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Paimon, neunter König der Goetia

Paimon zählt zu den prominentesten Geister-Königen der Ars Goetia und ist im Lemegeton, dem Kleinen Schlüssel Salomos, als neunter Geist verzeichnet. Mit zweihundert Legionen ist seine Befehlsgewalt eine der größten innerhalb des Korpus.

Die Goetia-Tradition betont seinen königlichen Rang ebenso wie seine Aufgabe, Künste, Wissenschaften und verborgene Geheimnisse zu lehren. Historisch ist Paimon kein gewachsener Mythos, sondern ein Eintrag in einem systematischen magischen Handbuch der frühen Neuzeit. Als Lehrer der Künste und Wissenschaften nimmt Paimon unter den Goetia-Königen eine eigene Rolle ein.

Inhaltsverzeichnis

Paimon, Dämon der christlich-okkultistischen Goetia-Tradition

Paimon

Paimon zählt zu den prominentesten Geister-Königen der Ars Goetia und ist im Lemegeton, dem Kleinen Schlüssel Salomos, als neunter Geist verzeichnet. Mit zweihundert Legionen ist seine Befehlsgewalt eine der größten innerhalb des Korpus.

Die Goetia-Tradition betont seinen königlichen Rang ebenso wie seine Aufgabe, Künste, Wissenschaften und verborgene Geheimnisse zu lehren. Historisch ist Paimon kein gewachsener Mythos, sondern ein Eintrag in einem systematischen magischen Handbuch der frühen Neuzeit.

Schnellüberblick: Paimon

Typ: Dämon, Geister-König der Ars Goetia
Herkunft: Frühneuzeitliche gelehrte Dämonologie, westeuropäische ceremoniale Magie
Rang: Neunter Geist der Goetia, König mit zweihundert Legionen
Quellen: Pseudomonarchia Daemonum (1577), Lemegeton, Crowley-Edition (1904)
Verwandt: Goetia-Könige Bael, Beleth, Asmodai, Belial

Einordnung

Zeitraum der Texte

Paimon gehört zur gelehrten Dämonologie der frühen Neuzeit. Der älteste gesicherte Beleg ist die Pseudomonarchia Daemonum von 1577, ein Dämonenverzeichnis des Arztes Johann Weyer.

Die Ars Goetia, der erste Teil des Lemegeton, ist in Handschriften des 17. Jahrhunderts greifbar und geht ihrerseits auf ältere Vorlagen zurück. Die Figur hat damit keine antiken oder mittelalterlichen volksreligiösen Wurzeln, sondern entsteht als Eintrag in einer Buchmagie-Tradition des 16. und 17. Jahrhunderts.

Verbreitungsraum

Paimon ist in der westeuropäischen ceremonialen Magie verankert, die in der jüdisch-christlich-muslimischen Dämonologie wurzelt. Die Listentradition zirkulierte zunächst in lateinischen und englischen Handschriften.

Über die okkultistischen Editionen von Samuel Liddell MacGregor Mathers und Aleister Crowley um 1900 gelangte die Figur in die moderne westliche Esoterik und von dort über die Populärkultur in einen breiten internationalen Rezeptionsraum.

Quellenlage

Die Quellen sind durchgehend literarisch und gut dokumentiert, aber sie beschreiben keine empirische Wesenheit. Weyers Liste von 1577, die Lemegeton-Handschriften und die kritischen Editionen von Joseph Peterson sowie Stephen Skinner und David Rankine bilden den Kern.

Wer Paimon historisch verstehen will, muss bei der Geschichte der frühneuzeitlichen Magiehandbücher ansetzen, nicht bei einem Mythos. Eine durchgehende Verbindung zu einer lebendigen Religion besteht nicht.

Name

Der Name Paimon erscheint in den dämonologischen Listen der frühen Neuzeit relativ stabil, mit Nebenformen wie Paymon und Paimonia. Innerhalb der Listentradition ist er fest verankert. Seine Etymologie ist ungeklärt, und seriöse Forschung kann hier nur Möglichkeiten benennen.

Eine verbreitete Vermutung verbindet den Namen mit der hebräischen Wurzel p-‚-m, die mit klingeln, läuten oder Geräusch machen zu tun hat. Das würde gut zu der auffälligen Beschreibung passen, nach der Paimon stets von lautem Schall, Trompeten und Zimbeln begleitet wird.

Ältere esoterische Literatur hat gelegentlich versucht, Paimon mit Gottheiten älterer Pantheons zu verknüpfen, etwa mit kanaanäischen oder mesopotamischen Figuren, vereinzelt auch mit dem altägyptischen Amon. Solche Gleichsetzungen sind methodisch heikel. Die Goetia-Tradition hat zwar an einigen Stellen nachweislich Namen alter Gottheiten zu Dämonen herabgestuft, ein bekanntes Muster der monotheistischen Polemik.

Ob das auch bei Paimon der Fall ist, lässt sich mangels eindeutiger Belege nicht beweisen. Der Name ist alt belegt, seine Herkunft unsicher, seine konkrete Ausgestaltung ein Produkt der frühneuzeitlichen Buchmagie.

Beschreibung

Der Lemegeton-Text beschreibt Paimon als Mann mit weichen, beinahe weiblichen Zügen, der auf einem Dromedar reitet und eine Krone aus Edelsteinen trägt. Vor ihm her schreiten zwei Geister-Begleiter, von denen einer Trompete und der andere Schalmei oder Hornpfeife bläst, je nach Manuskript.

Der Klang ist laut und feierlich. Paimon spricht mit gewaltiger Stimme, die der Magier zunächst nur schwer verstehen kann, weshalb dieser ihn auffordern muss, klar zu sprechen.

Diese Schilderung gehört zu den ausführlichsten innerhalb der Goetia und unterscheidet sich von der knappen Sigill-Notiz vieler anderer Geister.

Die Goetia weist Paimon einen breiten Wirkungsbereich zu: Er lehrt alle Künste und Wissenschaften, kennt die Geheimnisse der Erde und die Beschaffenheit der Wasser, kann verborgene Schätze offenbaren und gibt zuverlässige Antworten zu philosophischen und göttlichen Fragen. Außerdem verschaffe er Würden und mache Menschen gefügig.

Diese Fülle an Kompetenzen unterscheidet ihn von spezialisierten Geistern wie Andras, dem 63. Geist, dessen Funktion die Stiftung von Zwist ist.

Die universelle Lehrkompetenz machte Paimon in der ceremonialen Magie der Renaissance und der frühen Neuzeit zu einer bevorzugten Anrufungsfigur für Wissensgewinn. Die Beschreibung folgt dem festen Schema der Ars Goetia, in dem jeder Geist mit Rang, Aussehen, Fähigkeiten und Legionenzahl katalogisiert wird.

Steckbrief: Paimon

Die folgenden Punkte fassen die zentralen Angaben der Goetia-Tradition zu Paimon zusammen.

Herkunft

Paimon ist eine Gestalt der frühneuzeitlichen gelehrten Dämonologie. Der älteste Beleg ist Johann Weyers Pseudomonarchia Daemonum von 1577. Die Ars Goetia übernahm Weyers Material, ordnete es um und versah es mit einem ausführlicheren rituellen Rahmen. Eine antike oder volksreligiöse Vorgeschichte besteht nicht.

Rang und Funktion

In der Ars Goetia wird Paimon als König geführt, in vielen Listen an neunter Stelle. Ihm sind zweihundert Legionen unterstellt, womit seine Befehlsgewalt zu den größten des Korpus zählt. Er gilt als einer der gehorsamsten Geister gegenüber Luzifer. Seine Funktion ist die Lehre der Künste und Wissenschaften.

Erscheinung

Paimon erscheint als gekrönter Mann mit weiblich wirkendem Gesicht, der auf einem Dromedar reitet. Ein lärmender Zug mit Trompeten und weiteren Instrumenten geht ihm voraus. Seine Stimme ist mächtig und zunächst schwer zu verstehen. Diese bildhafte Geschlossenheit hebt ihn von vielen anderen Goetia-Geistern ab.

Rituelle Anrufung

In der älteren ceremonialen Tradition wird Paimon mit Anrufungen aus dem Westen geladen, geregelt über die Himmelsrichtungswachen einer goetischen Beschwörung. Als Königs-Geist erfordert er besonders sorgfältige Vorbereitung. iWell Guard folgt der religionswissenschaftlichen Beschreibung und gibt keine Anrufungsanleitung, sondern dokumentiert die historischen Korrespondenzen.

Sigill und Symbole

Das Paimon-Sigill der Goetia zeigt eine charakteristische Komposition aus Linien, Kreuzen und einem zentralen Kreis. Astrologische Korrespondenzen ordnen Paimon den westlichen Himmelsrichtungen zu, das Element ist Wasser. Aleister Crowleys Edition von 1904 machte das Sigill prominent zugänglich.

Verwandte Geister

Paimon gehört zur Gruppe der goetischen Königs-Geister, neben Bael, Beleth, Purson, Asmodai, Vine, Balam, Belial und Zagan. Mit ihm werden in den Quellen weitere Geister genannt, die unter seinem Kommando stehen. Das Königs-Motiv signalisiert hohe Würde und eine weite Wirkungssphäre.

Rezeption und Wirkungsgeschichte

Die unmittelbare Vorgeschichte der Ars Goetia ist Weyers Pseudomonarchia Daemonum von 1577. Dort erscheint Paimon bereits mit den wesentlichen Zügen: als großer und gehorsamer König, der auf einem Tier reitet, von Musik begleitet wird, Wissenschaften lehrt und Menschen unterwirft.

Weyer war kein Befürworter der Magie, sondern ein scharfer Kritiker der Hexenverfolgung. Er veröffentlichte die Liste, um den Aberglauben der Lächerlichkeit preiszugeben. Dass ausgerechnet dieser kritische Anhang zur Hauptquelle einer ganzen späteren magischen Tradition wurde, ist eine Ironie der Überlieferungsgeschichte.

Im 19. und 20. Jahrhundert erlebte die Goetia eine Neubelebung. Samuel Liddell MacGregor Mathers gab Ende des 19. Jahrhunderts eine englische Edition heraus, die Aleister Crowley 1904 mit eigenem Vorwort herausbrachte.

Über diese Editionen, später ergänzt durch Joseph Peterson, Stephen Skinner und David Rankine, wurde Paimon in die moderne westliche Esoterik eingespeist und gilt dort weiterhin als einer der Goetia-Könige.

Breite öffentliche Bekanntheit erreichte der Name erst durch die Populärkultur, insbesondere durch Ari Asters Horrorfilm Hereditary von 2018, in dem Paimon als zentrale dämonische Gestalt erscheint.

Die filmische Darstellung greift Versatzstücke der Lemegeton-Beschreibung auf, ist aber eine freie, dramaturgisch motivierte Erfindung. Für eine seriöse Einordnung sollte man drei Schichten auseinanderhalten: die frühneuzeitliche Listentradition, die okkultistische Wiederbelebung um 1900 und die populärkulturelle Aufladung der Gegenwart.

Paimon, Parallelen in anderen Kulturen

Paimons Lehrfunktion findet typologische Parallelen in mehreren Kulturen. In der mesopotamischen Tradition lehrt Nabu, der Schreibergott, ähnliche Inhalte. In der griechischen Tradition ist Hermes der Patron der Sprache, der Boten und der Wissenschaften.

Im hinduistischen Kontext nimmt Brihaspati eine vergleichbare Stellung ein. Solche Vergleiche werden in der vergleichenden Religionswissenschaft seit Jonathan Z. Smith und Wouter J. Hanegraaff vorsichtig formuliert: Sie zeigen Strukturähnlichkeiten, ohne historische Filiation zu unterstellen.

Wirkungsgeschichtlich vorgeprägt ist Paimon vor allem durch das Topos der dämonischen Lehre. In der jüdischen Apokalyptik des Henochbuches bringen die gefallenen Wächterengel den Menschen verbotenes Wissen, von der Metallverarbeitung bis zur Astrologie.

Im christlichen Mittelalter verschmilzt dies mit der prometheischen Tradition zu einem festen Topos, nach dem weltliches Wissen als potenziell dämonisch gilt. Der historisch wirkungsvolle Aspekt der Figur liegt nicht in einer realen Wesenheit, sondern in der theologischen Stigmatisierung weltlicher Wissenschaft.

Weiterführende Verlinkungen

Literatur (Auswahl)

  • Joseph H. Peterson (Hg.): The Lesser Key of Solomon, Weiser 2001.
  • Johann Weyer: Pseudomonarchia Daemonum, in: De praestigiis daemonum, Basel 1577.
  • Stephen Skinner, David Rankine: The Goetia of Dr. Rudd, Llewellyn 2007.
  • Owen Davies: Grimoires. A History of Magic Books, Oxford UP 2009.
  • Jake Stratton-Kent: The True Grimoire, Scarlet Imprint 2009.

Die hier beschriebene Schutzpraxis ist religionswissenschaftliche Einordnung historischer Traditionen. iWell Guard knüpft an diese kulturhistorische Linie tragbarer Schutzobjekte an und stellt eine zeitgenössische Form davon dar. Mehr über den iWell Guard →

Häufige Fragen zu Paimon

Wer ist Paimon?

Paimon ist einer der prominentesten Geister-Könige der Ars Goetia. Im Lemegeton, dem Kleinen Schlüssel Salomos, ist er als neunter Geist verzeichnet. Ihm sind zweihundert Legionen unterstellt, womit seine Befehlsgewalt zu den größten des Korpus zählt. Die Goetia-Tradition betont seinen königlichen Rang und seine Aufgabe, Künste, Wissenschaften und verborgene Geheimnisse zu lehren. Historisch ist Paimon kein gewachsener Mythos, sondern ein Eintrag in einem systematischen magischen Handbuch der frühen Neuzeit.

Woher stammt der Name Paimon?

Der Name erscheint in den dämonologischen Listen der frühen Neuzeit relativ stabil, mit Nebenformen wie Paymon und Paimonia. Seine Etymologie ist ungeklärt, seriöse Forschung kann hier nur Möglichkeiten benennen. Eine verbreitete Vermutung verbindet den Namen mit der hebräischen Wurzel p-‚-m, die mit klingeln, läuten oder Geräusch machen zu tun hat. Das würde zur Beschreibung des stets von lautem Schall begleiteten Geistes passen. Ältere Versuche, Paimon mit Gottheiten älterer Pantheons gleichzusetzen, gelten als methodisch heikel. Mangels eindeutiger Belege sind sie nicht beweisbar.

Wie wird Paimon in den Quellen beschrieben?

Der Lemegeton-Text schildert Paimon als Mann mit weichen, beinahe weiblichen Zügen. Er reitet auf einem Dromedar und trägt eine Krone aus Edelsteinen. Vor ihm her schreiten zwei Geister-Begleiter, von denen einer Trompete und der andere Schalmei oder Hornpfeife bläst. Paimon spricht mit gewaltiger Stimme, die der Magier zunächst nur schwer verstehen kann. Diese Schilderung gehört zu den ausführlichsten innerhalb der Goetia. Sie hebt ihn von der knappen Notiz vieler anderer Geister ab.

Welche Rolle spielt Paimon in der Rezeptionsgeschichte?

Der älteste Beleg ist Johann Weyers Pseudomonarchia Daemonum von 1577, ein kritischer Anhang gegen den Aberglauben, der ironischerweise zur Hauptquelle einer ganzen späteren magischen Tradition wurde. Im 19. und 20. Jahrhundert erlebte die Goetia über die Editionen von Samuel Liddell MacGregor Mathers und Aleister Crowley eine Neubelebung. Breite öffentliche Bekanntheit erreichte der Name erst durch die Populärkultur, insbesondere durch Ari Asters Horrorfilm Hereditary von 2018. Für eine seriöse Einordnung sollte man die frühneuzeitliche Listentradition, die okkultistische Wiederbelebung um 1900 und die populärkulturelle Aufladung der Gegenwart auseinanderhalten.

Einordnung & Schutz

IVSTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe IV zu – Schwere Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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