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Bael, Erster König der Goetia

Bael ist der erste der zweiundsiebzig Geister der Ars Goetia, eines Buchs aus dem Lemegeton, das im 17. Jahrhundert fassbar wird und im 19. Jahrhundert durch S. L. MacGregor Mathers neu übersetzt wurde.

Innerhalb der dämonischen Hierarchie steht Bael als König an der Spitze des Verzeichnisses und befehligt sechsundsechzig Legionen. Sein Name verweist auf den semitischen Gott Baal, einen einstigen Hochgott des syrisch-kanaanäischen Raums, der durch christliche Dämonologie in das Register der gefallenen Geister verschoben wurde. Bael zählt als Erster König zu jenen Wesen, die die Tradition als 72 Goetia-Geister zusammenfasst.

Inhaltsverzeichnis

Bael, Dämon der christlich-okkultistischen Goetia-Tradition

Bael

Bael ist der erste der zweiundsiebzig Geister der Ars Goetia, eines Buchs aus dem Lemegeton, das im 17. Jahrhundert fassbar wird und im 19. Jahrhundert durch S. L. MacGregor Mathers neu übersetzt wurde.

Innerhalb der dämonischen Hierarchie steht Bael als König an der Spitze des Verzeichnisses und befehligt sechsundsechzig Legionen. Sein Name verweist auf den semitischen Gott Baal, einen einstigen Hochgott des syrisch-kanaanäischen Raums, der durch christliche Dämonologie in das Register der gefallenen Geister verschoben wurde.

Schnellüberblick: Bael

Typ: Dämon, König der Ars Goetia
Herkunft: Westsemitischer Raum, abgeleitet vom Götternamen Baal
Rang: Erster der 72 Geister, König über 66 Legionen
Quellen: Pseudomonarchia Daemonum (1577), Ars Goetia, Dictionnaire infernal
Verwandt: Beelzebub, Paimon, Belial, Asmodai

Einordnung

Zeitraum der Texte

Die maßgeblichen Quellen stammen aus der frühen Neuzeit. Die Pseudomonarchia Daemonum erschien 1577 als Anhang zu Johann Weyers Werk De praestigiis daemonum. Die handschriftliche Überlieferung des Lemegeton wird erst im 17. Jahrhundert greifbar, seine Quellen reichen jedoch teils weiter zurück.

Das Dictionnaire infernal von Collin de Plancy erschien 1818, die einflussreiche illustrierte Ausgabe folgte 1863. Der religionsgeschichtliche Hintergrund des Namens reicht bis in das zweite vorchristliche Jahrtausend zurück.

Verbreitungsraum

Der Name Bael verweist auf den westsemitischen Raum, also Syrien, Phönizien und das alte Israel, wo der Göttername Baal verbreitet war. Die dämonologische Figur Bael ist dagegen ein Produkt der westeuropäischen Grimoire-Tradition und vor allem in Frankreich, England und dem deutschsprachigen Raum überliefert. Über die englische Goetia-Edition von 1904 erreichte die Figur ein internationales Publikum.

Quellenlage

Die zentralen Texte sind die Pseudomonarchia Daemonum von Johann Weyer, die Ars Goetia als erstes Buch des Lemegeton und das Dictionnaire infernal. Weyer übernahm eine ältere Liste und ordnete sie neu.

Ob die Goetia-Liste auf einen einheitlichen historischen Kern zurückgeht oder aus mehreren Quellen kompiliert wurde, ist in der Forschung offen. Joseph Peterson, Herausgeber einer kommentierten Edition, neigt der Kompilationsthese zu und verweist auf ältere arabische und jüdische Geister-Listen.

Name

Der Name Bael ist eine der vielen Schreibvarianten des semitischen Wortes baʿal, das schlicht Herr oder Eigentümer bedeutet. Im westsemitischen Raum war Baʿal kein Eigenname, sondern ein Titel, der verschiedenen lokalen Gottheiten zukam.

Am bekanntesten ist der ugaritische Wettergott Baʿal, dessen Mythen die Tontafeln von Ras Schamra überliefern. Daneben gab es den Baʿal von Tyros, den Baʿal-Hammon Karthagos und zahlreiche Ortsgottheiten, die jeweils als Herr ihres Kultortes galten.

In der Grimoire-Tradition begegnet die Figur als Bael, in der Populärkultur auch als Baal oder Bhaal. Eine eng verwandte Zwischenstufe ist Beelzebub, dessen Name als baʿal zəbûb, Herr der Fliegen, im zweiten Königebuch erscheint. Diese Schreibvarianten verschleiern, dass sich hinter ihnen mehrere getrennte Überlieferungsstränge verbergen: der antike Wettergott, die biblische Polemik und der frühneuzeitliche Höllenfürst.

Beschreibung

Die ikonographische Tradition Baels ist auffällig. Nach der Ars Goetia erscheint er mit drei Köpfen, in einer Variante mit einem Krötenkopf, einem Menschenkopf und einem Katzenkopf, getragen von Spinnenbeinen. Daneben gibt es Darstellungen mit zwei Tierköpfen statt drei. Der Lemegeton-Text spricht von einer rauen, heiseren Stimme.

Die Fähigkeit, die ihm die Texte zuschreiben, ist die der Unsichtbarkeit, die er dem Beschwörer verleihen könne, dazu Listigkeit. Die Tier-Mensch-Hybridform ist im westeuropäischen Grimoire-Material nicht ungewöhnlich, doch die Kombination Mensch-Katze-Kröte ist auf Bael beschränkt. Geprägt wurde sie ikonographisch von Collin de Plancy in der illustrierten Ausgabe des Dictionnaire infernal von 1863.

Diese Illustration bestimmt bis heute die populäre Vorstellung von Bael. Ältere Quellen wie der Munich Handbook of Necromancy aus dem 15. Jahrhundert bieten keine Bilder und überliefern die Beschreibung nur in Worten. Die Krötenkopf-Ikonographie hat mit dem historischen Wettergott Baal nichts zu tun, sondern ist ein eigenständiges Produkt der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Vorstellungswelt.

Steckbrief: Bael

Die folgenden Felder fassen die wichtigsten Angaben der Quellen zu Bael zusammen.

Herkunft

Der Name leitet sich vom semitischen Baal ab, einem der wichtigsten Götternamen des syrisch-kanaanäischen Raums. Baal bedeutet Herr und bezeichnete sowohl Hadad, den Sturm- und Wettergott, als auch lokale Schutzgottheiten. Die christliche Dämonologie verschob diesen ehemaligen Hochgott in das Register der gefallenen Geister. Von einer Sturm- oder Fruchtbarkeitsfunktion ist im Lemegeton nichts mehr erkennbar.

Rang und Funktion

Bael ist König und steht an erster Stelle des Goetia-Verzeichnisses. Ihm unterstehen sechsundsechzig Legionen. Nach der Pseudomonarchia Daemonum herrscht er über den östlichen Teil des höllischen Reiches. Der König steht in der Goetia-Hierarchie über den Herzögen, Markgrafen, Grafen, Präsidenten und Rittern, die im weiteren Verlauf folgen.

Erscheinung

Bael erscheint nach der Ars Goetia mit drei Köpfen, einem Krötenkopf, einem Menschenkopf und einem Katzenkopf, getragen von Spinnenbeinen. Seine Stimme wird als rau und heiser beschrieben. Es gibt auch Darstellungen mit zwei statt drei Köpfen. Die heute geläufige Abbildung geht auf das Dictionnaire infernal von 1863 zurück.

Rituelle Anrufung

Im rituellen Kontext der Goetia wird Bael unter Beachtung astrologischer Korrespondenzen angerufen, üblicherweise mit Bezug zur Sonne und zum Element Feuer. Die Anrufung folgt den Vorgaben der salomonischen Texte. iWell Guard folgt der religionswissenschaftlichen Beschreibung und enthält sich einer Anleitung zur Beschwörung.

Sigill und Symbole

Bael ist im Lemegeton mit einem Sigill versehen, einer geometrischen Zeichnung aus Linien und Kreisen, die in modernen Grimoire-Editionen reproduziert wird. Das Sigill dient als Anker der Anrufung und wird in der zeremoniellen Magie traditionell auf Pergament oder Metall ausgeführt. Aleister Crowleys Edition von 1904 überführte das Sigill in eine modern-okkulte Lesart.

Verwandte Geister

Innerhalb des Lemegeton eröffnet Bael eine Reihe von Königen, zu denen Paimon als neunter Geist, Asmodai als zweiunddreißigster Geist und Belial als achtundsechzigster Geist gehören. Eng verwandt ist auch Beelzebub, der wie Bael auf den Götternamen Baal zurückgeht. Die Unterschiede zwischen den Königen sind im Originaltext gering.

Rezeption und Wirkungsgeschichte

Wichtig für die Einordnung ist, dass Johann Weyer kein Beschwörungsbuch schreiben wollte. Er war Arzt und Schüler des Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim und verfolgte ein aufklärerisches Ziel: Er wollte zeigen, wie absurd und widersprüchlich die Vorstellungen der Magier seien, um der Hexenverfolgung den Boden zu entziehen.

Dass sein Katalog später als praktische Anleitung gelesen wurde, lief seiner Absicht zuwider. Owen Davies hat diesen Umschlag von der Polemik zur Gebrauchsanweisung als typisch für die Wirkungsgeschichte solcher Texte herausgearbeitet.

Mit der Wiederentdeckung der Grimoires durch die okkulten Strömungen des 19. Jahrhunderts kehrte Bael in die populäre Vorstellung zurück. Eine Schlüsselrolle spielte Samuel Liddell MacGregor Mathers, der 1904 eine englische Edition des Lemegeton unter dem Titel The Goetia herausgab, an der auch Aleister Crowley beteiligt war.

Diese Ausgabe machte den Katalog der 72 Geister einem breiteren Publikum zugänglich und wurde zur Grundlage fast aller späteren Bezugnahmen. Crowley deutete die Geister als Aspekte des eigenen Bewusstseins, eine psychologisierende Lesart, die sich grundlegend von der älteren zeremoniellen Tradition unterscheidet.

In Fantasyliteratur, Rollenspielen und Computerspielen taucht der Name in zahllosen Schreibvarianten auf, oft als Baal oder Bhaal.

Dabei verschwimmen regelmäßig zwei getrennte Überlieferungsstränge: der antike Wettergott und der Grimoire-Dämon. Diese Vermischung ist kein Überlieferungsfehler, sondern ein typischer Vorgang populärkultureller Aneignung, bei dem ein klangvoller Name von seinen historischen Bedeutungen gelöst wird. Schon John Miltons Paradise Lost führt Baal als gefallenen Engel ein, allerdings ohne den Drei-Köpfe-Aspekt.

Bael, Parallelen in anderen Kulturen

In der vergleichenden Religionswissenschaft wird Bael mit Sturm- und Königsgottheiten verwandter Kulturen verglichen, etwa dem mesopotamischen Adad, dem hethitischen Tarhuns oder dem ugaritischen Baal-Hadad. Diese Vergleiche zielen nicht auf historische Filiation, sondern auf typologische Verwandtschaft. Die religionshistorische Linie ist hier deutlicher als bei anderen Goetia-Geistern, da der Name selbst die Verbindung zum westsemitischen Pantheon herstellt.

Der Bael der Goetia ist ein Beispiel für die Umwertung antiker Götter durch das Christentum, einen Prozess, den die Religionswissenschaft als interpretatio diabolica bezeichnet. Der Kirchenvater Augustinus formulierte das Prinzip, die Götter der Heiden seien Dämonen.

Auf diesem Weg wanderte der ehemalige Hochgott in die christliche Dämonologie. Wer Bael studieren will, sollte deshalb die Schichten trennen: den kanaanäischen Wettergott, die biblische Polemik und den frühneuzeitlichen Höllenfürsten.

Weiterführende Verlinkungen

Literatur (Auswahl)

  • Joseph H. Peterson (Hg.): The Lesser Key of Solomon, Weiser 2001.
  • Mark S. Smith: The Early History of God. Yahweh and the Other Deities in Ancient Israel, Eerdmans 2002.
  • Wolfgang Behringer: Hexen. Glaube, Verfolgung, Vermarktung, München 2005.
  • Henk Vreekamp: The Land of Baal, Eerdmans 2014.

Die hier beschriebene Schutzpraxis ist wissenschaftliche Einordnung historischer Traditionen. iWell Guard knüpft an diese kulturhistorische Linie tragbarer Schutzobjekte an und stellt eine zeitgenössische Form davon dar. Mehr über den iWell Guard →

Häufige Fragen zu Bael

Wer ist Bael?

Bael ist der erste der zweiundsiebzig Geister der Ars Goetia, des ersten Buchs des Lemegeton. In der dämonischen Hierarchie steht er als König an der Spitze des Verzeichnisses und befehligt sechsundsechzig Legionen. Sein Name verweist auf den semitischen Gott Baal, einen einstigen Hochgott des syrisch-kanaanäischen Raums. Dieser wurde durch die christliche Dämonologie in das Register der gefallenen Geister verschoben.

Woher stammt der Name Bael?

Der Name Bael ist eine Schreibvariante des westsemitischen Wortes baʿal, das schlicht Herr oder Eigentümer bedeutet. Im westsemitischen Raum war Baʿal kein Eigenname, sondern ein Titel, der verschiedenen lokalen Gottheiten zukam, etwa dem ugaritischen Wettergott oder dem Baʿal von Tyros. Hinter den Schreibvarianten verbergen sich mehrere getrennte Überlieferungsstränge. Dazu zählen der antike Wettergott, die biblische Polemik und der frühneuzeitliche Höllenfürst.

Wie wird Bael in den Quellen beschrieben?

Nach der Ars Goetia erscheint Bael mit drei Köpfen, in einer Variante mit einem Krötenkopf, einem Menschenkopf und einem Katzenkopf, getragen von Spinnenbeinen. Daneben gibt es Darstellungen mit zwei Tierköpfen statt drei. Der Lemegeton-Text spricht von einer rauen, heiseren Stimme. Die Texte schreiben ihm die Fähigkeit zu, dem Beschwörer Unsichtbarkeit zu verleihen. Geprägt wurde die heute geläufige Ikonographie von Collin de Plancy in der illustrierten Ausgabe des Dictionnaire infernal von 1863.

Welche Quellen überliefern Bael?

Die zentralen Texte sind die Pseudomonarchia Daemonum von Johann Weyer aus dem Jahr 1577, die Ars Goetia als erstes Buch des Lemegeton und das Dictionnaire infernal von Collin de Plancy. Weyer übernahm eine ältere Liste und ordnete sie neu, verfolgte mit seinem Werk jedoch ein aufklärerisches Ziel und keine Beschwörungsanleitung. Über die englische Goetia-Edition von 1904, an der Samuel Liddell MacGregor Mathers und Aleister Crowley beteiligt waren, erreichte die Figur ein internationales Publikum.

Einordnung & Schutz

IVSTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe IV zu – Schwere Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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