

Ankou ist bretonisch für den Tod oder den Todesdiener; cornisch heißt die Gestalt an Ankow, walisisch yr Angau. Genauer wird er oberour ar maro genannt, Arbeiter oder Knecht des Todes: nicht der Tod selbst also, sondern dessen Diener.

Nach der bretonischen Kernvorstellung wird die Person, die im Jahr zuletzt in einer Pfarrei verstirbt, für das folgende Jahr selbst zum Ankou dieser Pfarrei; jede Pfarrei hat auf diese Weise ihren eigenen Ankou. Weitere Legenden nennen ihn das erste Kind von Adam und Eva oder einen grausamen Prinzen, der den Tod herausforderte und dafür verflucht wurde. Anatole Le Braz sammelte die Überlieferung in La Légende de la Mort chez les Bretons Armoricains, deren Erstausgabe 1893 unter dem Titel La Légende de la mort en Basse-Bretagne erschien.

Vorbild des westlichen Sensenmanns

Ankou ist eine der Hauptvorlagen für die westliche Sensenmann-Ikonografie. In Terry Pratchetts Scheibenwelt ist die Figur des Todes eine humorvolle Abwandlung dieser europäischen Darstellungen. Ankou erscheint regelmäßig in moderner Fantasy, Horror und keltisch inspirierter Belletristik und ist fester Bestandteil der bretonischen Regionalkultur mit ihren Beinhäusern.

Religionswissenschaftlich ist Ankou zugleich Personifikation des Todes, Psychopompos und Todesomen. Er verkörpert den keltisch-bretonischen Totenglauben mit einem rotierenden Amt, dem jeweils letzten Toten als neuem Ankou, und einer pfarreigebundenen Struktur. Er verbindet christliche Beinhaus-Frömmigkeit mit älteren Anderswelt-Vorstellungen.

Warnzeichen deuten statt Ankou abwehren

Ankou lässt sich nicht überlisten oder zu Wünschen zwingen wie die Bean Nighe; er ist ein unabwendbarer Vollstrecker. Überliefert sind vor allem Deutungs- und Vorbereitungspraktiken der Todeszeichen: Das Karrenknarren und der Eulenruf als Warnungen wurden mit Gebet, Wachen und Vorbereitung auf den Tod beantwortet, nicht mit einer Abwehr des Ankou selbst. Gegen das Unheil, das seine Erscheinung ankündigt, griff man im Volksglauben allgemein zu Weihwasser, brennenden Schutzkerzen und dem Klang geweihter Glocken.

Der Sensenmann und seine keltischen Verwandten

Ankou gilt als eine der Wurzelfiguren des westlichen Sensenmanns. Verwandt ist der walisische Cŵn Annwn, der als Seelengeleiter durch die Anderswelt jagt, dazu die walisischen Todesomen Cyhyraeth und Gwrach y Rhibyn sowie die klagenden keltischen Todesbotinnen Banshee und Caoineag. Von der schottischen Bean Nighe, die sich überlisten und zu Wünschen zwingen lässt, unterscheidet er sich deutlich: Ankou ist ein unabwendbarer Vollstrecker. Strukturell verwandt, als Seelengeleiter, ist zudem der japanische Shinigami.

Häufige Fragen zum Ankou

Ist der Ankou der Tod selbst?

Nein. Er ist der Diener oder Knecht des Todes, oberour ar maro, der die Seelen der Verstorbenen einsammelt.

Wer wird zum Ankou?

Die Person, die im Jahr zuletzt in einer Pfarrei verstirbt, wird für das folgende Jahr zum Ankou dieser Pfarrei.

Woran erkennt man ihn?

Am Knarren seines Karrens und am Ruf der Eule, des Todesvogels; beides gilt als Todeszeichen.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Le Braz, Anatole: La Légende de la Mort chez les Bretons Armoricains. Paris, erweiterte Ausgaben (Erstausgabe 1893 als La Légende de la mort en Basse-Bretagne).
  • MacKillop, James: Dictionary of Celtic Mythology. Oxford 1998.
  • Evans-Wentz, Walter Y.: The Fairy-Faith in Celtic Countries. London 1911.
  • Badone, Ellen: Death Omens in a Breton Memorate. In: Folklore 98 (1987).

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als bretonischer Tod bleibt Ankou der Totenführer Bretagnes: kein Zufallsgeist, sondern ein jährlich neu vergebenes Amt, das den letzten Sterbefall des Jahres zum nächsten Wächter macht.

Einordnung & Schutz

IVSTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe IV zu – Schwere Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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