Das Holzfräulein ist Geist der deutschen Überlieferung.
Die scheue Waldfrau, die hilft, rät und selbst Schutz sucht.
Das Holzfräulein, auch Holzweibel genannt, ist die Oberpfälzer Ausprägung der kleinen weiblichen Waldgeister Deutschlands. Franz Xaver von Schönwerth hielt die Überlieferung um 1857 aus dem Mund der Landbevölkerung fest.
Das Wesen gilt als hilfreich und schutzbedürftig zugleich: Es dient und rät den Menschen, hilft bei Ernte und Waldarbeit und erbittet dafür Speise. Zugleich ist es selbst gefährdet, denn in Sturmnächten wird das Holzfräulein von der Wilden Jagd verfolgt und sucht Zuflucht bei den Menschen.
Typ: Kleiner weiblicher Waldgeist, Oberpfälzer Ausprägung der Holz- und Moosweibchen
Herkunft: Oberpfälzer Volksüberlieferung, festgehalten von Franz Xaver von Schönwerth
Texte: volkskundliche Sammlungen, maßgeblich Aus der Oberpfalz. Sitten und Sagen (1857-1859)
Zeitraum: Aufzeichnungen des 19. Jahrhunderts
Erscheinung: kleine Frauengestalt in Moos- und Rindenkleid, teils mit Flachs umwickelt
Die Aufzeichnungen stammen aus dem 19. Jahrhundert, maßgeblich aus den Jahren 1857 bis 1859, als Schönwerth die Erzählungen der nördlichen Oberpfalz sammelte.
Kernland ist die Oberpfalz; Holzweibel und verwandte Namen sind daneben in Oberfranken, im Egerland, im Vogtland und im Böhmerwald belegt.
Volkskundliche Sammlungen, vor allem Franz Xaver von Schönwerth, dessen Werk Jacob Grimm hoch schätzte; er sah in Schönwerth einen berufenen Fortsetzer der eigenen Arbeit.
Deutsch: Holzfräulein, in der Region auch Holzweibel. Beide Namen bezeichnen die Oberpfälzer Vertreterin der kleinen weiblichen Waldgeister; sachlich gehört die Gestalt zur selben Vorstellungsgruppe wie die Moosweibchen Thüringens und Sachsens. Mancherorts wurde das Wesen christlich als verwunschene arme Seele gedeutet.
Erscheinung
Beschrieben wird eine kleine, zierliche bis greisenhafte Frauengestalt, ärmlich gekleidet in Moos, Rinde und grobes Tuch, bisweilen mit Flachs umwickelt oder mit Laub im Haar. Die Flachs- und Erntemotive verankern das Wesen in der bäuerlichen Frauenarbeit von Feld und Spinnstube; sinnbildlich steht es für den schmalen Grenzsaum zwischen Wald und Kulturland.
Wirkung
Holzfräulein helfen beim Garbenbinden und bei der Waldarbeit, hüten Kinder am Feldrain und geben Auskunft über Heilkräuter und Wetter. Als Lohn erbitten sie Speise, gern Klöße oder Brei. Ihr Dank gilt als segenskräftig; gekränkt ziehen sie sich zurück und nehmen den Segen mit. Von eigener Schadmacht erzählen die Quellen nichts. Ihre Bedürftigkeit kehrt das übliche Verhältnis um: Nicht der Mensch fleht das Wesen an, sondern das Wesen bittet den Menschen um Speise und Zuflucht.
Die wichtigsten Aspekte der kleinen Waldfrau auf einen Blick.
Oberpfälzer Ausprägung der kleinen weiblichen Waldgeister Deutschlands, um 1857 von Schönwerth aus der mündlichen Überlieferung festgehalten.
Holzfäller, Erntehelfer und Bäuerinnen: Das Holzfräulein zeigt sich an Wald, Waldrand und Feldrain, verstärkt zur Ernte-, Flachs- und Backzeit.
Kleine, zierliche bis greisenhafte Frauengestalt in Moos, Rinde und grobem Tuch, teils ganz in Flachs gewickelt oder mit Laub im Haar.
Hilfe bei Ernte und Waldarbeit, Kinderhüten, Rat zu Heilkräutern und Wetter; Höfe, die es gut behandeln, gedeihen unter seinem Segen.
Speisegaben auf Baumstumpf oder Feldrain, Verzicht auf Kümmel im Brot und die drei Kreuze im Stock des gefällten Baumes als Freistatt vor der Wilden Jagd.
Am nächsten stehen die Moosleute Mitteldeutschlands; zu den wilden Leuten zählen auch Schrat und Wilder Mann.
Die Hauptquelle ist Franz Xaver von Schönwerth, dessen dreibändiges Werk Aus der Oberpfalz. Sitten und Sagen (1857-1859) auf Befragungen von Gewährsleuten der nördlichen Oberpfalz beruht; Jacob Grimm schätzte die Sammlung hoch. Das Holzfräulein erscheint dort als kleines, ärmlich gekleidetes Wesen des Waldes, das mancherorts als verwunschene arme Seele gedeutet wurde. Die Vorstellung reicht über die Oberpfalz hinaus bis nach Oberfranken, ins Egerland, ins Vogtland und in den Böhmerwald.
Kennzeichnend für die Oberpfälzer Überlieferung ist die enge Verbindung zur bäuerlichen Arbeit: Holzfräulein zeigen sich bei der Ernte, bei der Flachsarbeit und am Backtag. Ein bei Schönwerth festgehaltener Zug erzählt, wie Schnitter ein ganz in Flachsstengel gewickeltes Holzfräulein auf einem Baumstumpf fanden und mit heimnahmen. Wie die Moosweibchen werden auch die Holzfräulein von der Wilden Jagd oder von Holzhetzern verfolgt und suchen Schutz bei den Menschen.
Schönwerths Werk geriet lange in Vergessenheit und wurde erst durch die Erschließung seines Nachlasses wieder bekannt; die von Erika Eichenseer herausgegebene Auswahl Prinz Roßzwifl (2010) fand 2012 internationale Aufmerksamkeit als Fund von rund 500 wenig bekannten Märchen. Heute pflegen die Schönwerth-Gesellschaft und Erzählwege wie der Märchenpfad in Sinzing die Erinnerung; das Holzfräulein hat dort eine eigene Station.
Religionswissenschaftlich zeigt das Holzfräulein beispielhaft, wie ein überregionaler Sagentyp regional geprägt wird: Der Typus der kleinen Waldfrau verbindet sich in der Oberpfalz mit Erntebrauch, Flachsarbeit und Arme-Seelen-Glauben. Die ältere Forschung um Mannhardt las die Gestalt als Vegetationsgeist; die neuere Volkskunde betont den Quellenwert Schönwerths, der nah an den mündlichen Erzählungen blieb, und deutet die Sagen als Ausdruck bäuerlicher Arbeits- und Armutserfahrung. Die Verfolgung durch die Wilde Jagd verklammert die Gestalt mit dem gesamteuropäischen Komplex von Sturm- und Totenheer.
Die Bräuche entsprechen der Moosleute-Überlieferung und sind auf Einvernehmen angelegt. Drei Kreuze, mit der Axt in den Stock des fallenden Baumes gehauen, schaffen dem Holzfräulein eine Freistatt vor seinen Verfolgern; Speisegaben auf Baumstumpf oder Feldrain sichern seinen Segen. Auf Kümmel im Brot wurde verzichtet, um es nicht zu vertreiben, und lebende Bäume zu schälen galt als Frevel an den Waldleuten. Für das Haus selbst kennt die Überlieferung das stille Verhalten in den Nächten der Wilden Jagd und den Segen des Kreuzzeichens.
Das Holzfräulein steht den Moosweibchen Mitteldeutschlands am nächsten, die auf der Seite der Moosleute behandelt sind, und gehört mit ihnen zu den wilden Leuten Europas. Verwandte Züge zeigt der slawische Leshy als Herr des Waldes; die alpenländische Salige Frau teilt die Hilfsbereitschaft und den plötzlichen Rückzug nach einer Kränkung. Auch die schottisch-irische Überlieferung von der alten Frau der Wildnis und vom verborgenen Hügelvolk kennt Wesen, die auf gute Nachbarschaft mit den Menschen angewiesen sind.
Ist das Holzfräulein dasselbe wie das Moosweibchen?
Beide gehören zur selben Vorstellungsgruppe der kleinen weiblichen Waldgeister. Holzfräulein ist die in der Oberpfalz und den angrenzenden Regionen übliche Bezeichnung, Moosweibchen die mitteldeutsche. Die Motive stimmen weitgehend überein, von der Speisegabe über die drei Kreuze bis zur Verfolgung durch die Wilde Jagd.
Ist das Holzfräulein gefährlich?
Nein, die Überlieferung kennt kein angreifendes Holzfräulein. Es hilft, warnt und bittet um Speise; wer es kränkt, verliert lediglich seinen Segen. Gefahr geht in den Sagen nicht vom Wesen aus, sondern von seinen Verfolgern, der Wilden Jagd.
Woher wissen wir von den Holzfräulein?
Die wichtigste Quelle ist Franz Xaver von Schönwerth, der die Oberpfälzer Überlieferung ab den 1850er Jahren systematisch aufzeichnete. Sein Nachlass wurde erst im 21. Jahrhundert vollständig erschlossen und machte die Sammlung über Bayern hinaus bekannt.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
So verbindet der Name Holzweibel Oberpfalz, Egerland und Vogtland zu einer gemeinsamen Erzähllandschaft, und noch heute erzählt die Region vom Holzfräulein Sage um Sage: von der kleinen Helferin am Feldrain, die den Menschen näher steht als die meisten Wesen des Waldes.
Für dieses Wesen ist kein spezifisches Schutzmittel in der Überlieferung hinterlegt.
Im Schutz-Kompass vergleichen →Empfohlene Schutzmittel
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