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Pesta, die alte Frau mit Rechen und Besen

Pesta ist Geist der norwegischen Überlieferung.

Rechen oder Besen entscheiden über Leben und Tod.

Inhaltsverzeichnis

Pesta, Geist der germanischen Überlieferung
Pesta

Pesta ist die norwegische Verkörperung der Pest, eine aschfahle alte Frau, die von Hof zu Hof zieht und die Seuche mitbringt. Mit einem Rechen und einem Besen entscheidet sie über Leben und Tod: Der Rechen lässt einige zwischen den Zinken entkommen, der Besen fegt alle hinweg.

Ihre Gestalt ist die des Schwarzen Todes, der ab 1349 und wiederkehrend bis 1654 in Norwegen wütete. Der Maler Theodor Kittelsen machte die Figur mit seinem Werk Svartedauen von 1900 ikonisch, das bis heute das Bild der norwegischen Pest-Erinnerung prägt.

Auf einen Blick: Pesta

Typ: Weibliche Personifikation der Pest
Herkunft: Norwegische Volkssagen zum Schwarzen Tod
Texte: Sagen und Theodor Kittelsens Svartedauen
Zeitraum: Sagen zur Pestzeit, künstlerisch um 1900
Erscheinung: kleine, alte, aschgraue Frau mit Rechen und Besen

Historischer Hintergrund

Zeitraum der Texte

Norwegische Volkssagen zur Pest: Die Gestalt verdichtet die Erfahrung des Schwarzen Todes, der ab 1349 und wiederkehrend bis 1654 wütete, und wurde bei Kittelsen künstlerisch fassbar.

Verbreitungsraum

Norwegen. Pesta zieht über Land von Hof zu Hof; ihre Ankunft auf einem Hof bedeutet die Seuche.

Quellenlage

Gut: die überlieferten Sagen und Theodor Kittelsens Bildwerk Svartedauen.

Name und Varianten

Sprache: Der Name Pesta ist die weibliche Personifikation der Pest. Sie tritt in den Sagen als greifbare Gestalt des Schwarzen Todes auf, nicht als abstrakte Krankheit.

Gestalt und Wirken

Erscheinung

Pesta erscheint als kleine, alte, aschgrau-blasse Frau mit schwarzen Augen, schwarzem herabhängendem Haar und rotem oder blauem Rock. Ihre zentralen Zeichen sind Rechen und Besen.

Wirkung

Das benutzte Werkzeug entscheidet über das Schicksal eines Ortes: Der Rechen bedeutet, dass sie durchharkt und einige zwischen den Zinken entkommen, also manche überleben; der Besen bedeutet, dass sie alles wegfegt und niemand überlebt.

Steckbrief: Pesta

Die wichtigsten Aspekte der norwegischen Pest-Gestalt auf einen Blick.

Tradition

Norwegische Volkssage zum Schwarzen Tod, künstlerisch verdichtet in Theodor Kittelsens Svartedauen.

Wirkungsgegenstand

Ganze Höfe und Dörfer: Pesta bringt ein flächendeckendes Sterben, dessen Ausmaß ihr Werkzeug bestimmt.

Darstellung

Kleine aschgraue Alte mit schwarzem Haar und rotem oder blauem Rock, in der einen Hand den Rechen, in der anderen den Besen.

Funktion

Personalisierung des Massensterbens: Die Seuche wird zur handelnden Gestalt, die über Teil- oder Totalverlust eines Ortes entscheidet.

Umgang

Verhandlung und Aufschub statt Vernichtung: In der Fährmann-Sage lässt sich nur die Todesart mildern, nicht die Ankunft abwenden.

Abgrenzung

Anders als der leibhaftige Nachzehrer oder der Gjenganger ist Pesta kein aus dem Grab zurückgekehrter Toter, sondern eine Allegorie der Seuche, dem bretonischen Ankou als Todesgestalt näher.

Rechen und Besen über Leben und Tod

Pesta reist von Hof zu Hof und bringt die Seuche. In der Sage Pesta und der Fährmann lässt sie sich über einen Fluss übersetzen; der Fährmann erkennt sie zu spät und handelt einen schnellen, leichten Tod aus, weil sein Name bereits in ihrem Buch steht.

Das Bild von Rechen und Besen ist der Kern ihrer Überlieferung: Es macht das ungreifbare Sterben als Entscheidung fassbar, ob ein Ort teilweise oder vollständig ausstirbt. So verbindet die Sage die Ohnmacht vor der Seuche mit dem Wunsch nach einer Erklärung.

Rezeption und Einordnung

Pesta wurde durch Theodor Kittelsens Svartedauen von 1900 ikonisch; Kittelsen gilt als Meister des Grauens der norwegischen Kunst. Sie ist bis heute ein zentrales Bild der norwegischen Pest-Erinnerung und in Museen wie dem Nasjonalmuseet präsent.

Religionswissenschaftlich ist Pesta die Personifikation und Dämonisierung einer Naturkatastrophe als weibliche Schreckgestalt. Sie verbindet Todesfurcht mit dem Bedürfnis, das ungreifbare Massensterben zu personalisieren und erklärbar zu machen, und steht der Pestjungfrau und dem personifizierten Tod nahe, nicht dem Wiedergänger-Typus.

Abwehr der Seuche, nicht der Gestalt

In den Sagen ist Pesta kaum abwehrbar; das Motiv ist Verhandlung und Aufschub, nicht Vernichtung, denn sie ist eine Personifikation und kein exhumierbarer Leichnam. Die belegten Schutzhandlungen betreffen die allgemeine Pest-Abwehr: Weihwasser als christliches Zeichen, das Räuchern gegen die als ansteckend geltende Luft und der Klang geweihter Glocken, der in der Pestzeit als schützendes Zeichen gegen das Unheil galt.

Pestgestalten und personifizierter Tod

Pesta ist mit der mitteleuropäischen Pestjungfrau verwandt und steht dem personifizierten Tod und dem Sensenmann nahe, führt jedoch Rechen und Besen statt der Sense. Vom bretonischen Ankou, der die Seelen einsammelt, unterscheidet sie das kollektive Ziel: nicht der Einzeltod, sondern das Sterben ganzer Höfe. Von den Wiedergängern wie dem Nachzehrer und dem Gjenganger ist sie als Allegorie klar abzugrenzen.

Häufige Fragen zu Pesta

Ist Pesta ein Wiedergänger?

Nein, sie ist die Personifikation der Pest, kein aus dem Grab zurückgekehrter Toter.

Was bedeuten Rechen und Besen?

Der Rechen bedeutet, dass manche überleben; der Besen bedeutet, dass alle sterben.

Woher kommt ihr bekanntes Bild?

Vor allem aus Theodor Kittelsens Werk Svartedauen von 1900.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Kittelsen, Theodor: Svartedauen. Kristiania 1900.
  • Asbjørnsen, Peter Christen / Moe, Jørgen: Norske folkeeventyr. Christiania 1841 bis 1844.
  • Christiansen, Reidar Th.: Folktales of Norway. Chicago 1964.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als Pest-Personifikation und Pestjungfrau Norwegens macht Pesta das ungreifbare Massensterben zur handelnden Gestalt: Rechen oder Besen in ihrer Hand entscheiden, ob ein Hof teilweise verschont bleibt oder ganz erlischt.

Einordnung & Schutz

VSTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe V zu – Tiefgreifende Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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