Uni ist in der etruskischen Religion die höchste Göttin, Gemahlin Tinias und Teil der zentralen Trinität Tinia-Uni-Menrva. Sie entspricht funktional der römischen Iuno und der griechischen Hera. Diese Darstellung beschreibt ihre religionswissenschaftliche Stellung, ihre Kultorte und ihre vielfältigen Funktionen im etruskischen Pantheon.
Uni gehört zu den höchsten Göttern der etruskischen Religion. Mit Tinia und Menrva bildet sie die kapitolinische Triade, die zur staatstragenden Göttergruppe Roms wurde, als die Etrusker im 6. Jh. v. Chr. das römische Capitolium errichteten. Uni ist nicht nur Tinias Gemahlin, sondern eine eigenständige Göttin mit umfassenden Funktionen.
Larissa Bonfante (Etruscan Mythology, 2006) und Jean-Rene Jannot (Religion in Ancient Etruria, 2005) haben Uni in ihren Standardwerken systematisch behandelt. Die Forschung der letzten 30 Jahre hat ihre Stellung neu gewürdigt, jenseits einer reinen Identifikation mit der römischen Iuno.
Die Hochgöttin Uni gehört einer Religion an, die für die Religionswissenschaft deshalb so reizvoll ist, weil sie zwischen der griechisch-mediterranen und der italisch-römischen Überlieferungswelt vermittelt.
Grundlegende Beiträge zu ihrer Erforschung stammen von Massimo Pallottino, Jacques Heurgon, Sybille Haynes, Mauro Cristofani und Giovanni Colonna. Ihre Untersuchungen haben deutlich gemacht, dass die etruskische Religion eine eigenständige Tradition bildet.
Das etruskische Götterwesen war keineswegs ungeordnet: Die Theologie kannte ein abgestuftes Pantheon mit festen Rängen und klar verteilten Aufgaben, und Uni nahm darin als Hochgöttin eine herausgehobene Stellung ein. Wo ältere Arbeiten dieses System als geheimnisvoll oder wesensfremd zeichneten, erkennt man heute eine eigenständige Spielart mediterraner Religion.
Innerhalb der italischen Religionsgeschichte wirkten die Etrusker als Mittler zwischen griechischen Impulsen und der sich formenden römischen Religion. Dass etwa Uni später als Iuno in den römischen Staatskult überging, zeigt diese Vermittlerrolle, die religionswissenschaftlich besonderes Interesse verdient.
Der Name Uni ist auf zahlreichen etruskischen Inschriften belegt. Wie viele etruskische Theonyme ist seine Etymologie umstritten. Vorschläge reichen von ‚Übergeordnete‘ bis zu ‚die Eine‘. Helmut Rix‘ Editio Minor sammelt die Belege.
Beinamen Unis sind Uni Aluseti, Uni Cupra (in Picenum) und Uni Mater. Die Cupra-Verbindung ist interessant, weil sie auf einen vorrömischen italischen Göttinnentyp verweist. Auch in Latium und Umbrien wurden Göttinnen unter ähnlichen Namen verehrt, was die Verbreitung des Uni-Typus dokumentiert.
Sprachlich nimmt das Etruskische eine Sonderstellung ein: Es gilt als isoliert oder wird einer hypothetischen tyrsenischen Familie zugerechnet, zu der auch das Lemnische und das Rätische gehören könnten. An der Entzifferung der Texte arbeitet die Forschung seit dem 19. Jahrhundert, ohne dass sie abgeschlossen wäre, weshalb auch die Deutung von Namen wie Uni offenbleibt.
Die maßgebliche epigrafische Sammlung des etruskischen Sprachkorpus ist Helmut Rix‘ Editio Minor; in ihr sind auch die Belege für den Namen Uni zusammengeführt. Hinzugekommen sind inzwischen der Thesaurus Linguae Etruscae und die Online-Datenbank ETP, das Etruscan Texts Project.
Schon in der Antike gingen die Meinungen über die Herkunft der Etrusker auseinander: Herodot ließ sie aus Lydien einwandern, Dionysios von Halikarnass hielt sie für autochthone Italiker. Religionshistorisch ist das bedeutsam, weil davon abhängt, ob die etruskische Religion und damit Göttinnen wie Uni Bezüge zu kleinasiatischen Kulten haben.
Uni wird in der etruskischen Kunst als bekleidete, majestätische Frau dargestellt, oft mit Diadem, Zepter und Patera (Opferschale). Sie trägt manchmal einen Schleier. Auf etruskischen Spiegeln erscheint sie häufig in mythologischen Szenen, oft mit Beischrift ‚Uni‘.
Eine wichtige Darstellung findet sich auf den berühmten Tafeln von Pyrgi (5. Jh. v. Chr.), wo Uni in einer zweisprachigen Inschrift (etruskisch und phönizisch) mit der phönizischen Göttin Astarte gleichgesetzt wird. Diese Gleichsetzung ist ein historisch bemerkenswerter Befund.
Religionsphänomenologisch ist die etruskische Bildkunst von großem Reichtum, und sie ist zugleich die wichtigste Erkenntnisquelle, auch für die Darstellungen Unis. Spiegel, Vasen, Grabmalereien und Bronzen tragen den Großteil unseres Wissens. Larissa Bonfante hat in ihren Studien herausgestellt, dass diese Bildsprache eine eigenständige Tradition ist und nicht nur eine Ableitung griechischer Vorbilder.
Für die Religion und die Jenseitsvorstellungen der Etrusker zählt die Grabmalerei zu den erstrangigen Quellen; erhalten ist sie vor allem in Tarquinia, Cerveteri und Vulci. Dargestellt werden Gelage, mythologische Episoden sowie Tanz und Musik, und das Jenseits erscheint dabei als Fortsetzung des diesseitigen Lebens.
Die etruskische Ikonografie bevorzugt vielfigurige Kompositionen, erzählerische Anspielungen und symbolisch verdichtete Bildaussagen; auch Uni begegnet häufig in solchen Szenen. Die Untersuchung dieser Bildersprache ist Gegenstand der etruskischen Religionsikonografie.
Die Tafeln von Pyrgi (entdeckt 1964) sind eine der wichtigsten Quellen zur etruskischen Religion. Sie wurden in einem Tempel im Hafen von Pyrgi (heute Santa Severa) gefunden und stammen aus dem frühen 5. Jahrhundert v. Chr. Die Inschriften, in etruskischer und phönizischer Sprache, dokumentieren eine Stiftung des etruskischen Königs Thefarie Velianas an Uni-Astarte.
Wissenschaftlich ist dieser Befund hoechst interessant: Die Etrusker identifizierten ihre Hochgöttin mit der phönizischen Astarte (Aschtaroth). Diese interpretatio etrusca dokumentiert intensive Handelskontakte und religiösen Austausch im Mittelmeerraum. Larissa Bonfante hat die Tafeln in mehreren Arbeiten ausführlich diskutiert.
Eine ausformulierte mythische Erzählliteratur, wie sie die griechische und römische Überlieferung kennt, gibt es für die Etrusker nicht. Mythen rund um Uni müssen aus Bilddarstellungen, Inschriften und den Berichten griechischer und römischer Autoren rekonstruiert werden. Diese indirekte Quellenlage gebietet methodische Zurückhaltung.
Zwischen etruskischer und griechischer Mythologie besteht ein vielschichtiges Verhältnis. Die Etrusker übernahmen zahlreiche griechische Stoffe, darunter die Geschichten um Achilleus, Odysseus und Ödipus, deuteten sie aber oft auf eigene Weise und setzten andere Akzente. Diese schöpferische Aneignung wird in der Forschung intensiv behandelt.
Zur etruskischen Theologie gehört charakteristisch die Vorstellung eines Götterrats, des consensus deorum. Selbst der Hochgott Tinia, mit dem Uni in der kapitolinischen Triade verbunden ist, berät sich mit den übrigen Göttern, anstatt für sich allein zu handeln. Religionsphänomenologisch ist dieses Gremium eine etruskische Besonderheit.
Uni ist die Gemahlin Tinias, ebenso wie Hera die Gemahlin von Zeus und Iuno die Gemahlin von Iupiter ist. In dieser Funktion ist sie Schutzgöttin der Ehe, der Geburt und der Familie.
Sie unterscheidet sich von der griechischen Hera durch eine stärker positive Akzentuierung: Die griechische Tradition kennt Heras eifersüchtige und manchmal grausame Seite; die etruskische Tradition betont eher die schützende und segnende Seite.
Diese Differenz ist religionshistorisch aufschlussreich. Sie zeigt, dass die etruskische Theologie eigenständig war und nicht einfach ein Abbild der griechischen. Nancy Thomson de Grummond (Etruscan Myth, Sacred History, and Legend, 2006) hat diese Selbstständigkeit detailliert herausgearbeitet.
Das geordnete Wahrsagewesen der Etrusker, die Disciplina Etrusca, gliedert sich in drei Bereiche: die Eingeweideschau (haruspicina), die Blitzdeutung (fulguratio) und die Vogelschau (auspicia). Die Römer übernahmen dieses System, das bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. lebendig blieb. Ausführliche Beschreibungen liegen von Cicero und Seneca vor.
Die Disciplina Etrusca wurde an eigens dafür bestehenden Priesterschulen gelehrt. Ihr Wissen war in Büchern niedergelegt, vor allem in den Libri Rituales, den Libri Haruspicini und den Libri Fulgurales. Diese Texte sind verloren, doch lassen sie sich aus Zitaten römischer Autoren wie Cicero, Festus und Macrobius teilweise wiedergewinnen.
Der etruskische Kult war stark an die jeweilige Stadt gebunden. Jedes der bedeutenden Zentren, also Tarquinia, Caere, Vulci, Veji, Clusium, Volsinii, Cortona, Perugia, Arezzo, Volterra, Populonia und Roselle, hatte eigene Hauptkulte und religiöse Eigenarten, und entsprechend wurde auch Uni an verschiedenen Orten unterschiedlich verehrt.
Uni wurde in zahlreichen etruskischen Stadttempeln verehrt. Wichtige Kultorte waren Pyrgi (Hafen von Caere), Veji, Tarquinia und Volsinii. Der Tempel von Pyrgi war ein bedeutendes Heiligtum, das auch von phönizischen Händlern besucht wurde – daher die zweisprachigen Tafeln.
Rituale umfassten Opfer (insbesondere Kuhopfer), Gebete und Prozessionen. Frauen spielten in Uni-Ritualen eine wichtige Rolle. Anders als in vielen anderen antiken Kulturen war die Position der Frau in der etruskischen Gesellschaft auffallend stark.
Etruskische Frauen erscheinen auf Banketten neben ihren Männern und werden in Inschriften mit ihren eigenen Namen genannt – eine Praxis, die griechische und römische Beobachter befremdete. Larissa Bonfantes Etruscan Dress (1975) dokumentiert diese Verhältnisse anhand der Bilddokumentation.
Etruskische Tempel, in denen auch Uni einen Kult hatte, weisen architektonische Eigenheiten auf. Kennzeichnend ist der Tuscanus-Stil, eine eigene Säulenordnung, die Vitruv in De Architectura schildert. Die Grundrisse betonen die Cella und eine breite vordere Halle und setzen sich damit deutlich von griechischen Vorbildern ab.
Häufig waren etruskische Tempel monumental angelegt. Der Iupiter-Tempel auf dem römischen Capitolium etwa wurde von etruskischen Architekten und Künstlern errichtet, namentlich von Vulca aus Veji. Da dieser Tempel die kapitolinische Triade beherbergte, in der mit Iuno auch Uni ihren Platz hat, gilt er als architektonisches Zeugnis etruskischer Religiosität im frühen Rom.
Alljährlich kam der Zwölfstädtebund der Etrusker am Fanum Voltumnae bei Volsinii zusammen, um religiöse wie politische Fragen zu beraten. Bundesgottheit dieses Staatenbundes war Voltumna, dessen religiöse Bedeutung über die der einzelnen Stadtkulte hinausreichte.
Uni wurde in Schutzkontexten primär in Bezug auf Ehe, Geburt, Familie und Stadtschutz angerufen. Die römische Tradition hat viele dieser Funktionen unter Iuno fortgesetzt – etwa Iuno Lucina (Iuno des Lichts) als Geburtsgöttin oder Iuno Sospita als Stadtbeschützerin. Diese Funktionen sind etruskisches Erbe.
Apotropäische Praktiken im Uni-Bereich umfassen das Tragen bestimmter Amulette (Bullae für Kinder), das Aufstellen von Uni-Figuren in Hausschreinen und das Sprechen bestimmter Formeln vor Hochzeiten und Geburten. Die etruskische Bullae-Tradition ist die direkte Quelle der späteren römischen Praxis.
Im etruskischen Schutzbrauchtum finden sich viele abwehrende Zeichen: Phallusamulette, Gorgoneion-Bilder, Augensymbole, Bullae und bestimmte Schutzformeln. Die Bildsprache dieser apotropäischen Symbole hat Larissa Bonfante in ihrem ab 1980 publizierten Werk Etruscan Mirrors aufgearbeitet.
Abwehrende Symbole gehörten fest zur etruskischen Lebenswelt, darunter das Auge des Tinia, Phallusamulette und Gorgoneia. Sie schmückten Tempel und Gräber ebenso wie Hausschreine und persönlichen Besitz. Im römischen wie im mediterranen Volksglauben lebte diese Praxis fort.
Schutzhandlungen waren bei den Etruskern eng mit der Disciplina Etrusca verzahnt. Vor jedem wichtigen Vorhaben, sei es eine Stadtgründung, ein Kriegszug oder ein Hausbau, befragte man durch Wahrsagung den Götterwillen, an dem auch die Hochgöttin Uni Anteil hatte.
Uni entspricht funktional der griechischen Hera und der römischen Iuno. Die Verbindung ist typologisch und zugleich historisch – die römische Iuno-Tradition wurde direkt von der etruskischen Uni übernommen. Die Pyrgi-Tafeln dokumentieren zudem die Gleichsetzung mit der phönizischen Astarte.
Religionsvergleichend lässt sich Uni mit anderen Hochgöttinnen indogermanischer und mediterraner Traditionen verbinden: mit Inanna/Ischtar (Mesopotamien), mit Isis (Ägypten), mit Frigg (germanisch). Die Idee der höchsten weiblichen Gottheit als Ehegöttin und Stadtbeschützerin ist im antiken Mittelmeer weit verbreitet.
Durch die interpretatio Romana wurden etruskische Gottheiten mit römischen Namen belegt: Tinia erscheint als Iupiter, Uni als Iuno, Menrva als Minerva. Solche Gleichsetzungen hoben in der Regel nur Teilaspekte hervor; umfassend waren sie selten. Die Forschung der letzten fünfzig Jahre arbeitet heraus, welche etruskischen Eigenheiten Unis dabei erhalten blieben.
Vielfältige Berührungen mit anatolischen, phönizischen und vorderorientalischen Überlieferungen prägen die etruskische Religion. Gerade die Pyrgi-Tafeln, die Uni mit der phönizischen Astarte gleichsetzen, belegen den phönizischen Austausch. Diese mediterranübergreifende Vernetzung ist seit einigen Jahrzehnten ein wichtiges Forschungsfeld.
Im religionsvergleichenden Zugriff gehört der etruskische Kult zur weiteren mediterranen Religionsfamilie und steht in Verbindung mit Griechenland, Phönizien, Ägypten, Anatolien und Latium. Dass Uni auf den Pyrgi-Tafeln mit Astarte verknüpft ist, fügt sich in diese Vernetzung, die ein bedeutendes Forschungsfeld bildet.
Die Forschung zu Uni hat in den letzten 50 Jahren durch die Entdeckung neuer Inschriften (Pyrgi 1964, weitere Funde in Tarquinia und Volsinii) erheblich an Tiefe gewonnen. Wichtige Forscherinnen sind Larissa Bonfante, Nancy Thomson de Grummond, Marie-Laurence Haack und Anna Marina Moretti Sgubini.
Die Forschung diskutiert intensiv die Frage nach dem ‚eigenständigen Wesen‘ Unis jenseits der interpretatio Romana. Wo sind die Unterschiede zur römischen Iuno? Wie weit reichen die phönizischen und griechischen Einflüsse? Diese Fragen sind Gegenstand aktueller Forschung.
Die etruskische Religion und mit ihr Gestalten wie Uni werden heute international erforscht. Zu den maßgeblichen Standorten gehören die Universitäten Florenz, Rom Sapienza, Pisa, Tübingen und Princeton. Jährlich befassen sich mehrere internationale Tagungen mit Einzelfragen des Gebiets.
Internationale Forschungsvorhaben zur etruskischen Religion setzen heute auf digitale Verfahren: dreidimensionale Scans von Tempeln und Gräbern, Datenbanken für Inschriften und Bildquellen sowie GIS-gestützte Analysen der Siedlungsstruktur. Diese Methoden bringen neue Erkenntnisse, auch zur Verehrung Unis.
Der breiteren Öffentlichkeit wird die aktuelle etruskische Forschung über Ausstellungen vermittelt, unter anderem im Vatikanischen Museum, im Museo Nazionale Etrusco di Villa Giulia und im Boston Museum of Fine Arts, sowie über zahlreiche Veröffentlichungen.
Die wichtigsten Quellen zur Uni-Forschung sind die Tafeln von Pyrgi, die etruskischen Inschriften (Helmut Rix‘ Editio Minor), die etruskischen Spiegel mit Beischriften, die archäologischen Befunde aus den großen Tempeln (Pyrgi, Veji, Tarquinia, Volsinii) sowie die griechisch-römischen Sekundärquellen.
Eine vertiefte Einordnung in die etruskische Religionsgeschichte insgesamt zeigt, wie Uni im Beziehungsgefüge mit Tinia, Menrva und den anderen Atua zu verstehen ist, nicht isoliert. Diese Vernetzung ist wissenschaftlich essentiell.
Die Quellen zur etruskischen Religion sind uneinheitlich: epigrafische Zeugnisse, gesammelt in Helmut Rix‘ Editio Minor, archäologische Funde, Bildquellen und Sekundärliteratur. Wer Uni angemessen erfassen will, muss diese Vielfalt fächerübergreifend auswerten, und die jüngere Forschung verbindet Philologie, Archäologie, Religionswissenschaft und Anthropologie systematisch.
Sachgerechte Quellenkritik verlangt, dass man die etruskischen Originalzeugnisse und die griechisch-römische Sekundärüberlieferung gleichermaßen kennt. Dieser doppelte Zugang ist anspruchsvoll, für eine tragfähige historische Rekonstruktion Unis aber unverzichtbar.
Wer Uni religionshistorisch gründlich einordnen will, muss die epigrafischen, archäologischen und literarischen Quellen ebenso überblicken wie die Verfahren der modernen Religionswissenschaft. Diese vielschichtige Auseinandersetzung gilt in der Forschung als Standard.
Eine der wichtigsten Quellen für die etruskische Götterwelt ist die sogenannte Leber von Piacenza, ein bronzenes Modell einer Schafsleber, das 1877 in der Nähe von Piacenza gefunden wurde und in das 2. oder 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung datiert wird.
Die Oberfläche ist in zahlreiche Felder eingeteilt, in die etruskische Götternamen eingraviert sind. Das Objekt diente vermutlich als Lehr- oder Referenzstück für die haruspices, die etruskischen Spezialisten der Eingeweideschau.
Uni erscheint auf diesem Modell unter ihrem etruskischen Namen und nimmt damit einen festen Platz im System der Leberschau ein. Die Anordnung der Götternamen auf der Leber wird so gedeutet, dass der äußere Rand in sechzehn Felder gegliedert ist, die einer Einteilung des Himmels in sechzehn Regionen entsprechen.
Jeder Himmelsregion war eine oder mehrere Gottheiten zugeordnet. Aus der Lage von Auffälligkeiten auf der untersuchten Tierleber, etwa von Auswüchsen oder Verfärbungen, schloss der Haruspex auf den Willen der jeweils zuständigen Gottheit.
Dass Uni auf der Leber verzeichnet ist, zeigt, dass sie über Mythos und Tempelkult hinaus auch in die hochformalisierte etruskische Weissagungslehre eingebunden war. Diese disciplina etrusca wurde von den Römern hoch geschätzt und teilweise übernommen; antike Autoren berichten, dass etruskische haruspices noch in der römischen Kaiserzeit beigezogen wurden.
Die Bronzeleber ist damit ein zentrales Zeugnis dafür, wie eng bei den Etruskern Götterwelt, Ritualtechnik und Schriftkultur verbunden waren. Allerdings bleibt vieles an der genauen Funktionsweise der Leberschau unklar, da uns kein vollständiger etruskischer Lehrtext erhalten ist.
Zu den bedeutendsten Inschriftenfunden der etruskischen Religion gehören die Goldtäfelchen von Pyrgi, entdeckt 1964 im Heiligtum des Hafenortes Pyrgi, der zum Gebiet der etruskischen Stadt Caere gehörte. Es handelt sich um drei dünne Goldbleche aus dem späten 6. oder frühen 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, zwei davon in etruskischer, eines in phönizischer Sprache.
Für die Erforschung Unis sind diese Täfelchen von herausragender Bedeutung, weil die etruskischen und der phönizische Text einander inhaltlich nahestehen und damit eine zweisprachige Brücke bilden.
Im phönizischen Text ist von der Göttin Astarte die Rede, im etruskischen vom Heiligtum der Uni. Daraus wird geschlossen, dass die Etrusker Uni und die phönizisch-westsemitische Astarte in diesem Kontext gleichsetzten oder zumindest aufeinander bezogen.
Der Stifter, ein Herrscher von Caere namens Thefarie Velianas, ließ damit ein Heiligtum dokumentieren, das offenbar dem Kult einer Göttin gewidmet war, die in beiden religiösen Welten verstanden werden konnte.
Die Pyrgi-Täfelchen sind somit nicht nur ein sprachwissenschaftlicher Glücksfall, der zur Entzifferung des Etruskischen beiträgt, sondern auch ein Zeugnis für die intensive Verflechtung Etruriens mit dem Mittelmeerraum. Sie zeigen Uni als eine Gottheit, die in den Handels- und Kulturkontakten mit Phönikern und Karthagern eine Rolle spielte.
Zugleich mahnt der Fund zur Vorsicht: Eine Gleichsetzung Unis mit Astarte an einem Hafenheiligtum bedeutet nicht, dass Uni überall und immer als Astarte verstanden wurde. Religiöse Gleichsetzungen waren situationsabhängig und sagen mehr über den jeweiligen Kontext als über ein festes Wesen der Göttin aus.
Uni erscheint in den Quellen häufig im Zusammenhang mit Tinia, dem höchsten etruskischen Himmelsgott, und mit Menrva. Diese drei Gottheiten wurden von der Forschung wiederholt mit der römischen kapitolinischen Trias Jupiter, Juno und Minerva in Verbindung gebracht. Tatsächlich entspricht Uni in vielen Funktionen der römischen Juno, und die spätere interpretatio setzte beide gleich.
Bei dieser Gleichsetzung ist jedoch methodische Vorsicht geboten. Die Vorstellung einer fest gefügten Dreiergruppe als Hauptgottheiten ist im römischen Kontext gut belegt, etwa durch den Tempel auf dem Kapitol. Für die etruskische Religion ist die Frage, ob Tinia, Uni und Menrva tatsächlich eine vergleichbare, klar institutionalisierte Trias bildeten, weniger eindeutig zu beantworten.
Die Bronzeleber von Piacenza verzeichnet zahlreiche Gottheiten, ohne dass eine Dreiergruppe besonders hervorgehoben würde. Es ist möglich, dass die Vorstellung einer etruskischen Trias teilweise ein Rückschluss aus dem römischen Modell ist.
Sicher belegt ist hingegen, dass Uni eine Gottheit ersten Ranges war, die in mehreren bedeutenden etruskischen Städten Heiligtümer besaß und mit Herrschaft, Schutz der Gemeinschaft und möglicherweise mit der Königsherrschaft verbunden war.
Spiegeldarstellungen, die wichtigste Bildquelle für etruskische Mythologie, zeigen Uni in verschiedenen Szenen, etwa in einer berühmten Darstellung, in der sie den erwachsenen Hercle, das etruskische Gegenstück zu Herakles, säugt und ihn damit gleichsam adoptiert oder zur Unsterblichkeit erhebt.
Solche Bilder belegen, dass Uni über die Verehrung als abstrakte Stadtgöttin hinaus in einen lebendigen, von der griechischen Mythologie beeinflussten, aber eigenständig etruskischen Erzählzusammenhang gestellt wurde.
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Uni ist die etruskische Hochgöttin und wird in der historischen Forschung als unmittelbares Pendant zur römischen Juno und zur griechischen Hera geführt.
Die berühmten zweisprachigen Goldtafeln von Pyrgi aus dem späten sechsten Jahrhundert vor unserer Zeit gleichen Uni mit der phönizischen Astarte und belegen damit zugleich, wie selbstverständlich etruskische Theologie ihre Gestalten als Pendants zu Nachbarpantheen verstand. Im Triadenkult auf der Burg von Veji bildet Uni mit Tinia und Menrva das hohe Zentrum der Stadt.
Verwandte Schlüsselbegriffe: Uni Etrusker Hochgöttin Pyrgi Astarte Iuno Hera Tinia.
iWell Guard knüpft an die kulturhistorische Tradition tragbarer Schutzobjekte an, in der Tradition von Etruskisch und vielen anderen Kulturen weltweit. 41 Ebenen, Echtgold, Platin, Silber, gefertigt in Deutschland. 30-Tage-Rückgaberecht.
Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.
Verwandte Wesen

Die Kitsune, der japanische Fuchsgeist: Gestaltwandel, neun Schwänze, Inari-Boten, Kitsunetsuki u...

Rolling Calf, der rachsüchtige Geist Jamaikas in Kalbsgestalt. Herkunft, die glühenden Augen und ...

Der Nörgel, der kleine Berg- und Erdgeist Südtirols. Herkunft, sein ambivalentes Wesen und die re...

Kollivay Pey, der tamilische Feuermund-Dämon des Volksglaubens. Herkunft, seine nächtliche Ersche...

Der Wolpertinger: bayerisches Mischwesen aus Hase, Vogel und Rehbock, Ziel eines Jägerscherzes. H...

Oni, großwüchsige und gehörnte Unholde der japanischen Volks- und Höllentradition. Setsubun-Vertr...