Cherufe, der Menschenfresser im Lavasee
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Cherufe ist ein Dämon der Mapuche-Überlieferung.
Der menschenfressende Lavadämon in den Vulkanen Chiles. Als Menschenfresser im Lavasee verkörpert Cherufe die zerstörerische Seite der chilenischen Vulkane.
Cherufe ist der Lavadämon der Mapuche in Chile: ein bösartiges, menschenfressendes Wesen, das in den Lavaseen im Innern der Vulkane haust. Erzürnt oder ungestillt verursacht er Vulkanausbrüche und Erdbeben, in manchen Fassungen auch das Austrocknen von Flüssen.
Innerhalb der Mapuche-Religion ist Cherufe der zerstörerische Gegenpol zum wohlwollenden Pillán. Systematisch fassbar wird er in der ethnografischen und sprachwissenschaftlichen Literatur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Typ: Vulkan- und Lavadämon, bösartig und menschenfressend
Herkunft: Mapuche-Religion Süd-Zentral-Chiles
Texte: Mapuche-Ethnografie ab dem späten 19. Jahrhundert, unter anderem Rodolfo Lenz
Zeitraum: Mapuche-Überlieferung, ethnografisch ab dem späten 19. Jahrhundert
Erscheinung: menschenförmiges Wesen aus Magma und glühendem Gestein, auch als Feuerball
Herkunftsraum und Quellen
Zeitraum der Texte
Die Überlieferung gehört zur Mapuche-Religion; ethnografisch greifbar wird Cherufe ab dem späten 19. Jahrhundert, als Sprachforscher und Ethnografen die Erzählungen aufzuzeichnen begannen.
Verbreitungsraum
Süd- und Zentralchile, das vulkanreiche Kernland der Mapuche. Als Wohnort des Dämons gelten die Lavaseen im Innern der Vulkane.
Belegdichte
Mäßig: Die frühe Mapuche-Ethnografie des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, unter anderem bei Rodolfo Lenz, bildet die Hauptgrundlage.
Name und Varianten
Mapudungun: Cherufe. Die Herleitung des Namens, teils in Verbindung mit einem Ungeheuer oder Wesen der Wildnis, ist nicht eindeutig gesichert.
Erscheinung und Verhalten
Erscheinung
Cherufe wird als menschen- oder gestaltförmiges Wesen aus Magma, glühendem Gestein und Kristall vorgestellt, auch als Feuerball. Er bewohnt die Lavaseen im Innern der Vulkane und verkörpert die zerstörerische Kraft des Vulkanfeuers.
Wirkung
Erzürnt oder ungestillt verursacht Cherufe Vulkanausbrüche und Erdbeben, in manchen Fassungen auch das Austrocknen von Flüssen. Er gilt als bösartig und menschenfressend.
Steckbrief: Cherufe
Die wichtigsten Aspekte des Lavadämons auf einen Blick.
Bösartiger Vulkandämon der Mapuche-Religion Süd-Zentral-Chiles, der zerstörerische Gegenpol zum wohlwollenden Pillán.
Die Anwohner der Vulkane: Ihnen drohen Ausbrüche und Erdbeben, wenn der Dämon erzürnt oder ungestillt ist.
Menschenförmiges Wesen aus Magma, glühendem Gestein und Kristall; in manchen Erzählungen wird er auch als Feuerball vorgestellt.
Vulkanausbrüche und Erdbeben, in manchen Fassungen das Austrocknen von Flüssen; dazu das Motiv des Menschenfressens.
Besänftigung durch Opfer, die in den Krater geworfen wurden; das Jungfrauen-Detail gilt als spätere, europäisch gefärbte Ausschmückung.
Vom Mapudungun-Wort zur Ethnografie
Der Name Cherufe stammt aus dem Mapudungun; seine Herleitung, teils in Verbindung mit einem Ungeheuer oder Wesen der Wildnis, ist nicht eindeutig gesichert. Cherufe gehört zur Mapuche-Religion Süd-Zentral-Chiles und wird systematisch in der ethnografischen und sprachwissenschaftlichen Literatur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts fassbar, unter anderem bei Rodolfo Lenz.
Innerhalb dieser Überlieferung hat der Lavadämon einen klaren Platz: Er ist die bösartige, verschlingende Seite des Vulkanfeuers, während der Pillán als erhöhter Ahnen- und Feuergeist die schützende Seite derselben Landschaft verkörpert. Beide Gestalten gehören zusammen und dürfen doch nicht vermengt werden.
Vom Lavamonster zurück zur Überlieferung
Cherufe wird häufig in Fantasy, Bestiarien und Videospielen als Lavamonster verarbeitet und dadurch oft stark gegenüber der Mapuche-Überlieferung verzerrt.
Religionswissenschaftlich zeigt Cherufe die Deutung von Vulkanismus und Erdbeben als zorniges Feuerwesen. Wichtig ist die Abgrenzung von Pillán: Cherufe ist der bösartige, menschenfressende Lavadämon, Pillán der tendenziell wohlwollende Ahnen- und Feuergeist; beide werden populär oft fälschlich vermengt.
Opfer in den Krater: Besänftigung statt Abwehr
Überliefert ist das Motiv, den Zorn des Cherufe durch Opfer zu besänftigen, die in den Krater geworfen wurden. Das populäre Detail, es seien junge Frauen oder Jungfrauen gewesen, trägt europäisches, drachenmythisches Kolorit und ist ethnografisch schwach belegt. Hier ist zwischen dem Mapuche-Kern, dem Vulkanwesen und seiner Besänftigung, und späterer romantisierender Ausschmückung zu trennen.
Vulkandämonen und Feuermächte im Vergleich
Cherufe ist ein klassischer Vulkan- und Lavadämon, vergleichbar mit der hawaiischen Pele, die jedoch eine ambivalente Göttin ist, sowie mit europäischen Drachen im Vulkankontext und allgemein mit Feuer- und Erdbebendämonen. Innerhalb der Mapuche-Religion ist er der Gegenpol zum wohlwollenden Pillán: dort positive Kultpflege, hier Besänftigung einer zerstörerischen Macht.
Häufige Fragen zum Cherufe
Was ist Cherufe?
Ein menschenfressender Lavadämon der Mapuche, der in den Lavaseen der Vulkane haust und Vulkanausbrüche und Erdbeben verursacht.
Wurden ihm Jungfrauen geopfert?
Das populäre Detail trägt europäisches, drachenmythisches Kolorit und ist ethnografisch schwach belegt. Der Kern der Überlieferung ist die Besänftigung des Vulkanwesens durch Opfer im Krater.
Ist Cherufe dasselbe wie Pillán?
Nein. Cherufe ist bösartig und zerstörerisch, Pillán der wohlwollende Ahnen- und Feuergeist; beide werden populär oft fälschlich vermengt.
Weiterführende Verlinkungen
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als Mapuche Lavadämon und als Vulkanwesen Chiles verkörpert Cherufe die Deutung von Vulkanausbruch und Erdbeben als Zorn eines Feuerwesens: kein Empfänger positiver Kultpflege, sondern eine Macht, die besänftigt werden muss.





