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Drud, der bayerische Nachtmahr aus der Oberpfalz

Drud ist Dämon der alpinen Tradition.

Nächtlicher Alpdruck-Dämon, der Schlafende auf die Brust drückt.

DämonAlpenraum

Inhaltsverzeichnis

Drud - Dämonen aus der Alpin-Tradition, historisch-illustrativ
Drud

Die Drud ist eine düstere Gestalt der bayerischen Sagenwelt, die vor allem nachts ihr Unwesen treibt. Als kleine, hässliche Haus- oder Nachtmahr-Gestalt setzt sie sich Schlafenden auf die Brust, behindert das Atmen und bringt schwere Albträume.

Der Glaube an sie war in der Oberpfalz und in Altbayern so verbreitet, dass kaum ein Dorf ohne eine als Drud verrufene Frau auskam; schriftlich reich belegt ist sie im 19. Jahrhundert bei Schönwerth und Panzer.

Auf einen Blick: Drud

Typ: Nachtmahr-Dämon, der Schlafende drückt
Herkunft: Bayern, vor allem Oberpfalz und Altbayern, mit Ausläufern in Österreich
Texte: dichte volkskundliche Feldsammlungen des 19. Jahrhunderts (Schönwerth, Panzer), Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens
Zeitraum: mündlich seit dem Mittelalter, schriftlich reich belegt im 19. Jahrhundert
Erscheinung: nachts körperlos umherziehendes Wesen, das Katze, schwarzen Hund, Strohhalm oder altes Weib annehmen kann

Überlieferungskontext

Zeitraum der Texte

Mündlich seit dem Mittelalter verbreitet, schriftlich reich belegt im 19. Jahrhundert durch Franz Xaver von Schönwerth (1857/58/59) und Friedrich Panzer (1848/1855).

Verbreitungsraum

Bayern, vor allem die Oberpfalz und Altbayern, mit Ausläufern nach Österreich.

Quellenlage

Dichte volkskundliche Feldsammlungen des 19. Jahrhunderts, systematisch aufgearbeitet im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens.

Name und Varianten

Mittelhochdeutsch: Das Wort Drud geht auf trute, trut zurück, das mit dem Verb treten verwandt ist und das Bedrücken, Niedertreten des Schläfers bezeichnet.

Gestaltwandel und Wirken

Erscheinung

Wenn die Drud auszieht, legt sie nach dem Volksglauben zuvor ihren Leib ab und kann dadurch kleinste Ritzen, Schlüssellöcher oder Zuglöcher an Fenstern durchdringen. Sie nimmt dabei die unterschiedlichsten Gestalten an, etwa Strohhalm, Federkiel, Besenreiser oder Erbse, am häufigsten aber schwarze Katze, schwarzer Hund oder ein hässliches, altes Weib. Erkennbar soll eine Drud in Menschengestalt an plumpen, breiten Händen sein sowie daran, dass sich ihre Augenbrauen über der Nase berühren.

Wirkung

Die Drud gilt in der bayerischen Überlieferung als kein guter Geist: Sie verhext, was ihr nicht passt, und an dieses Wirken erinnert bis heute der Name des Drudenfußes als Abwehrzeichen. Die Drud kommt nachts zwischen etwa neun und zwölf Uhr, stets vor Mondaufgang, und drückt, einmal begonnen, gewöhnlich neun Nächte hintereinander. Besonders gerne sucht sie Wöchnerinnen heim, die nicht in einem Himmelbett mit geschlossenem Vorhang liegen, sowie Neugeborene, an deren Brüstchen sie saugt, bis diese anschwellen.

Steckbrief: Drud

Die wichtigsten Aspekte des bayerischen Nachtmahrs auf einen Blick.

Tradition

Bayerisch-alpiner Nachtmahr, in der Oberpfalz eng mit dem Hexenglauben verschmolzen und dicht durch Schönwerth und Panzer dokumentiert.

Bezogen auf

Schlafende aller Art, besonders Wöchnerinnen und Säuglinge; ersatzweise auch Hühner, Schafe und Gänse im Stall.

Darstellung

Meist schwarze Katze, schwarzer Hund oder hässliches altes Weib mit plumpen Händen und zusammengewachsenen Augenbrauen.

Funktion

Nächtliches Bedrücken und Atemnot, in der Oberpfalz zugleich Erklärungsmuster für erlittenes Hexenunheil.

Abwehrformen

Der Drudenfuß an der Türschwelle, ein umgekehrter Besen, ein Messer in der Tür sowie Salz, Knoblauch und Amulette.

Abgrenzung

Der überregionale Alp als weiter verbreiteter Name derselben Nachtmahr-Vorstellung; davon unterscheidet sich die Drud durch ihre bayerische Verwurzelung und die Nähe zum Hexenglauben.

Vom Taufversehen zur Hexenverschmelzung

Das Wort Drud geht auf mittelhochdeutsch trute, trut zurück, das mit dem Verb treten verwandt ist und das Bedrücken, Niedertreten des Schläfers bezeichnet. Nach dem Volksglauben der Oberpfalz, wie ihn Franz Xaver von Schönwerth in seiner Sammlung Aus der Oberpfalz festhielt, sind Druden eigentlich Menschen, bei deren Taufe ein Fehler unterlaufen ist; die Betroffenen müssen in der Folge, oft gegen den eigenen Willen, nachts lebende Wesen drücken. Schönwerth notiert, dass um Roding alte, dürre Frauen mit zerzaustem Haar als Druden galten und sich dort der Begriff der Drud mit dem der Hexe vermischte.

Auch Männer konnten als sogenannte Druderer gelten, die zusätzlich als Breitensteiger auf Dächern und Wänden umherklettern konnten. Friedrich Panzer sammelte in seinem Werk Bayerische Sagen und Bräuche zahlreiche verwandte Belege aus ganz Altbayern. Das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens ordnet die Drud in die weiter verbreitete Vorstellung des Alpdrucks ein, die im Schwäbisch-Alemannischen als Schrättele erscheint; regional wird die Drud auch als eigenständige Nachtmahr-Gestalt neben, nicht anstelle des Alp verstanden.

Drudenfuß als eigenständiges Symbol

Der Drudenfuß als Schutzzeichen der Drud hat sich als eigenständiges Symbol von seiner Ursprungsgestalt weitgehend gelöst und wird bis heute als Synonym für das Pentagramm verwendet, unabhängig vom bayerischen Sagenkreis. Die Drud selbst blieb regional stärker verwurzelt als der Alp und lebt in bairischen Mundartbezeichnungen wie druckt mi wie a Drud fort, mit denen ein beklemmendes Gefühl beschrieben wird.

Religionswissenschaftlich gehört die Drud zu den Erklärungsmustern, mit denen vormoderne Gesellschaften das körperlich reale, aber unheimliche Phänomen der Schlaflähmung deuteten. Die enge Verzahnung mit dem Hexenglauben, sichtbar an der Gleichsetzung von Drud und Hexe in Teilen der Oberpfalz, zeigt, wie aus einer ursprünglich schicksalhaften Randfigur, die selbst Opfer eines Taufversehens ist, im Zuge der frühneuzeitlichen Verfolgungen eine schuldhaft handelnde Täterin werden konnte. Die reiche Sammlung konkreter Abwehrpraktiken, vom Drudenfuß bis zum Brotlaib, macht die Drud zu einem der am besten dokumentierten Beispiele alltäglicher Apotropäik im bayerischen Raum.

Drudenfuß, Brotlaib und weitere Abwehrmittel

Gegen das Drücken der Drud kannte der Volksglaube zahlreiche Mittel. Als wichtigstes und bis heute bekanntestes Zeichen galt der Drudenfuß, ein Pentagramm, das an die Tür oder Türschwelle gezeichnet wurde und der Drud angeblich den Eintritt verwehrte, da sie gezwungen sei, alle seine Linien nachzuzählen; ebenso verbreitet war das verwandte Drudenkreuz. Auch ein umgekehrt an die Stubentür gelehnter Besen, ein mit der Schneide nach oben in die Tür gestecktes Messer oder ein auf das Gesicht gelegter Brotlaib sollten die Drud abhalten. Weitere überlieferte Mittel sind Weihrauch, Gebete, Salz, Knoblauch, ein getragener Schutzstein oder Amulett, das Besprechen der Beschwerden sowie die Anrufung des Schutzengels. Als tragbares Amulett dienten zudem sogenannte Drudensteine, Kieselsteine mit einem natürlichen Loch, die man ans Bett oder an den Stall hängte.

Nachtmahr-Gestalten im Vergleich

Die Drud gehört zur weitverbreiteten Familie der Nachtmahr-Dämonen, die das Phänomen der Schlaflähmung volkstümlich erklären. Im schwäbisch-alemannischen Raum entspricht ihr das Toggeli, verwandt mit dem in Bayern und Österreich zugleich bekannten Alp, der ebenfalls nachts auf der Brust Schlafender sitzt. Im nordischen und slawischen Raum tritt eine strukturell ähnliche Gestalt als Mara auf, von der sich auch der englische Begriff nightmare herleitet. Der Schrat teilt mit der Drud die Fähigkeit zur Gestaltwandlung und die nächtliche Aktivität, tritt aber eher als Wald- und Hausgeist denn als reiner Nachtmahr auf. Anders als das Toggeli ist die Drud primär bayerisch verwurzelt und eng mit dem Hexenglauben der Oberpfalz verschmolzen.

Häufige Fragen zur Drud

Was ist der Unterschied zwischen Drud und Alp?

Beide beschreiben denselben Grundvorgang, das nächtliche Bedrücken Schlafender, doch die Drud ist regional stärker in Bayern und Österreich verwurzelt und dort oft mit dem Hexenglauben verschmolzen. Der Alp gilt als der weiter verbreitete, überregionale Name für dieselbe Nachtmahr-Vorstellung.

Warum gilt der Drudenfuß als Schutzzeichen?

Nach dem Volksglauben muss die Drud, sobald sie ein Pentagramm erblickt, dessen Linien zwanghaft nachzählen und findet dabei kein Ende, wodurch sie am Eintreten gehindert wird. Das Zeichen wurde deshalb an Türen, Ställen und Wiegen angebracht.

Kann man selbst zur Drud werden?

Nach dem Glauben der Oberpfalz wurde niemand aus eigener Schuld zur Drud, sondern durch ein Versehen bei der Taufe oder durch fremde Bosheit. Die Überlieferung kannte deshalb auch Wege, jemanden wieder von diesem Bann zu lösen.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Schönwerth, Franz Xaver von: Aus der Oberpfalz. Sitten und Sagen, Band 1, Kapitel „Die Drud“. Augsburg 1857/58/59.
  • Panzer, Friedrich: Bayerische Sagen und Bräuche. Beitrag zur deutschen Mythologie, 2 Bände. München 1848/1855.
  • Bächtold-Stäubli, Hanns / Hoffmann-Krayer, Eduard (Hg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Artikel „Drude“. Berlin/Leipzig 1927–1942.
  • Petzoldt, Leander: Kleines Lexikon der Dämonen und Elementargeister. München 1990.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als Drud Bayern durchzieht sie bis heute die bairische Mundart, und der Drudenfuß Schutz an Türschwellen und Wiegen erinnert daran, wie konkret man sich einst gegen ihr nächtliches Drücken zu wehren wusste.

Einordnung & Schutz

IVSTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe IV zu – Schwere Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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