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Se'irim, die Bocksdämonen der Wüste

Die Se’irim sind Dämonen der jüdischen Tradition.

Bocksgestaltige Bewohner von Wüste, Feld und Ruine.

DämonenJudentum

Inhaltsverzeichnis

Se'irim, die Bocksdämonen der Bibel
Se'irim

Die Se’irim sind haarige, ziegen- und bocksgestaltige Dämonen der Hebräischen Bibel. Sie bewohnen Wüsten, offene Felder und verödete Ruinen, den Chaosraum jenseits der menschlichen Ordnung.

Zeitweise waren sie Adressaten eines Feldkultes, den das biblische Gesetz scharf verwarf: Levitikus 17,7 verbietet, ihnen weiter Schlachtopfer darzubringen. In der Prophetie werden sie zu literarischen Chiffren für den Zusammenbruch der Zivilisation zur Wildnis.

Auf einen Blick: Se'irim

Typ: Bocksgestaltige Feld- und Wüstendämonen
Herkunft: Hebräische Bibel, verschiedene Textschichten
Texte: Heiligkeitsgesetz (Levitikus), chronistisches Werk, Jesaja 13 und 34
Zeitraum: biblische Epochen bis in die Rezeptionsgeschichte
Erscheinung: haarig, ziegen- und bocksgestaltig

Biblischer Kontext

Zeitraum der Texte

Die Belege verteilen sich über verschiedene Schichten der Hebräischen Bibel: Heiligkeitsgesetz, chronistisches Werk und Prophetie.

Verbreitungsraum

Alt-Israel und die Levante; als Wohnraum der Se’irim gelten Wüste, offenes Feld und verödete Ruinenstätten.

Quellenlage

Gut erschlossen: die biblischen Belege selbst sowie die Fachlexika, allen voran das Dictionary of Deities and Demons in the Bible.

Name und Varianten

Hebräisch: Singular sa’ir, von der Wurzel sa’ar, struppig oder behaart sein. Das Wort trägt dreifachen Sinn: das Adjektiv haarig, das Standardwort für Ziegenbock und die Bedeutung Satyr oder Bocksdämon. Diese Dreideutigkeit ist die Wurzel aller Übersetzungsprobleme.

Erscheinung und Lebensraum

Erscheinung

Die Se’irim sind ziegen- und bocksgestaltige, haarige Wesen. Sie bewohnen Wüsten, offene Felder und verödete Ruinen, den Chaosraum jenseits der Ordnung; sie rufen einander zu und tanzen. Umstritten ist, ob reale Wildziegen oder übernatürliche Wesen gemeint sind.

Wirkung

In Levitikus 17,7 und in der Chronik sind die Se’irim Adressaten kultischer Opfer, nicht bloße Tiere. In Jesaja 13 und 34 sind sie literarische Chiffren für den Zusammenbruch der Zivilisation zur Wildnis.

Steckbrief: Se'irim

Die wichtigsten Aspekte der Bocksdämonen auf einen Blick.

Tradition

Dämonen der Hebräischen Bibel mit Nachleben in Übersetzung und Rezeption, vom Feldkult bis zur Satyr-Deutung.

Bezogen auf

Den Feldkult der Landbevölkerung und die Orte des Verfalls: Wüsten, offene Felder und verödete Ruinenstätten.

Darstellung

Haarige, ziegen- und bocksgestaltige Schemen, die einander zurufen und in den Ruinen tanzen.

Funktion

Empfänger verbotener Schlachtopfer im Feldkult; prophetisch das Sinnbild der zur Wildnis zerfallenden Stadt.

Kultverbot

Levitikus 17,7 verbietet den Opferkult als ewige Satzung und brandmarkt ihn als geistlichen Ehebruch; die Chronik nennt eigene Priester Jerobeams.

Pendants

Die griechischen Satyrn und Pan als Übersetzungsangleichung; in Jesaja 34,14 stehen die Se’irim neben Lilith.

Von Levitikus bis Jesaja: die biblischen Belege

Der Singular sa’ir kommt von der Wurzel sa’ar, struppig oder behaart sein, und trägt dreifachen Sinn: haarig, Ziegenbock, Bocksdämon. Die Belege stammen aus verschiedenen Textschichten: aus dem Heiligkeitsgesetz, dem chronistischen Werk und der Prophetie.

Levitikus 17,7 verbietet, den Se’irim weiter Schlachtopfer darzubringen, denen sie nachhuren, als ewige Satzung, und brandmarkt den Kult als geistlichen Ehebruch. Die Chronik berichtet, dass Jerobeam Priester für die Höhen und die Se’irim einsetzte. In Jesaja 13 und 34 schließlich bevölkern die Se’irim die zerstörten Städte Babel und Edom: Dort, wo die Zivilisation endet, beginnt ihr Reich.

Übersetzungsgeschichte und Einordnung

Keine große Übersetzung ist in sich einheitlich: Im Kultkontext übersetzt man eher Dämon oder Teufel, im Wüstenkontext eher haarig oder Satyr. Die Septuaginta gibt Levitikus 17,7 als nichtige Dinge wieder, die King-James-Bibel setzt satyrs, Luther Feldteufel und Feldgeister.

Religionswissenschaftlich sind die Se’irim bocksgestaltige Feld- und Wüstendämonen. Drei Klarstellungen: Ihre Deutung als lüsterne griechische Satyrn ist Rezeptionsgeschichte, kein altorientalischer Befund. Das Wort ist mehrdeutig, nicht eindeutig Dämon. Und die Gleichsetzung mit Azazel ist nicht Konsens der Forschung.

Das Kultverbot und seine Folgen

Der Umgang mit den Se’irim ist in der Bibel kein Schutzritual, sondern ein Verbot: Levitikus 17,7 untersagt als ewige Satzung, ihnen Schlachtopfer darzubringen, und deutet den Feldkult als geistlichen Ehebruch. Dass die Chronik eigens berichtet, Jerobeam habe Priester für die Höhen und die Se’irim eingesetzt, zeigt, wie real dieser Kult den biblischen Autoren vor Augen stand. Die Abwehr der Bocksdämonen war damit eine Frage der Kultreinheit, nicht der Magie.

Böcke, Satyrn und Lilith: Parallelen

Die beiden Böcke des Versöhnungstages heißen ebenfalls Se’irim, was zur Gleichsetzung mit Azazel einlädt; die neuere Forschung trennt jedoch beide, da Azazel kein Opfer empfängt. Über die Ziegengestalt kam die translatorische Angleichung an die griechischen Satyrn und Pan. Und in Jesaja 34,14 stehen die Se’irim in einer Reihe mit Lilith, der bekanntesten Nachtgestalt der jüdischen Überlieferung. Eigene Artikel behandeln Ketev Meriri und Agrat bat Mahlat.

Häufige Fragen zu den Se'irim

Was sind die Se’irim?

Haarige, bocksgestaltige Wüsten- und Felddämonen der Hebräischen Bibel, die Wüsten, Felder und Ruinen bewohnen und zeitweise einen eigenen Opferkult erhielten.

Warum wurden sie als Satyrn übersetzt?

Wegen der Ziegengestalt. Diese Angleichung ist Rezeptionsgeschichte über Septuaginta und Vulgata, kein Befund der altorientalischen Quellen selbst.

Sind sie dasselbe wie Azazel?

Nein. Die neuere Forschung trennt beide, denn Azazel empfängt kein Opfer; die Namensgleichheit der Böcke des Versöhnungstages führt in die Irre.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • van der Toorn, Karel u. a. (Hg.): Dictionary of Deities and Demons in the Bible. Leiden 1999.
  • Botterweck, G. J. / Ringgren, H. / Fabry, H.-J. (Hg.): Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament. Stuttgart 1973.
  • Blair, Judit M.: De-Demonising the Old Testament. Tübingen 2009.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als biblische Wüstendämonen und Bocksdämonen zugleich markieren die Se’irim die Grenze, an der die geordnete Welt der Bibel in die Wildnis übergeht, und genau dort hat die Überlieferung sie angesiedelt.

Einordnung & Schutz

IISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe II zu – Spürbare Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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