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Poludnica, die weiße Frau der Mittagsstunde

Die Poludnica ist Geist der slawischen Tradition.

Die weiße Frau der Mittagsstunde, mit Sichel im Kornfeld.

Inhaltsverzeichnis

Poludnica, Geist der slawischen Überlieferung
Poludnica

Die Poludnica, die Mittagsfrau, ist ein weiblicher Mittagsgeist der slawischen Überlieferung, der in der heißen Mittagsstunde auf Feldern und an Waldrändern erscheint. Als weiße Frau mit Sichel schlägt sie Feldarbeiter mit Hitzschlag und Wahnsinn und stellt ihnen Rätsel.

Ihr Name stammt vom urslawischen poludьne, Mittag, wörtlich halber Tag. Die Mittagsstunde gilt in der Volksfrömmigkeit als geisterhafte Schwellenzeit wie die Mitternacht, ein Moment, in dem die Ordnung durchlässig wird.

Im Überblick: Poludnica

Typ: Weiblicher Mittagsgeist, Personifikation der Mittagsstunde
Herkunft: slawische Volksüberlieferung, verschriftlicht ab dem 19. Jahrhundert
Texte: volkskundliche Sammlungen, literarisch bei Erben
Zeitraum: mündliche Überlieferung bis zur literarischen Fixierung im 19. Jahrhundert
Erscheinung: junge oder alte Frau in weißem, bodenlangem Gewand, teils mit Sichel

Quellenkontext

Zeitraum der Texte

Die slawische Volksüberlieferung wurde ab dem 19. Jahrhundert verschriftlicht; literarisch fixiert ist die Gestalt in Karel Jaromír Erbens Ballade Polednice.

Verbreitungsraum

Gesamtslawisch mit regionalen Namensformen; die westslawische Überlieferung ist besonders dicht. In Belarus und der Ukraine tritt sie als Feldgrenzen-Wächterin auf.

Quellenlage

Gut belegt, westslawisch dicht: Máchals Handbuch der slawischen Mythologie und Erbens Kytice sind die zentralen Referenzen.

Name und Varianten

Slawisch: Der Name stammt vom urslawischen poludьne, Mittag, wörtlich halber Tag, mit regionalen Formen wie Południca im Polnischen und Polednice im Tschechischen.

Erscheinungsbild

Erscheinung

Die Poludnica erscheint als junge oder alte Frau in weißem, bodenlangem Gewand, teils mit Sichel, in der heißen Mittagsstunde auf Feldern und an Feldrändern. Das weiße Gewand steht zugleich für Hitzeflimmern, Gespenst und Reinheit; Sichel und Sense verweisen doppelt auf Ernte und Tod, die Schnitter-Symbolik.

Wirkung

Sie schlägt Feldarbeiter mit Hitzschlag, Nacken- und Kopfschmerzen, mitunter mit Wahnsinn. Sie stellt Rätsel oder verwickelt Menschen in Gespräche; wer nicht antworten kann oder die Konzentration verliert, wird geschlagen oder geköpft. In einigen Fassungen fordert sie Mädchen zu einem Tanz auf, der bis zum Abend dauert.

Steckbrief: Poludnica

Die wichtigsten Aspekte der Mittagsfrau auf einen Blick.

Tradition

Personifikations-Geist der Mittagsstunde im slawischen Naturgeist-Komplex, in dem Tages- und Feldgrenzen von Geistwesen bewacht werden.

Bezogen auf

Feldarbeiter in der Mittagshitze und Kinder: Als Kinderschreck wurde die Figur volkspädagogisch genutzt.

Darstellung

Junge oder alte Frau in weißem, bodenlangem Gewand, teils mit Sichel, im gleißenden Licht der Mittagsstunde auf dem Feld.

Funktion

Hitzschlag, Kopfschmerz und Wahnsinn für Arbeiter in der Mittagsstunde; Rätsel und Gespräche, deren Scheitern mit Schlag oder Köpfen endet.

Abwehrformen

Die Mittagsruhe zwischen etwa zwölf und vierzehn Uhr einhalten; wer ihr begegnet, besteht die Rätsel oder hält das Gespräch bis zum Ende der Stunde.

Vergleichbares

Der christlich-monastische Mittagsdämon aus Psalm 91 und der Polevik als direkt verwandter Feldgeist.

Die Personifikation der Mittagsstunde

Der Name der Poludnica stammt vom urslawischen poludьne, Mittag, wörtlich halber Tag, mit regionalen Formen wie Południca im Polnischen und Polednice im Tschechischen. Die Poludnica ist ein Personifikations-Geist der Mittagsstunde und gehört zum slawischen Naturgeist-Komplex, in dem Tages- und Feldgrenzen von Geistwesen bewacht werden.

In Belarus und der Ukraine tritt sie als Feldgrenzen-Wächterin auf und steht damit dem Polevik nahe; der Unterschied liegt in ihrer Bindung an die Mittagsstunde gegenüber der Bindung des Polevik an das Feld. Ihr gehört keine Flur, sondern eine Stunde.

Von Erben zu Dvořák: Rezeption und Einordnung

Karel Jaromír Erbens Ballade Polednice aus Kytice von 1853 vertonte Antonín Dvořák 1896 als sinfonische Dichtung Die Mittagshexe. In der Ballade droht eine Mutter ihrem Kind mit der Mittagshexe, diese erscheint tatsächlich, und die Mutter erdrückt das Kind versehentlich beim Schutzversuch.

Religionswissenschaftlich ist die Poludnica ein klassischer Schwellen- und Grenzdämon zwischen Feld und Wald, Vormittag und Nachmittag, Ordnung und Chaos. Sie ist zugleich Mittagsdämon, agrarischer Wächter der Arbeitsruhe und Kinderschreck. In der Überlieferung ist sie ein Dämon und Feldgeist; einige Deutungen sehen eine herabgesunkene agrarische Schutzgottheit dahinter.

Mittagsruhe als Schutz

Quellenfest ist die wirksamste Schutzform, die Mittagsruhe einzuhalten und zwischen etwa zwölf und vierzehn Uhr nicht auf dem Feld zu arbeiten, sondern die heiße Stunde der Poludnica zu überlassen. Wer ihr dennoch begegnet, besteht die Rätsel, indem er richtig antwortet oder das Gespräch in Gang hält, bis die Mittagsstunde vorüber ist. Die Figur wurde zudem volkspädagogisch als Kinderschreck genutzt: Die Drohung mit der Mittagsfrau hielt Kinder vom heißen Feld fern.

Mittagsdämonen und Feldgeister im Vergleich

Die Poludnica entspricht dem christlich-monastischen Mittagsdämon aus Psalm 91, dem daemonium meridianum, das die Mittagsträgheit der Mönche personifiziert; die jüdische Überlieferung kennt mit Ketev Meriri eine eigene Gestalt des Mittagsdämons. Direkt verwandt ist sie mit dem Polevik, dem männlichen, ortsgebundenen Feldgeist. Als Kinderschreck-Frau steht sie der deutschen Roggenmuhme nahe, und über den weiblichen Schrecktypus berührt sie sich mit der Dziwożona, der Wildfrau aus Sumpf und Dickicht.

Häufige Fragen zur Poludnica

Warum gerade der Mittag?

Die heiße Mittagsstunde war die gefährlichste Arbeitszeit wegen Hitzschlags und galt als geisterhafte Schwellenzeit wie die Mitternacht.

Ist sie ein Geist oder eine Göttin?

In der Überlieferung ein Dämon und Feldgeist; einige Deutungen sehen eine herabgesunkene agrarische Schutzgottheit dahinter.

Wie überlebt man die Begegnung?

Durch das Einhalten der Mittagsruhe oder das Bestehen ihrer Rätsel, bis die Mittagsstunde vorüber ist.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Erben, Karel Jaromír: Kytice. Prag 1853.
  • Máchal, Jan: Slavic Mythology. Boston 1918.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als Mittagsfrau ist die Poludnica ein slawischer Feldgeist besonderer Art: Ihr gehört keine Flur, sondern eine Stunde, und in dieser einen gleißenden Stunde entscheidet sich, ob die Begegnung mit einem Rätsel endet oder mit dem Schlag der Sichel.

Einordnung & Schutz

IVSTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe IV zu – Schwere Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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