Die Dziwożona ist Geist der slawischen Tradition.
Die Sumpffrau, die Kinder raubt und Wechselbälge unterlegt.
Die Dziwożona, die Wildfrau, ist eine wilde Wald- und Sumpffrau der slawischen Überlieferung, hässlich und haarig, mit langen herabhängenden Brüsten. Sie raubt Neugeborene, legt ihr eigenes Kind als Wechselbalg unter und lockt Männer in die Sümpfe.
Nach dem Volksglauben werden bestimmte Frauen nach einem schlechten Tod zu Dziwożony: Selbstmörderinnen, ledige Mütter, unehelich Geborene und vor der Geburt verstorbene Schwangere. Damit gehört sie in den slawischen Komplex der unreinen Toten.
Typ: Wilde Wald- und Sumpffrau, Kindsräuberin aus dem Komplex der unreinen Toten
Herkunft: mündliche westslawische Überlieferung
Texte: volkskundliche Sammlungen des 19. und 20. Jahrhunderts
Zeitraum: mündliche Überlieferung bis zur volkskundlichen Erfassung
Erscheinung: hässliche, haarige alte Frau mit wirrem Haar, glühenden Augen und langen herabhängenden Brüsten
Die Gestalt gehört der mündlichen westslawischen Überlieferung an und wurde im 19. und 20. Jahrhundert volkskundlich erfasst.
Polen, Tschechien und die Slowakei, besonders die Tatra-Region. Ihre Orte sind Sumpf, Dickicht und Gewässer bei schlechtem Wetter.
Gut belegt: die volkskundlichen Standardwerke von Máchal und Moszyński führen die Dziwożona als feste Größe der westslawischen Überlieferung.
Slawisch: Der Name gehört zu divy, wild oder wunderlich, und zona, Frau, also wilde Frau. Weitere Namen sind Mamuna und Boginka.
Erscheinung
Die Dziwożona erscheint als hässliche, haarige alte Frau mit wirrem Haar, glühenden Augen und langen herabhängenden Brüsten, bei schlechtem Wetter zwischen Bäumen, an Sümpfen und Gewässern. Die überlangen Brüste sind das Kennzeichen einer verzerrten, falschen Mütterlichkeit, der Fruchtbarkeit ins Groteske verkehrt; das verfilzte Haar und der Aufenthalt in Sumpf und Dickicht kennzeichnen sie als Wesen jenseits der kultivierten Ordnung.
Wirkung
Sie raubt Neugeborene unmittelbar nach der Geburt und legt ihr eigenes Kind als Wechselbalg unter, kenntlich an unproportioniertem Körper, großem Bauch, dünnen Gliedern, behaartem Körper und boshaftem Wesen. Männer lockt sie in Sumpf und Dickicht, wo sie sie in die Irre führt oder tötet.
Die wichtigsten Aspekte der Wildfrau auf einen Blick.
Westslawische Wildfrau aus dem Komplex der unreinen Toten: Frauen, die einen schlechten Tod starben, werden zu Dziwożony.
Neugeborene und Wöchnerinnen, denen Kindsraub und Wechselbalg drohen, sowie Männer, die sie in die Sümpfe lockt.
Hässliche, haarige alte Frau mit wirrem Haar, glühenden Augen und langen herabhängenden Brüsten, bei schlechtem Wetter an Sümpfen.
Kindsraub und Wechselbalg-Unterschieben unmittelbar nach der Geburt; daneben das Irreführen und Töten von Männern im Sumpf.
Geweihte und rote Gegenstände am Kind, rotes Band und rote Mütze, das Kind nie allein und ungetauft lassen, dazu das Wechselbalg-Ritual.
Der Name der Dziwożona gehört zu divy, wild oder wunderlich, und zona, Frau, also wilde Frau; weitere Namen sind Mamuna und Boginka. Nach dem Volksglauben werden bestimmte Frauen nach einem schlechten Tod zu Dziwożony: Selbstmörderinnen, ledige Mütter, unehelich Geborene und vor der Geburt verstorbene Schwangere.
Damit gehört die Wildfrau in den slawischen Komplex der unreinen Toten, analog zur Rusalka als Wassergeist ertrunkener oder unglücklich gestorbener Mädchen. Nicht das Wesen ist zuerst da, sondern das gestörte Sterben: Ein Tod außerhalb der sozialen Ordnung schafft eine Tote, die der Ordnung gefährlich bleibt.
Die Dziwożona ist eine feste Größe der polnischen Volkskunde und der modernen slawischen Fantasy und wird in Zusammenstellungen slawischer Mythologie regelmäßig als Wildfrau und Sumpfdämon geführt. Die Rezeption ist vor allem volkskundlich.
Religionswissenschaftlich ist die Dziwożona ein Wildfrau- und Kinderschreck-Typus zugleich und eine Verkörperung der Ängste um Wochenbett und Säuglingssterblichkeit; der Wechselbalg-Glaube diente als Erklärung für kranke oder behinderte Neugeborene. Die Gestalt sagt damit mehr über die Nöte der dörflichen Lebenswelt aus als über ein Wesen des Waldes.
Quellenfest sind geweihte und rote Gegenstände am Kind, ein rotes Band um das Handgelenk des Säuglings und eine rote Mütze, sowie die Regel, das Kind nicht allein und ungetauft zu lassen. Kam es doch zum Tausch, kannte der Volksglaube das Wechselbalg-Ritual zur Rückvertauschung: Man trägt den Wechselbalg auf einen Misthaufen, schlägt ihn mit einer Birkenrute und übergießt ihn mit Wasser aus einer Eierschale, dabei rufend, die Dziwożona solle ihres nehmen und das eigene Kind zurückgeben.
Über den schlechten Tod ist die Dziwożona eng mit der Rusalka verwandt, dem Wassergeist ertrunkener Mädchen. Typologisch steht sie der Wildfrau des deutschen und alpenländischen Raums und den Wechselbalg-Feen Westeuropas nahe; zum Kinderraub-Motiv gehört auch die skandinavische Huldra mit ihren Huldrebarn. Innerhalb der slawischen Feld- und Flurgeister ist die Poludnica die nächste weibliche Schreckgestalt, freilich an die Mittagsstunde statt an den Sumpf gebunden.
Wodurch wird eine Frau zur Dziwożona?
Durch einen schlechten Tod: Selbstmord, Tod als ledige Mutter oder Schwangere, sozialer Ausschluss. Sie gehört damit zum slawischen Komplex der unreinen Toten.
Was ist ein Wechselbalg?
Das untergeschobene Kind der Dziwożona, kenntlich an Missbildung und Bosheit; volkstümlich diente der Glaube als Erklärung für kranke Neugeborene.
Wie holt man das eigene Kind zurück?
Über das Misthaufen-Ritual mit Birkenrute und Eierschalenwasser, verbunden mit dem Ruf, die Wildfrau solle ihr Kind nehmen und das geraubte zurückgeben.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als slawische Wildfrau verkörpert die Dziwożona die Ängste um Wochenbett und Säuglingssterblichkeit: die Gestalt, die als Sumpffrau Wechselbalg-Kinder in fremde Wiegen legt und damit erklärbar machte, was die dörfliche Welt nicht erklären konnte.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
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