Jubokko, der Blutbaum der Schlachtfelder
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Der Jubokko ist ein Dämon der japanischen Tradition.
Der Vampirbaum, der auf alten Schlachtfeldern Blut trinkt. Als Blutbaum der Schlachtfelder verbindet der Jubokko Vegetation mit Gewalt und Tod.
Der Jubokko ist der japanische Vampirbaum: ein Baum-Yokai, der der Erzählung nach auf ehemaligen Schlachtfeldern aus einem blutgetränkten Baum entsteht und Vorüberziehende fängt, um ihr Blut zu trinken.
Wichtig ist die Herkunft der Figur: Der Jubokko ist keine alte Folklore, sondern eine Schöpfung des 20. Jahrhunderts, popularisiert durch Mizuki Shigeru. Äußerlich wirkt er wie ein gewöhnlicher, oft verdorrter Baum; erst beim Zugriff verwandeln sich seine Zweige in röhren- und schlauchartige Gebilde.
Typ: Baum-Yokai mit Vampir-Motiv, moderne Figur
Herkunft: Japan, 20. Jahrhundert, ohne vormoderne Belege
Texte: Manga und Yokai-Bildlexika, kein alter Quellenbestand
Zeitraum: 20. Jahrhundert bis Gegenwart
Erscheinung: äußerlich gewöhnlicher, oft verdorrter Baum mit röhrenförmig umgewandelten Zweigen
Textgeschichte
Zeitraum der Texte
Modern: Der Jubokko ist eine Figur des 20. Jahrhunderts ohne vormoderne Belege; Volkskundler wie Yanagita Kunio führen keinen Vorläufer auf.
Verbreitungsraum
Kein regionaler folkloristischer Ursprung: Verbreitet wurde der Jubokko über Manga und Yokai-Bildlexika, nicht über örtlichen Volksglauben.
Quellenlage
Dünn und populärkulturell: Manga, Yokai-Bildbände und die moderne Yokai-Forschung; seriöse vormoderne Primärliteratur gibt es nicht.
Name und Varianten
Japanisch: Der Name schreibt sich mit den Zeichen für Baum und Kind, wörtlich etwa Baum-Kind. Trotz des harmlosen Namens bezeichnet er ein blutsaugendes Wesen; die genaue Erst-Urheberschaft der Figur ist nicht endgültig geklärt.
Gestalt und Wirken
Erscheinung
Der Jubokko tarnt sich als normaler, oft verdorrt wirkender Baum. Greift er zu, verwandeln sich seine Zweige in röhren- und schlauchartige Gebilde, durch die er das Blut seiner Opfer aufnimmt.
Wirkung
Der Jubokko entsteht der Überlieferung nach auf Schlachtfeldern, wo der Boden mit dem Blut der Gefallenen getränkt ist; der Baum nimmt das Blut auf und wird zum Yokai. Danach ergreift er Vorüberziehende, unabhängig von Person oder Stand, und entzieht ihnen über die umgeformten Zweige das Blut. Symbolisch steht er für den durch Kriegsblut vergifteten Ort und für die Natur, die menschliche Gewalt aufnimmt und zurückgibt: ein Mahnmal vergangener Schlachten.
Steckbrief: Jubokko
Die wichtigsten Aspekte des Vampirbaums auf einen Blick.
Moderne Yokai-Schöpfung des 20. Jahrhunderts, meist Mizuki Shigeru zugeschrieben; ein Gremium von Yokai-Fachleuten fand keine Spur in Folklore-Aufzeichnungen.
Vorüberziehende, unabhängig von Person oder Stand: Wer dem getarnten Baum zu nahe kommt, wird ergriffen.
Äußerlich ein gewöhnlicher, oft verdorrter Baum; seine Zweige verwandeln sich beim Zugriff in röhren- und schlauchartige Gebilde.
Horror- und Mahnmotiv: der blutgetränkte Ort der Schlacht, der selbst zum Raubwesen wird und das Blut der Lebenden fordert.
Es sind keine traditionellen Schutz- oder Kultformen bekannt, was zum modernen Ursprung der Figur passt.
Der alte Baumgeist Kodama als traditionelles Gegenstück; international das literarische Motiv des menschenfressenden Baumes.
Eine Yokai-Erfindung des 20. Jahrhunderts
Der Jubokko ist sehr wahrscheinlich modern und hat keine ältere Folklore: Volkskundler wie Yanagita Kunio führen keinen Vorläufer auf, und ein Gremium von Yokai-Fachleuten fand keine Spur des Blutbaums in Folklore-Aufzeichnungen und hält ihn für eine Erfindung Mizukis.
Eine konkurrierende Zuschreibung nennt Saito Morihiro und ein Bildlexikon von 1972; die genaue Erst-Urheberschaft ist nicht endgültig geklärt. Sicher ist nur der moderne Charakter der Figur. Damit unterscheidet sich der Jubokko grundsätzlich von alten Baumgeistern wie dem Kodama, hinter denen jahrhundertelanger Volksglaube steht.
Rezeption und Einordnung
Populär wurde der Jubokko durch Mizuki Shigerus GeGeGe no Kitaro als schlachtfeldbewohnender Gegenspieler und fand von dort Eingang in Yokai-Bildbände, Videospiele und Sammelkartenspiele.
Religionswissenschaftlich ist der Jubokko ein Baum-Yokai mit Vampir-Motiv: weniger Ausdruck traditioneller Baumverehrung als ein modernes Horror- und Mahnmotiv ohne kultische Verankerung. Die Klasse der Dämonen ist im Sinne eines schädlichen, menschenfeindlichen Wesens vertretbar. Zwei Klarstellungen sind wichtig: Der Jubokko ist höchstwahrscheinlich kein altes Volksglaubens-Wesen, sondern eine moderne Erfindung. Und seine Tödlichkeit gilt nur in der erzählerischen Logik der Figur, nicht als überlieferter Volksglaube.
Warum es keine überlieferte Abwehr gibt
Für den Jubokko sind keine traditionellen Schutz- oder Kultformen bekannt, was zu seinem modernen Ursprung passt: Wo kein alter Volksglaube ist, gibt es auch keine gewachsene Abwehrpraxis. Diese Lücke ist ehrlich zu benennen; erfundene Abwehrmittel wären unangebracht. Allgemeine Schutzzeichen des Volksglaubens wie Salz oder Amulette gehören zum breiten Umgang mit schädlichen Wesen, nicht zu einer eigenen Jubokko-Überlieferung.
Raubbäume und Vampirbäume weltweit
Das Motiv des blut- oder menschenverzehrenden Baumes ist international: Der menschenfressende Baum und der sogenannte Madagaskar-Baum des 19. Jahrhunderts sind ebenfalls literarische Erfindungen, und der Jubokko steht in dieser weltweiten Tradition des Vampir- und Raubbaum-Motivs. Innerhalb der ostasiatischen Baumgeister-Welt bilden der japanische Kodama und der chinesische Penghou den traditionellen Gegenpol, in Westafrika der Iroko-Mann.
Häufige Fragen zum Jubokko
Ist der Jubokko ein echtes altes Volksglaubens-Wesen?
Höchstwahrscheinlich nein. Fachleute finden keine vormoderne Quelle; er gilt als moderne Erfindung, meist Mizuki Shigeru zugeschrieben, konkurrierend Saito Morihiro.
Woher stammt der Jubokko?
Der Überlieferung nach aus Bäumen auf Schlachtfeldern, die das Blut der Gefallenen aufgesogen haben und dadurch zum Yokai wurden.
Kann man sich schützen?
Es gibt keine überlieferten traditionellen Schutzmittel, was zum modernen Ursprung der Figur passt.
Weiterführende Verlinkungen
Weiterlesen:
- Japan – alle Wesen der japanischen Tradition
- Kodama – der alte Baumgeist als traditionelles Gegenstück
- Penghou, Iroko-Mann – weitere Baumwesen anderer Kulturen
- Salz, Amulett, Weihwasser – allgemeine Schutzzeichen des Volksglaubens
- Schutz-Kompass – Schutzmittel im Überblick
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als Vampirbaum Japans ist der Jubokko ein junger Yokai: ein blutsaugender Baum-Yokai, der weniger vom alten Baumkult erzählt als von der Erinnerung an die Schlachtfelder, deren Blut in seinem Holz weiterlebt.





