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Beifuß — Schutzkraut gegen böse Einwirkung

Beifuß, botanisch Artemisia vulgaris, ist eine der vielseitigsten Schutzpflanzen der europäischen und ostasiatischen Volksüberlieferung.

Unter den Namen Gürtelkraut, Besenkraut und Johanniszeiger bekannt, gehört er zu den Pflanzen, deren Schutzfunktion sich über mehrere Bereiche erstreckt: Er schützt nach Überlieferung den Reisenden auf dem Weg, reinigt Räume durch Räuchern, hält schädigende Wesen von Schwellen fern und stärkt die Person, die ihn am Körper trägt.

Beifuß ist Teil der Schutzstoffe und Schutzpflanzen und unterscheidet sich von spezifischeren Schutzpflanzen wie Johanniskraut dadurch, dass er in der Überlieferung nicht gegen eine bestimmte Wesensgattung eingesetzt wird, sondern als allgemeiner Stärkungsschutz gilt: Er kräftigt den Schutzraum des Trägers und der Schwelle, ohne auf ein einziges Wirkungsziel festgelegt zu sein.

Wie bei allen Schutzpflanzen gilt: Es geht hier ausschließlich um die folkloristische Überlieferung, nicht um medizinische Wirkungsaussagen.

Beifuß gilt in der Volkskunde als Schutzkraut gegen böse Einwirkung.

Beifuß – Schutzkraut gegen böse Einwirkung, historisch-illustrativ

Schnellübersicht

In der Überlieferung gilt Beifuß als Reiseschutz, wenn er in den Gürtel oder die Schuhe eingenäht wird, als Räucherpflanze zur Reinigung von Räumen und als Schwellenpflanze gegen schädigende Einwirkung von außen.

Besonders geerntet zu Johanni oder in der Midsommarnacht gilt das Kraut als am kräftigsten. In Ostasien ist Beifuß als Mugwort zudem in der Moxibustion bekannt, in diesem Kontext aber als Ritual-, nicht als Schutzmittel.

Herkunft und Überlieferung

Die Überlieferung des Beifußes als Schutzpflanze ist in Europa mindestens ins frühe Mittelalter zurückzuverfolgen.

In der angelsächsischen Neun-Kräuter-Bannformel, die im Lacnunga-Manuskript des 10. Jahrhunderts erhalten ist, steht Beifuß (mucgwyrt) an erster Stelle: „Erinnere dich, Mugwort, was du verkündet hast, was du eingerichtet hast in deiner größten Kraft.“ Die Formel bezeichnet ihn als Mutter aller Kräuter und als ältesten Schutz gegen Erschöpfung und böse Geister auf Reisen.

In der deutschen Volksüberlieferung ist der Name Gürtelkraut direkt auf die Schutzpraxis zurückzuführen: Wanderer, Pilger und Soldaten nähten Beifuß in ihren Gürtel, um Erschöpfung fernzuhalten und sich gegen die Gefahren des Weges zu schützen.

In Zeiten, in denen Wege als gefährliche Orte galten, wo Wegelagerer und Geister gleichermaßen lauerten, verband diese Praxis körperlichen Schutz mit dem Schutz gegen unsichtbare Bedrohungen.

In Skandinavien gehört Beifuß zu den Midsommarpflanzen, die in der Johannisnacht gesammelt wurden und ihre höchste Schutzwirkung am Jahreswechsel entfalten sollen. In schwedischer und norwegischer Volksbrauchtums-Literatur erscheint er als Pflanze, die an Stalltüren und Hauseingängen gebunden wurde.

In Japan und China ist Beifuß als Yomogi und Mugwort bekannt und hat im Volksglauben eine starke rituelle Funktion. In der japanischen Tradition werden Beifuß-Dekorationen zum Tanjōsai-Fest und anderen Schutzfeiern verwendet. In China werden Bündel aus Beifuß und Kalmus zu Duanwu (dem Drachenbootfest) über Türen gehängt, um böse Geister und Krankheitsdämonen fernzuhalten.

Wirkprinzip laut Überlieferung

Beifuß gilt in der Überlieferung als Pflanze der Stärkung und der Grenzziehung. Beides zusammen erklärt seine breite Schutzfunktion.

Als Stärkungspflanze gilt er besonders für Reisende: In den Gürtel oder die Schuhe eingenäht, soll er nach den angelsächsischen und deutschen Quellen Müdigkeit und Erschöpfung fernhalten, aber auch die innere Stärke des Trägers gegen äußere Einwirkung stabilisieren. Wer stark ist, so die volkskundliche Logik, kann von Wesen, die Schwäche ausnutzen, weniger leicht angegriffen werden.

Als Räucherpflanze wirkt Beifuß durch seinen intensiven, etwas bitteren Rauch. In der Räucherüberlieferung gilt Geruch als Grenzmarker: Was stark riecht und dabei nicht angenehm, sondern herb und erdgebunden ist, verdrängt das Feine und Unsichtbare.

Beifuß-Rauch soll belastete Räume reinigen und schädigende Anhaftungen aus dem Energiefeld eines Ortes entfernen, eine Vorstellung, die sich von der europäischen Volksüberlieferung bis in ostasiatische Praxis zieht.

An Schwellen und Türen eingesetzt, übernimmt Beifuß die Funktion der Grenzpflanze: Wie Johanniskraut und Eberesche markiert er den Übergang zwischen Innen und Außen als geschützten Bereich.

Kulturübergreifende Verbreitung

Die Schutzfunktion des Beifußes ist in bemerkenswert vielen Kulturen unabhängig voneinander belegt.

In Nordwesteuropa, besonders in den britischen Inseln und Deutschland, ist Beifuß als Reiseschutz und Johannispflanze dokumentiert. Die angelsächsische Neun-Kräuter-Formel macht ihn zur Mutter aller Schutzkräuter.

In Skandinavien gehört er zu den Midsommarpflanzen, die an Türen gehängt werden.

In Osteuropa, von Polen bis in die Ukraine, ist Beifuß als Räucherpflanze und Schutzpflanze für Haus und Stall belegt.

In Japan gilt Yomogi als heilige Schutzpflanze, die bei bestimmten Festen Unheil fernhält und an Türen und Fenstern gebunden wird.

In China ist Beifuß als Aì () die zentrale Schutzbündelpflanze des Drachenbootfestes, oft zusammen mit dem schwertschwertförmigen Kalmus gebunden und über Eingänge gehängt.

Wogegen es eingesetzt wird

Nach überlieferlicher Aussage schützt Beifuß vor allem gegen:

Gegen Erschöpfung und ihre übernatürlichen Ursachen: In Überlieferungen, die Erschöpfung als das Werk von Wesen beschreiben, die dem Reisenden Kraft entziehen, gilt Beifuß als direktes Gegenmittel.

Gegen allgemeine böse Einwirkung an Schwellen: Als Schwellenpflanze an Tür und Fenster gebunden, hält Beifuß schädigende Wesen generell fern, ohne auf eine bestimmte Wesensgattung spezialisiert zu sein.

Gegen Krankheitsdämonen und böse Geister an Jahresübergängen: Besonders in ostasiatischer Überlieferung, aber auch im europäischen Johannisbrauchtum, dient Beifuß als Schutz in den gefährlichen Übergangsmomenten des Jahres.

Gegen belastete Räume und Anhaftungen: Als Räucherpflanze gilt Beifuß als geeignet, was sich in einem Raum nach Krankheit, Streit oder unklarer Belastung festgesetzt hat, zu lösen und auszutreiben.

Anwendung und Grenzen

Für Reiseschutz wird Beifuß in Gürtel oder Schuhe eingenäht. Für Schwellenschutz werden getrocknete Büschel über Türen und Fenster gehängt oder in Türrahmen geklemmt. Als Räucherpflanze wird getrockneter Beifuß auf glühenden Kohlen oder direkt als Bündel abgebrannt; der Rauch füllt den Raum und soll ihn reinigen.

Die Überlieferung empfiehlt als Sammelzeit den Johannistag oder die Midsommarnacht, zu der die Pflanze ihre höchste Kraft haben soll. Außerhalb dieser Zeit gesammelter Beifuß gilt in strenger Auslegung als schwächer, wird in der Praxis aber auch ganzjährig verwendet.

Die Schutzwirkung des Räucherns gilt als vorübergehend: Nach Räucherung eines Raums soll regelmäßig nachgeräuchert werden, wenn die Belastung andauert.

Keine medizinischen Wirkungsaussagen sind mit dieser Überlieferung verbunden.

Literatur (Auswahl)

  • Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Hrsg. von Hanns Bächtold-Stäubli und Eduard Hoffmann-Krayer. Berlin / Leipzig 1927-1942. Artikel "Beifuß".
  • Lacnunga (Neun-Kräuter-Bannformel). Angelsächsisches Manuskript, 10. Jahrhundert. Hrsg. und übersetzt von Edward Pettit, Cambridge 2001.
  • Marzell, Heinrich: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen. Leipzig 1943-1979.
  • Wolfram Eberhard: A Dictionary of Chinese Symbols. London 1986.
  • Jacob Grimm: Deutsche Mythologie. 4. Auflage, Berlin 1875-1878.

Verwandte Schlüsselbegriffe: beifuss schutz raeuchern guertelkraut mugwort.

iWell Guard und Schutztraditionen

Beifuß zeigt, dass Schutz in der Überlieferung nicht immer auf eine Bedrohung zielt, sondern auf die Stärkung der Person oder des Ortes. Dieser Gedanke, präventiven Schutz zu tragen, der die Widerstandskraft stärkt, findet seine Entsprechung im Konzept des iWell Guard, einem Schutzobjekt, das verschiedene Überlieferungsstränge der menschlichen Schutztradition aufnimmt.

Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.