Feng Po Po, Madame Wind auf dem Tiger
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Feng Po Po ist eine Göttin der chinesischen Tradition.
Madame Wind, die die Winde aus ihrem Sack entlässt. Der Beitragstitel führt Feng Po Po als Wind-Großmutter Chinas ein.
Feng Po Po, die Wind-Großmutter oder Madame Wind, ist eine chinesische Windgestalt: populär eine alte Frau, die auf einem Tiger durch die Wolken reitet und die Winde aus einem prallen Sack entlässt.
Wichtig zur Einordnung: Diese tigerreitende Madame Wind ist eine späte, überwiegend westlich vermittelte Kompilation. Daneben existiert eine genuine volksreligiöse Wind-Großmutter, greifbar im Volksglauben der Tujia, wo eine Schnellwaage außen am Haus schädlichen Wind bändigen soll.
Typ: Windgestalt, Wind-Großmutter oder Madame Wind
Herkunft: China, genuin im Tujia-Volksglauben
Texte: volksreligiöse Überlieferung, populäre Kompilation modern
Zeitraum: volksreligiös, die populäre Gestalt ist modern
Erscheinung: alte Frau auf einem Tiger mit Windsack, oder wind-blasende Alte
Quellenkontext
Zeitraum der Texte
Die volksreligiöse Wind-Großmutter gehört zum überlieferten Volksglauben; die populäre tigerreitende Kompilation ist dagegen modern.
Verbreitungsraum
China; als genuiner Volksglaube ist die Wind-Großmutter besonders bei den Tujia greifbar.
Belegdichte
Gemischt: genuiner Volksglaube steht neben populärer Ausschmückung, deren Belegkette fast durchweg populär und neuheidnisch ist.
Name und Varianten
Chinesisch: Feng Pópo bedeutet Wind-Großmütterchen oder Wind-Alte. Die Beschreibung, sie reite auf einem Tiger durch die Wolken, findet sich konkret im Britannica-Artikel zu Lei Gong; aus Werners Myths and Legends of China von 1922 stammt sie nicht, denn Werner beschreibt dort nur den männlichen Feng Bo und beiläufig eine Mutter der Winde.
Erscheinung und Verhalten
Erscheinung
Populär ist Feng Po Po eine alte, faltige Frau, die auf einem Tiger reitet und einen prallen Windsack trägt; volkskundlich ist sie eine alte Frau, die den Wind aus dem Mund bläst.
Wirkung
Feng Po Po lässt die Winde aus dem Sack; bei schlechter Laune sendet sie Stürme. Die Deutung auf Jahreszeiten und Ackerbau ist dagegen vor allem neuheidnische Ausschmückung.
Steckbrief: Feng Po Po
Die wichtigsten Aspekte der Wind-Großmutter auf einen Blick.
Doppelgestalt: populäre, westlich vermittelte Madame Wind einerseits, genuine volksreligiöse Wind-Großmutter der Tujia andererseits.
Haushalt und Wetter: Der Tujia-Brauch richtet sich gegen schädlichen Wind am Haus, die populäre Gestalt herrscht über Brisen und Stürme.
Alte, faltige Frau auf einem Tiger mit prallem Windsack; in der Volkskunde eine Alte, die den Wind aus dem Mund bläst.
Sie lässt die Winde aus dem Sack und sendet bei schlechter Laune Stürme; überwiegend gilt sie als wohlwollend-mütterlich.
Belegt ist nur der lokale Tujia-Brauch, eine Schnellwaage außen am Haus aufzuhängen, um der Wind-Großmutter den Mund einzuhaken.
Zwei Gestalten: Kompilat und Volksglaube
Der Name Feng Pópo bedeutet Wind-Großmütterchen oder Wind-Alte. Die bekannte Beschreibung, sie reite auf einem Tiger durch die Wolken, findet sich konkret im Britannica-Artikel zu Lei Gong, stammt aber nicht aus Werners Myths and Legends of China von 1922: Werner beschreibt dort nur den männlichen Feng Bo und beiläufig eine Mutter der Winde. Die Belegkette der einschlägigen Wikipedia-Darstellung ist fast durchweg populär und neuheidnisch.
Daneben existiert genuiner Volksglaube: Bei den Tujia ist die Wind-Großmutter lebendig, samt dem Brauch, eine Schnellwaage außen am Haus aufzuhängen. Beide Gestalten sind zu trennen, die populäre Madame Wind und die volksreligiöse Wind-Großmutter.
Moderne Rezeption und Einordnung
Feng Po Po ist stark im neuheidnischen Göttinnen-Milieu präsent, etwa in Orakelkarten und Blogs, was die Diskrepanz zwischen ihrer Bekanntheit und der dünnen klassischen Beleglage erklärt.
Religionswissenschaftlich ist Feng Po Po nicht so gut belegt wie Feng Bo. Drei Klarstellungen sind wichtig: Die tigerreitende Madame Wind stammt nicht aus Werner 1922. Eine Rolle in der Reise nach Westen ist unbelegt. Und die populäre Madame Wind ist von der genuinen volksreligiösen Wind-Großmutter zu trennen.
Die Schnellwaage am Haus
Ein belegter überregionaler Tempel- oder Staatskult besteht für Feng Po Po nicht. Belegt ist allein der lokale Brauch der Tujia: Außen am Haus wird eine Schnellwaage aufgehängt, um der Wind-Großmutter den Mund einzuhaken und schädlichen Wind zu bändigen. Gerade dieser unscheinbare Haus-Brauch ist das verlässlichste Stück Überlieferung, das die Windgestalt besitzt.
Windherr und Wind-Großmütter im Vergleich
Feng Po Po ist ein weibliches Gegenstück oder eine Ablösung des Feng Bo, also des Windherrn Fei Lian: Er ist der alte, durch Chuci und Staatskult gesicherte Windgott, sie die volksreligiös-populäre Nachfolgerin ohne Tempelkult. Das Motiv der alten Frau mit Windsack ist darüber hinaus weltweit verbreitet, so bei der samischen und der griechischen Wind-Verwahrung; typologisch nahe steht auch die ungarische Windmutter Szélanya.
Häufige Fragen zu Feng Po Po
Wer ist Feng Po Po?
Die chinesische Wind-Großmutter: populär eine tigerreitende Madame Wind mit Windsack, volkskundlich eine alte Frau, die den Wind aus dem Mund bläst.
Stammt sie aus Werner 1922?
Nein. Werner beschreibt nur den männlichen Feng Bo und beiläufig eine Mutter der Winde; die tigerreitende Figur fehlt bei ihm.
Ist sie gefährlich?
Überwiegend gilt sie als wohlwollend-mütterlich; Stürme sendet sie nur bei schlechter Laune.
Weiterführende Verlinkungen
Weiterlesen:
- China – alle Wesen der chinesischen Glaubenswelt
- Fei Lian – der Windherr Feng Bo als männliches Gegenstück
- Szélanya – die ungarische Windmutter
- Amulett, Salz, Schutzkerze – überlieferte Schutzmittel
- Schutz-Kompass – Schutzmittel im Überblick
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als chinesische Windgöttin lebt Feng Po Po in zwei Welten zugleich: als populäre Madame Wind auf dem Tiger und als genuine Wind-Großmutter des Volksglaubens, deren Mund eine Schnellwaage am Haus bändigen soll.





