Mishiginebig, Hornschlange im Streit mit dem Donnervogel
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Mishiginebig ist ein Dämon der Anishinaabe-Überlieferung Nordamerikas.
Gehörnte Wasserschlange, Gegenspielerin des Donnervogels. Der Steckbrief ordnet Mishiginebig in den Streit mit dem Donnervogel ein, der die Anishinaabe-Überlieferung prägt.
Mishiginebig, wörtlich Große Schlange, ist eine gehörnte Riesen-Wasserschlange der Anishinaabe in den tiefsten Seen, ein Unterwasser-Manitu. Ursprünglich von Mishipeshu unterschieden, sind beide Gestalten oft verschmolzen.
Typ: gehörnte Riesen-Wasserschlange
Herkunft: Anishinaabe-Überlieferung, Großraum Große Seen
Texte: Jesuiten-Berichte 17. Jh.
Zeitraum: vorkolonial bis heute
Erscheinung: gehörnt, kupferfarben, oft mit Pantherzügen
Quellenkontext
Zeitraum der Texte
Mündliche Überlieferung seit vorkolonialer Zeit, erste Spuren bei Jesuiten im 17. Jahrhundert.
Verbreitungsraum
Region der Großen Seen, belegt bei Anishinaabeg, Odawa, Ojibwe, Potawatomi und Innu.
Belegdichte
Ethnografisch gut dokumentiert, gestützt auf Standardwerke und Johann Georg Kohls Aufzeichnungen.
Name und Varianten
Anishinaabe: Mishiginebig, auch Mishi-ginebig, bedeutet Große Schlange.
Gestalt zwischen Schlange und Panther
Erscheinung
Gehörnte Schlange mit Rückenschuppen, langem Schwanz, oft verschmolzen mit Wildkatzenkörper und kupferfarbenen Schuppen.
Wirkung
Sie verkörpert die Macht der Unterwelt, Geberin des Kupfers.
Steckbrief: Mishiginebig
Die wichtigsten Aspekte der Hornschlange auf einen Blick.
Unterwasser-Manitu der Anishinaabe-Kosmologie, belegt bei mehreren Algonkin-Völkern.
Kanufahrer und Menschen, oft Kinder, an tiefen Stellen der Großen Seen.
Gehörnte Wasserschlange mit aufrechten Rückenschuppen und kupferfarbenem Schimmer.
Erzeugt Stürme und Strudel; bewacht zugleich das Kupfer des Oberen Sees.
Besänftigung durch Tabak- und Kupfergaben ins Wasser vor der Überfahrt.
Vom Unterwasserpanther Mishipeshu ursprünglich unterschieden, oft mit ihm verschmolzen.
Zwischen Unterwelt-Manitu und Kupferkult
Mishiginebig zählt zu den Unterwasser-Manitus im Gegensatz zu den Donnervögeln. Jesuiten wie Claude Dablon bezeugen sie im 17. Jahrhundert. Johann Georg Kohl überliefert ein Kupferstück als Haar des Mishibizhiw, Beleg für die Nähe zu Mishipeshu.
Felsbilder und Woodlands-Malerei
Mishiginebig lebt in Felszeichnungen am Oberen See und der Woodlands-Malerei Norval Morrisseaus fort; als Manitu gilt sie als ambivalent, gefährlich und zugleich heilbringend.
Tabak-Opfer für die sichere Überfahrt
Belegt ist Besänftigung durch Opfergaben: Tabak, teils Kupfer, ins Wasser gestreut. In den 1950ern hielt die Prairie Band der Potawatomi eine Zeremonie ab. Räuchern, Amulett und Schutzkreis gelten als heutige Entsprechungen.
Gehörnte Wasserschlangen Nordamerikas
Der nächste Verwandte ist Mishipeshu, der Unterwasserpanther; ihr Gegenspieler ist der Donnervogel. Vergleichbar sind der Uktena, das Bunyip und der Leviathan.
Häufige Fragen zu Mishiginebig
Sind Mishiginebig und Mishipeshu dasselbe?
Ursprünglich unterschieden, oft verschmolzen.
Wie sichert man eine Überfahrt?
Durch Tabak- und Kupfergaben; Kupferdiebstahl galt als tödliches Tabu.
Weiterführende Verlinkungen
Weiterlesen:
Literatur (Auswahl)
Mehr im Literaturverzeichnis.
Die Mishiginebig Wasserschlange bleibt für die Anishinaabe die gehörnte Schlange der Großen Seen: eine Macht, die Stürme über dem Wasser schickt und zugleich das Kupfer der Tiefe hütet.





